{"id":14514,"date":"2011-11-09T00:00:00","date_gmt":"2011-11-08T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14514"},"modified":"2012-06-24T16:33:10","modified_gmt":"2012-06-24T14:33:10","slug":"14514","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14514\/","title":{"rendered":"Ganz Europa soll bluten"},"content":{"rendered":"<p>  Was es mit Bankenkrise, EFSF, ESM auf sich hat<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Auf der politischen B&#252;hne geht es derzeit zu wie in den   mittelalterlichen Schilderungen vom Hexensabbat. Minister und   Regierungschefs pr&#228;sentieren immer neue dunkle Beschw&#246;rungen und   unverst&#228;ndliche Zauberformeln. Was soll man eigentlich noch glauben?   Gibt es &#252;berhaupt eine Bankenkrise? Welche Position sollten   Gewerkschaften und Linke haben?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Die Bankenkrise ist eine Frage des Standpunktes. Aus kapitalistischer   Sicht haben die Banken ein Problem. Aus Sicht der breiten Masse der   Bev&#246;lkerung ist die ganze Sache haupts&#228;chlich ein Mittel, die Profite   der Banken und Konzerne zu sichern, indem die Besch&#228;ftigten und   Erwerbslosen in ganz Europa &#228;rmer gemacht werden.<\/p>\n<h4>  EFSF und ESM<\/h4>\n<p>  Beispiel EFSF: Hier wird der Eindruck erweckt, die starken Euro-L&#228;nder   w&#252;rden den schwachen Geld leihen. Tats&#228;chlich leiht sich die Europ&#228;ische   Finanzstabilisierungsfazilit&#228;t (EFSF) das Geld f&#252;r Kredite an L&#228;nder wie   Griechenland, Spanien und so weiter von privaten Gl&#228;ubigern,   insbesondere den Banken, und reicht es an diese L&#228;nder weiter. Den   Banken wird garantiert, dass sie das Geld einschlie&#223;lich Zinsen   zur&#252;ckbekommen.<\/p>\n<p>  Wenn die Schuldnerl&#228;nder nicht zahlen k&#246;nnen, m&#252;ssen die Gl&#228;ubigerl&#228;nder   einspringen. Konkret f&#252;hrt das dann zu K&#252;rzungen in den nationalen   Haushalten zu Lasten der Mehrheit der Bev&#246;lkerung. Der Versuch, den EFSF   zu &quot;hebeln&quot; bedeutet, dass zwar nur f&#252;r die ersten 20 oder 30 Prozent   des von privaten Investoren (Banken) eingesetzten Geldes garantiert   wird. Gleichzeitig steigt aber das Risiko, dass am Ende diese Garantien   im vollen Umfang f&#228;llig werden, weil insgesamt noch mehr Geld verliehen   wurde.<\/p>\n<p>  Demn&#228;chst soll dann der Europ&#228;ische Stabilit&#228;tsmechanismus (ESM) kommen.   Wichtige Neuerung: Der ESM soll wie eine Bank funktionieren und unter   anderem direkt Staatsanleihen kaufen k&#246;nnen. Das ist aber im Effekt   nichts anderes als Geld zu drucken und kann &#252;ber kurz oder lang zu   Inflation f&#252;hren. Steigende Preise bei stagnierenden L&#246;hnen w&#252;rden zu   realen Lohnsenkungen f&#252;hren, Sparguthaben w&#252;rden entwertet werden.<\/p>\n<p>  Wenn jetzt erneut davon gesprochen wird, dass die Banken m&#246;glicherweise   direkte staatliche Unterst&#252;tzung brauchen, verschleiert das au&#223;erdem   nur, dass sie seit drei Jahren immer wieder staatliche Gelder bekommen.   Zuletzt hat die Europ&#228;ische Zentralbank (EZB) den Banken bereits einen   Teil der Anleihen von Griechenland und anderen krisengesch&#252;ttelten   Staaten abgekauft.<\/p>\n<h4>  Verschiedene Wege &#8211; ein Ziel<\/h4>\n<p>  Der ganze Streit um EFSF, Euro-Bonds, ESM, &quot;Hebel&quot; oder nicht, geht also   nicht darum, ob die breite Masse der Bev&#246;lkerung die Zeche zahlen soll,   sondern wann und wie. Nat&#252;rlich versuchen in diesem Machtpoker die   wirtschaftlich st&#228;rkeren Staaten die Lasten zum Nachteil der   wirtschaftlich schw&#228;cheren L&#228;nder und deren Bev&#246;lkerung zu verteilen.<\/p>\n<p>  Jahrelang haben die Banken mit Staatsanleihen sch&#246;ne Gewinne erzielt.   Die Aktienkurse der Banken stiegen, die Aktion&#228;re kassierten kr&#228;ftig   Dividenden.<\/p>\n<p>  Als Griechenland Schwierigkeiten bekam, die Kredite zur&#252;ckzuzahlen,   wurde beschlossen, das Geld durch K&#252;rzungsgesetze bei der breiten Masse   der griechischen Bev&#246;lkerung zu holen. Bei der waren die Kredite aber   gar nicht angekommen. Geliehen hatte sich dieses Geld die griechische   Regierung. Verwendet hatte diese die Kredite zum Beispiel f&#252;r   Steuergeschenke an Unternehmen, f&#252;r Prestigeobjekte wie die Olympischen   Spiele (an denen deutsche Baukonzerne pr&#228;chtig verdienten), f&#252;r die   Bankenrettung nach 2008 und zum Beispiel auch f&#252;r den Kauf von   R&#252;stungsg&#252;tern aus Deutschland.<\/p>\n<h4>  Nun ist man aber an dem Punkt angekommen, an dem man kaum noch mehr Geld   aus der Arbeiterklasse in Griechenland regelm&#228;&#223;ig herauspressen kann.<\/h4>\n<p>  Jetzt k&#246;nnten die Banken theoretisch sagen: &quot;O.K., die Party ist vorbei.   Dann m&#252;ssen wir, beziehungsweise unsere privaten Investoren und   Aktion&#228;re, eben auf Gewinne und einen Teil des Geldes verzichten.&quot;<\/p>\n<p>  K&#246;nnten sie sagen, tun sie aber nicht. Stattdessen reden alle von neuer   Bankenkrise, Gefahr f&#252;r das Weltfinanzsystem, warnen vor dem allgemeinen   Zusammenbruch und &#8211; rufen nach dem Staat.<\/p>\n<p>  Aus ihrer Sicht haben die Banken recht, denn wir leben schlie&#223;lich im   Kapitalismus. Da reicht es nicht, einmal ein gutes Gesch&#228;ft zu machen,   sondern aus Geld muss mehr Geld werden, das vermehrte Kapital muss   weiter vermehrt werden, nicht einmal, sondern stets aufs Neue.<\/p>\n<p>  Dass man bei maximal zwei bis drei Prozent Wirtschaftswachstum dauerhaft   keine Renditen von zehn Prozent erzielen kann, ist eigentlich klar.   Sp&#228;testens wenn dann auch noch die Wirtschaft in die Krise ger&#228;t, sind   die Profite nur zu sichern, wenn man die Umverteilung von unten nach   oben nochmal dramatisch steigert. Als erstes traf es die Griechen. Aber   das reicht &#8211; aus Sicht der Kapitalisten &#8211; nicht.<\/p>\n<h4>  Es wird teuer &#8211; f&#252;r uns alle in Europa<\/h4>\n<p>  Wenn aus einer Bev&#246;lkerung von elf Millionen Griechen nicht genug   herausgepresst werden kann, dann werden die Kreise eben weiter gezogen   und etwa die Bev&#246;lkerung von Portugal und Spanien ebenfalls in die Zange   genommen. Aber selbst das ist nicht genug. Geht es doch inzwischen bei   den Bilanzen und Profiten der Banken um Betr&#228;ge, die h&#246;her sind als die   Wirtschaftsleistung mittlerer Volkswirtschaften. Die Bilanzsumme der   Deutschen Bank summierte sich im vergangenen Jahr auf 1,9 Billionen   Euro. Das Bruttoinlandsprodukt Spaniens betrug im selben Jahr 1,05   Billionen Euro.<\/p>\n<p>  Deshalb steht f&#252;r die Damen und Herren in den Chefetagen der Banken und   ihren Marionetten in den Regierungen l&#228;ngst fest, dass man die gesamte   Bev&#246;lkerung in ganz Europa zwecks Sicherung der Profite auspl&#252;ndern   muss. Dabei ist es &#252;brigens egal, ob Euro-Land oder nicht, wie man an   der K&#252;rzungspolitik in Gro&#223;britannien gerade sehen kann.<\/p>\n<h4>  Was sich derzeit in Griechenland und Portugal abspielt, ist deshalb nur   ein Vorbote f&#252;r das, was bei uns demn&#228;chst droht.<\/h4>\n<h4>  Was tun?<\/h4>\n<h4>  Wir d&#252;rfen uns nicht weiter erpressen lassen. Die Erpresser m&#252;ssen   entmachtet werden.<\/h4>\n<p>  Zuallererst m&#252;ssten die Bilanzen der Banken gepr&#252;ft und offengelegt   werden. Nicht durch von den Banken bezahlte Bilanz-Trickser, sondern von   demokratisch gew&#228;hlten VertreterInnen aus den Reihen der   Bank-Besch&#228;ftigten, der Gewerkschaft sowie Organisationen wie zum   Beispiel attac.<\/p>\n<p>  Die w&#252;rden feststellen, an wen die Banken welche Betr&#228;ge geliehen, wie   viel Zinsen sie kassiert haben, welche Guthaben von Kleinanlegern   gehalten werden und welche von Million&#228;ren und Milliard&#228;ren. Falls eine   Rekapitalisierung der Bank n&#246;tig ist, muss man Million&#228;re und   Milliard&#228;re daf&#252;r zahlen lassen.<\/p>\n<p>  Da die Banken offensichtlich nicht in der Lage sind, zum Wohle der   Allgemeinheit zu wirtschaften, muss man sie verstaatlichen. Die Einlagen   von Durchschnitts-Sparern m&#252;ssen gesichert werden.<\/p>\n<p>  Wenn die Banken verstaatlicht sind und demokratisch, &#246;ffentlich   kontrolliert werden, kann man entscheiden, welche Schulden ersatzlos   gestrichen werden. Darunter w&#228;ren nicht nur Schulden armer europ&#228;ischer   L&#228;nder, sondern auch sogenannter &quot;Dritte-Welt-L&#228;nder&quot;.<\/p>\n<p>  Man kann die Banken nicht losgel&#246;st von den &#252;brigen kapitalistischen   Unternehmen sehen. Banken und Konzerne sind untrennbar miteinander   verwoben. Es geht um die Profite aller Kapitalisten. Die Bankenkrise ist   nicht die Ursache der Krise des Kapitalismus, sondern Ausdruck derselben.<\/p>\n<h4>  Deshalb reicht es nicht, die Diktatur der Finanzm&#228;rkte anzuprangern, die   Diktatur des Kapitals insgesamt muss &#252;berwunden werden.<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Was es mit Bankenkrise, EFSF, ESM auf sich hat\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[79,127],"tags":[242],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14514"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14514"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14514\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}