{"id":14511,"date":"2011-11-17T00:00:00","date_gmt":"2011-11-17T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14511"},"modified":"2011-11-17T00:00:00","modified_gmt":"2011-11-17T00:00:00","slug":"14511","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14511\/","title":{"rendered":"Von Schmierereien bis Mord"},"content":{"rendered":"<p>  Wie die Bedrohung durch Dortmunder Neonazis zugenommen hat<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Dortmund ist seit Jahren eine Hochburg der Neonazis. Durch   verschiedene Gewalttaten sch&#252;chtern sie Menschen ein. Durch   Hetzkampagnen gegen&#252;ber MigrantInnen und AntifaschistInnen versuchen sie   ihre Ideologie zu verbreiten und in der Gesellschaft zu verankern.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Svenja Jeschak, Dortmund<\/i><\/h4>\n<p>  Schon in den siebziger Jahren waren rechte Gruppierungen in Dortmund   sehr aktiv. Die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) und die   sp&#228;ter verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS) sind   Vorl&#228;ufer der heutigen Autonomen Nationalisten (AN). Diese   Organisationen waren beziehungsweise sind alle im Raum Dortmund   besonders stark.<\/p>\n<p>  Dazu kommt die in den achtziger Jahren entstandene Borussenfront &#8211; ein   Fanclub des Fu&#223;ballvereins Borussia Dortmund, der sich durch die   Verbreitung faschistischen Gedankenguts bekannt machte.<\/p>\n<h4>  Dortmund z&#228;hlt heute zu den westdeutschen Hochburgen der Autonomen   Nationalisten.<\/h4>\n<h4>  Rechte Gewalttaten<\/h4>\n<p>  In den letzten Jahren kam es vermehrt zu &#220;bergriffen gegen&#252;ber   MigrantInnen und AntifaschistInnen. Im Jahr 2010 sind die   K&#246;perverletzungsdelikte der rechten Szene in Dortmund um circa 40   Prozent gestiegen.<\/p>\n<p>  Dieses Jahr scheinen sich die rechten Aktivit&#228;ten noch zu h&#228;ufen.   &#220;bergriffe auf MigrantInnen stehen immer wieder auf der Tagesordnung, so   wurden zwei Frauen von zehn Neonazis angegriffen. Regelm&#228;&#223;ig wird die   &quot;Hirsch-Q&quot;, eine Kneipe, wo sich vorzugsweise Linke treffen, ein   Schauplatz rechter Gewalt. Im Juli dieses Jahres wurde eine f&#252;nfk&#246;pfige   Gruppe AntifaschistInnen von Neonazis attackiert. Die T&#228;ter waren mit   Baseballschl&#228;gern und Messern bewaffnet und drohten: &quot;Wir bringen Euch   um.&quot; Sie fl&#252;chteten in einem Szene-bekannten VW-Bus. Die alarmierte   Polizei hatte jedoch nichts besseres zu tun als die DNA-Spuren der   AntifaschistInnen aufzunehmen, weil wenige Meter weiter frisch geklebte   &quot;No Nazis&quot;-Plakate hingen.<\/p>\n<p>  Besonders hoch war der Aktivit&#228;tsgrad der Nazis in der Zeit um ihren   allj&#228;hrlichen &quot;Nationalen Antikriegstag&quot; herum, den sich die Neonazis   traditionell zu Nutze machen wollen, um ihre Ideologie zu verbreiten. Im   Vorfeld von diesem 3. September wurden H&#228;user von linken AktivistInnen   mit rechten Parolen oder Morddrohungen beschmiert, fast t&#228;glich gab es   Kundgebungen der Nazis in Dortmund, nachts kam es gleich zu mehreren   Anschl&#228;gen. Zudem wurden die Fenster verschiedener Parteib&#252;ros   eingeschmissen oder verunreinigt, beispielsweise das Wahlkreisb&#252;ro der   LINKEN-Bundstagsabgeordneten Ulla Jelpke, das B&#252;ro der DKP sowie der SPD.<\/p>\n<p>  Neben zahlreichen Drohungen und K&#246;rperverletzungsdelikten kam es seit   dem Jahr 2000 sogar zu vier Morden. Drei Polizisten und der Punk Thomas   &quot;Schmuddel&quot; Schulz wurden von Neonazis umgebracht. Der fr&#252;hzeitig aus   der Haft entlassene M&#246;rder des Punks, Sven Kahlin, wurde im Dezember bei   einer Messerstecherei vor der &quot;Hirsch-Q&quot; von der Polizei identifiziert.   Doch eine erneute Inhaftierung blieb aus.<\/p>\n<h4>  Dorstfeld und das Nationale Zentrum<\/h4>\n<p>  Die Autonomen Nationalisten versuchen seit Jahren, in Dortmund-Dorstfeld   eine westdeutsche Hochburg der Szene aufzubauen. Gezielt zogen   Nazi-Kader aus dem Bundesgebiet dorthin, um eine &quot;national befreite   Zone&quot; zu schaffen, was ihnen aber bis heute nicht gelungen ist. Von   MigrantInnen und AntifaschistInnen gef&#252;rchtet, wird das Viertel vom   Bezirksb&#252;germeister als nicht so schlimm erkl&#228;rt. Immerhin lebten in dem   Stadtviertel ja nur circa 20 bis 30 Neonazis, im Gro&#223;en und Ganzen w&#252;rde   dieses Stadtviertel nicht von Neonazis dominiert, so Herr R&#246;sner. Der   B&#252;rgermeister Friedrich R&#246;sner von den Gr&#252;nen mag zwar Recht haben, dass   es keine riesige Zahl ist, jedoch l&#228;sst er au&#223;er Acht, dass die H&#228;lfte   von den ans&#228;ssigen Neonazis R&#228;delsf&#252;hrer der Szene sind. Menschen, die   sich in ihrem Stadtviertel gegen die Rechten wehren, werden bedroht und   k&#246;rperlich attackiert. Einige wurden gen&#246;tigt, aus dem Ort fortzuziehen.   Die Neonazis versuchen diesen Stadtteil zu ihrem Stadtteil zu machen. In   dem Nationalen Zentrum finden regelm&#228;&#223;ige Treffen der Neonazis und   Vortr&#228;ge wie zum Beispiel des Holocaust-Leugners Dirk Zimmermann statt.<\/p>\n<h4>  Gegenaktivit&#228;ten<\/h4>\n<p>  Nach Jahren sehen die Stadtoberen langsam ein, dass Dortmund ein   Neonazi-Problem hat. Durch einen Aktionsplan soll das Problem   minimalisiert werden. Die Vorschl&#228;ge sind soziale Trainings f&#252;r   Jugendliche mit rechtsradikalem Hintergrund und &quot;gezielte demokratische   Aktivit&#228;ten&quot;, es sollen sich beispielsweise Vereine gegen Rechts   stellen. Jetzt stellt sich die Frage, welche Rolle die Stadt bei diesem   Plan spielt. Der Aktionsplan scheint noch sehr vage zu sein. Mit   &quot;Dortmund Nazifrei&quot; hat sich ein b&#252;rgerlich gepr&#228;gtes B&#252;ndnis gegr&#252;ndet,   das in diesem Jahr erstmals zur Unterst&#252;tzung der Blockaden gegen den   Nazi-Aufmarsch am 3. September aufrief. Entscheidende Teile der   etablierten Parteien haben aber auch in diesem Jahr wieder daf&#252;r   gesorgt, dass die Autonomen Nationalisten durch Dortmund marschieren   konnten. So kriminalisierte ein Teil der B&#252;rgerlichen die   antifaschistischen Blockadeaktionen massiv und Polizeipr&#228;sident Hans   Schulze (SPD), der bestreitet, dass Dortmund ein Naziproblem hat, setzte   den Marsch der AN mit aller Gewalt durch.<\/p>\n<p>  Die Hauptaktivit&#228;ten leisten jedenfalls linke und antifaschistische   Gruppen. Durch zahlreiche Demos, Plakatierungen und den j&#228;hrlichen   Herbstputz durch Dorstfeld, wo s&#228;mtliche rechte Aufkleber entfernt   werden, zeigen AntifaschistInnen Pr&#228;senz gegen Neonazis.<\/p>\n<p>  Mitglieder von Linksjugend [&#8217;solid] Dortmund und der SAV unterst&#252;tzen   diese Aktivit&#228;ten und arbeiten in dem linken B&#252;ndnis &quot;Dortmund stellt   sich Quer&quot; mit. Das B&#252;ndnis organisiert j&#228;hrlich die Gegenblockaden zum   &quot;Nationalen Antikriegstag&quot;. Die Neonazis konnten dieses Jahr nur eine   verk&#252;rzte Route marschieren. Das verdanken wir der guten Organisation   des B&#252;ndnisses und der zahlreichen AntifaschistInnen, die an dem   Wochenende unterwegs waren. Im n&#228;chsten Jahr m&#252;ssen wir noch besser   mobilisieren, damit die Neonazis erst gar nicht marschieren k&#246;nnen. Es   reicht aber leider nicht, einmal im Jahr auf die Stra&#223;e zu gehen,   sondern man muss sich zu jeder Zeit, an jedem Ort den Faschisten in den   Weg stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie die Bedrohung durch Dortmunder Neonazis zugenommen hat\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[242],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14511"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14511"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14511\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14511"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14511"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14511"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}