{"id":14505,"date":"2011-10-27T12:00:00","date_gmt":"2011-10-27T10:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14505"},"modified":"2012-06-24T16:34:25","modified_gmt":"2012-06-24T14:34:25","slug":"14505","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/10\/14505\/","title":{"rendered":"Lost in Euroland"},"content":{"rendered":"<p>  Krise der Eurozone versch&#228;rft sich<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Im Zuge der sich fortsetzenden Krise der Eurozone reagieren deren   politischen und institutionellen F&#252;hrer zunehmend verzweifelt bei ihren   Versuchen, einen Ausweg zu finden. Dass die Entscheidung dar&#252;ber, welche   neuerlichen Schritte zu unternehmen seien, j&#252;ngst verschoben wurde, ist   &#8211; vor allem angesichts zunehmender Spannungen zwischen Frankreich und   Deutschland &#8211; ein Indiz daf&#252;r, wie ernst die Lage wirklich ist. Im   Folgenden analysiert Robert Bechert sowohl die Krise an sich als auch   die Pr&#252;fung, die sich daraus f&#252;r die politische Linke ergibt. Zuerst   ver&#246;ffentlicht wurde dieser Artikel in der Novemberausgabe der   &#8222;Socialism Today&#8220;, dem Monatsmagazin der &#8222;Socialist Party&#8220;   (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England und   Wales). <\/b><\/p>\n<p>  <b>Am Ende des Artikels finden sich die Anh&#228;nge Ausz&#252;ge aus der   UBS-Studie &quot;Auseinanderbrechen des Euro: die Folgen&quot; und &quot;Europa in   Aufruhr &#8211; eine sozialistische Analyse&quot; (vom 18. Juni 2005)<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Robert Bechert, CWI<\/i><\/h4>\n<h4>  &#8222;Der Euro sollte nicht fortbestehen (wie bisher)&#8220;<\/h4>\n<p>  &#8222;Unter den momentanen Bedingungen und mit den momentanen   Mitgliedsl&#228;ndern funktioniert der Euro nicht. Entweder m&#252;ssen sich die   jetzigen Strukturen ver&#228;ndern oder bei den Mitgliedsstaaten muss sich   etwas tun.&#8220; (aus: &#8222;UBS Investment Research&#8220;, 6. September 2011)<\/p>\n<p>  Dieses unverbl&#252;mte Statement steht gleich am Anfang des von vielen   Experten zu Rate gezogenen Berichts eines f&#252;hrenden Schweizer   Bankhauses, und es fasst den grundlegenden Charakter der andauernden   Krise in der Eurozone schonungslos zusammen. Trotz einer Reihe von   Dringlichkeitssitzungen und verabschiedeten Rettungspl&#228;nen versch&#228;rft   sich diese Krise weiter und bedroht nicht nur die europ&#228;ische &#214;konomie   sondern verschlimmert auch die sich bereits verdunkelnde Lage der   Weltwirtschaft auf dramatische Weise. Au&#223;erdem tr&#228;gt sie dazu bei, die   gef&#252;rchtete &#8222;Double-Dip&#8220;-Rezession auszul&#246;sen [dreht die Konjunktur   w&#228;hrend eine Aufschwungphase zum zweiten Mal hintereinander ins Minus,   so spricht man von einem &#8222;Double-Dip&#8220;; Anm. d. &#220;bers.]. Das ist auch der   Grund daf&#252;r, weshalb US-Finanzminister Geithner Mitte September an einem   EU-Finanzministertreffen teilgenommen hat. Die europ&#228;ischen Regierungen   sind mit einer massiveren Krise konfrontiert, aus der es keinen   einfachen Ausweg geben wird, solange der Kapitalismus besteht.<\/p>\n<p>  Verzweifelte Versuche werden unternommen , um eine &#8222;L&#246;sung&#8220; zusammen zu   schustern. &#8211; Wobei die Frage, wie lange einer der dabei zu Stande   kommenden Deals Bestand haben wird, eine ganz andere ist. Innerhalb von   24 Stunden, nachdem ein weiterer dieser Pl&#228;ne Mitte Oktober beim   G20-Finanzministertreffen &#246;ffentlich wurde, warnte der Sprecher von   Angela Merkel vor &#8222;Tr&#228;umen, die momentan die Runde machen&#8220;, wonach alles   beim EU-Gipfel in der Folgewoche gel&#246;st werde. Und dann wurde eine   Entscheidung in aller Form auf den 26. Oktober verschoben &#8211; fr&#252;hestens.   Beim G20-Treffen warnte ein Minister vor einer &#8222;Welt des Schmerzes&#8220;,   sollte keine L&#246;sung gefunden werden. Das ist etwas, worunter Millionen   von Menschen, die von der Krise bereits betroffen sind, schon zu leiden   begonnen haben.<\/p>\n<p>  Die von vielen so wahrgenommene Hilflosigkeit der Regierungen und   EU-Institutionen, die Tatsache, dass diese zum wiederholten Mal den   Anschein erregen, als hinkten sie hinter den Ereignissen hinterher und   seien unf&#228;hig, f&#252;r eine L&#246;sung zu sorgen, hat die Angst der Menschen vor   dem, was da noch kommen mag, nur weiter verst&#228;rkt.<\/p>\n<p>  Es handelt sich hierbei nicht um eine abstrakte Krise. Die Unordnung der   Eurozone gesellt sich zu dem Elend, in dem viele ArbeiterInnen und   Jugendliche &#252;berall in Europa stecken. So, wie die Lebensstandards   sinken, steigt die Inflation. Und in vielen L&#228;ndern kommt obendrein noch   eine steigende Arbeitslosigkeit hinzu. Vielerorts finden K&#252;rzungen bei   L&#246;hnen und im &#246;ffentlichen Dienst statt. In Griechenland, das momentan   am st&#228;rksten betroffene Land, erlebt der Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung den   Abstieg hinein in eine tiefe &#246;konomische und soziale Krise und steht vor   einem enormen Abfall seiner Lebensbedingungen. Die Londoner &#8222;Financial   Times&#8220; sch&#228;tzt, dass &#8222;geplante Steuererh&#246;hungen und Ausgabenk&#252;rzungen   f&#252;r 2011 rund 14 Prozent des durchschnittlichen griechischen   Nettoeinkommens betragen &#8211; oder 5.600 Euro f&#252;r jeden Haushalt (&#8230;)   [gemessen an der] pro-Kopf-Basis hat das gesamte Sparprogramm von 2011   einen Wert von 2.200 Euro.&#8220; (18. Oktober 2011)<\/p>\n<p>  Europa steht am Rande des Abgrunds und vor einer unvermittelten Krise,   die &#8211; vor allem in Form eines Wegschmelzens von Banken und   Finanzinstitutionen &#8211; gro&#223;e Teile der &#8222;Realwirtschaft&#8220; zum Erliegen   bringen k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  Ein Weckruf<\/h4>\n<p>  In dem Ma&#223;e wie die &#196;ngste unter der Bev&#246;lkerung zunehmen, werden sich   die Regierungen inner- und au&#223;erhalb der Eurozone rasch der m&#246;glichen   verheerenden Auswirkungen bewusst, die ein Ereignis wie der pl&#246;tzliche   Ausfall Griechenlands haben k&#246;nnte. Die &#8222;Seuche&#8220; w&#252;rde sich &#252;ber das   internationale Finanzsystem ausbreiten. Nachdem man &#252;ber den Rand des   Abgrunds geblickt und einen Geschmack davon bekommen hatte, was eine   abermalige Bankenkrise und \/ oder ein aus dem Euro ausscheidendes Land   bedeuten w&#252;rde, ruderten die wichtigsten L&#228;nder der Eurozone zur&#252;ck und   stimmten einem weiteren Versuch zu, die Situation abzumildern.<\/p>\n<p>  In den letzten Wochen blinkten die Warnsignale hell auf. Ger&#252;chte &#252;ber   den Zustand der Banken machten die Runde. Viele von ihnen befinden sich   in einer kritischen Lage, weshalb die &#8222;Europ&#228;ische Zentralbank&#8220; (EZB)   erneut Schritte unternommen hat, um einige von ihnen wieder   aufzurichten. W&#228;hrend der Zusammenbruch der franz&#246;sisch-belgischen Bank   &#8222;Dexia&#8220; und ihre anschlie&#223;ende Verstaatlichung im Oktober die   Titelseiten der Zeitungen f&#252;r einige Tage bestimmte, fand die   gleichzeitige Verstaatlichung zweier kleinerer Banken (&#8222;Max&#8220; in D&#228;nemark   und &#8222;Proton&#8220; in Griechenland) kaum Beachtung.<\/p>\n<p>  Zur selben Zeit, da die schweizerische UBS ihre Sicht auf den Euro (wie   oben zitiert) ver&#246;ffentlichte , warnte der Vorstandsvorsitzende des   weltweit gr&#246;&#223;ten Autoteileherstellers, &#8222;Bosch&#8220;, dass die Eurozone &#8222;eine   extrem kritische Situation&#8220; erreicht habe. W&#228;hrend die deutsche Firma   &#8222;Bosch&#8220; heute noch volle Auftragsb&#252;cher vorweisen kann, &#8222;erlebten wir   zwischen 2008 und 2009 wie schnell die Auftr&#228;ge wegschmelzen k&#246;nnen.&#8220;   (&#8222;Financial Times&#8220;, London, Website; 7. September 2011)<\/p>\n<p>  Nicht nur in der Eurozone, auch in Gro&#223;britannien verschlimmern die   schlechter werdenden Prognosen f&#252;r die Weltwirtschaft die europ&#228;ische   Krise. Wolfgang M&#252;nchau schrieb dazu: &#8222;Der st&#246;rendste Aspekt   hinsichtlich der Eurozone besteht momentan darin, dass jede   Krisenbew&#228;ltigungsstrategie von einer zumindest m&#228;&#223;ig starken   wirtschaftlichen Erholung abh&#228;ngig ist.&#8220; (&#8222;Financial Times&#8220;, London, 5.   September 2011)<\/p>\n<p>  Bereits vor der Euroeinf&#252;hrung hat das CWI gewarnt, dass diese nicht zu   Einigkeit und Einheit f&#252;hren sondern auf ein Auseinanderbrechen   hinauslaufen wird, weil die untereinander rivalisierenden nationalen   kapitalistischen Systeme immer wieder in Konfrontation zueinander   geraten. Aufgrund des Fehlens einer Alternative f&#252;r und durch die   ArbeiterInnen w&#252;rde au&#223;erdem der Nationalismus gest&#228;rkt daraus   hervorgehen. (Vgl. Kasten am Ende dieses Artikels)<\/p>\n<p>  Und tats&#228;chlich hat der Euro ein Monstrum &#225; la Frankenstein geschaffen.   Die Krise Griechenlands hat die Wahrheit auf brutale Art und Weise ans   Licht gebracht. Einmal hatten die M&#228;rkte die &#8222;geordnete Insolvenz   Griechenlands&#8220; erwartet und es gab aus den st&#228;rkeren L&#228;ndern der   Eurozone heraus Stimmen, wonach das Land an der &#196;g&#228;is rausgeworfen   werden m&#252;sse. Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer sagte der   Zeitung &#8222;Die Zeit&#8220; Mitte September, es w&#228;re &#8222;nicht das Ende der Welt&#8220;,   wenn Griechenland aus der gemeinsamen W&#228;hrung herausgeschmissen w&#252;rde.   Je mehr man allerdings erkannte, dass dies heftige Kollateralsch&#228;den im   internationalen Bankensystem mit sich bringen w&#252;rde, desto st&#228;rker   wurden andere Regierungen zum Handeln gezwungen.<\/p>\n<p>  Vorerst sind die Debatten dar&#252;ber beendet, ob schw&#228;chere L&#228;nder wie   Griechenland dazu gezwungen werden sollten, die Eurozone zu verlassen,   oder st&#228;rkere L&#228;nder wie Deutschland entscheiden sollten, das   Euro-Projekt zu beenden. Was nicht hei&#223;t, dass es in Zukunft nicht   wieder zu solchen &#220;berlegungen kommen kann. Das Scheitern der   franz&#246;sisch-belgischen Bank &#8222;Dexia&#8220; wirkte wie ein Weckruf. Ein Grund   f&#252;r den Zusammenbruch von &#8222;Dexia&#8220; bestand in ihrem Engagement bei   griechischen Staatsanleihen, die Sch&#228;tzungen zufolge 39 Prozent ihres   Grundkapitals ausmachten. Kein Einzelfall: Der Vergleichswert etwa der   zweitgr&#246;&#223;ten deutschen Bank &#8222;Commerzbank&#8220; lag bei 27 Prozent. (&#8222;Wall   Street Journal&#8220;, 31. August 2011) Der Zusammenbruch von &#8222;Dexia&#8220; war die   Warnung davor, dass es extrem teuer werden k&#246;nnte, eine Brandmauer zum   Schutze der Finanzwelt um Griechenland herum zu installieren, sollte das   Land pl&#246;tzlich seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Ist ein weitergehender &#8222;Schuldenerlass&#8220; n&#246;tig?<\/h4>\n<p>  Angesichts wachsender Sorgen sowohl um die &#8222;Gesundheit&#8220; der Banken als   auch die Folgen eines m&#246;glichen Zusammenbruchs Griechenlands haben sich   die Bankh&#228;user erneut der EZB als &#8222;sicherem&#8220; Ort f&#252;r Investitionen   zugewandt, anstatt ihr Geld anderen Bankh&#228;usern in Form von Krediten und   zur kurzfristigen Finanzierung zukommen zu lassen. Es geht aber nicht   nur darum, ob Griechenland eine Krise ausl&#246;sen wird oder nicht. Die   europ&#228;ische Landschaft ist &#252;bers&#228;t mit Finanz-&#8222;Bomben&#8220;, die l&#228;ngst noch   nicht entsch&#228;rft sind. Die &#8222;Europ&#228;ische Bank f&#252;r Wiederaufbau und   Entwicklung&#8220; (EBRD oder EBWE) hat eben erst die eigenen Prognosen vom   Juli f&#252;r das zu erwartende Wirtschaftswachstum in Mittel- und Osteuropa   in 2012 nach unten korrigiert. F&#252;r Ungarn senkte man die Erwartungen   beispielsweise von ehedem 2,8 Prozent auf 0,5 Prozent ab. Das l&#228;sst   nicht nur f&#252;r die UngarInnen nichts Gutes erahnen, sondern es bedroht   auch &#214;sterreichs Banken, die in Ungarn stark vertreten sind.<\/p>\n<p>  Es war der neuerliche Anlauf f&#252;r einen Versuch, die Krise in den Griff   zu bekommen, der im Oktober hinter dem Druck auf die Gl&#228;ubiger   Griechenlands stand, diese dazu zu bringen, einen weiteren   &#8222;Schuldenerlass&#8220; zu akzeptieren. Gemeint ist damit eine Reduzierung   ihrer Zinserwartungen, die sie eigentlich zur&#252;ckbekommen m&#252;ssten. Im   Juli war bereits ein durchschnittlicher Abschlag von 21 Prozent   beschlossen worden. Zu jenem Zeitpunkt hatte die Regierung Frankreichs   aus Angst vor m&#246;glichen Auswirkungen auf die eigenen Banken eine   Abschreibung i.H. von 40 Prozent noch abgelehnt. Und dennoch wurden   Mitte Oktober Zahlen in der Gr&#246;&#223;enordnung von 40 Prozent bis 60 Prozent   diskutiert, da die Situation sich derart schwerwiegend gestaltete. Das,   so die Hoffnung der Regierung, w&#252;rde ein formales Nichterf&#252;llen der   Kriterien verhindern und eine geordnete Restrukturierung gew&#228;hrleisten,   die eine schlagartige Krise abwenden w&#252;rde. Doch selbst angesichts   derart hoher Zahlen w&#228;ren es nicht die Reichen, die tats&#228;chlich zahlen   m&#252;ssten. Die Banken w&#252;rden versuchen, ihre Kosten auf die   SteuerzahlerInnen und VerbraucherInnen zu &#252;bertragen.<\/p>\n<p>  Dennoch leisteten Banken Widerstand gegen jede Form von gr&#246;&#223;eren   Verlusten. Vor allem deutsche Banken beschwerten sich heftig. Andreas   Schmitz, Kopf des BdB (&#8222;Bundesverband deutscher Banken&#8220;) warnte gar,   dass Politiker den Banken nicht den &#8222;Krieg&#8220; erkl&#228;ren sollten. (Bild.de,   Website; 15. Oktober 2011) Am folgenden Tag fasste derselbe Schmitz die   momentane Realit&#228;t der Krise akkurat zusammen und sagte, dass die   Proteste vom 15. Oktober gegen die Banken &#8222;eine Ablenkung vom   eigentlichen Problem [seien]: Dass wir uns unsere Wohlfahrtsstaaten   nicht l&#228;nger leisten k&#246;nnen&#8220;. (&#8222;Financial Times&#8220;, London, Website; 16.   Oktober 2011) Als Schmitz von &#8222;wir&#8220; sprach, meinte er nat&#252;rlich das   kapitalistische System und dessen herrschende Klassen.<\/p>\n<p>  Es findet tats&#228;chlich ein Geschachere zwischen den verschiedenen L&#228;ndern   und Finanzinstitutionen dar&#252;ber statt, wie hoch ein neuerlicher   &#8222;Schuldenerlass&#8220; ausfallen m&#252;sse. Dabei geht es um die Rolle der EZB und   des EFSF (den sog. Europ&#228;ischen Stabilit&#228;tsmechanismus), darum, wie der   EFSF zu finanzieren sei, welche Rolle eine au&#223;ereurop&#228;ische Finanzierung   spielen kann und andere Aspekte. Das Verh&#228;ltnis zwischen Frankreich und   Deutschland ist angespannt. Obgleich ein enormer Druck besteht, selbst   dann zu einer &#220;bereinkunft zu kommen, wenn in Frage steht, wie lange   diese &#252;berhaupt bestand h&#228;tte, so ist das Risiko eines &#8222;Zufalls&#8220;, der   zum Desaster f&#252;hren k&#246;nnte, allgegenw&#228;rtig.<\/p>\n<h4>  Die Gefahr des Ausscheidens<\/h4>\n<p>  Aus Angst vor den Konsequenzen eines Aufbrechens der jetzigen Eurozone   oder einem abrupten Versagen Griechenlands diskutieren die st&#228;rkeren   Kr&#228;fte in der EU etwaige neue Strukturen, mit denen die Kontrolle &#252;ber   wirtschaftlich schw&#228;chere Staaten verst&#228;rkt werden kann. Betrachtet wird   dies als Preis, der f&#252;r die Bereitstellung von Finanzressourcen zu   zahlen ist.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Idee der &#8222;Eurobonds&#8220; f&#252;r die herrschenden Klassen als   logischer kapitalistischer L&#246;sungsvorschlag anmutet, so w&#252;rden diese   europ&#228;ischen Staatsanleihen doch zu zunehmendem Widerstand in den   Bev&#246;lkerungen der betroffenen L&#228;nder f&#252;hren und gegen den Ansatz   konkurrieren, dass die Bankschulden anderer L&#228;nder &#252;bernommen werden   sollten. Das resultiert nicht allein aus der nationalistischen Kampagne   beispielsweise gegen Griechenland. Der Widerstand wird auch dadurch   befeuert, dass die Lebensstandards in den meisten L&#228;ndern sinken und die   Menschen seit 2007\/-08 verstehen, dass das meiste, was die   Rettungspakete mit sich brachten, in Wirklichkeit in den Kassen der   Banken und Finanzpl&#228;tze versickert.<\/p>\n<p>  Als Gegenreaktion auf den Widerstand zur Schuldenfinanzierung anderer   Staaten stehen Vorschl&#228;ge zur Errichtung neuer Strukturen im Raum, um   eine Kontrolle &#252;ber die Staaten der Eurozone zu implementieren. Wie   effektiv diese sein k&#246;nnen, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Im   Jahr 2003 jedenfalls wurde der urspr&#252;ngliche &#8222;Stabilit&#228;ts- und   Wachstumspakt&#8220; (SGP) einfach ignoriert, weil die beiden Gro&#223;m&#228;chte   Frankreich und Deutschland dessen Bedingungen nicht einhielten. Es ist   als Versuch zu werten, dem politischen Druck nach mehr Flexibilit&#228;t zu   entkommen, wenn der niederl&#228;ndische Finanzminister de Jager nun sagt,   dass dessen (gemeint ist der vom deutschen Wirtschaftsminister R&#246;sler   ins Spiel gebrachte und von de Jager unterst&#252;tzte &#8222;Europ&#228;ische   Stabilit&#228;tsrat&#8220;, der Sanktionen erheben k&#246;nnen soll; Anm. d. &#220;bers.]   Entscheidungen von &#8222;Akademikern und Experten &#8211; und nicht von Politikern&#8220;   getroffen werden sollten. (&#8222;Spiegel Online&#8220;, 22. August 2011)<\/p>\n<p>  Dennoch werden derlei Ma&#223;nahmen nur nach hinten losgehen. In Deutschland   gibt es bereits Ressentiments gegen&#252;ber dem, was man in Bezug auf die EU   wahrzunehmen meint: eine Entwicklung hin zu einer sogenannten   &#8222;Transferunion&#8220;. Womit das permanente Hin- und Herschieben von   Geldmengen von den reicheren in Richtung der &#228;rmeren EU-Staaten gemeint   ist, obwohl es sich in Wirklichkeit beim Gro&#223;teil dieser Summen   letztlich um Zahlungen an die Banken in den reicheren L&#228;nder handelt.<\/p>\n<p>  Die der Eurozone inh&#228;renten Spannungen werden weiter zunehmen. Und das   gilt vor allem f&#252;r die momentane Phase, da keine sofortige Perspektive   f&#252;r nachhaltiges Wirtschaftswachstum besteht.<\/p>\n<p>  Die Ereignisse dieses Jahres haben die Frage &#252;ber die Zukunft der   Eurozone aufkommen lassen und ob alle jetzigen Mitglieder weiterhin   dabei bleiben werden? Wie der Bericht der UBS zeigt (vgl. weiteren   Kasten am Ende dieses Artikels), w&#252;rde es zu substantiellen   wirtschaftlichen wie auch politischen Folgekosten und Gefahren kommen,   wenn L&#228;nder die W&#228;hrungsunion verlie&#223;en. Das ist der Frankenstein-Faktor   bei der Sache: Die L&#228;nder der Eurozone haben ein System geschaffen,   welches bestimmten Volkswirtschaften enorme Kosten verursacht und andere   erdrosselt, das zu verlassen jedoch &#228;u&#223;erste Gefahr bedeutet.<\/p>\n<p>  Wenn jene Kosten einen viel beschriebenen Bruch auch verz&#246;gern m&#246;gen, so   k&#246;nnten die Spannungen derartige Ausma&#223;e annehmen, dass eine brutale   Neuausrichtung unausweichlich wird. Das ist der Grund, weshalb es trotz   der massiven allgemeinen Kosten, zu Diskussionen sowohl &#252;ber die   M&#246;glichkeiten und Mittel f&#252;r ein Auseinanderbrechen der momentanen   Eurozone als auch hinsichtlich des Austritts &#8222;schw&#228;cherer&#8220; L&#228;nder oder   von Staaten wie Deutschland kommt. In Deutschland wird eine Art   verdeckter Debatte innerhalb der herrschenden Klasse gef&#252;hrt, weil das   Verlassen der Eurozone bedeuten w&#252;rde, f&#252;r die schwachen Mitglieder der   W&#228;hrungsunion nicht mehr zahlen zu m&#252;ssen. Das w&#252;rde den Umfang des   &#8222;Binnen&#8220;-Markts dieses Landes mit einem Schlag von bisher 332 Millionen   Euro auf unter 82 Millionen Euro verringern. Zur gleichen Zeit w&#252;rden   die deutschen Ausfuhren durch eine neue W&#228;hrung unterh&#246;hlt, welche   m&#246;glicherweise an Wert zulegen w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  Ein lebenswichtiger Kampf<\/h4>\n<p>  Neben der sich zuspitzenden Eurokrise und den zwischenstaatlichen   Schwierigkeiten kommt es zu einer steigenden Wut unter den   ArbeiterInnen, jungen Leuten und der Mittelschicht, da die Auswirkungen   der Krise immer mehr sp&#252;rbar werden. Darin liegen die zunehmende   Unbeliebtheit der meisten europ&#228;ischen Regierungen, die   Massendemonstrationen und Streiks in einer Reihe von L&#228;ndern begr&#252;ndet.<\/p>\n<p>  Eine neue st&#252;rmische Phase ist angebrochen und an Sch&#228;rfe zunehmende   Auseinandersetzungen werden sich herausbilden. W&#228;hrend ein entschlossen   gef&#252;hrter Kampf, drohender Widerstand oder eine sehr ernste   wirtschaftliche oder gesellschaftliche Krisensituation Regierungen zu   zeitweiligen Zugest&#228;ndnissen zwingen k&#246;nnen, so wird die herrschende   Klasse durch die Krise ihres eigenen Systems im allgemeinen dennoch dazu   gezwungen sein, im besten Fall &#8222;nur&#8220; die Lebensstandards abzusenken. Das   ist die wahre Bedeutung von Andreas Schmitz&#8217; Aussage und der Grund,   warum herrschende Klassen gezwungen sein werden zu versuchen, die   Angriffe durchzuziehen.<\/p>\n<p>  Wenn sie mit einer ernstzunehmenden Opposition konfrontiert sind, dann   werden Regierungen dazu neigen, weit autorit&#228;rere Methoden anzuwenden.   Diese werden abh&#228;ngig von der Situation im jeweiligen Land variieren.   Doch im schlimmsten Fall werden die herrschenden Klassen auch vor   diktatorischen Ma&#223;nahmen nicht Halt machen.<\/p>\n<p>  Heute steht Griechenland vor einem gesellschaftlichen wie auch   wirtschaftlichen Desaster. Und die herrschende Klasse des Landes ist   sich nicht sicher, was als n&#228;chstes passieren wird. Das ist der   Hintergrund, vor dem im Mai dieses Jahres die deutsche Massenzeitung   &#8222;Bild&#8220; berichtete, dass die CIA von einem m&#246;glichen Putsch in   Griechenland spreche, sollte es zu ernsten Unruhen kommen. F&#252;r die   allern&#228;chste Zukunft ist dies zwar unwahrscheinlich, aber in einer   Situation sich fortsetzenden Aufruhrs kann eine solche Entwicklung auch   nicht g&#228;nzlich ausgeschlossen werden. Das griechische Milit&#228;r hat schon   einmal entsprechend gehandelt. Das letzte Mal, dass es einen Putsch   durchgef&#252;hrt hat, war 1967. Und danach herrschten sie &#252;ber sieben Jahre   lang im Land. Allerdings w&#252;rde ein neuer Putsch &#8211; in Zeiten tiefer   Krisen &#8211; nicht automatisch bedeuten, dass es zur Wiederholung des   Regimes der Obristen kommt.<\/p>\n<p>  Eine solche Entwicklung ist zwar nicht auszuschlie&#223;en, h&#228;ngt aber vom   Charakter und der Politik der Oppositionsbewegungen und vor allem davon   ab, was die Arbeiterbewegung tut.<\/p>\n<p>  In gewisser Weise handelt es sich um einen Wettlauf zwischen der Linken   und der Rechten, wer die Opposition gegen die Politik der Eurozone   anf&#252;hren wird. In einer Reihe von L&#228;ndern konnten rechte Populisten   angesichts fehlender oder nur schwach vertretener linker Parteien   bereits Wahlerfolge einfahren, indem sie soziale Aspekte mit auf   Nationalismen basierenden EU- bzw. ausl&#228;nderfeindlichen Parolen   kombinierten. In Griechenland hat eine &#252;berw&#228;ltigende Opposition   gegen&#252;ber K&#252;rzungen und der Abw&#228;rtsspirale, von der das Land betroffen   ist, eine potenziell revolution&#228;re Situation geschaffen. Aber bisher   gibt es dort keine, unter den Massen verankerte, durch und durch   sozialistische Kraft, die der Bewegung eine konkrete Richtung geben   k&#246;nnte<\/p>\n<p>  Leider war die Antwort der offiziellen F&#252;hrung der Arbeiterbewegung   begrenzt. Die meisten der pro-kapitalistischen Gewerkschaftsf&#252;hrer   organisieren nur zu Kampagnen o.&#228;., wenn sie von unten dazu gedr&#228;ngt   werden. Selbst wenn es dazu kommt, dass Aktionen organisiert werden,   versuchen die f&#252;hrenden K&#246;pfe der Gewerkschaften diese begrenzt zu   halten und zu rein symbolischen Akten werden zu lassen. Sie bem&#252;hen   sich, dass diese Initiativen nicht zu einem Schritt in Richtung   ernsthaftem Kampf werden.<\/p>\n<h4>  Die Linke in Europa<\/h4>\n<p>  Innerhalb der Gewerkschaften und in vielen linken Parteien herrscht   Unwillen, die EU und den Euro an sich herauszufordern. Das ist nat&#252;rlich   etwas, das angesichts des Vorgehens rechts-nationalistischer Opponenten   in der EU auch gerechtfertigt ist. Doch anstatt zu erkl&#228;ren, dass es   sich bei der EU nicht um einen Schritt in Richtung sozialistischer   Internationalismus sondern um einen Club von kapitalistischen Nationen   handelt, die im Interesse der Gro&#223;konzerne und der Gro&#223;m&#228;chte agieren,   redet der gr&#246;&#223;te Zusammenschluss europ&#228;ischer linker Parteien, die   &#8222;Europ&#228;ische Linke&#8220; (EL), von einer &#8222;Neugr&#252;ndung&#8220; der EU ohne den Bruch   mit dem Kapitalismus zu erw&#228;hnen und unterst&#252;tzt folglich die   Fortf&#252;hrung des Euro.<\/p>\n<p>  Der Bericht der UBS warnt vor m&#246;glichen umfassenderen Konsequenzen durch   eine massive Krise und das Aufbrechen der Eurozone. Demnach k&#246;nnte es   nicht nur zu einem weitreichenden Bruch sondern auch zu zunehmenden   nationalen Spannungen und Konflikten kommen. Und die UBS ist nicht   alleine, wenn sie vor &#8222;einer Form von autorit&#228;rer oder milit&#228;rischer   Regierung oder gar einem B&#252;rgerkrieg&#8220; warnt. Mitte September warnte der   polnische Finanzminister vor dem Europ&#228;ischen Parlament in einem   &#8222;pers&#246;nlichen&#8220; Kommentar vor der Gefahr neuer Kriege in Europa. Sp&#228;ter   wurde er gebeten, das zu erkl&#228;ren und sagte, dass ein Krieg &#8222;innerhalb   des Zeitrahmens einer vierj&#228;hrigen Legislaturperiode [nicht   wahrscheinlich ist]. Nicht in den kommenden Monaten, aber vielleicht in   den n&#228;chsten zehn Jahren k&#246;nnte uns dies in Umst&#228;nde man&#246;vrieren, die   momentan noch fast ausgeschlossen erscheinen.&#8220;<\/p>\n<p>  W&#228;hrend derweil noch nicht umgehend auf der Tagesordnung, so k&#246;nnen   k&#252;nftige Konflikte zwischen Staaten dennoch nicht ausgeschlossen werden,   sollte die Arbeiterklasse nicht in der Lage sein, ihre eigene   sozialistische L&#246;sung der Krise ins Spiel zu bringen. Doch die EU, eine   durch und durch kapitalistische Institution, welche letztlich von den   Gro&#223;m&#228;chten gesteuert wird, ist nicht das Konstrukt f&#252;r sozialistischen   Wandel oder demokratisch-sozialistische Planung.<\/p>\n<p>  Die EL, deren st&#228;rkste Mitgliedsparteien DIE LINKE aus Deutschland, die   &#8222;Parti Communiste&#8220; (PCF) aus Frankreich, der &#8222;Linksblock&#8220; aus Portugal   und die &#8222;Izquierda Unida&#8220; (Vereinte Linke) aus Spanien sind, bringt eine   gewisse Anzahl vereinzelter Politikans&#228;tze hervor, die von   SozialistInnen unterst&#252;tzt werden k&#246;nnen. Dabei bleiben diese Anst&#246;&#223;e   jedoch allzu h&#228;ufig vage oder es handelt sich um leere Formulierungen.   Auf jeden Fall schaffen sie nicht die Verbindung von einzelnen   Forderungen hin zu einem allgemein antikapitalistischen und   sozialistischen Programm.<\/p>\n<p>  Seinen Niederschlag erf&#228;hrt dies im Ansatz, den DIE LINKE in drei   Forderungen an die deutsche Regierung vor dem G20-Finanzministertreffen   am 15. und 16. Oktober dieses Jahres formulierte. Man wollte die   weltweite strenge Regulierung der &#8222;Finanz-Casinos&#8220;, eine Steuer auf   Finanztransaktionen und ein koordiniertes Konjunkturprogramm. Auch wenn   diese Forderungen unter den Bedingungen des Kapitalismus nicht voll   erf&#252;llt werden k&#246;nnen, da DIE LINKE zudem auch ihren Aufruf zur   &#220;berf&#252;hrung der Banken in &#246;ffentliches Eigentum mit anf&#252;gte, handelte es   sich insgesamt bei diesem Vorgehen doch nur um das Fordern von   Ma&#223;nahmen, die im Kapitalismus erreichbar sind.<\/p>\n<p>  Konsequente SozialistInnen treten f&#252;r individuelle Forderungen ein, die   die Situation der ArbeiterInnen und Armen umgehend verbessern helfen.   Solche Kampagnen aber m&#252;ssen begleitet werden von Erkl&#228;rungen, dass die   aufgestellten Forderungen nur zu zeitlich begrenzten Verbesserungen   f&#252;hren k&#246;nnen. Und, dass &#8211; vor allem in Krisenzeiten wie diesen &#8211; eine   sozialistische Transformierung der Gesellschaft erforderlich ist. Ohne   dies zu erkl&#228;ren, bleibt es nur bei Versuchen, dieses System &#8222;besser&#8220;   oder &#8222;fairer&#8220; arbeiten zu lassen. Es bleibt dann bei Bem&#252;hungen, die am   Ende scheitern werden.<\/p>\n<h4>  Die Herrschaft der Spekulanten<\/h4>\n<p>  Ein entscheidender Faktor bei der Entwicklung der Krise ist der massive   Druck seitens der Finanzm&#228;rkte gewesen. Seit dem Aufbrechen des   W&#228;hrungssystems von Bretton Woods nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges   und der Deregulierung des Finanzsystems sind die Finanzm&#228;rkte geradezu   explodiert. Hinzu kam ein &#228;hnlich geartetes Wachstum jeglicher Art von   Spekulation auf Gebrauchsg&#252;ter, Baugrund und sich ausbreitende Wetten   auf alles, was sich bewegt oder nicht bewegt. Die Zahlen sind einfach   nur wahnwitzig und schwer nachzuvollziehen. So beliefen sich die   Finanztransaktionen in der EU im Jahr 2010 etwa auf das 115-fache des   gesamten, 12.300 Milliarden Euro umfassenden Bruttoinlandsprodukts (BIP)   der EU. (&#8222;&#214;sterreichisches Institut f&#252;r Wirtschaftsforschung&#8220;, in:   &#8222;Financial Times&#8220;, London, 18. August 2011) S&#228;mtliche politischen   F&#252;hrungspers&#246;nlichkeiten beugen sich diesen M&#228;rkten und h&#228;ufig sind ihre   offiziellen Verlautbarungen einfach nur marktorientiert.<\/p>\n<p>  Daher ist die Frage nur recht und billig, wie die Herrschaft dieses   spekulativen Markts &#252;ber fast alle Teile der Lebens aufzubrechen ist. Es   kann nicht ausgeschlossen werden, dass verschiedene kapitalistische   Staaten oder Gruppen von Staaten versuchen werden, sich selbst von   diesen M&#228;rkten zu isolieren oder eine Art von Kontrolle &#252;ber diese   M&#228;rkte zu errichten. Die Folge davon wird sein, dass diese Staaten nur   im allgemeineren Interesse des Kapitalismus per se die Fl&#252;gel der   Spekulanten stutzen werden. Das w&#228;re aber keine dauerhafte L&#246;sung. So   w&#252;rde beispielsweise der Versuch, zu einem System fester Wechselkurse   zur&#252;ck zu kehren, weder mittel- noch langfristig eine W&#228;hrungskrise oder   erzwungene Abkursungen vermeiden.<\/p>\n<p>  Momentan kommt es zu wachsender Begeisterung f&#252;r eine   Finanztransaktionssteuer (auch &#8222;Robin Hood&#8220;-Steuer oder &#8222;Tobin tax&#8220;   genannt). Zum jetzigen Zeitpunkt ist das die offizielle Politik der   Europ&#228;ischen Kommission, die diese Steuer als n&#252;tzliche politische Geste   und einen Weg hin zu steigenden Haushalten betrachtet. Doch w&#228;hrend   SozialistInnen gegen eine solche Steuer keinen Widerstand leisten   w&#252;rden, so w&#252;rde diese die grundlegenden Machtverh&#228;ltnisse der riesigen   Finanz- und Handelsinstitutionen doch unber&#252;hrt lassen, welche den Markt   beherrschen.<\/p>\n<p>  Ebenso w&#252;rde das einfache Ausscheiden aus dem Euro die Probleme   Griechenlands oder anderer L&#228;nder nicht l&#246;sen. SozialistInnen waren   gegen die Einf&#252;hrung des Euro und unterst&#252;tzen heute jeden Versuch,   dessen Herrschaft und die der sogenannten &#8222;Troika&#8220; aus EU, EZB und IWF   aufzubrechen, die im Endeffekt diktiert, was die griechische Regierung   tun soll. Die entscheidende Frage in Griechenland ist, ob man mit dem   kapitalistischen System bricht oder nicht. Ohne dies wird der   Lebensstandard sinken, egal, ob man Teil der Eurozone bleibt oder nicht.<\/p>\n<h4>  Die Aufgabe f&#252;r SozialistInnen<\/h4>\n<p>  SozialistInnen w&#252;rden nicht gegen das Ausscheiden aus dem Euro   argumentieren aber einen solchen Schritt klar in Verbindung bringen mit   einer sozialistischen (nicht staatskapitalistischen) Politik von   Vergesellschaftungen. In einem ersten Land, das mit dem Kapitalismus   bricht, w&#228;re zur Verteidigung gegen die internationalen M&#228;rkte so lange   ein Staatsmonopol &#252;ber den Au&#223;enhandel und eine Kontrolle &#252;ber die   Wechselkurse n&#246;tig, bis es zu &#228;hnlichen Bewegungen auch in anderen   L&#228;ndern kommt. Diese Schritte k&#246;nnten &#8211; als Teil einer Politik, die die   Schaltzentralen der Wirtschaft unter demokratische &#246;ffentliche Kontrolle   stellt und in gesellschaftliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt, zum Ausgangspunkt   f&#252;r eine Planung werden, die die wirtschaftlichen Ressourcen im   Interesse aller Teile der Gesellschaft einsetzt. Ohne eine solche   sozialistische Politik w&#228;re das Ergebnis eines Ausscheidens aus der   Eurozone so, wie der UBS-Bericht es beschreibt: Absinken des   Lebensstandards.<\/p>\n<p>  Ein wesentlicher Grund f&#252;r die abgeneigte Stimmung der Bev&#246;lkerung   gegen&#252;ber der EU liegt begr&#252;ndet in der Art, wie die Union gef&#252;hrt wird,   den Privilegien ihrer b&#252;rokratischen Elite und der Art, wie sie im   Interesse der Gro&#223;konzerne und der Gro&#223;m&#228;chte handeln. W&#228;hrend sie gegen   nationalistische Unterdr&#252;ckung und die EU-Diktate k&#228;mpfen, argumentieren   SozialistInnen dennoch nicht gegen die EU oder den Euro von einem   verengten, nationalen Standpunkt aus. Die Vereinigung ganz Europas w&#228;re   ein enormer Schritt in die richtige Richtung. Das kann aber nicht auf   kapitalistischer Basis erreicht werden. Die bestehenden EU-Institutionen   wie z.B. die Europ&#228;ische Kommission, die EZB usw. sind eindeutig   Agenturen der kapitalistischen herrschenden Klasse, die unf&#228;hig ist, die   Grenzen des Kapitalismus zu &#252;berwinden.<\/p>\n<p>  Die Aufgabe, die sich SozialistInnen stellt, ist, f&#252;r eine   sozialistisch-internationalistische Alternative &#8211; eine freiwillige   sozialistische Konf&#246;deration europ&#228;ischer Staaten &#8211; im Gegensatz zur   konzernfreundlichen EU zu argumentieren. Ohne dies besteht die Gefahr,   dass die oppositionelle Bewegung einen nationalistischen Kurs   einschlagen wird.<\/p>\n<p>  Dieser entscheidende Wendepunkt in der EU hat eine neue Periode   sch&#228;rferer Auseinandersetzungen und K&#228;mpfe er&#246;ffnet und wird die   M&#246;glichkeit bieten, die sozialistische und die Arbeiterbewegung wieder   aufzubauen. Das darf allerdings nicht als Selbstzweck geschehen sondern   muss passieren, um die Kr&#228;fte aufzubauen, die die Gesellschaft   grundlegend ver&#228;ndern, das Chaos und die Instabilit&#228;t des Kapitalismus   beenden und das Eigentum sowie die Sorgen der Vergangenheit angeh&#246;ren   lassen k&#246;nnen.<\/p>\n<h2>  Europa in Aufruhr &#8211; eine sozialistische Analyse<\/h2>\n<p>  18. Juni 2005<\/p>\n<p>  [&#8230;] Die gegenw&#228;rtige Krise ist eine Best&#228;tigung der Analyse des Komitees   f&#252;r eine ArbeiterInneninternationale (CWI) dass die europ&#228;ischen   kapitalistischen Klassen nicht in der Lage sind, Europa zu vereinigen um   die &quot;vereinigten kapitalistischen Staaten von Europa&quot; zu erreichten,   wovon sogar einige MarxistInnen au&#223;erhalb der Reihen des CWI glaubten,   dass es m&#246;glich w&#228;re.<\/p>\n<p>  Das EU-&#8222;Projekt&#8220; f&#252;r gr&#246;&#223;ere wirtschaftliche und politische Integration   hat seine Wurzeln im Druck der auf den europ&#228;ischen Kapitalisten durch   die Konkurrenz des US-Imperialismus und seit kurzem auch Chinas lastet.   Dieses dr&#228;ngte sie in Richtung verst&#228;rkter Zusammenarbeit und f&#252;hrte zu   Illusionen, das dies ein politisch vereinigtes Europa ergeben w&#252;rde.   Diese Tendenz, zusammen mit dem Prozess der Globalisierung der   Wirtschaft und dem Wachstum multinationaler und transnationaler   Konzerne, hat veranschaulichte, wie die Produktivkr&#228;fte &#252;ber die Grenzen   des Nationalstaates und bis zu einem gewissen Grad sogar &#252;ber die   Kontinente hinausgewachsen sind. Die gro&#223;en Firmen schauen in   zunehmendem Ma&#223;e in Richtung Weltmarkt anstatt nur auf ihre nationalen   oder regionalen M&#228;rkte.<\/p>\n<p>  Jedoch hat dieser Prozess seine Grenzen und st&#246;&#223;t an die   un&#252;berwindlichen Barrieren der unterschiedlichen Nationalstaaten und die   nationalstaatlichen Interessen der Kapitalisten. Nach dem Referendum   r&#252;ckten diese Faktoren wieder nach vorne und haben das   Aufeinanderprallen unterschiedlicher Interessen deutlich gemacht. Manche   dachten, der Prozess der EU-Integration und der EWU h&#228;tten den Punkt des   &#8222;Abhebens&#8220; f&#252;r ein einheitliches kapitalistisches Europa bedeutet.<\/p>\n<p>  Das CWI hat w&#228;hrend der gesamten Zeit argumentiert, dass das nicht der   Fall war. Unsere Analyse erkl&#228;rte, dass, obgleich der Prozess der   Integration der EU weit gegangen war, weiter als sogar wir urspr&#252;nglich   annahmen, an einem bestimmten Punkt, das ein R&#252;ckzug stattfinden w&#252;rde.   Dieses w&#252;rde zu erneuerten nationalen Widerspr&#252;chen und Konflikten   zwischen den verschiedenen nationalen Staaten f&#252;hren. Dieser Prozess der   Auseinanderentwicklung w&#252;rde sich im Falle einer ernsten   Wirtschaftskrise bzw. einer Rezession weiter verst&#228;rken.<\/p>\n<h4>  Das Ende des Euro?<\/h4>\n<p>  Die Einf&#252;hrung der Europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion und des Euro war ein   politisches und &#246;konomisches Gl&#252;cksspiel durch die KapitalistInnen, das   auch gegen Widerstand aus den eigenen Reihen w&#228;hrend der   triumphalistischen Welle, die dem Fall der Berliner Mauer folgte,   durchgef&#252;hrt wurde. Urspr&#252;nglich war die Deutsche Bundesbank gegen die   Einf&#252;hrung des Euro, wurde aber gezwungen, ihn angesichts des   politischen Drucks der kapitalistischen PolitikerInnen anzunehmen, die   seine Einf&#252;hrung st&#252;tzten. Der Stabilit&#228;tspakt wurde als   &#8222;Sicherheitsnetz&#8220; eingef&#252;hrt, um zu verhindern, das Regierungen bei   &#8222;ausschweifende Ausgaben&#8220; Zuflucht nehmen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die ganze Idee des Euro war allerdings an eine Situation anhaltenden   Wachstums der europ&#228;ischen Wirtschaft gekoppelt, ohne in Betracht zu   ziehen, was im Falle einer Verlangsamung des Wachstums, einer Stagnation   oder Rezession geschehen w&#252;rde. Die Stimmung, die sich in den Referenden   und den j&#252;ngsten K&#228;mpfen der ArbeiterInnenklasse ausgedr&#252;ckt hat,   spiegelt auch die Entt&#228;uschung dar&#252;ber wieder, dass sich   Wirtschaftswachstum, Jobs oder h&#246;herer Lebensstandard, die mit der   Einf&#252;hrung des Euro versprochen wurden, nicht verwirklicht haben.<\/p>\n<p>  Die herrschenden Klassen haben versucht, eine Wirtschaftsunion zu   schaffen w&#228;hrend eine politische Union nicht vorhanden war. Wie wir   schon damals aufzeigten, hat das schon in der Vergangenheit nie   funktioniert. Ohne eine politische Union kann die Errichtung eines   einheitlichen Nationalstaates, einer Wirtschaftsunion oder einer   einheitlichen W&#228;hrung auf Dauer nicht &#252;berleben.<\/p>\n<p>  Als das &#8222;Projekt&#8220; einmal in Gang gebracht war, ignorierten die   Kapitalisten die Lehren der Geschichte. Jetzt, im Angesicht der heutigen   Krise, warnen Zeitungen wie die britische &#8222;Financial Times&#8220; mit   Versp&#228;tung, dass solche Widerspr&#252;che nicht auf Dauer ausgeglichen werden   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  In einem Artikel, der die Zukunftschancen des Euro ernsthaft   hinterfragt, unterstrich Wolfgang Munchau: &#8222;Alle W&#228;hrungsunionen gro&#223;er   Staaten, die nicht zu einer politischen Union gef&#252;hrt haben, sind   schlie&#223;lich zusammengebrochen. Die W&#228;hrungsunion von 1861-1920 zerbrach   teils wegen eines Mangels an Steuerdisziplin unter seinen Mitgliedern &#8211;   Italien, Frankreich, Belgien, der Schweiz und Griechenland. Eine   W&#228;hrungsunion die 1873 zwischen Schweden &#8211; was damals auch Norwegen mit   einschloss &#8211; und D&#228;nemark geschlossen wurde, zerfiel, als sich die   politischen Umst&#228;nde &#228;nderten. Im Gegensatz dazu war der Deutsche   Zollverein, die Zollunion des 19. Jahrhunderts, die sich zu einer   W&#228;hrungsunion entwickelte, erfolgreich, eben wegen der politischen   Vereinigung des Landes 1871.&#8220; (FT, 08\/06\/05).<\/p>\n<p>  Es gibt einen betr&#228;chtlichen Unterschied zwischen einem Bundesstaat, wie   den USA, die Gelder an die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten   relativ einfach auf der Grundlage von Vereinbarungen verteilen kann und   andererseits der EU. Die Verteilung der Ressourcen oder Gelder kann in   einem Europa, das aus unterschiedlichen Nationalstaaten besteht, nicht   in der gleichen Weise erfolgen, wie der gegenw&#228;rtige Kampf um das   EU-Budget deutlich macht.<\/p>\n<p>  Die gegenw&#228;rtige EU-Krise macht deutlich, dass die W&#228;hrungsunion,   anstatt auch zu einer politischen Union zu f&#252;hren, zu einem politischen   Bruch zwischen den Nationalstaaten gef&#252;hrt hat. Das steht u.a. hinter   den gegenw&#228;rtigen Streitigkeiten &#252;ber das EU-Budget, die ausgel&#246;st   wurden, als Chirac den &#8222;Briten-Rabatt&#8220; in Frage stellte. Das war   allerdings vom Gesichtspunkt der franz&#246;sischen herrschenden Klasse ein   gef&#228;hrlicher Schachzug, da er es im Gegenzug Blair erlaubt hat, die   ganze Frage der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) aufzuwerfen. Zur Zeit   erh&#228;lt Frankreich &#252;ber 20 Prozent der F&#246;rderungen f&#252;r Agrarbetriebe aus   dem GAP, was eine rein politische Entscheidung ist, um die Unterst&#252;tzung   unter franz&#246;sischen LandwirtInnen f&#252;r die franz&#246;sische Bourgeoisie und   Chirac zu erhalten.<\/p>\n<p>  Chirac versucht diese Themen zu benutzen, um von dem Klassencharakter   des Ergebnisses des Referendums abzulenken und es in einen   nationalistischen Konflikt um das EU-Budget zu verwandeln. Blair, der in   den politischen Schuhen von Thatcher steckt, versucht ebenfalls, sich   als nationaler Verteidiger Britanniens in der Frage des EU-Rabattes   darzustellen. Der deutsche Kanzler, Gerhard Schr&#246;der, unterst&#252;tzt   Chirac, w&#228;hrend seine Konkurrentin in den bevorstehenden Wahlen, Angela   Merkel, von der Christlich Demokratischen Union (CDU), dazu tendiert,   Blair zu unterst&#252;tzen. W&#228;hrend ein Kompromiss bez&#252;glich des Budgets   letztlich wahrscheinlich ist, veranschaulicht dieser Konflikt die neuen   und wachsenden nationalen Spannungen und die Widerspr&#252;che, die in den   kommenden Monaten und Jahren auftauchen werden.<\/p>\n<p>  Obwohl ein sofortiger Zusammenbruch des Euro oder der EU nicht die   wahrscheinlichste Perspektive f&#252;r die nahe Zukunft ist, werden die   politischen und &#246;konomischen Spannungen zwischen den Repr&#228;sentanten der   verschiedenen herrschenden Klassen stark zunehmen. Der   Interessenkonflikt dr&#228;ngt die europ&#228;ischen Kapitalisten nun zur   Einrichtung einer loseren Vereinigung der Nationalstaaten, was im   Gegensatz zum dominierenden Trend der letzten politischen Periode steht.<\/p>\n<p>  Allerdings wird der Beginn einer tiefen &#246;konomischen Rezession oder   Krise oder eine internationale Finanzkrise diese Konflikte weiter   versch&#228;rfen und k&#246;nnte einen verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig schnellen Zusammenbruch des   Euro bedeuten. Der Austritt Britanniens aus dem europ&#228;ischen   Wechselkurssystem 1992, am &quot;Schwarzen Mittwoch&quot; zeigt, wie eine sich   auseinander entwickelnde wirtschaftliche Situationen die   kapitalistischen Klassen der verschiedenen Staaten zum Bruch mit einer   W&#228;hrung oder einem W&#228;hrungsabkommen bringen kann. Obgleich es   Unterschiede gibt und es sich nicht genau in der gleichen Weise   wiederholen wird, ist es doch m&#246;glich, dass der Euro zerbricht, wenn ein   oder mehre L&#228;nder austreten oder sogar ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>  Schon vor dem franz&#246;sischen bzw. niederl&#228;ndischen Referendum wurde die   Frage der Zukunft des Euro angesichts der verschiedenen Wachstum- und   Inflationsraten unter den kapitalistischen Strategen diskutiert. Am 25.   Mai bei einer privaten Besprechung zwischen dem deutschen Finanzminister   Hans Eichel und Axel Weber, dem Pr&#228;sidenten der Bundesbank, dr&#252;ckte ein   Vertreter von &#8222;Morgan Stanley&#8220; (einer Investmentbank), Joachim Fels,   seine Sorge &#252;ber die Zukunft des Euro aus. Wie die &#8222;Financial Times&#8220;   berichtete, hat sogar die extrem Pro-EU eingestellte Lobbyistengruppe   &#8222;Zentrum f&#252;r europ&#228;ische politische Studien&#8220; Anfang Juni eine Bericht   ver&#246;ffentlicht, der die M&#246;glichkeit eines Zusammenbruchs der   Europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion aufwarf. (8\/6\/05).<\/p>\n<p>  (Auszug aus einem Artikel des CWI von 2005, geschrieben zu einer Zeit,   da schon einmal eine Krisensituation herrschte, die nach der Ablehnung   einer gemeinsamen EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden   ausgel&#246;st worden war.)<\/p>\n<h2>  Ausz&#252;ge aus der UBS-Studie &#8222;Auseinanderbrechen des Euro: die Folgen&#8220;:<\/h2>\n<h4>  Die wirtschaftlichen Kosten f&#252;r den Fall, dass ein &#8222;schwaches&#8220; Land aus   dem Euro ausscheidet<\/h4>\n<p>  Sollte ein schwaches Land den Euro verlassen, so w&#228;ren die Kosten   horrende. Zu den Folgen w&#252;rden die umfassende Zahlungsunf&#228;higkeit, die   gemeinschaftliche Zahlungsunf&#228;higkeit, der Zusammenbruch des   Bankensystems und der Kollaps des internationalen Handels geh&#246;ren. Die   damit verbundene Abwertung der eigenen W&#228;hrung b&#246;te nur wenig Positives.   Wir sch&#228;tzen, dass wenn ein schwaches Land die Eurozone verl&#228;sst, die   Kosten daf&#252;r bei 9.500 bis 11.500 Euro pro Person im ausscheidenden Land   und ersten Jahr entstehen w&#252;rden. Diese Kosten w&#252;rden sich dann   wahrscheinlich bei 3.000 bis 4.000 Euro p.P. In den Folgejahren   einpendeln. Im ersten Jahr entspr&#228;che das dem Umfang von 40 Prozent bis   50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).<\/p>\n<h4>  Die wirtschaftlichen Kosten f&#252;r den Fall, dass ein &#8222;starkes&#8220; Land aus   dem Euro ausscheidet<\/h4>\n<p>  Sollte ein st&#228;rkeres Land wie Deutschland den Euro verlassen, dann w&#228;ren   das gemeinschaftliche Scheitern vieler anderer Staaten, die   Rekapitalisierung des Bankensystems und der Kollaps des internationalen   Handels die Folgen. Sollte Deutschland ausscheiden, so setzen wir f&#252;r   diesen Fall die Kosten bei rund 6.000 bis 8.000 Euro je erwachsenem und   minderj&#228;hrigen Deutschen im ersten Jahr an. F&#252;r jedes weitere Jahr   veranschlagen wir Kosten im Umfang von 3.500 bis 4.500 Euro p.P.. Das   ist das &#196;quivalent von 20 Prozent bis 25 Prozent des   Bruttoinlandsprodukts im ersten Jahr. Im Vergleich dazu l&#228;gen die Kosten   f&#252;r die Rettung Griechenlands, Irlands und Portugals g&#228;nzlich in Folge   der Zahlungsunf&#228;higkeit dieser L&#228;nder etwas &#252;ber 1.000 Euro p.P., sollte   es bei dem einen Mal bleiben.<\/p>\n<h4>  Die politischen Kosten<\/h4>\n<p>  Allerdings sollten die &#246;konomischen Kosten in vielerlei Hinsicht nicht   obenan auf der Liste stehen, &#252;ber die Investoren sich den Kopf   zerbrechen m&#252;ssen, wenn es um das m&#246;gliche Auseinanderbrechen der   Eurozone geht. Die Zerst&#252;ckelung des Euro w&#252;rde auch politische Kosten   nach sich ziehen. Der Einfluss Europas als sogenannter &#8222;soft power&#8220; auf   dem internationalen Bankett w&#228;re damit ebenfalls beendet (da das Konzept   eines &#8222;Europa&#8220; als integralem Gemeinwesen somit bedeutungslos geworden   w&#228;re). Auch bleibt wichtig festzustellen, dass fast keine moderne   W&#228;hrungsunion auseinandergebrochen ist, ohne dass dabei eine Form von   autorit&#228;rer oder milit&#228;rischer Regierung oder gar ein B&#252;rgerkrieg   herausgekommen w&#228;re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Krise der Eurozone versch&#228;rft sich\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[79,123],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14505"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14505"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14505\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}