{"id":14476,"date":"2011-10-09T00:00:00","date_gmt":"2011-10-09T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14476"},"modified":"2011-10-09T00:00:00","modified_gmt":"2011-10-09T00:00:00","slug":"14476","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/10\/14476\/","title":{"rendered":"Kasachische &#214;larbeiter im Europ&#228;ischen Parlament angeh&#246;rt"},"content":{"rendered":"<p>  Schluss mit den Angriffen auf Leben und Freiheit von   ArbeiteraktivistInnen!<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Geert Cool, LSP\/PSL (CWI in Belgien)<\/i><\/h4>\n<p>  Am Montag fand im Europ&#228;ischen Parlament eine von Paul Murphy   (Abgeordneter der Socialist Party aus Irland) organisierte Anh&#246;rung &#252;ber   Arbeiterrechte und den andauernden Arbeitskampf der &#214;larbeiterInnen in   Westkasachstan statt. Unter den RednerInnen waren f&#252;hrende Vertreter der   Arbeiterbewegung wie Ainur Kurmanov und Esenbek Ukteshbayev. Die   Anh&#246;rung war f&#252;r die ArbeiterInnen und AktivistInnen eine M&#246;glichkeit,   ihre Botschaft zu verbreiten und Kontakte f&#252;r Solidarit&#228;tskampagnen   herzustellen.<\/p>\n<p>  Die Anh&#246;rung wurde von Paul Murphy eingeleitet, der erkl&#228;rte, dass   Kasachstan ein potentiell sehr reiches Land mit riesigen Mengen   nat&#252;rlicher Rohstoffe ist. Aber dennoch kennt die Mehrheit der   Bev&#246;lkerung nur Armut und Elend. Alle Rohstoffe, aller Reichtum und alle   Macht sind in den H&#228;nden einer kleinen Elite konzentriert, die ihre   privilegierte Position ohne zu z&#246;gern mit allen Mitteln verteidigt &#8211;   auch mit gewaltsamer Unterdr&#252;ckung. Daher ist der andauernde Streik der   &#214;larbeiterInnen in der Region Mangistau extrem wichtig. Trotz der   Repression und dem Druck, der auf die ArbeiterInnen ausge&#252;bt wird setzen   sie ihren Streik fort. Ihre Entschlossenheit macht den Streik zu einem   Bezugspunkt f&#252;r den Widerstand gegen Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung.<\/p>\n<p>  Mukhtar, ein f&#252;hrendes Mitglied der &#214;larbeitergewerkschaft, beschrieb   den Hintergrund des Konflikts. Er erkl&#228;rte, dass dieser Arbeitskampf als   Wendepunkt in der Epoche seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und als   Ausdruck gewerkschaftlicher Solidarit&#228;t sehr wichtig ist. Der Streik   begann mit Forderungen zu L&#246;hnen und Arbeitsbedingungen. Das Management   weigerte sich zu verhandeln und benutzte stattdessen brutale staatliche   Repression gegen die Streikenden. In Folge des Streiks wurden 2500   ArbeiterInnen entlassen. Sie werden nur von den unabh&#228;ngigen   Gewerkschaften und der internationalen Unterst&#252;tzung verteidigt, f&#252;r die   der Besuch von Paul Murphy in Kasachstan entscheidend war. Nach mehr als   vier Monaten fordern die ArbeiterInnen direkte Verhandlungen und die   Wiedereinstellung der 2500 Entlassenen.<\/p>\n<p><img src=\"\/media\/img\/20111009_Kasachstan1.jpg\" style=\"float: right\"> <\/p>\n<h4>  Harte Wahrheiten<\/h4>\n<p>  Einige Augenzeugen aus Kasachstan erz&#228;hlten von der Repression und der   Einsch&#252;chterung. Ein Arbeiter beschrieb, wie den Kindern der   &#214;larbeiterInnen die Teilnahme an einem Sommercamp verweigert wurde und   dass sie daran gehindert werden zur Schule zu gehen.   Gewerkschaftsf&#252;hrerInnen werden angegriffen. Ein Vertrauensmann wurde   ermordet und die Tochter eines anderen Gewerkschafters wurde entf&#252;hrt,   vergewaltigt und get&#246;tet. Unabh&#228;ngige Medien wie Stan TV werden   geschlossen. Die Anw&#228;ltin der unabh&#228;ngigen Gewerkschaft der   &#214;larbeiterInnen wurde zu 6 Jahren Gef&#228;ngnis verurteilt. Ihr   Revisionsantrag wurde abgewiesen.<\/p>\n<p>  Esenbek Ukteshbayev ist der Vorsitzende des kasachstanweiten   unabh&#228;ngigen Gewerkschaftsverbandes Zhanartu und der &#8222;Sozialistischen   Bewegung Kasachstans&#8220;. Er sprach &#252;ber die Entwicklung der unabh&#228;ngigen   Gewerkschaften und die Rolle der offiziellen Gewerkschaften als   Instrumente der Regierung. Der &#214;larbeiterstreik spielt eine bedeutende   Rolle f&#252;r den Aufbau der unabh&#228;ngigen Gewerkschaften. Wir brauchen   starke Organisationen der Arbeiterklasse gegen die Repression des   Regimes. Die ArbeiterInnen sind entschlossen, weil sie keine andere Wahl   haben. Sie k&#228;mpfen ums &#220;berleben. Das Regime benutzt den Konflikt als   Testfall. Es hat Angst vor dem Potential der Bewegung und einer weiteren   Verbreitung des organisierten Widerstands. Daher richtet sich die   Repression jetzt gezielt gegen die F&#252;hrerInnen der unabh&#228;ngigen   Gewerkschaften und gegen SozialistInnen. Zum Beispiel wurde gegen   Esenbek und Ainur eine Anklage zusammengesponnen, die sie f&#252;r mindestens   zwei Jahre ins Gef&#228;ngnis bringen k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Ainur Kurmanov erkl&#228;rte, dass es bei diesem Konflikt um mehr als L&#246;hne   und Arbeitsbedingungen geht. Er l&#246;st eine Diskussion dar&#252;ber aus, wie   gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse organisiert sind und wie die riesige   Unzufriedenheit zu Explosionen der Wut f&#252;hren kann. Unabh&#228;ngige   Gewerkschaften sind ein erster Schritt zur Organisierung von   ArbeiterInnen im Kampf f&#252;r ihre Rechte. Aber wir m&#252;ssen weiter gehen und   die Forderung nach der Verstaatlichung aller gr&#246;&#223;eren Industriebetriebe,   der Banken und der gewaltigen Rohstoffvorkommen unter Arbeiterkontrolle   aufstellen, um sicherzustellen, dass die ArbeiterInnen und ihre Familien   von diesem Reichtum profitieren und entscheiden k&#246;nnen, wie er verwendet   wird. Ziel der Repression durch das Regime ist die Erhaltung der   bestehenden Ordnung. Sie verst&#228;rken die Gewalt und die Einsch&#252;chterung,   die Situation &#228;hnelt zunehmend der blutigen Pinochet-Diktatur in Chile   nach dem Putsch 1973. Der Kampf der &#214;larbeiterInnen wird politischer und   unterstreicht die Notwendigkeit eines unabh&#228;ngigen Gewerkschaftsverbands   und einer politischen Organisation der ArbeiterInnen.<\/p>\n<p><img src=\"\/media\/img\/20111009_Kasachstan2.jpg\" style=\"float: right\"> <\/p>\n<p>  Tanja Niemeier, eine politische Beraterin von Paul Murphy in der   Linksfraktion GUE\/NGL und Mitglied der LSP (CWI in Belgien), sprach &#252;ber   die politische Bedeutung des Streiks. Die Entschlossenheit der   ArbeiterInnen ist trotz der Repression riesig. Die ArbeiterInnen   bekommen Droh-SMS und manche Drohungen werden auch wahr gemacht. H&#228;user   werden niedergebrannt, AktivistInnen oder ihre Familienmitglieder   get&#246;tet. Um den Kampf fortzusetzen brauchen wir internationale   Solidarit&#228;t, f&#252;r die Verstaatlichung und Planung der Wirtschaft unter   Arbeiterkontrolle. Das ist die einzige M&#246;glichkeit, die Produktion im   Interesse der ArbeiterInnen zu organisieren und echte demokratische   Partizipation zu schaffen. ArbeiterInnen haben die Angst davor verloren,   gegen die Bosse und das Regime zu k&#228;mpfen. Genug ist genug, es gibt kein   Zur&#252;ck zum fr&#252;heren Zustand.<\/p>\n<p>  In der Anh&#246;rung sprach auch ein Aktivist aus Usbekistan, der Bilder von   KinderarbeiterInnen in der Baumwollindustrie zeigte. Die europ&#228;ischen   Beh&#246;rden verschlie&#223;en die Augen vor diesem Missbrauch. Die Anh&#246;rung war   eine M&#246;glichkeit, den Skandal bekannt zu machen.<\/p>\n<h4>  Solidarit&#228;tskampagne<\/h4>\n<p>  Die europ&#228;ischen Vertretungen des kapitalistischen Establishments   stellen sich als die &#8222;internationale Gemeinschaft&#8220; dar. Sie verteidigen   nicht die Interessen der anderen &#8222;internationalen Gemeinschaft&#8220;, der   Arbeitenden und der Armen die die Mehrheit der Weltbev&#246;lkerung bilden.   Die Erkl&#228;rungen zu Menschenrechten bleiben auf Reden in verschiedenen   Parlamenten beschr&#228;nkt. Gleichzeitig versuchen sie, Handelsbeziehungen   mit den Regierungen zu festigen und zu verst&#228;rken, um Zugang zu   Rohstoffen zu bekommen. Bei der Verfolgung dieses Ziels sind Diktaturen,   Repression und Kinderarbeit kein Hindernis.<\/p>\n<p>  Wir sollten uns nicht betr&#252;gen lassen. Wir m&#252;ssen unsere eigenen   Kontakte und eine internationale Kampagne aufbauen. Die Anh&#246;rung im   Europ&#228;ischen Parlament war ein daf&#252;r n&#252;tzliches Ereignis. Die Bewegung   in Kasachstan ist wichtig wegen ihres Potentials, weil die   Unzufriedenheit in unabh&#228;ngigen Gewerkschaften organisiert wird die   breite Unterst&#252;tzung bekommen. Wenn ArbeiterInnen und Arme die Angst zu   protestieren verlieren kann es schnell zu Explosionen kommen. In   Nordafrika und dem Nahen Osten hat sich das schon gezeigt. Die   herrschenden Cliquen erkennen die Gefahren, aber k&#246;nnen nur mit   Repression reagieren.<\/p>\n<p>  Wir m&#252;ssen die &#214;larbeiterInnen in Kasachstan unterst&#252;tzen und ihren   Kampf bekannt machen. Es war deshalb sehr n&#252;tzlich, einige belgische   GewerkschaftsaktivistInnen aus der &#214;lbranche bei der Veranstaltung dabei   zu haben. Sie haben direkt von ihren kasachischen KollegInnen und   GenossInnen Informationen &#252;ber die Situation bekommen, so dass sie das   Thema in Belgien aufgreifen k&#246;nnen. Am Freitag dieser Woche plant auch   die belgische Sektion des CWI eine Solidarit&#228;tsaktion vor dem   Fu&#223;ball-EM-Qualifikationsspiel zwischen Belgien und Kasachstan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Schluss mit den Angriffen auf Leben und Freiheit von<br \/>\n      ArbeiteraktivistInnen!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,102],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14476"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14476"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14476\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14476"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14476"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14476"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}