{"id":14475,"date":"2011-10-09T00:00:00","date_gmt":"2011-10-09T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14475"},"modified":"2011-10-09T00:00:00","modified_gmt":"2011-10-09T00:00:00","slug":"14475","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/10\/14475\/","title":{"rendered":"Strategiewechsel oder Kurs Halten?"},"content":{"rendered":"<p>  500 TeilnehmerInnen bei LINKE-Konferenz in Berlin<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am Samstag den 8. Oktober nahmen 500 TeilnehmerInnen an der   &#8222;Konferenz zum Programm und zur Strategie f&#252;r DIE LINKE&#8220; teil. Sie stand   unter dem Titel &#8222;KURS HALTEN! Ein Programm f&#252;r die Mehrheit&#8220;. Sahra   Wagenknecht forderte in ihrer Rede ein Ende der Streitigkeiten in der   Partei. Die programmatische Diskussion auf der Konferenz spiegelte   leider wenig den realen Zustand der Partei wider.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Michael Koschitzki, Berlin <\/i><\/p>\n<p>  Im Audimax der Berliner Humboldt-Universit&#228;t war kaum noch ein Sitzplatz   zu finden, auch wenn der Saal nicht &#252;berf&#252;llt war. Zu der Konferenz auf   der Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine reden sollten, hatten die   Parteistr&#246;mungen Antikapitalistische Linke und Mitglieder der   Sozialistischen Linken sowie einige str&#246;mungslose Mitglieder bundesweit   eingeladen. <\/p>\n<p>  Oskar Lafontaine hatte sich wegen Krankheit entschuldigen lassen m&#252;ssen.   Die Konferenz wurde deshalb durch Sahra Wagenknechts Rede bestimmt. <\/p>\n<p>  Mit einer k&#228;mpferischen Rede versuchte sie dem Saal einzuheizen: &#8222;Wir   wollen den Kapitalismus &#252;berwinden.&#8220; In der Parteienlandschaft habe DIE   LINKE gegen alle Parteien anzuk&#228;mpfen, weil sie alle f&#252;r Sozialabbau,   Deregulierung und Krieg stehen. Man brauche deshalb die roten   Haltelinien f&#252;r Regierungsbeteiligungen. <\/p>\n<p>  Einleitend zum Programmentwurf stellte sie fest: &#8222;Alle Versuche das   Programm zu verw&#228;ssern, sind gescheitert.&#8220; Sie warb f&#252;r die Zustimmung   zu dem Programmentwurf des Parteivorstandes, auch wenn er Kompromisse   enthalte. Mit diesem Programm sei DIE LINKE f&#252;r die n&#228;chste Zeit und die   Herausforderungen der Eurokrise gewappnet. In Deutschland sei es Zeit,   dem Ruf von &#8222;Occupy Wall Street&#8220; mit &#8222;Occupy Deutsche Bank&#8220; oder &#8222;Occupy   Commerzbank&#8220; zu folgen.<\/p>\n<h4>  Kein Kampfsignal<\/h4>\n<p>  Den k&#228;mpferischen Worten folgten aber kaum k&#228;mpferische   Schlussfolgerungen. Das Problem der Eurokrise sei der   verteilungspolitische Status Quo. Das hei&#223;t, dass die Menschen zu wenig   Geld h&#228;tten zu konsumieren. Deshalb m&#252;sse man sich mit den oberen   Zehntausend anlegen und nicht nur von der Schuldenkrise sondern vom   Verm&#246;gen reden, dass besteuert und verteilt werden solle. &#8222;Die Schulden   der Staaten sind die Verm&#246;gen der reichen Leute.&#8220; <\/p>\n<p>  Bei den Forderungen stellte sie eine europaweite Verm&#246;genssteuer und   &#196;nderungen im Finanzsystem in den Mittelpunkt. Die Staaten m&#252;ssten in   die Lage versetzt werden, sich bei einer unabh&#228;ngigen europ&#228;ischen Bank   Geld zu leihen, um nicht vom Markt abh&#228;ngig zu sein. Heinz Bierbaum von   Parteivorstand legte als Vertretung f&#252;r Oskar Lafontaine hier st&#228;rker   nach und sagte: &#8222;Um es klar zu sagen, wir sind f&#252;r die Verstaatlichung   der Gro&#223;banken, aber wir wollen das auch mit einer anderen Politik   verbinden.&#8220; Es m&#252;sse dar&#252;ber hinaus eine Vergesellschaftung gro&#223;er   Industrien geben. Sahra Wagenknechts Rede war antikapitalistisch. Man   brauche Perspektiven, die &#252;ber den Kapitalismus hinausweisen und ihn   &#252;berwinden. Jedoch wurde nicht klar, wie eine solche  Systemalternative   aussehen k&#246;nne.<\/p>\n<p>  In Bezug auf den Programmentwurf meinte sie, dass einige Essentials   verteidigt werden m&#252;ssten, der Programmentwurf jedoch so, wie er jetzt   vorliegen w&#252;rde, zustimmungsf&#228;hig sei. Von der Konferenz ging kein   Signal aus, dem rechten Fl&#252;gel der Partei den Kampf anzusagen oder um   sch&#228;rfere Formulierungen im Parteiprogramm zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  Strategiewechsel?<\/h4>\n<p>  Damit DIE LINKE auf kommenden Zeiten gut vorbereitet ist, zeichnete   Sahra Wagenknecht ein Bild einer LINKEN in der trotz Pluralit&#228;t die   Streitigkeiten beendet werden m&#252;ssen. Es m&#252;sse eine R&#252;ckkehr zu den   Zeiten der letzten Bundestagswahl 2009 geben. Es d&#252;rfe kein &#8222;Weiter so&#8220;   f&#252;r Leute geben, die die Parteif&#252;hrung und Vorsitzende in Frage stellen,   kein &#8222;Weiter so&#8220; dabei, sich Themen wie den Brief an Castro von den   Medien aufdr&#228;ngen zu lassen und kein Weiter so, das Parteiprofil bei   Mindestlohn, St&#228;rkung &#214;ffentlichen Dienst und Frieden in Frage zu   stellen. Dass es bei all den innerparteilichen Streitfragen jedoch   letztlich um inhaltliche Positionen und um Str&#246;mungsk&#228;mpfe der Partei   und nicht um Stilfragen der Streitkultur geht, wurde dadurch &#252;berdeckt. <\/p>\n<p>  Die Realit&#228;t der Partei spielte eine unzureichende Rolle in den   Diskussionen. Redner wie Jens Carlberg von der LINKEN in Berlin, der die   mangelnde Demokratie in der Partei beklagte, bekamen viel Applaus. In   der Diskussion berichtete SAV-Mitglied Sascha Stanicic von dem Streik   der CFM-Besch&#228;ftigten an der Charit&#233; in Berlin und wie die Streikenden   DIE LINKE wahrnehmen: &#8222;Wenn ich mit Besch&#228;ftigten &#252;ber DIE LINKE   spreche, dann sagen sie, ihr habt doch 2006 der Ausgr&#252;ndung der CFM aus   der Charit&#233; zugestimmt.&#8220; DIE LINKE ist mitverantwortlich f&#252;r den   Niedriglohn bei der CFM. Deshalb m&#252;ssten Parteimitglieder, die das   kritisch sehen, an der Seite der KollegInnen stehen, bei den   Streikposten helfen, konkrete Unterst&#252;tzung leisten und beispielsweise   mit ihnen am 15. Oktober demonstrieren.<\/p>\n<p>  Lucy Redler kn&#252;pfte daran an: &#8222;Es muss einen Strategiewechsel geben.&#8220; In   Berlin aber auch zunehmend bundesweit werde DIE LINKE von vielen als ein   Wahlverein wahrgenommen. Statt sich auf die Parlamentsarbeit zu   fixieren, m&#252;sse die Partei ihren Schwerpunkt in au&#223;erparlamentarischen   Aktivit&#228;ten, Bewegungen und Protesten sehen.<\/p>\n<h4>  Auf dem Weg nach Erfurt<\/h4>\n<p>  Auf der Konferenz gab es in zwei Debatten Raum, &#252;ber das Programm und   die Zukunft der Partei zu diskutieren. Programmatisch wurde sich   beispielsweise in Bezug auf EU-Vertrag und Kriegseins&#228;tze deutlich links   positioniert. Klar wurde gegen Einzelfallpr&#252;fungen von   Auslandseins&#228;tzen, wie von Vertretern des FdS vorgeschlagen,   argumentiert. Wolfgang Gehrke meinte, dass die die daf&#252;r sind, in   Wirklichkeit keine Einzelfallpr&#252;fung, sondern den Einzelfall zulassen   wollen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend sich in den Diskussionen im Plenum auf den Programmparteitag in   Erfurt vorbereitet wurde, h&#246;rte man in Flurgespr&#228;chen wenig Optimismus   &#252;ber die Lage der Partei in den St&#228;dten und Basisgruppen. Marxistinnen   und Marxisten in der LINKEN m&#252;ssen sich mit linken Antr&#228;gen in die   Programmdebatte einbringen &#8211; beispielsweise mit sch&#228;rferen   Formulierungen zu Regierungsbeteiligung, aber sie m&#252;ssen das auch mit   einer Diskussion &#252;ber die Realit&#228;t und die Strategie der Partei   verbinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      500 TeilnehmerInnen bei LINKE-Konferenz in Berlin\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[24],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14475"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14475"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14475\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14475"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14475"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14475"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}