{"id":14472,"date":"2011-10-06T15:00:00","date_gmt":"2011-10-06T13:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14472"},"modified":"2012-05-15T14:45:48","modified_gmt":"2012-05-15T12:45:48","slug":"14472","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/10\/14472\/","title":{"rendered":"Kritische Diskussion &#252;ber Wahlniederlagen und Regierungsambitionen"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht vom Landesparteitag der LINKEN in Niedersachsen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Der Landespartei der nieders&#228;chsischen LINKEN in der Stadthalle   Braunschweig vom 2. Oktober fand bei sch&#246;nem Wetter statt, war aber   &#252;berschattet von Niederlagen der Partei in diesem Super-Wahljahr, das   mit dem unfreiwilligen Ausscheiden der Berliner LINKEN aus der dortigen   Landesregierung zu Ende gegangen ist.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg, Delegierter des Kreisverbandes DIE LINKE G&#246;ttingen<\/i><\/h4>\n<p>  Mit 186 anwesenden Delegierten hatten nur drei von vier das Mandat ihrer   Basisorganisationen wahrgenommen. Im Zentrum der Diskussion stand das   nach Einsch&#228;tzung fast aller Redner &#8222;entt&#228;uschende&#8220; Ergebnis der   nieders&#228;chsischen Kommunalwahlen, das mit 2,4 Prozent nicht ann&#228;hernd   f&#252;r einen Wiedereinzug in den Landtag ausreichen w&#252;rde. Politische   Konsequenzen daraus und Signale f&#252;r eine Erneuerung der Partei gingen   von dem Landesparteitag trotzdem nicht aus: F&#252;r den unmittelbar   bevorstehenden Programmparteitag in Erfurt wurde kein einziger   substanzieller Antrag auf den Weg gebracht.<\/p>\n<h4>  Kommunalwahlen und Regierungsfrage<\/h4>\n<p>  Der gesch&#228;ftsf&#252;hrende Landesvorstand hatte dazu einen Initiativantrag   eingebracht, dem zufolge die Partei ihr &#8222;Hauptziel&#8220; (also eine   Verdoppelung der kommunale Mandatstr&#228;ger) &#8222;erreicht hat&#8220;, obwohl die   absolute Zahl der W&#228;hlerInnen der nieders&#228;chsischen LINKEN seit den   Bundestagswahlen von 360.000 um 150.000 zur&#252;ckgegangen ist. Die   Landesspitze hatte ihre stark parlamentsfixierten Ziele von 1.000   Mandatstr&#228;gern im November 2010 im April auf 600 und unmittelbar vor den   Wahlen auf eine Verdoppelung der vorher 143 Mandate reduziert (und immer   noch verpasst). Wer (&#228;hnlich wie die &#8222;etablierten Parteien&#8220;) solche   Niederlagen verharmlost und sch&#246;nredet, hat keinen Anlass zur   Selbstkritik oder Kurskorrekturen. Politische Konsequenzen fehlen daher   in diesem Leitantrag vollst&#228;ndig.<\/p>\n<p>  Dagegen stand ein kritischer Gegenantrag aus der Basisorganisation   Hannover Linden-Limmer zur Diskussion, der von einem &#8222;desastr&#246;sen   Ergebnis&#8220; der Kommunalwahlen spricht. Einer der Gr&#252;nde daf&#252;r sei &#8222;der   von den Landesvorsitzenden und einigen nieders&#228;chsischen   Bundestagsabgeordneten verfolgte Kurs einer m&#246;glichen   Regierungsbeteiligung im Land Niedersachsen. Im Wahlkampf selbst wurde   mit unpolitischen Losungen wie &#8222;Hier sind wir zuhause&#8220;, &#8222;Solidarit&#228;t   statt Spaltung, &#8222;Her mit dem ganzen Leben&#8220; erfolglos um die W&#228;hlergunst   geworben.&#8220; Ein weiteres &#8222;zentrales Problem&#8220; sei, &#8222;dass sich der Apparat   der Partei immer mehr verselbst&#228;ndigt. (&#8230;) Die Ergebnisse der   Landestags- und Kommunalwahlen sind eine Aufforderung zur Erneuerung der   Partei.&#8220;<\/p>\n<p>  Zahlreiche Delegierte (darunter auch die AutorInnen dieses Berichts)   unterst&#252;tzten in der Antragsdebatte diese Kritik am gescheiterten Kurs   auf ein rot-rot-gr&#252;nes Regierungsb&#252;ndnis und verlangten eine   Umorientierung auf verst&#228;rkte Teilnahme am au&#223;erparlamentarischen   Widerstand. DIE LINKE werde f&#252;r eine Regierungsbildung ohnehin nicht   ben&#246;tigt. Au&#223;erdem sei antikapitalistische Politik nicht im   Regierungsb&#252;ndnis mit Parteien zu verwirklichen, die gerade erst erneut   Milliarden f&#252;r die Rettung der Banken in der Euro-Krise bewilligt   h&#228;tten, w&#228;hrend gleichzeitig die Kommunen ausgehungert und zu massivem   Sozialabbau gezwungen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Der ehemalige Landesvorsitzende Diether Dehm und die   Fraktionsvorsitzende Tina Flauger sahen sich darauf hin zu pers&#246;nlichen   Erkl&#228;rungen gen&#246;tigt. Diether Dehm, der vor einem Jahr nach dem   Hustedter Treffen mit Vertretern von SPD und Gr&#252;nen eine Tolerierung von   beziehungsweise Beteiligung an einer rot-gr&#252;nen Landesregierung als   kleineres &#220;bel gegen&#252;ber Schwarz-Gelb an keine inhaltlichen Bedingungen   gekn&#252;pft hatte, erkl&#228;rte nun, &#8222;DIE LINKE ist eine Oppositionspartei,   verweigert sich aber keinem Machtwechsel&#8220;. Auch Tina Flauger wehrte sich   gegen den Vorwurf, DIE LINKE &#8222;schiele nur auf Regierungsposten&#8220;. Man   m&#252;sse dar&#252;ber zwar mit SPD und Gr&#252;nen Gespr&#228;che f&#252;hren, d&#252;rfe sich aber   nicht festlegen.<\/p>\n<p>  Um eine Kampfabstimmung &#252;ber diese gegens&#228;tzlichen Antr&#228;ge zu vermeiden,   schlug die Antragskommission vor, den (erst am Vortag eingebrachten und   sehr umfangreichen) Antrag von Linden-Limmer als Material an den   Landesvorstand zu verweisen, was dann mit gro&#223;er Mehrheit auch   beschlossen wurde.<\/p>\n<h4>  Bundesparteitagsinitiativen: Fehlanzeige<\/h4>\n<p>  Nach einigen Einzelantr&#228;gen (darunter einer Unterst&#252;tzung f&#252;r die am   gleichen Tage stattfindende Anti-AKW-Demo in Grohnde sowie einer   Kampagne f&#252;r den Abzug aus Afghanistan anl&#228;sslich des Petersberger   Treffens) standen Antr&#228;ge zum Bundesparteitag in Erfurt auf der   Tagesordnung.<\/p>\n<p>  Leider lagen zu den seit langem umstrittenen Punkten des Parteiprogramms   (zur Eigentumsfrage, zu Mitbestimmung und Belegschaftsaktien, zur Frage   von Auslandseins&#228;tzen der Bundeswehr sowie zur Regierungsfrage) keine   Antr&#228;ge aus dem Landesverband vor. Entsprechende Vorschl&#228;ge aus dem   G&#246;ttinger Kreisverband waren kurz vor dem Landespartei wieder gekippt   und ersatzlos zur&#252;ckgezogen worden. Die Debatte beschr&#228;nkte sich unter   diesen Umst&#228;nden auf Randthemen wie diverse Antr&#228;ge zur sogenannten   &#8222;4-in-1-Perspektive&#8220; sowie zum &#8222;bedingungslosen Grundeinkommen&#8220; , wozu   auch eine &#8222;moderierte Podiumsdiskussion&#8220; mit Katja Kipping und Hans   Modrow stattgefunden hatte.<\/p>\n<p>  Auf Antrag von Sabine L&#246;sing, die diese Antr&#228;ge als Versuch gewertet   hatte, die Arbeiterklasse als handelndes Subjekt von gesellschaftlichen   Ver&#228;nderungen zu ersetzen und grundlegende Traditionen der   Arbeiterbewegung &#252;ber Bord zu werfen, wurden sie (mit jeweils   &#252;berw&#228;ltigenden Mehrheiten) abgelehnt. &#220;brig blieb damit als Beitrag aus   Niedersachsen nur der Vorschlag, Bert Brechts &#8222;Fragen eines lesenden   Arbeiters&#8220; in die Pr&#228;ambel des Parteiprogramms aufzunehmen. Faktisch hat   sich damit der Landesverband in Braunschweig aus der Grundsatzdebatte   &#252;ber die programmatischen Ziele der Partei verabschiedet, was angesichts   der Krise der Partei f&#252;r Mitglieder und W&#228;hlerInnen der LINKEN nicht   gerade motivierend wirken d&#252;rfte.<\/p>\n<p>  Immerhin wurde danach noch mit gro&#223;er Mehrheit ein (allerdings nicht an   den Bundesparteitag gerichteter) Initiativantrag von Sabine L&#246;sing   verabschiedet, der sich gegen Versuche des Regierungsfl&#252;gels wandte,   Milit&#228;reins&#228;tze, die mit einem Mandat der Vereinten Nationen versehen   sind, zu akzeptieren. Der Sicherheitsrat sei nicht demokratisch   legitimiert. &#8222;Auch UN-Kriege w&#252;rden zur Durchsetzung nationalstaatlicher   Interessen dienen und d&#252;rfen kein Mittel der Politik sein.&#8220;<\/p>\n<h4>  Fazit<\/h4>\n<p>  Der Landesparteitag in Braunschweig spiegelte zwar die wachsende   Unzufriedenheit der Parteibasis &#252;ber den auf Parlaments- und   Regierungsmandate fixierten Kurs der Bundes- und Landespartei, hat   daraus aber &#8211; im Gegensatz zum Landesparteitag von NRW &#8211; keinerlei   sichtbare Konsequenzen f&#252;r die anstehenden Richtungsentscheidungen auf   dem Bundesparteitag abgeleitet. Die Sorge von vielen Delegierten, dass   DIE LINKE nach ihrem vielversprechenden Aufbruch inzwischen ebenso wie   die anderen Parlamentsparteien als &#8222;etabliert&#8220; wahrgenommen wird und   damit den Platz f&#252;r die &#8222;Piraten&#8220; frei gemacht hat, fand keinen   organisierten Ausdruck, weil sich die meisten VertreterInnen des linken   Parteifl&#252;gels auf eine unkritische Unterst&#252;tzung des vorliegenden   Programmentwurfs beschr&#228;nkt haben. Politische Impulse oder gar   Aufbruchssignale sind vom Braunschweiger Parteitag daher nicht   ausgegangen. Umso gr&#246;&#223;ere war das Interesse vieler Delegierter an   Vorschl&#228;gen und &#196;nderungsantr&#228;gen, die von SAV-Mitgliedern f&#252;r den   Parteitag in Erfurt zusammengestellt und in der neuen Ausgabe der   &#8222;Solidarit&#228;t&#8220; dokumentiert worden sind. Das gilt besonders f&#252;r einen   &#196;nderungsantrag von Kreisverb&#228;nden aus Kassel und Bremen, der eine klare   Absage an die gescheiterten Regierungsambitionen und eine R&#252;ckbesinnung   auf den antikapitalistischen Oppositionsauftrag der LINKEN verlangt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht vom Landesparteitag der LINKEN in Niedersachsen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14472"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14472"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14472\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}