{"id":14461,"date":"2011-10-10T00:00:00","date_gmt":"2011-10-10T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14461"},"modified":"2011-10-10T00:00:00","modified_gmt":"2011-10-10T00:00:00","slug":"14461","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/10\/14461\/","title":{"rendered":"Auf Verhandlungsweg zum eigenen Staat?"},"content":{"rendered":"<p>  UN-Antrag auf Anerkennung Pal&#228;stinas als eigenst&#228;ndiger Staat<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Im September beantragte der Pr&#228;sident der Pal&#228;stinensischen   Autonomiebeh&#246;rde, Mahmud Abbas, die Aufnahme eines Staates Pal&#228;stina als   vollwertiges Mitglied in die Vereinten Nationen (UN). Eine neue Phase   von Verhandlungen soll jetzt eingeleitet werden. Dadurch werden sich die   Forderungen der Pal&#228;stinenserInnen aber nicht erf&#252;llen. Vielmehr kann es   zu einem neuen Aufstand der pal&#228;stinensischen Massen kommen.<\/p>\n<h4>  <i>von Michael Koschitzki, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Im Gaza-Streifen leben 70 Prozent und im Westjordanland 19 Prozent der   Bev&#246;lkerung unterhalb der Armutsgrenze. Obwohl das wirtschaftliche   Wachstum im Westjordanland 2010 neun Prozent betrug, wird es durch   israelische Kontrollen und Beschr&#228;nkungen gebremst. Der Bau des ersten   F&#252;nf-Sterne-Hotels in Ramallah demonstriert die wachsenden Unterschiede   zwischen Arm und Reich.<\/p>\n<p>  Der Gaza-Streifen (nach ihrem Wahlsieg vor f&#252;nf Jahren von der   islamistischen Hamas kontrolliert) ist durch Israels Blockade immer noch   das gr&#246;&#223;te Freiluftgef&#228;ngnis der Welt. Die aggressive Siedlungspolitik   im Westjordanland, t&#228;gliche Repressalien und Helikopterangriffe lassen   die Wut auf die israelische Armee steigen. Die Hoffnung ist gro&#223;, in   einem eigenen, international anerkannten pal&#228;stinensischen Staat endlich   Freiheit zu erlangen und dadurch die Lebensbedingungen stark zu   verbessern.<\/p>\n<h4>  UN-Resolution<\/h4>\n<p>  Am 23. September beantragte Abbas bei den Vereinten Nationen die   Anerkennung Pal&#228;stinas als vollwertiger Mitgliedsstaat. Die   Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation (PLO) und ihr Vorsitzender   Abbas, die an der Spitze der Autonomiebeh&#246;rde stehen, scheiterten mit   all ihren bisherigen Strategien. Sie versprechen sich von einer   Anerkennung durch die UN eine gest&#228;rkte Position bei den Verhandlungen   mit Israel. &#220;ber zwei Jahre wurde dieser Schritt vorbereitet, sogar an   eigenen Briefmarken und an einer W&#228;hrung wurde schon gearbeitet.<\/p>\n<p>  Diese Hoffnungen werden jedoch entt&#228;uscht werden. Der Antrag wird im 15   Mitglieder umfassenden Sicherheitsrat sicherlich monatelang   hinausgez&#246;gert und im Falle eines positiven Votums (wof&#252;r neun Stimmen   n&#246;tig sind) am Veto der USA (als eines der f&#252;nf st&#228;ndigen Mitglieder im   Sicherheitsrat) scheitern.<\/p>\n<p>  Aber was w&#252;rde sich f&#252;r die Pal&#228;stinenserInnen &#228;ndern, wenn der Staat   Pal&#228;stina durch die UN tats&#228;chlich anerkannt w&#252;rde? Zahlreiche   UN-Resolutionen wurden bislang vom israelischen Staat ignoriert, ohne   dass dies Konsequenzen gehabt h&#228;tte. Die Autonomiebeh&#246;rde hofft, dass   ausl&#228;ndische Regierungen mehr Druck auf Israel aus&#252;ben, wenn Pal&#228;stina   als besetzter Staat und nicht nur als besetztes Gebiet bezeichnet wird.   Doch f&#252;r die Herrschenden in den anderen L&#228;ndern wird eine ge&#228;nderte   Terminologie keinen Unterschied machen, wenn sie ihre &#246;konomischen und   geostrategischen Interessen abw&#228;gen.<\/p>\n<p>  Die starke Unterst&#252;tzung der Resolution durch die T&#252;rkei, die intensive   Handelsbeziehungen mit Israel hat, r&#252;hrt von den eigenen politischen und   wirtschaftlichen Interessen in der Region her. Das unterstrich der   Besuch Recep Tayyip Erdogans in Kairo, als er vor VertreterInnen von 22   arabischen Staaten sprach. Die T&#252;rkei will sich die ver&#228;ndernde   Machtkonstellation im Nahen Osten zu Nutze machen, um ihre Stellung in   der Region auszubauen. Ihre eigentliche Haltung zu nationaler   Selbstbestimmung zeigt sie t&#228;glich in der repressiven Politik in den   kurdischen Gebieten.<\/p>\n<h4>  &#8222;Pal&#228;stinensischer Fr&#252;hling&#8220;<\/h4>\n<p>  Abbas sprach vor der UN-Vollversammlung in Anlehnung an die Revolutionen   in &#196;gypten und Tunesien davon, dass jetzt ein &#8222;pal&#228;stinensischer   Fr&#252;hling&#8220; kommen m&#252;sse. Doch der wird nur, wie in den anderen   Revolutionen, durch die aktive Mobilisierung und den Kampf der Massen   kommen. Wenn sich f&#252;r die benachteiligten Massen zeigt, dass die   Verhandlungen eine Sackgasse darstellen, steigt die Wahrscheinlichkeit   einer dritten Intifada (arabisch f&#252;r &#8222;Aufstand&#8220;).<\/p>\n<p>  Gegen die Gaza-Blockade, gegen die Stra&#223;enkontrollen und die permanente   Repression der israelischen Armee muss massenhafter Widerstand   organisiert werden. Die F&#252;hrungen von Hamas und Fatah (der heute   st&#228;rksten Fraktion innerhalb der PLO) haben aus Angst vor der Gef&#228;hrdung   ihrer eigenen Position immer wieder Bewegungen von unten ausgebremst und   religi&#246;sen Hass gegen die Israelis beziehungsweise Illusionen in   Verhandlungen gesch&#252;rt. Ein neuer Aufstand muss deshalb von   demokratischen Komitees der pal&#228;stinensischen Massen organisiert und   geleitet werden, damit diese alle Fragen selbstbestimmt entscheiden   k&#246;nnen. Zudem ist die Schaffung von Organisationen n&#246;tig, die konsequent   die Rechte von Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen und Jugendlichen vertreten.<\/p>\n<h4>  Historische Sozialproteste in Israel<\/h4>\n<p>  Ein gro&#223;er potenzieller Verb&#252;ndeter ist die Bewegung der israelischen   Massen &#8211; gegen Mietsteigerungen, Diskriminierung und die Politik der   Regierung in Jerusalem. Am 3. September demonstrierten &#252;ber 400.000   Menschen in Tel Aviv. Die Bewegung startete im Sommer mit   Platzbesetzungen nach dem Vorbild der arabischen Revolutionen. Dort   schlugen auch Pal&#228;stinenserInnen und AraberInnen ihre Zelte auf, die von   Mietwucher und Wohnungsmangel in Israel besonders betroffen sind.<\/p>\n<p>  Die israelische Regierung konnte die Bewegung ein St&#252;ck weit   zur&#252;ckschlagen, indem sie die nationalistische Karte spielte. Wenn den   pal&#228;stinensischen Massen die Hand zum gemeinsamen Kampf gereicht w&#252;rde,   k&#246;nnte dies enorme Schlagkraft gegen die Politik der rechten Regierung   unter Benjamin Netanjahu entfalten.<\/p>\n<h4>  Sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>  Die einzige L&#246;sung f&#252;r die pal&#228;stinensischen und israelischen Massen   liegt in einem sozialistischen Pal&#228;stina und einem sozialistischen   Israel als Teil einer sozialistischen F&#246;deration in Nahost. Auf   kapitalistischer Grundlage wird keine einvernehmliche L&#246;sung f&#252;r   Landfrage, Wasserrechte, Fl&#252;chtlingsschicksale, wirtschaftliche   Zusammenarbeit und die gemeinsame Nutzung von Jerusalem als offene Stadt   gefunden werden. Schon gar nicht in Zeiten von verst&#228;rkten Verteilungs-   und Machtk&#228;mpfen weltweit. Der israelische Staat braucht die   Unterdr&#252;ckung der Pal&#228;stinenserInnen auch, um Bewegungen und K&#228;mpfe in   Israel zu bremsen, indem nationalistische Spannungen gesch&#252;rt oder   verst&#228;rkt werden.<\/p>\n<p>  Nur auf Grundlage von gegenseitiger Achtung und Solidarit&#228;t, nach   &#220;berwindung von Profitlogik und Machtstreben, kann auf demokratischer   und freiwilliger Basis eine L&#246;sung f&#252;r alle offenen Fragen gefunden, das   Recht auf ein wirklich unabh&#228;ngiges und &#252;berlebensf&#228;higes Pal&#228;stina   realisiert und dauerhafter Frieden im Nahen Osten erreicht werden. Die   israelische Schwesterorganisation der SAV tritt in Israel f&#252;r diese   Position ein und engagiert sich aktiv dabei, gemeinsame Aktionen von   Pal&#228;stinenserInnen und Israelis zu organisieren.<\/p>\n<h4>  Michael Koschitzki ist Mitglied der SAV-Bundesleitung<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      UN-Antrag auf Anerkennung Pal&#228;stinas als eigenst&#228;ndiger Staat\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[241],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14461"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14461"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14461\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}