{"id":14439,"date":"2011-09-17T00:00:00","date_gmt":"2011-09-17T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14439"},"modified":"2011-09-17T00:00:00","modified_gmt":"2011-09-17T00:00:00","slug":"14439","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14439\/","title":{"rendered":"Deutschland &#8222;am Rande einer Rezession&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Alarmierende Konjunkturprognosen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Vordergr&#252;ndig betrachtet scheint alles in Butter. W&#228;hrend die   Forschungsinstitute die R&#252;ckkehr der deutschen Wirtschaft auf das   Vorkrisenniveau urspr&#252;nglich erst f&#252;r 2013 prognostizierten, ist das nun   schon dieses Jahr der Fall. Die Internationale Automobilaustellung (IAA)   bezeichnet die Berliner Zeitung vom 12. September als eine &#8222;Riesenfete,   die deutschen Autobauer feiern in Frankfurt das mutma&#223;lich beste Jahr   ihrer Geschichte&#8220;. Aber die Herbstprognosen der Konjunkturforscher   zeichnen pl&#246;tzlich ein ganz anderes Bild. Auch f&#252;r die Bundesrepublik   stehen die Zeichen auf Abschwung.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Im letzten Jahrzehnt konnte das deutsche Kapital seine Position auf   Weltebene ausbauen. Zwar brach die Wirtschaft hierzulande im Krisenjahr   2009 sogar um f&#252;nf Prozent ein. Im Gegensatz zu anderen EU-L&#228;ndern,   Japan oder den USA berappelte sich die deutsche &#214;konomie aber rasch   wieder. Drei Faktoren waren daf&#252;r ma&#223;geblich.<\/p>\n<p>  Erstens gelang es den Herrschenden mit der Agenda-2010-Politik &#8211; auf   Kosten der Arbeiterklasse &#8211; die Wettbewerbsstellung deutlich zu   verbessern (2010 stufte das Weltwirtschaftsforum Deutschland auf Platz 6   ein, knapp hinter L&#228;ndern wie der Schweiz oder Singapur). Zweitens   profitierten die BRD-Unternehmen von der Exportst&#228;rke (der industrielle   Anteil am Bruttoinlandsprodukt ist mit etwa 25 Prozent beispielsweise   doppelt so hoch wie in Frankreich und viermal so hoch wie in Spanien).   Drittens waren die Kapitalisten zwischen Nord- und Bodensee die   Hauptgewinner der Euro-Einf&#252;hrung (der Export in die Euro-L&#228;nder legte   um 48 Prozent zu, die eigenen Waren verbilligten sich um zw&#246;lf Prozent,   zudem wurde der weltweit gr&#246;&#223;te gemeinsame Wirtschaftsraum zu einem   starken Anziehungspunkt f&#252;r Kapital).<\/p>\n<h4>  &#8222;Das R-Wort ist zur&#252;ck&#8220;<\/h4>\n<p>  &#8222;Das ungute Wort tauchte in deutschen Medienberichten der vergangenen   Monate etwa &#228;hnlich h&#228;ufig auf wie zu Zeiten des Abschwungs 2003&#8220;,   konstatierte Jan Grossarth in der FAZ besorgt am 16. August. Das war zu   erwarten. Schlie&#223;lich dr&#252;ckte die Achternbahnfahrt an den B&#246;rsen in den   letzten Wochen die Angst der B&#252;rgerlichen davor aus, dass die   explodierenden Staatsschulden die globale &#214;konomie wieder in den   Abschwung zu rei&#223;en drohen. Zumal sich in der &#214;konomie schon deutliche   Bremsspuren zeigten.<\/p>\n<p>  Angesichts seiner Exportabh&#228;ngigkeit kann Deutschland in diesem Fall   nicht ungeschoren davon kommen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die   Abh&#228;ngigkeit von den Ausfuhren seit der Rezession 2009 noch dramatisch   gestiegen ist: &#8222;2008, in dessen Herbst mit dem Fall von Lehman Brothers   die Krise hochschoss, stieg der private Konsum in Deutschland um 0,7   Prozent, der Export um 2,5 Prozent. 2010, dem Jahr des neuen Wachstums   auf niedrigerer Grundlage, wuchs der private Konsum um ganze 0,5   Prozent, die Exporte hingegen um 14,2 Prozent&#8220; (isw-Wirtschaftsinfo Nr.   44 vom April 2011).<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem m&#252;ssen die Turbulenzen im Euro-Raum die deutsche Wirtschaft   zwangsl&#228;ufig ersch&#252;ttern. Schon am 29. Januar t&#246;nte Kanzlerin Angela   Merkel in der S&#252;ddeutschen Zeitung: &#8222;Scheitert der Euro, scheitert   Europa.&#8220; Das wiederholte sie nun mantram&#228;&#223;ig Anfang September in der   Bundestagsdebatte und brachte damit die Mehrheitsmeinung der   herrschenden Klasse hier zum Ausdruck. Noch wollen sie den Euro mit   Z&#228;hnen und Klauen verteidigen. Allerdings droht ihr langj&#228;hriger Vorteil   seit Beginn der Euro-Krise im Fr&#252;hjahr 2010 in einen Nachteil   umzuschlagen: &#8222;Am Ende des Tages wird Deutschland f&#252;r alle garantieren   m&#252;ssen, die &#252;brig bleiben&#8220;, erkl&#228;rte der ehemalige Chef&#246;konom des   Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF), Kenneth Rogoff (FAZ vom 13.   September). Bereits vor der jetzt anvisierten Ausweitung des   Euro-Rettungsschirms rechnete Conrad Schuhler im isw-Report Nr. 85 vor:   &#8222;Weit mehr als ein Viertel des deutschen Bruttoinlandsprodukts ist mit   B&#252;rgschaften, Anleihek&#228;ufen und Bareinzahlungen direkt gebunden an das   Meistern der Krise in der Euro-Zone.&#8220;<\/p>\n<h4>  Letzte Ausfahrt Peking?<\/h4>\n<p>  Abgesehen von Japan befinden sich derzeit prim&#228;r die USA und Europa auf   Talfahrt. Da gerade die deutsche Autoindustrie (weiterhin der gr&#246;&#223;te   industrielle Arbeitgeber der Bundesrepublik) ihre Exporte nach Asien   ausbaute, w&#228;hnten sich die Auto-Vorst&#228;nde bisher in Sicherheit. In der   Tat konnten die deutschen PKW-Ausfuhren nach Asien seit 1990 mehr als   verdreifacht werden. &#8222;Der Verkauf teurer Limousinen an die neuen Reichen   in China und anderen Schwellenl&#228;ndern hat Audi, BMW und Daimler   Milliardengewinne in die Kassen gesp&#252;lt. BMW hei&#223;t in China &#8222;kostbares   Pferd&#8220; (Christoph Ruhkamp in der FAZ vom 12. September).<\/p>\n<p>  Dadurch k&#246;nnte sich der Abschwung der deutschen Wirtschaft   m&#246;glicherweise etwas verz&#246;gern. Aufzuhalten wird er &#8211; wenn sich die   Entwicklungen in Richtung &#8222;Double Dip&#8220; fortsetzen &#8211; nicht sein.   Schlie&#223;lich setzen die deutschen Konzerne immer noch zwei Drittel aller   PKW in Westeuropa sowie Nordamerika ab und ein Drittel auf asiatischen   M&#228;rkten. Dar&#252;ber hinaus schw&#228;cht sich die Konjunktur auch in China und   anderen &#8222;Schwellenstaaten&#8220; ab &#8211; der Kapitalzustrom (wegen dem Einbruch   in Europa und den USA 2007-09) ebenso wie das chinesische   Konjunkturprogramm gaben der Inflation gewaltig Nahrung, befeuerten die   Spekulation (vor allem im Immobiliensektor) und f&#246;rderten   &#220;berkapazit&#228;ten.<\/p>\n<h4>  Prognosen halbiert<\/h4>\n<p>  Auch wenn die deutsche Wirtschaft noch nicht auf Crash-Kurs ist, kann   der Abschwung bald an Fahrt gewinnen. Letzte Woche sagte erst die   Organisation f&#252;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)   f&#252;r die gr&#246;&#223;te Volks wirtschaft Europas ein Schrumpfen der Wirtschaft im   vierten Quartal 2011 voraus. Dieses Woche legte nun das Kieler Institut   f&#252;r Weltwirtschaft (IfW) nach und bezeichnete Deutschland &#8222;am Rande   einer Rezession&#8220;. Von einer Rezeession ist die Rede, wenn die Wirtschaft   zwei Quartale in Folge r&#252;ckl&#228;ufig ist. Aufgrund des BRD-Wachstums im   ersten Halbjahr erwartet das IfW f&#252;r das Gesamtjahr 2011 noch ein Plus   von 2,8 Prozent. Allerdings halbierten sie ihre Prognose f&#252;r 2012 und   gehen mit 0,8 Prozent de facto von einer Stagnation aus.<\/p>\n<p>  Aufgrund seiner Exportabh&#228;ngigkeit sind die Schwankungen der deutschen   Wirtschaft oft besonders stark. Ein erstes wichtiges Warnsignal f&#252;r die   deutsche Industrie war bereits der Auftragsr&#252;ckgang im Juli um 2,8   Prozent.<\/p>\n<h4>  Kurzarbeit? Entlassungen? Betriebsschlie&#223;ungen?<\/h4>\n<p>  Ein Einbruch der internationalen und der deutschen Wirtschaft &#8211;   kombiniert mit den drohenden Verwerfungen im Euro-Raum &#8211; wird in jedem   Fall nachhaltige Auswirkungen auf das Bewusstsein von Besch&#228;ftigten und   Erwerbslosen in der Bundesrepublik haben. Mehr und mehr wird sich   durchsetzen, dass die Rezession 2009 kein einmaliger Ausrutscher war.   Hatten viele, gerade in den Gro&#223;betrieben, das Gef&#252;hl mit Hilfe der   Kurzarbeit noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein,   werden sich die Zweifel an der kapitalistischen Produktionsweise   verst&#228;rken.<\/p>\n<p>  Die wichtigste Einsch&#228;tzung der letzten Tage gab der Pr&#228;sident der   Bundesagentur f&#252;r Arbeit, Frank-J&#252;rgen Weise, ab. Im Interview mit der   &#8222;Wirtschaftswoche&#8220; Anfang September erkl&#228;rte er: &#8222;Wenn es erneut zu   einem Einbruch der Wirtschaft kommt, werden einige Unternehmen nicht   noch einmal eine solche Durststrecke durchstehen k&#246;nnen.&#8220; Dies   begr&#252;ndete Weise mit einer geringeren Schlagkraft der Bundesagentur   (BA). &#8222;In der vergangenen Krise hatte die BA eine R&#252;cklage von 18   Milliarden Euro, die sie einsetzen konnte, zum Beispiel f&#252;r   Kurzarbeitergeld. Jetzt ist die Kasse leer.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Alarmierende Konjunkturprognosen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14439"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14439"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14439\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}