{"id":14437,"date":"2011-09-15T18:21:00","date_gmt":"2011-09-15T18:21:00","guid":{"rendered":".\/?p=14437"},"modified":"2011-09-15T18:21:00","modified_gmt":"2011-09-15T18:21:00","slug":"14437","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14437\/","title":{"rendered":"CFM-Streik: Entschlossenheit und Wut w&#228;chst"},"content":{"rendered":"<p>  Vierter Tag Streik und noch kein Ende in Sicht<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Bei der Betriebsversammlung versucht das CFM-Management die   Besch&#228;ftigten f&#252;r dumm zu verkaufen. Den Unmut bekam sie sofort zu   sp&#252;ren. W&#228;hrend die Gesch&#228;ftsleitung weiterhin versucht Kolleginnen und   Kollegen einzusch&#252;chten, holte sie sich am Vormittag eine Niederlage   beim Arbeitsgericht ab. Es machte deutlich, dass sie mit der fristlosen   K&#252;ndigung im Juli gegen&#252;ber einem Gewerkschaftsaktivisten nicht   durchkommen werden.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Michael Koschitzki, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Morgens um 5 Uhr stehen wieder Streikposten an allen Standorten der   Charit&#233;, um den Streik bei der Tochtergesellschaft CFM zu organisieren.   Die Streikposten zeigen Wirkung und ein paar KollegInnen, die sich noch   nicht getraut hatten, schlie&#223;en sich dem Streik an. Doch die   GewerkschafterInnnen machen wieder die Erfahrung, massiv behindert zu   werden. Besch&#228;ftigte einer Security-Firma nehmen f&#252;r sich das Hausrecht   in Anspruch und versuchen die GewerkschafterInnen drau&#223;en zu halten.   &#220;ber Funkger&#228;te und Telefone werden die VorarbeiterInnen blitzschnell   &#252;ber Gewerkschafter verst&#228;ndigt, damit die Vorgesetzten in die Stationen   eilen, um Besch&#228;ftigte einsch&#252;chtern und vom Streik abhalten. Als dieses   Verhalten der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung vor dem Bettenhaus &#246;ffentlich gemacht   wurde, riefen die KollegInnen &#8222;Stasi raus&#8220; Sprechch&#246;re und bliesen in   ihre Trillerpfeifen.<\/p>\n<h4>  Arbeitsgerichtstermin<\/h4>\n<p>  Ungef&#228;hr f&#252;nfzehn Besch&#228;ftigte begleiteten einen Kollegen zu einem   Termin beim Arbeitsgericht. Dem Betriebsratsmitglied wurde im Juli   fristlos gek&#252;ndigt. Die CFM-Gesch&#228;ftsf&#252;hrung brachte als Begr&#252;ndung,   dass er auf einer Station eine Reanimation eines Patienten vorgenommen   habe, obwohl Krankenpfleger anwesend waren. Der Krankentransporter, der   wie alle eine Ausbildung als Rettungsassistent hat, verwies darauf, dass   die Krankenpfleger nichts gemacht hatten und Lebensrettung eine Pflicht   sei. Selbst die Arbeitsrichterin brachte ihr volles Unverst&#228;ndnis zum   Ausdruck, wie jemand fristlos gek&#252;ndigt werden soll, der die Absicht   hatte, Menschenleben zu retten. Die Vertreterin der CFM bot 25.000 Euro   Abfindung, um sich aus der Aff&#228;re zu ziehen, schaltet aber sonst auf   Stur und geht bislang in Berufung.<\/p>\n<h4>  Betriebsversammlung<\/h4>\n<p>  H&#246;hepunkt des vierten Streiktages war eine Betriebsversammlung an allen   drei Standorten. Als der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Giebe drei &#196;pfel auf das   Rednerpult legte, den Betriebsrat fragte, ob er einen Apfel f&#252;r einen   Euro oder einen f&#252;r 1,68 EURO kaufen w&#252;rde und ihm sagte, seine Kinder   w&#252;rden die Antwort kennen, gab es im Saal kein Halten mehr. &#8222;Wollen die   uns f&#252;r bl&#246;d verkaufen?&#8220; riefen Kolleginnen und Kollegen. Der   Gesch&#228;ftsf&#252;hrer hielt einen Vortrag &#252;ber Markt und Wettbewerb und dass   er keine h&#246;heren L&#246;hne zahlen k&#246;nne.<\/p>\n<p>  Eine ganze Reihe von KollegInnen meldete sich zu Wort. Ein Logistiker   hielt ihm entgegen, dass er scharz auf wei&#223; beweisen k&#246;nne, 1,40 EURO   weniger pro Stunde als eine LIDL-Verk&#228;uferin zu verdienen und deswegen   das Gerede von branchen&#252;blichen L&#246;hnen quatsch w&#228;re. Ein anderer Kollege   ging weiter und meinte, dass es Wahnsinn w&#228;re nur von Gewinnen und   Profit zu reden, schlie&#223;lich ginge es um ein Krankenhaus und   Menschenleben. Auf die Fragen, wieviel der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer verdienen   w&#252;rde und was die Leiharbeiter und Securities im Betrieb zu suchen   h&#228;tten, ging Giebe nicht ein.<\/p>\n<p>  Roland Tremper von ver.di versprach &#8222;dem Apfelverk&#228;ufer&#8220;, dass ver.di   wochenlang streiken k&#246;nne bis ein gutes Angebot f&#252;r einen Tarifvertrag   vorliegt. Die Wut im Saal zeigte, dass die KollegInnen ihn beim Wort   nehmen wollen. Gesamtpersonalrat Carsten Becker sicherte die   Unterst&#252;tzung der Pflegekr&#228;fte zu. Das Mitarbeiterfest am Freitag sei   eine Gelegenheit den Schulterschluss aller Besch&#228;ftigten zu   demonstrieren.<\/p>\n<p>  Am Nachmittag gab es noch eine Protestaktion von KollegInnen bei einer   Wahlkampfveranstaltung der Partei DIE LINKE zu der auch   Wirtschaftssenator Harald Wolf kam. Mehrere Dutzend StreikaktivistInnen   kamen mit Schildern und Trillerpfeifen zur Veranstaltung. Ein Kollege   konnte reden, Harald Wolf unterhielt sich mit den Streikenden und   sicherte ihnen Solidarit&#228;t zu. Doch mehr als warme Worte f&#252;r die   Besch&#228;ftigten des Betriebs, der dem Land Berlin mehrheitlich geh&#246;rt,   waren nicht zu bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Vierter Tag Streik und noch kein Ende in Sicht\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,13,14,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14437"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14437"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14437\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14437"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14437"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14437"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}