{"id":14429,"date":"2011-09-13T18:00:00","date_gmt":"2011-09-13T18:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14429"},"modified":"2011-09-13T18:00:00","modified_gmt":"2011-09-13T18:00:00","slug":"14429","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14429\/","title":{"rendered":"CFM-Streik: Wowereit stellt sich ahnungslos"},"content":{"rendered":"<p>  Streikende CFM-KollegInnen konfrontieren Regierenden B&#252;rgermeister &#8211;   Bericht vom zweiten Streiktag bei der CFM<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Auch der zweite Tag des Streiks der CFM-KollegInnen begann   erfolgversprechend. Aus vielen Bereichen konnten neue Streikende begr&#252;&#223;t   werden. Ein H&#246;hepunkt des Tages war eine Veranstaltung am Campus   Virchow, wo Klaus Wowereit von streikenden KollegInnen abgefangen und   zur Rede gestellt.<\/p>\n<h4>  <i>von Holger Dr&#246;ge und Krischan Friesecke, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Durch den Streik bei der Servicetochter der Berliner Charit&#233; werden   Dienste wie Hol- und Bringedienste, die Technik und die Sterilisation   bestreikt und damit der Betrieb des Krankenhauses gest&#246;rt.<\/p>\n<p>  Eine Kollegin (Name der Redaktion bekannt) aus dem Krankentransport   berichtet, dass es teilweise Schwierigkeiten gibt, dass sich   Reinigungskr&#228;fte an dem Streik beteiligen. Viele von Ihnen haben   befristete Vetr&#228;ge und werden massiv unter Druck gesetzt. F&#252;r sie ist   der Kampf existenziell. Als Alleinerziehende mit zwei Kindern verdient   sie bei der CFM gerade mal 17 Euro mehr als ihr laut Hartz-4-Regelsatz   im Monat zusteht.Sie w&#252;nscht sich, dass die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung endlich   aufwacht und einem Tarifvertrag zustimmt. &#8222;Wir brauchen keine   Aufkl&#228;rungszettel vom Arbeitgeber, die uns erkl&#228;ren, wie wir richtig zu   streiken haben. Wir brauchen endlich einen Tarifvertrag!&#8220;<\/p>\n<p>  Gleichzeitig solidarisieren sich Besch&#228;ftigte aus der Pflege mit dem   Streik. Eine Intensivstation am Campus Benjamin Franklin hat zum   Beispiel diskutiert wie sie den Streik unterst&#252;tzen kann und organisiert   einen &#8222;aktiven Mittagstisch&#8220;. Der Vorsitzende der Ver.di-Betriebsgruppe   an der Charit&#233;, Carsten Becker, sprach auf der Streikdemonstration am   Nachmittag zu den Streikenden und versicherte ihnen die Unterst&#252;tzung   der Betriebsgruppe.<\/p>\n<p>  KollegInnen aus der Steri am Campus Benjamin Franklin berichten, dass   die Stimmung unter den Streikenden gut ist und sie sich nicht   unterkriegen lassen wollen. Aus ihrem Bereich beteiligen sich viele   MitarbeiterInnen am Streik. Sie berichten, dass die &#8222;Gestellten&#8220;   (KollegInnen, die bei der CFM arbeiten, aber nach dem besseren   Haustarifvertrag der Charit&#233; bezahlt werden) sich sehr solidarisch   verhalten und sich am Solidarit&#228;tsstreik beteiligen.<\/p>\n<p>  Der Streik wird sehr aktiv betrieben. Heute fanden Versammlungen der   verschiedenen streikenden Bereiche statt auf denen diskutiert wurde, wie   der Streik fortgesetzt und ausgeweitet werden kann. Daraufhin wurde auch   Gruppen gebildet, die sich vorgenommen haben, direkt diejenigen   KollegInnen anzusprechen, die bisher noch nicht den Mut gefasst haben,   am Streik teilzunehmen.<\/p>\n<p>  Erste Auswirkungen des Streiks machen sich bemerkbar. Zum Beispiel kommt   es bei Transporten h&#228;ufiger zu Zeitverz&#246;gerungen von einigen Stunden.   Auch scheint der Plan der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung, Leiharbeiter einzusetzen,   nicht reibungslos zu funktionieren. Es wurde von Leiharbeitern   berichtet, die ohne Einweisung auf Stationen geschickt wurden und nicht   wussten, was sie dort &#252;berhaupt tun sollten.<\/p>\n<p>  Eine Gruppe von Leiharbeitern entpuppte sich als Elektrotechniker, die   ohne vom Streik zu wissen an die Charit&#233; geschickt wurden. Hier sollten   sie aber nicht streikende Techniker ersetzen, sondern in der Reinigung   arbeiten, wovon sie nat&#252;rlich wenig begeistert waren.<\/p>\n<p>  Weiterhin versucht die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung KollegInnen einzusch&#252;chtern.   Teilweise wurden KollegInnen in der Freizeit angerufen und aufgefordert,   am folgenden Tag zur Arbeit zu erscheinen. Zum zweiten Mal w&#228;hrend des   Streiks wurde am Campus Mitte verschiedenes Streikmaterial offenbar auf   Anweisung aus der CFM-Gesch&#228;ftsf&#252;hrung zerst&#246;rt, obwohl diese im Geb&#228;ude   gar nicht das Hausrecht hat. So wurden heute Streikplakate und   Infoflugbl&#228;tter von den W&#228;nden gerissen und entsorgt, am Montag wurde   sogar versucht kistenweise Streikmaterial zu stehlen. Ver.di hat Anzeige   wegen dieses Vorgehens erstattet.<\/p>\n<h4>  Hoher Besuch am Campus Virchow<\/h4>\n<p><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" width=\"420\" height=\"345\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/Oo1iJNCYqls\" allowfullscreen=\"#DEFAULT\"><\/iframe> <\/p>\n<p>  Einen ersten H&#246;hepunkt erlebte der Streik am Dienstag Mittag am Campus   Virchow. Mit einem Bus fuhren f&#252;nfzig Streikende vom Bettenhochhaus   Mitte in den Wedding. Auf einer dort stattfindenden Veranstaltung sollte   auch der amtierende B&#252;rgermeiser Klaus Wowereit (SPD) erscheinen.   Nachdem F&#252;hrungspersonal der Charit&#233; bereits lautstark empfangen wurde,   kam um zw&#246;lf Uhr Klaus Wowereit und musste sich den Streikenden stellen.   W&#228;hrend des Gespr&#228;ches versuchte Wowereit von seiner Verantwortung f&#252;r   die Ausgr&#252;ndung der CFM im Jahr 2006 abzulenken und sich aus der   Verantwortung zu stehlen. Trotz wiederholter Nachfrage verwies er, zum   Teil in sehr arrogantem Tonfall auf die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung der CFM. Er   verstieg sich sogar zu der Behauptung, das sich die CFM an das   Vergabegesetz halte und dort keine L&#246;hne unter 7,50 Euro gezahlt werden.   Diese Behauptung kann f&#252;r die KollegInnen der CFM nur wie blanker Hohn   klingen. Die komplette Rede Wowereits findet sich <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Oo1iJNCYqls\">hier<\/a>.   Verabschiedet wurde Wowereit unter lauten Pfiffen und Buhrufen.<\/p>\n<p>  Im Nachmittag sprach die Gesundheitssenatorin und stellvertretende   Landesvorsitzende der Partei DIE LINKE, Katrin Lompscher, zu den   Streikenden und beteiligte sich f&#252;r circa 250 Meter an deren   Demonstration. Sylvi Krisch, zust&#228;ndige ver.di-Sekret&#228;rin konfrontierte   sie mit den katastrophalen Arbeitsbedingungen bei der CFM, wo viele   KollegInnen krank zur Arbeit gehen und nicht genug Einkommen zum Leben   haben. Lompscher wusste darauf nichts anderes zu sagen, als ihrer   Vorrednerin zuzustimmen. Sie dr&#252;ckte ihre Solidarit&#228;t aus und betonte,   DIE LINKE setze sich im Senat f&#252;r einen h&#246;heren Mindestlohn und eine   vollst&#228;ndige Wiedereingliederung der CFM in die Charit&#233; ein. Das h&#246;rten   die KollegInnen gerne, viele fragten sich aber, weshalb sie so wenig von   der Unterst&#252;tzung mitbekommen. Lompscher verwies darauf, dass der Senat   ja in der Auseinandersetzung keine Entscheidungsgewalt habe &#8230; und wusch   ihre H&#228;nde in Unschuld. Auf Nachfragen von KollegInnen wiederholte sie   nur diese Position. Als Sascha Stanicic vom Solidarit&#228;tskomitee f&#252;r die   CFM-Besch&#228;ftigten darauf hinwies, dass Senat und Gesch&#228;ftsf&#252;hrungen sich   die Verantwortung gegenseitig zuschieben, wenn die Gesch&#228;ftsf&#252;hrungen   von Charit&#233; und CFM darauf hinweist, dass der Senat die Vorgabe der   &#8222;schwarzen Null&#8220; f&#252;r die Bilanzen der Charit&#233; mache und der Senat sich   dann als nicht zust&#228;ndig erkl&#228;rt, fiel der Senatorin keine passende   Antwort ein.<\/p>\n<p>  Die Streikenden sind entschlossen und zuversichtlich, brauchen aber   weiterhin die Unterst&#252;tzung anderer GewerkschafterInnen und aus der   Bev&#246;lkerung. Am morgigen Mittwoch wird es ab 10 Uhr eine Demonstration   vom Bettenhaus Mitte zum Roten Rathaus geben. Alle sind aufgefordert,   daran teilzunehmen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Fotos: <a href=\"https:\/\/picasaweb.google.com\/102458489215897250915\/CFMStreik?authuser=0&#038;feat=directlink\">hier   klicken<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Streikende CFM-KollegInnen konfrontieren Regierenden B&#252;rgermeister &#8211;<br \/>\n      Bericht vom zweiten Streiktag bei der CFM\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,13,14,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14429"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14429"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14429\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}