{"id":14424,"date":"2011-09-10T09:00:00","date_gmt":"2011-09-10T07:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14424"},"modified":"2012-07-02T18:40:03","modified_gmt":"2012-07-02T16:40:03","slug":"14424","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14424\/","title":{"rendered":"Zum Flugzeugabsturz bei Jaroslawl"},"content":{"rendered":"<p>  Ein Ungl&#252;ck mit ganz kapitalistischen Ursachen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 7. September st&#252;rzte in Tunoshna in der N&#228;he der russischen Stadt   Jaroslawl eine Kleinmaschine des Typs JAK-42 ab. 43 Menschen kamen ums   Leben, nur zwei &#252;berlebten und befinden sich weiterhin in kritischem   Zustand. An Bord war auch die jaroslawlische Eishockey-Mannschaft mit   zahlreichen Weltklassespielern, darunter Karel Rach&#367;nek, Ruslan Salei,   Robert Dietrich und Stefan Liv. Manche Trag&#246;dien passieren einfach, und   manchmal st&#252;rzen selbst sichere, gut gewartete und unter optimalen   Bedingungen befindliche Flugzeuge ab. Aber wie der untenstehende Artikel   von der Website der Sozialisticheskaya Alternativa, der   Schwesterorganisation der SAV in Russland, zeigt, ist auf den   Kapitalismus Verlass.<\/p>\n<h4>  <i>von P. Klimov, Ortsgruppe Moskau S&#252;d<\/i><\/h4>\n<p>  Tausende Jaroslawler versammelten sich vor dem Sportpalast und   hinterlegten Blumen. Rein durften sie nicht: Am selben Tag begann das   weltpolitische Forum, an dem Vertreter aus Politik und Wirtschaft   ausgerechnet &#252;ber &#8222;die Probleme der demokratischen L&#228;nder in der Zeit   sozialer Vielfalt&#8220; und &#252;ber &#8222;die &#246;konomische Ungleichheit der B&#252;rger&#8220;   diskutieren wollten.<\/p>\n<p>  Es scheint, als h&#228;tten diejenigen, die Blumen zum Sportpalast brachten,   diese (und andere) Ungleichheit durchaus zu sp&#252;ren bekommen. Aus der   Presse erf&#228;hrt man, dass in der Nacht &#8222;Weg mit dem Forum!&#8220;- Rufe zu   h&#246;ren waren, und im Internet kursieren Meldungen wie diese: &#8222;Das   Flugzeug startete auf der H&#228;lfte der Startbahn &#8211; deshalb hat es die   notwendige Geschwindigkeit und in der Folge auch die richtige H&#246;he nicht   erreicht. Die anderen Flugbahnen in Tunoshna waren von VIP-Flugzeugen   besetzt (Maschinen der Forumsbesucher), und die zweite Bahn wurde zur   &#220;berpr&#252;fung vor Medvedevs Einflug gesperrt. Man hat sich auf die   Fertigkeiten des Piloten verlassen, aber Kenner sagen, dass ein   richtiger Start von halber Bahn ein sehr schwieriges Man&#246;ver ist&#8220;.<\/p>\n<p>  Ob sich die Ereignisse so abgespielt haben oder nicht, werden wir   h&#246;chstwahrscheinlich nie erfahren. Experten dementieren dieses Szenario   (sicher, denn das Abstellen weiterer Flugzeuge auf der Startbahn ist   eine Straftat), aber im modernen Russland erscheint es nicht   au&#223;ergew&#246;hnlich. Zugleich sind die Untersuchungsbeh&#246;rden niemandem   Rechenschaft schuldig, au&#223;er der Regierung, und nach dem Prinzip &#8222;von   oben nach unten&#8220;. Man kann davon ausgehen, dass sie es vorziehen werden,   einen Fehler dieser Art &#8211; der auch noch zu einem Prestigeverlust des   Landes f&#252;hren k&#246;nnte! &#8211; lieber zu &#252;bersehen.<\/p>\n<h4>  Und so bleiben drei m&#246;gliche Schuldige f&#252;r die Untersuchenden:   Schlechter Treibstoff, technische St&#246;rungen und menschliches Versagen.<\/h4>\n<p>  Anfang August stiegen die Treibstoffpreise um f&#252;nf bis zehn Prozent, und   Anfang September wurde die Kerosinherstellung stark gedrosselt, was   einen entsprechenden Mangel an Treibstoff in den Flugh&#228;fen zur Folge   hatte. Die Flugaufsichtsbeh&#246;rde hat einen eigenen Krisengipfel dazu   einberufen, an dem hochrangige Beamte und Vertreter von &#214;lgesellschaften   teilnahmen &#8211; Letztere wurden regelrecht &#252;berredet, Produktion und   Bef&#246;rderung &#8222;zu optimieren&#8220;. Nichtsdestoweniger f&#252;hren ein solches   Defizit und die Preissteigerung zu Sparzw&#228;ngen und in der Folge zu   Qualit&#228;tseinbr&#252;chen. ArbeiterInnen an den Flugh&#228;fen waren zeitweise   gezwungen, &#252;briggebliebene Treibstoffreste einzutanken.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich verlangt ein derart verantwortungsvoller Zweig wie der   Flugbetrieb eine besondere Planung zur Bereitstellung aller notwendigen   Dinge und Mittel, um den Betrieb am Laufen zu halten &#8211; dazu z&#228;hlt auch   Kerosin. Aber wann kann unter den Bedingungen eines instabilen Marktes   und kapitalistischer Konkurrenz jemals mit langfristiger Planung   gerechnet werden? Planen kann man alles M&#246;gliche &#8211; Business bleibt   Business.<\/p>\n<p>  Noch 2009 hatte die Flugaufsichtsbeh&#246;rde Russlands JAK-Service, dem   Betreiber des Ungl&#252;cksflugs, Beschr&#228;nkungen in Bezug auf internationale   Fl&#252;ge auferlegt. Auch die europ&#228;ische Flugaufsichtsbeh&#246;rde betrachtete   JAK-Service im selben Jahr als die am wenigsten sichere Fluggesellschaft   Russlands unter denen, die nach Europa fliegen. Zwar wurden diese   Entscheidungen sp&#228;ter zur&#252;ckgenommen, an sich sind sie aber nicht   verwunderlich. Die Fluggesellschaft ist spezialisiert auf   &#8222;Auftragsfl&#252;ge&#8220; und flog 2010 ein Defizit von zwei Millionen Rubel ein   (ca. 50 000 &#8364;). Im Einsatzkommando zur Beseitigung der Folgen der   Katastrophe verk&#252;ndete Medvedev: &#8222;Die Anzahl der kleinen   Fluggesellschaften in Russland muss radikal gemindert werden! Und er   f&#252;gte hinzu: &#8222;Da passieren eine Menge wundersame Dinge. Was die Leute   nicht alles erz&#228;hlen!&#8220;<\/p>\n<p>  Welch eine &#252;berraschende Einsicht! Die Erfahrung in jedem   Wirtschaftszweig zeigt, dass kleine private Gesellschaften in der Regel   an allem Erdenklichen sparen. Darunter fallen sowohl schlechte Wartung   als auch die Nichteinhaltung von Sicherheits- und technischen Normen. Es   gen&#252;gt zu sagen, dass das abgest&#252;rzte Flugzeug die j&#252;ngste Maschine der   Firma war (Baujahr 1993) und nicht einmal die Kilometer bis zur Wartung   geschafft hat (Die Lizenz w&#228;re im Oktober ausgelaufen). &#196;hnliches l&#228;sst   sich auch &#252;ber die Arbeitsbedingungen sagen. Je kleiner die Firma, desto   schwieriger f&#228;llt es den ArbeiterInnen, sich zusammenzutun und die   Einhaltung ihrer elementarsten Rechte durchzusetzen. &#220;ber den Aufbau   einer starken Gewerkschaft bleibt da wenig zu sagen.<\/p>\n<p>  Im &#220;brigen n&#252;tzen Konkurrenz und kapitalistische Zersplitterung   insgesamt nicht der Entwicklung funktionierender Wirtschaftszweige (oder   der Gesamtwirtschaft). Dar&#252;ber werden Untersuchungsbeh&#246;rden und andere   hohe Beamte aber friedlich schweigen. Anstatt s&#228;mtliche   Fluggesellschaften in &#246;ffentliche Hand zu &#252;berf&#252;hren und unter   allseitige Kontrolle durch Arbeiterorganisationen und demokratische   Verwaltung zu stellen, wird man uns nur wieder einmal vorschlagen, die   &#8222;Weichensteller&#8220; zu bestrafen &#8211; die nur Pech hatten und erfolglos nach   den Regeln des entstandenen System gespielt haben.<\/p>\n<p>  Fr&#252;her oder sp&#228;ter werden die &#8222;Weichensteller&#8220; aller Bereiche nicht mehr   am Rand stehen wollen. Sie werden sich organisieren und zu handeln   beginnen, gemeinsam und unabh&#228;ngig von den Bossen. Und erst dann werden   Katastrophen wie diese &#8211; die Fr&#252;chte des Kapitalismus &#8211; endg&#252;ltig der   Vergangenheit angeh&#246;ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ein Ungl&#252;ck mit ganz kapitalistischen Ursachen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14424"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14424"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14424\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14424"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}