{"id":14423,"date":"2011-09-11T00:00:00","date_gmt":"2011-09-10T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14423"},"modified":"2012-07-18T15:44:43","modified_gmt":"2012-07-18T13:44:43","slug":"14423","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14423\/","title":{"rendered":"Der 11. September und seine Folgen"},"content":{"rendered":"<p>  Die Welt wurde auf den Kopf gestellt<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Zehn Jahre ist es her, dass die Twin Towers von New York ineinander   zusammenfielen. In der Zeit nach diesem terroristischen Angriff   entfesselte der US-Imperialismus ein Abschlachten von Massen in   Afghanistan und dem Irak, was einige zu dem Glauben verleitete, dass   eine &#196;ra absoluter Dominanz durch die einzige Supermacht der Welt   angebrochen sei. Doch die heutige globale Wirtschaftskrise und die   Unf&#228;higkeit der USA angesichts der Revolution in Nordafrika und dem   Nahen Osten hat die Fehlerhaftigkeit dieser Sichtweise unter Beweis   gestellt. <\/p>\n<h4>  <i>von Peter Taaffe, Generalsekret&#228;r der Socialist Party in England und   Wales<\/i><\/h4>\n<p>  Bei den blutigen terroristischen Verbrechen des 11. September 2001 in   New York, Pennsylvania und Washington handelte es sich um die   einschneidensten Ereignisse der j&#252;ngeren Geschichte. Der Tod von   tausenden von Menschen war f&#252;r die kapitalistische Reaktion unter der   F&#252;hrung von George W. Bush und dem mittlerweile in Misskredit geratenen,   damaligen britischen Premierminister Tony Blair der Vorwand daf&#252;r, eine   neue &#196;ra des schrecklichen imperialistischen Krieges einzul&#228;uten und das   Gift der ethnischer Spannungen und des Rassismus zu bef&#246;rdern, das vor   allem gegen Menschen islamischen Glaubens eingesetzt wurde. Das Ergebnis   davon war, dass eine unglaubliche Zahl an Menschen ihr Leben verlor und   eine Zerst&#246;rung, die zu weiterem ungeahnten Leid von Millionen   arbeitender Menschen und der Armen vor allem in der neokolonialen Welt   f&#252;hrte.<\/p>\n<p>  Die Socialist Party verurteilte damals und seither eindeutig die   Organisation al-Qaida, die hinter diesen Anschl&#228;gen steckte. Wir   beschrieben ihre Methoden als die &#8222;einer kleinen Gruppe, die von   Massenterrorismus Gebrauch macht&#8220;. Gleichzeitig gaben wir nicht den   Hauch von Unterst&#252;tzung f&#252;r Bush oder Blair und die Kakofonie der   kapitalistischen Medien f&#252;r einen weltweiten &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220;.   In Wirklichkeit benutzten sie nur den 11. September, um staatlichen   Terror gegen wehrlose und unschuldige Menschen auf der ganzen Welt   einzusetzen. Das Symbol daf&#252;r wurden schlie&#223;lich die Folterkammern von   Guant&#225;namo Bay und das ber&#252;chtigte Gef&#228;ngnis Abu-Ghuraib im Irak.<\/p>\n<p>  Dennoch wurde dieser politische Standpunkt nicht einmal von einigen   sozialistischen Gruppen geteilt, die sich fragw&#252;rdig verhielten und   sogar ablehnten, diese Angriffe zu verurteilen. Das war ein vollkommen   falscher Ansatz, der das Risiko der Entfremdung der Mehrheit der   Menschen aus der Arbeiterklasse in sich barg, die vom Blutbad in New   York und Washington angewidert waren. Mehr noch: Es er&#246;ffnete die   M&#246;glichkeit, dass sie in die Arme von Bush und Blair und ihrer   Kriegsvorbereitungen zur Invasion Afghanistans und sp&#228;ter auch des Irak   getrieben wurden.<\/p>\n<p>  Der Marxismus hat in der Geschichte terroristische Methoden immer   abgelehnt. In Russland war der Marxismus von Anfang an darauf   festgelegt, diese Methoden im Kampf gegen das brutale zaristische Regime   abzulehnen. MarxistInnen setzten dem den Massenkampf entgegen. Sie   verbanden die K&#228;mpfe der Arbeiterklasse mit denen der B&#228;uerinnen und   Bauern und in erster Linie mit dem Kampf der verarmten Landbev&#246;lkerung.   Darin sahen sie die einzige Kraft, die einen erfolgreichen Kampf gegen   den Zarismus f&#252;hren konnte. Nicht die Ermordung selbst der   unterdr&#252;ckerischsten Minister der Regierung sondern die Massenaktion,   der Generalstreik, ein Massenaufstand zur &#220;berwindung der diktatorischen   Regimes konnte demnach die Basis schaffen f&#252;r einen nachhaltigen Erfolg.<\/p>\n<p>  Leo Trotzki verglich den Terrorismus mit dem kapitalistischen   Liberalismus nur mit dem Mittel des Bombenanschlags. Heute mag das   merkw&#252;rdig f&#252;r uns klingen. So ist es unvorstellbar, dass Nick Clegg,   Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei Gro&#223;britanniens und   stellvertretender Premierminister, mit terroristischen Methoden in   Verbindung gebracht wird! Aber Trotzkis Gedanken bleiben schl&#252;ssig. Die   Liberalen glauben, dass die Entfernung dieses oder jenes Ministers oder   einer Regierung wirklich zu einer grundlegenden Ver&#228;nderung f&#252;hren kann.   Denselben Ansatz verfolgt der Terrorist, nur mit gewaltsamen Mitteln.   Doch um wirklichen sozialen Wandel zu erreichen, reicht es nicht aus,   einen Minister oder eine Regierung auszutauschen. W&#252;rde etwa die   Absetzung der momentanen Regierung in Gro&#223;britannien und die   Macht&#252;bergabe an Ed Miliband und seine New Labour-Partei die Lage   grundlegend ver&#228;ndern? Allein die Frage zu stellen, hei&#223;t schon, die   Antwort gegeben zu haben, weil eine Regierung Miliband verwurzelt w&#228;re   im Rahmen, den der Kapitalismus absteckt. Es w&#252;rde zu keinem   dramatischen Wandel kommen; vor allem nicht, was die sozialen   Bedingungen der Masse der Menschen angeht.<\/p>\n<p>  Allerdings kam al-Qaida mit einer v&#246;llig neuen Art des Terrorismus   daher. Trotz der Versuche einiger linker Gruppen, das Bild des   islamischen Terrorismus zu besch&#246;nigen, geht al-Qaida zur&#252;ck auf die   Lehre des Wahhabismus, eine mittelalterliche Version des sunnitischen   Islam und das dominierende Glaubensbekenntnis des theokratischen Regimes   in Saudi Arabien. In der Vergangenheit beteiligten sich terroristische   Gruppierungen, die sich zumindest theoretisch der Bef&#246;rderung der   sozialen Interessen der Massen verpflichtet meinten, an Mordanschl&#228;gen   gegen besonders reaktion&#228;re Personen, Regierungen etc. Die Urspr&#252;nge von   al-Qaida mit ihrer messianischen auf keiner Klassen-Basis gegr&#252;ndeten   Fundamentalopposition gegen&#252;ber dem &#8222;Ungl&#228;ubigen&#8220;, dem &#8222;gro&#223;en Satan&#8220;,   den USA, geben Aufschluss &#252;ber die r&#252;cksichtslose Anwendung massenhaften   Terrors. Man griff nicht nur die USA und ihre Verb&#252;ndeten an, sondern   t&#246;tete auch unschuldige ArbeiterInnen und Arme. Offenkundig wurde dies   am 11. September 2011 aber auch bei den anderen terroristischen Akten   vorher und nachher.<\/p>\n<p>  Der sachkundige Korrespondent der britischen Zeitung The Independent,   Patrick Cockburn, machte auf Folgendes aufmerksam: &#8222;In den westlichen   Medien wird ein b&#246;sartiger Aspekt bez&#252;glich al-Qaida viel zu wenig   gew&#252;rdigt: Die Organisation hat schon immer mehr schiitische Moslems als   Amerikaner get&#246;tet. Die Gruppe war sektiererisch bevor sie   nationalistisch wurde. Die Schiiten wurden als Ketzer betrachtet, die   genau wie der US-amerikanische oder britische Soldat den Tod verdient   haben. Ihre Selbstmordattent&#228;ter werden immer wieder schiitische   Tagel&#246;hner zum Ziel haben, die auf &#246;ffentlichen Pl&#228;tzen fr&#252;h morgens in   Bagdad auf Arbeit warten. Ihre verheerenden Bombenanschl&#228;ge werden immer   wieder gegen schiitische Gl&#228;ubige gerichtet sein, die aus ihrer Moschee   kommen&#8220;. Dasselbe Bild haben wir in Pakistan mit den dort agierenden   Taliban, einem Ableger von al-Qaida. Dort werden schiitische Muslime   niedergemetzelt, wo immer sie zum Ziel werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  &#220;ber alldem steht, dass al-Qaida in den letzten zehn Jahren weithin   erfolglos darin geblieben ist, irgendeinen echten Erfolg gegen den   US-Imperialismus oder seine verb&#252;ndeten Regimes im Nahen Osten bzw. in   Nordafrika zu erzielen. Da die Hauptgruppe um Osama bin Laden klein war,   wurde ihr Banner auf islamische Terroristen in der ganzen Welt   &#8222;&#252;bertragen&#8220;. Die Behauptung, wonach es sich dabei um eine Art von   &#8222;islamischer Komintern&#8220; handeln w&#252;rde, war eine groteske &#220;bertreibung.   Das &#196;u&#223;erste, was die Struktur bislang erreicht hat, war die   Organisierung betr&#228;chtlicherer Kr&#228;fte in den Tora Bora-Bergen von   Afghanistan zwischen 1996 und 2001.<\/p>\n<h4>  Die Aufnahme des Massen-Kampfes<\/h4>\n<p>  Bei den gro&#223;artigen Revolutionen im Nahen Osten und in Nordafrika, die   in Tunesien und &#196;gypten ihren Anfang nahmen, spielte al-Qaida nur eine   geringe bis gar keine Rolle. Wie wir entgegen der Haltung vieler linker   Gruppen wie der Socialist Workers Party in Gro&#223;britannien vorausgesagt   hatten, lehnten die jungen Leute und die ArbeiterInnen die falschen   terroristischen Modelle ab und &#252;bernahmen die Methoden des   Massenkampfes. Massenbesetzungen &#246;ffentlicher Pl&#228;tze, Streiks und   Demonstrationen waren die politischen Waffen der tunesischen und   &#228;gyptischen Massen bei der Absetzung von Ben Ali und Mubarak. Die   Socialist Workers Party in Gro&#223;britannien hingegen n&#228;herte sich   Organisationen an, die sich auf den politischen Islam st&#252;tzen und   &#252;bertrieb deren Bedeutung.<\/p>\n<p>  Es ist richtig, dass der Anlass f&#252;r die tunesische Revolution die   Selbstverbrennung des Stra&#223;enh&#228;ndlers Mohamed Bouazizi war. Doch dieser   individuelle Akt hatte nichts gemein mit den Methoden des   r&#252;cksichtslosen Massenterrors der Selbstmordattent&#228;ter, die al-Qaida   ausmachen. Mehr noch: Die Bedingungen f&#252;r die Revolution wurden durch   die gesamte vorhergegangene Phase kreiert und f&#252;hrten dann zu einem eher   zuf&#228;lligen Anlass, der eine Massenbewegung in Tunesien und &#196;gypten in   Gang brachte, ein Charakteristikum aller echten Revolutionen.<\/p>\n<p>  Dort, wo die Religion sich weiterhin auf eine gewisse Basis st&#252;tzen kann   und &#8211; wie vor allem in der neokolonialen Welt &#8211; ein bestimmtes Ma&#223; an   Attraktivit&#228;t auf die Massen aus&#252;bt, gedeiht sie teilweise wegen der   Bedingungen in einer Diktatur oder aufgrund des unterentwickelten   &#246;konomischen Charakters einiger L&#228;nder mit gro&#223;em Anteil an l&#228;ndlicher   Bev&#246;lkerung. In der stalinistischen Diktatur in Polen bis 1989 war es   der Katholizismus der Kirche, der die Mittel zur Organisierung des   Widerstands auf Seiten der ArbeiterInnen in Polen bereithielt. Aus   diesem Grund hatte die Erhebung eine ausgesprochen religi&#246;se Pr&#228;gung.   Das f&#252;hrte zun&#228;chst nicht dazu, dass man dort aus der Warte der   antistalinistischen Opposition heraus prokapitalistische   Schlussfolgerungen zog. Im Grunde stellte die Solidarno&#347;&#263;-Bewegung mit   ihren Komitee-Strukturen und der Beteiligung der Massen 1980 und -81 die   Bewegung f&#252;r eine politische Revolution zur Abl&#246;sung der   undemokratischen stalinistischen Staatsstrukturen dar. Gleichzeitig   versuchte man Elemente der Planwirtschaft, der Verstaatlichung etc.   beizubehalten. In der Iranischen Revolution von 1979 wurden wir   ZeugInnen einer Art des &#8222;radikalen Islam&#8220;, der sich zeitweise auf die   Arbeiterklasse und die Armen bezog. Es kann nicht ausgeschlossen werden,   dass es in der neokolonialen Welt abermals zu Aufkommen solcher   Ph&#228;nomene kommen kann.<\/p>\n<p>  In &#196;gypten waren die Massen anfangs in der Lage, ihre Kr&#228;fte in   Opposition zum Mubarak-Regime um die Moscheen und zu einem gewissen Grad   auch um die im Untergrund arbeitenden unabh&#228;ngigen Gewerkschaften herum   zu konzentrieren. Doch die Muslimbruderschaft war die einzige   Organisation, der es gestattet war, ein halb-politisches Dasein zu   f&#252;hren und auch als wohlt&#228;tige, soziale Selbsthilfe-Organisation   aufzutreten. Aus diesem Grunde war es f&#252;r einige Schichten   selbstverst&#228;ndlich, sich nach dem Sturz der &#228;gyptischen Diktatur zuerst   dieser Art von Organisationen zuzuwenden. Obgleich auch in Tunesien   derartige islamistische Gruppierungen und Parteien existieren, so sind   diese, wie es scheint, gegenw&#228;rtig nicht in derselben Art und Weise   verwurzelt wie in &#196;gypten. Das Libyen nach Gadaffi k&#246;nnte hingegen vor   dem Auseinanderbrechen des Landes und einem Anwachsen islamischer   Gruppen stehen. Noch aber steht nicht fest, dass dies die vorherrschende   Richtung sein wird. In &#196;gypten gibt es trotz der j&#252;ngsten betr&#228;chtlichen   Mobilisierung durch die Islamisten auf dem Tahrir Platz beileibe keine   Garantie daf&#252;r, dass sie die absolute Mehrheit erringen k&#246;nnen &#8211; selbst   unter der Voraussetzung der hastig organisierten fr&#252;hen Wahlen, die   ihnen im Prinzip zu Gute kommen. Im Gegenteil ist noch nicht einmal   sicher, dass die Muslimbruderschaft eine geschlossene, vereinte Kraft   bleiben wird. Es kommt zu Spaltungen, die zum Teil auch entlang von   Klassen-Linien stattfinden. Es ist die Rede von wenigstens vier   unterschiedlichen politischen Parteien, die sich aus der Bruderschaft   heraus gebildet h&#228;tten.<\/p>\n<p>  Zur selben Zeit erfahren die dem rechtsgerichteten politischen Islam   entgegenstehenden s&#228;kularen wie auch sozialistischen Kr&#228;fte Widerhall   unter den neu politisierten Schichten der Arbeiterklasse in &#196;gypten,   Tunesien und der gesamten Region. Sogar im Jemen, ein Land, von dem   &#8222;gemeinhin angenommen wird, sich ins al-Qaida-Netzwerk eingekauft zu   haben&#8220; (so die brit. Zeitung The Guardian), f&#252;hrte der Aufstand vom   Februar zur Gr&#252;ndung revolution&#228;rer Komitees, in denen Diskussionen &#252;ber   nicht-konfessionelle Strategien f&#252;r einen Wandel toben. &#220;berall im Nahen   Osten und in Nordafrika kam es in den Revolutionen unter den Massen   anfangs zu dem Drang, einen nicht-sektiererischen Ansatz zu fahren. Es   ging dabei eindeutig in Richtung von L&#246;sungen auf Grundlage der sozialen   Klasse. Angesichts der uns&#228;glichen sozialen Bedingungen im Jemen, einem   Land mit sieben Millionen Menschen, in dem ein Drittel der Bev&#246;lkerung   keinen sicheren Zugang zu Lebensmitteln hat und zehn Prozent der   Menschen als unterern&#228;hrt gelten, braucht es mehr als eine Religion, um   den Forderungen der Massen gerecht werden zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Vom Joch der Diktatur befreit str&#246;mten sie auf die politische B&#252;hne und   &#8211; wie das Beispiel &#196;gyptens zeigt &#8211; werden auch von den Erlassen der   verrufenen Milit&#228;relite nicht zum Schweigen gebracht. Und sie werden   weitermachen, um ihre Forderungen nach drastisch verbesserten   Lebensbedingungen, demokratischen Rechten, Gewerkschaften etc.   durchzusetzen. Der bisher fehlende wesentliche Bestandteil, um den   Erfolg des Kampfes zu garantieren, ist die Existenz von   Massenorganisationen, von kraftvollen Gewerkschaften und unabh&#228;ngigen   Parteien der Arbeiterklasse. Doch die Erfahrungen der bisherigen, eher   krampfhaften Bewegungen und die bevorstehenden, noch gr&#246;&#223;eren   politischen Bewegungen werden als Lehrmeister f&#252;r die Massen dienen,   dass sie nur unter ihrem eigenen unabh&#228;ngigen Banner in der Lage sein   werden, eine Position zu erobern, von der aus sie damit beginnen k&#246;nnen,   ihr Streben nach Arbeitspl&#228;tzen, Wohnraum und ertr&#228;glichen   Lebensstandards in die Tat umzusetzen.<\/p>\n<h4>  al-Qaida in der Sackgasse<\/h4>\n<p>  EINER DER GROSSEN Impulse f&#252;r die Revolution &#8211; und gleichzeitig auch der   Faktor, der dem Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI)   vergangenes Jahr die These erlaubte, dass eine Bewegung Mubarak w&#252;rde   st&#252;rzen k&#246;nnen &#8211; war die Verschlechterung der sozialen Bedingungen in   der gesamten Region, vor allem der spektakul&#228;re Anstieg der   Massenarbeitslosigkeit. Die wiederum resultierte aus der sich   vertiefenden Weltwirtschaftskrise des Kapitalismus. Begleitet wurde dies   vom R&#252;ckgang des Lebensmittelangebots und dem umfangreichen Import von   Weizen in die Region, die historisch die Wiege der Zivilisation ist und   der Ort, an dem die Landwirtschaft im fruchtbaren Bogen zwischen den   Fl&#252;ssen Eufrat und Tigris ihren Anfang nahm. Nichts k&#246;nnte den   destruktiven Charakter des modernen Gro&#223;grundbesitzertums und des   Kapitalismus als auch ihre Unf&#228;higkeit besser beschreiben, den   ArbeiterInnen und Armen in der Region die Mittel des Grundbedarfs zur   Verf&#252;gung zu stellen.<\/p>\n<p>  Eine Sache ist vollkommen klar: al-Qaida und der rechtsgerichtete   politische Islam haben weder zum konkreten Kampf noch zur Erreichung der   konkreten Ziele der Massen in der Region etwas Wesentliches beizutragen.   Nicht nur in Nordafrika und dem Nahen Osten sondern auch in Pakistan und   Afghanistan f&#252;hren die Methoden von al-Qaida in die politische   Sackgasse. Die Ermordung von bin Laden im Juli war f&#252;r die Massen in   Pakistan kein gro&#223;es Ereignis. Als er auf Gehei&#223; des US-Imperialismus   ermordet wurde, war seine Organisation politisch gesehen faktisch   bereits am Ende.<\/p>\n<p>  Dennoch beschr&#228;nkt sich die Gefahr, dass Terrorismus und terroristische   Ans&#228;tze auf von der Gesellschaft entfremdete Schichten eine gewisse   Attraktivit&#228;t aus&#252;ben, nicht allein auf die neokoloniale Welt. Dazu   geh&#246;ren auch junge Leute und sogar einige Angeh&#246;rige der Jugendlichen   aus der Arbeiterklasse, wie das Beispiel der &#8222;Roten Brigaden&#8220; im Italien   der 1970er und 1980er Jahre gezeigt hat. Wenn die Arbeiterklasse und   ihre Organisationen darin scheitern, die Initiative f&#252;r einen Wandel zu   ergreifen, dann k&#246;nnen verzweifelte Menschen dazu kommen, sich sozusagen   f&#252;r die Abk&#252;rzung des Terrorismus zu entscheiden. Die Bedingungen, denen   die Arbeiterklasse und vor allem die Jugend heute ausgesetzt ist, sind   unbeschreiblich viel schlechter als damals. Deshalb ist es n&#246;tig, die   Methoden des Terrorismus zu untersuchen und ihnen von einem   marxistischen Standpunkt aus entgegenzutreten, um viele potenziell gute   sozialistische Kr&#228;fte davor zu bewahren, in diese Sackgasse einzubiegen.<\/p>\n<p>  Bei dem Angriff auf die Twin Towers und das Pentagon vor zehn Jahren   handelte es sich um den spektakul&#228;rsten terroristischen Akt in der   Geschichte. Aus Sicht von al-Qaida handelte es sich mit wenigstens   500.000 US-Dollar &#8222;Kosten&#8220; auch um den &#8222;teuersten&#8220;. F&#252;r den Spross der   reichen saudischen Familie bin Laden war das wohl eher eine Bagatelle.   Gleichzeitig dem&#252;tigte das den scheinbar allm&#228;chtigen und Milliarden   Dollar schweren Sicherheitsapparat des US-Imperialismus. Doch al-Qaida   hat in der abgelaufenen Dekade darin versagt, ihre Ziele hinsichtlich   des Zur&#252;ckdr&#228;ngens des US-amerikanischen Imperialismus und der Regimes,   die ihn im &#8222;Land des Islam&#8220;, dem Nahen Osten und in Nordafrika   unterst&#252;tzten, zu erreichen. Zugleich aber wurde der Imperialismus in   die Lage versetzt, mittels des sogenannten &#8222;Kriegs gegen den Terror&#8220; zu   mobilisieren und all die reaktion&#228;ren Auswirkungen hervorzurufen, die   daraus resultierten.<\/p>\n<p>  Dem Imperialismus und allen voran den USA wurde erm&#246;glicht, den eigenen   milit&#228;rischen Leistungsf&#228;higkeit zu st&#228;rken, mit dem im Folgenden dann   f&#252;r die Milit&#228;rinterventionen in Afghanistan und im Irak mit den   blutigen Folgen f&#252;r die Massen dort und &#252;berall mobil gemacht werden   konnte. Der britische Bestsellerautor Robert Harris kommentierte dazu:   &#8222;Der Rauch aus den Twin Towers liegt weiterhin auf dem Planeten. Es   f&#252;hlt sich an, als lebten wir in einer dunkleren, paranoideren, weniger   optimistischeren &#196;ra als wir es in den 1990er Jahren taten, da der Kalte   Krieg zu Ende war und der &gt;Clash der Kulturen gerade erst begonnen   hatte. Amerika hat sich nie voll davon erholt. Und der Westen hat das   genauso wenig getan&#8220;. (Sunday Times, 14. August 2011)<\/p>\n<h4>  &#220;berheblichkeit des Imperialismus<\/h4>\n<p>  Aber das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis auf der Welt, welches entscheidend zu Gunsten   des US-amerikanischen Imperialismus ausgerichtet war, hat einen tiefen   Wandel erlebt. Zun&#228;chst ging der US-Imperialismus gest&#228;rkt aus den   Ereignissen des 11. September 2001 hervor, weil seine Repr&#228;sentanten die   eigene Dominanz ganz arrogant durchsetzen konnten. 2001 waren die USA   immer noch die wichtigste Volkswirtschaft und milit&#228;rische Kraft auf dem   Planeten. Ihr Streben danach, die &#8222;milit&#228;rische Gesamt-Dominanz&#8220; zu   erlangen, wurde in Folge von 9\/11 durchgesetzt. Anschlie&#223;end gaben die   USA fast genauso viel wie der Rest der Welt f&#252;r barbarische   Waffensysteme aus, darunter eben jene Massenvernichtungswaffen.<\/p>\n<p>  Begleitet wurde das von der simplen Doktrin des &#8222;Kriegs gegen den   Terror&#8220;, die laut Donald Rumsfeld, dem US-amerikanischen   Verteidigungsminister, f&#252;r mindestens f&#252;nfzig Jahre vorhalten w&#252;rde! Wie   wir vorausgesagt hatten, galt sie nicht einmal f&#252;r zehn Jahre, und fiel   selbst unter den B&#252;rgerlichen in Misskredit. Dennoch wurde unter diesem   M&#228;ntelchen eine massive Kampagne gegen die demokratischen Rechte der   Menschen in den USA und andernorts aufgelegt.<\/p>\n<p>  Die kapitalistischen Medien in den USA und andernorts w&#252;rdigten sich   selbst noch mehr herab als sonst &#252;blich und versammelten sich in Reih&#180;   und Glied hinter dem Bush-Regime. Das schuf die Grundlage f&#252;r die   imperialistische Intervention in Afghanistan und dem Irak unter der   heuchlerischen Schlagzeile der &#8222;liberale Milit&#228;rintervention&#8220;. Die   politische Rechte in den USA tr&#228;umte bereits von der Umkehrung des   &#8222;Vietnam Syndroms&#8220;, und sie bekamen die Chance dazu durch 9\/11. Dies ist   ein weiterer Aspekt der reaktion&#228;ren Auswirkungen, die der Terrorismus   mit sich bringt: Er st&#228;rkt die staatliche Hand in der Form, dass die   demokratischen Rechte zur&#252;ckgedr&#228;ngt und unterh&#246;hlt werden. Davon   betroffen sind auch die Rechte der Arbeiterklasse und der   Arbeiterbewegung. Selbst die j&#252;ngsten, weitestgehend spontan begonnenen   Ausschreitungen in Gro&#223;britannien wurden von der Regierung genutzt, um   das politische Pendel mittels verst&#228;rkter Androhung von Repressalien   nach rechts ausschlagen zu lassen.<\/p>\n<p>  Lange bevor die Kriege begonnenen hatten, machte das CWI darauf   aufmerksam, dass sowohl Afghanistan als auch der Irak besetzt werden   k&#246;nnten. Trotzdem traten wir den unausweichlichen &#196;ngsten und der   Entt&#228;uschung (um nicht zu sagen: dem blanken Pessimismus) entgegen, die   sich vor allem in der Arbeiterbewegung niederschlugen. Kurz nach den   Angriffen vom 11. September 2001 schrieben wir: &#8222;Der 11. September hat,   wie wir gesehen haben, f&#252;r die Welt und den Kapitalismus eindeutig eine   neue Phase er&#246;ffnet. Trotz der Prahlereien von Bush und seinen   wichtigsten Juniorpartnern wie Blair bedeutet das nicht, dass es zu   einer erfolgreichen und triumphalen Periode f&#252;r den Imperialismus kommen   wird. Die &#8218;Siege&#8216;, die errungen wurden, werden von Widerspr&#252;chlichkeiten   durchl&#246;chert. Sicherlich dominiert der Koloss USA die Welt wie nie zuvor   in der Geschichte. Aber gleichzeitig hat er sich das ganze explosive   Material des Weltkapitalismus in seine Grundfesten eingebaut&#8220;. (&#8222;Nach   dem 11. September &#8211; Wer kann den US-Imperialismus noch herausfordern?&#8220;;   September 2002)<\/p>\n<p>  Und tats&#228;chlich hat der US-Imperialismus einen grundlegenden Wandel   erlebt, der s&#228;mtliche Doktrinen von Bush und seinen neokonservativen   Unterst&#252;tzern hat in Staub aufgehen lassen. Wer w&#252;rde heute noch von   einem US-Pr&#228;sidenten sprechen, der die Rolle eines modernen &#8222;Caesar&#8220;   einnehmen w&#252;rde &#8211; so, wie es kurz nach dem 11. September 2001 der Fall   war? Barack Obama war blo&#223; ein Zuschauer, der nicht in der Lage war   einzugreifen, als die Revolutionen in Tunesien und &#196;gypten ihren Anfang   nahmen. Nur unter Zuhilfenahme der konterrevolution&#228;ren und   theokratischen Regimes in Saudi Arabien, Bahrain und andernorts und mit   der NATO-Intervention in Libyen schaffte es der US-Imperialismus, einen   sehr schwachen Einfluss auf die Situation im Nahen Osten und zu bekommen.<\/p>\n<p>  In Syrien f&#252;hlte sich Obama erst nach einer sich lang hinziehenden   Periode von Aufst&#228;nden in der Lage, mittels der Androhung von   Wirtschaftssanktionen gegen Bashar al-Assad zu intervenieren, sollte er   nicht abtreten. Allerdings hat Obama wie bei allen prokapitalistischen   Kr&#228;ften in der Region Angst, was folgt, wenn Assad gest&#252;rzt wird. Es   macht nicht den Anschein, dass dies unmittelbar bevorsteht, da Assads   Regime sich immer noch auf eine gewisse Unterst&#252;tzerbasis in wichtigen   Regionen wie um Damaskus und Aleppo st&#252;tzen kann.<\/p>\n<p>  Doch Assads Demission k&#246;nnte zum &#8222;ungeordneten&#8220; Zerfall des Landes und   seiner Aufspaltung entlang ethnischer und religi&#246;ser Linien f&#252;hren. Das   k&#246;nnte umgehend auch R&#252;ckwirkungen haben, beispielsweise auf Israel. Der   s&#252;d&#246;stliche Nachbar w&#252;rde m&#246;glicher Weise handeln, um seine Position   abzusichern, sollten die Aufst&#228;nde in Syrien auch auf die von Israel   kontrollierten Gebiete wie die Golanh&#246;hen &#252;bergreifen. Eben erst drohte   auch die T&#252;rkei mit einem milit&#228;rischen Eingreifen, um f&#252;r &#8222;Stabilit&#228;t&#8220;   zu sorgen. Das bedeutet, dass man handeln wird, sobald man es als   wahrscheinlich ansieht, dass die kurdische Bev&#246;lkerung in Syrien ohne   die Kontrolle durch Assad die Opposition der KurdInnen in der T&#252;rkei   gegen die Regierung Erdo&#287;an verst&#228;rken kann. In dieser Situation kann   ein Eingreifen des US-Imperialismus wiederum m&#246;glich werden. Das brachte   den Autor des Independent, Robert Fisk, zu dem Kommentar: &#8222;Obama br&#252;llt,   die Welt erzittert. Ach, bliebe es doch nur dabei.&#8220;<\/p>\n<h4>  Das schreckliche Erbe des Imperialismus<\/h4>\n<p>  All dies unterstreicht die Tatsache, dass der US-Imperialismus, bei dem   es sich ja weiterhin um einen &#246;konomischen wie auch milit&#228;rischen   Giganten handelt, nicht l&#228;nger die Kraft aufbieten kann, seinen Willen   weltweit durchzusetzen, wie dies in der Zeit nach dem 11. September 2001   geschah. Gehemmt wird er durch seine &#246;konomische Schw&#228;che, die sich im   riesigen Haushaltsdefizit widerspiegelt, und teilweise auch das Resultat   der imperialistischen Amokl&#228;ufe in Afghanistan und dem Irak ist. Durch   die Katastrophe der US-Intervention in Afghanistan und dem Irak wurden   unglaublich drei Billionen US-Dollar verschwendet. Das stellt den   Gegenwert von beinahe einem F&#252;nftel des gesamten j&#228;hrlichen   Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA dar. Doch bei weitem schlimmer ist   der Zoll, den das Morden einforderte: Mindestens 600.000 ums Leben   gekommene unschuldige irakische ZivilistInnen, zu denen noch die   get&#246;teten SoldatInnen der &#8222;Koalition der Willigen&#8220; hinzu kommen, die in   den aussichtslosen Kriegen ihr Leben lie&#223;en.<\/p>\n<p>  Und was ist die Bilanz dieser Interventionen? Die Taliban bleiben   unbesiegt. Was noch schwerer wiegt, ist, dass ihr vergiftender Einfluss   als Konsequenz aus dem Krieg in Afghanistan sich mit der Situation der   Massen in Pakistan vermengt und sich bereits mit der sich dort   verst&#228;rkenden Armut und schieren Verzweiflung verwebt, die sich &#252;ber   weite Gebiete und viele St&#228;dte des Landes ausgebreitet haben.<\/p>\n<p>  Die afghanische Marionette Gro&#223;britanniens und der USA, Hamid Karzai,   &#8222;der B&#252;rgermeister von Kabul&#8220;, wird zunehmend bedr&#228;ngt und k&#246;nnte   gest&#252;rzt werden, sollten imperialistische Unterst&#252;tzung und Bajonette   abgezogen werden, was absehbar ist. Die j&#252;ngsten Ermordungen seines   Bruders und anderer S&#228;ulen des Regimes deuten darauf hin, wie sehr die   Taliban in der Lage sind, sogar der Hauptstadt zuzusetzen und wie   zerbrechlich der momentane afghanische Staat ist. &#220;berdies beteiligt   sich der Imperialismus an Verhandlungen mit den Taliban, was von David   Cameron, dem britischen Premierminister mit dem sogenannten   &#8222;Friedensprozess&#8220; in Nordirland verglichen wird. Das unterstreicht, was   wir von vornherein gesagt haben: Der Krieg ist nicht zu gewinnen.<\/p>\n<p>  In Wirklichkeit steht der Imperialismus kurz davor, &#8222;den Sieg zu   erkl&#228;ren und abzuziehen&#8220;. Wahrscheinlich wird man dabei eine   &#8222;Koalitionsregierung&#8220; aus dem Hut zaubern, an dem die Taliban oder Teile   von ihnen sowie Reste des jetzigen Regimes beteiligt sein werden.   Zeitgleich werden dann wahrscheinlich weiter Ressourcen in den Aufbau   einer sogenannten &#8222;afghanischen Armee&#8220; flie&#223;en, w&#228;hrend Milit&#228;rbasen in   der Region aufrechterhalten werden. Ein &#228;hnliches Szenario besteht f&#252;r   den Irak. Auch hier hatten wir vorausgesagt, dass den Menschen ein   schrecklicher Nachlass durch die US-amerikanische und britische   imperialistische Milit&#228;rintervention vererbt werden w&#252;rde. Die   US-Einheiten bereiten sich auf den &#8222;Abzug&#8220; vor, nachdem sie dabei   geholfen haben, den Irak zu zerst&#246;ren statt all die Probleme wie die   Armut, den Zusammenbruch der n&#246;tigsten Bedarfsleistungen und   Versorgungsinstanzen und vor allem die ethnischen und religi&#246;sen   Spannungen zu l&#246;sen. Vielmehr hat man diese Probleme erst hervorgerufen.<\/p>\n<p>  Trotz alledem beginnt sich die grandiose Bewegung, die in erster Linie   aus der Arbeiterklasse besteht und sich aus verschiedenen ethnischen   Gruppen zusammensetzt, von der Katastrophe zu erholen. Diese Entwicklung   best&#228;tigt auch unsere Argumente gegen die imperialistische Intervention   zum Sturz Saddam Husseins. Es gab einige, die sich als links   bezeichneten &#8211; insbesondere Exil-IrakerInnen, die meinten, dass nur eine   Milit&#228;rintervention von au&#223;en Saddam beseitigen k&#246;nne. Wir wiesen auf   das Potenzial der Arbeiterklasse im Irak hin, doch unsere Argumente   wurden abgewiesen mit der Behauptung, dass &#8222;die irakische Bev&#246;lkerung in   Ketten liege und nicht in der Lage sei, selbst das Heft in die Hand zu   nehmen&#8220;. Zudem wurde gesagt, dass &#8222;der Impuls zur Beseitigung Saddams   von au&#223;en kommen muss&#8220;. Viele sahen in den gr&#246;&#223;ten Gegnern der   Arbeiterklasse, in den Kapitalisten und Imperialisten jene, die die   Aufgabe erf&#252;llen m&#252;ssten, die aber nur eine unabh&#228;ngige Bewegung der   Arbeiterklasse in der Lage ist zu erf&#252;llen.<\/p>\n<p>  Unsere Argumentation wurde von den gro&#223;artigen unabh&#228;ngigen Bewegungen   der Massen best&#228;tigt, die in Tunesien und &#196;gypten aufkamen und die Armee   aufspalten konnten. Dar&#252;ber hinaus wird die Entwicklung der   Arbeiterklasse und ihrer unabh&#228;ngigen Organisationen selbst in von Armut   gebeutelten Gesellschaften wie der in Afghanistan und im Irak in der   kommenden Phase voranschreiten. Auch auf regionaler Ebene kann der Trend   in Richtung nicht-konfessioneller Bewegungen in all den Aufst&#228;nden, von   denen wir Zeuge werden konnten, weitergehen. Kein Land, selbst das   st&#228;rkste nicht, ist alleine lebensf&#228;hig. Das gilt vor allem auf   &#246;konomischer Ebene. Nun durch die Verbindung der Ressourcen der V&#246;lker   in einer sozialistischen Konf&#246;deration mit voller Autonomie und   demokratischen Rechten f&#252;r alle Nationalit&#228;ten und ethnischen Gruppen,   wozu auch das Recht auf Gebrauch der eigenen Sprache und religi&#246;ser   Minderheiten z&#228;hlen muss, k&#246;nnen die V&#246;lker dieser Region aus dem   Albtraum entkommen, mit dem sie im Kapitalismus tagt&#228;glich zu tun haben.<\/p>\n<h4>  Es gibt keine unipolare Welt mehr<\/h4>\n<p>  In der unmittelbar nach dem 11. September 2001 folgenden Phase war der   US-Imperialismus in der Lage, seinen Willen &#8211; wenn auch in Grenzen &#8211;   durchzusetzen, da es keine rivalisierenden M&#228;chte in n&#228;herer Umgebung   gab. W&#228;hrend des Kalten Krieges war das stalinistische Russland der   einzige Rivale des US-Imperialismus. Dessen erstaunlicher &#246;konomischer   Zusammenbruch nach der Abdankung der Sowjetunion und der Reste der   stalinistischen Planwirtschaft hat zur Entkr&#228;ftung des ehemaligen   &#246;konomischen und politischen Giganten gef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Doch jene Weltlage und mit ihr die unipolare Position der USA nach 9\/11   existiert nicht mehr. Das liegt zu Teilen am Aufstieg Chinas, von dem   man annimmt, dass es in den n&#228;chsten zehn Jahren die USA &#252;berholen wird   &#8211; zumindest was das allgemeine Wirtschaftswachstum und die Produktion   und weniger den Lebensstandard angeht. China, das sich auf seine neue   wirtschaftliche St&#228;rke st&#252;tzt, fordert den US-Imperialismus in   zunehmendem Ma&#223;e sogar milit&#228;risch, diplomatisch und geopolitisch   heraus. Auf drastische Art und Weise wurde dies j&#252;ngst durch die   Inbetriebnahme des ersten chinesischen Flugzeugtr&#228;gers demonstriert, der   nat&#252;rlich vornehmlich f&#252;r den Gebrauch im Pazifischen Ozean als   Gegenpart zu der immer noch dominierenden US-Flotte vorgesehen ist.   Au&#223;erdem wurde der erste eigene Tarnkappenbomber in Dienst genommen und   die chinesischen Kriegsflugzeuge sollen die US-amerikanischen   Aufkl&#228;rungsflugzeuge aus dem chinesischen Luftraum zwischen China und   Taiwan verdr&#228;ngen.<\/p>\n<p>  Anders als noch vor zehn Jahren haben auch die Strategen des   US-amerikanischen Kapitalismus realisiert, dass man nicht l&#228;nger mit der   alten politischen Ausrichtung unter dem Motto &#8222;Waffen und Butter&#8220;   fortfahren kann. In den 1990er Jahren schien es, als sei der Anteil der   USA an den weltweiten Ausgaben f&#252;r Verteidigung gefestigt und   nachhaltig. Das lag auch daran, dass der US-amerikanische Anteil am   weltweiten BIP ein Jahrzehnt lang nahezu gleichbleibend war. In der   ersten Dekade dieses Jahrhunderts sank jedoch dieser Anteil und die USA   konnten ihre enorme Ausgabenlast f&#252;r milit&#228;rische Zwecke nicht l&#228;nger   aufrecht erhalten. Allerdings stieg der Anteil der USA an den weltweiten   Verteidigungsausgaben aufgrund der enorm viel Geld verschlingenden   Interventionen in Afghanistan, dem Irak und andernorts noch einmal von   36 auf 42 Prozent. Dies zwingt nun die Obama-Administration dazu,   K&#252;rzungen im Verteidigungshaushalt in gesch&#228;tzter H&#246;he von 800   Milliarden US-Dollar vorzunehmen.<\/p>\n<p>  Wie vorherzusehen war, provozierte dies den Zorn der Waffenindustrie und   ihrer Repr&#228;sentanten im Kongress, die bestens darauf vorbereitet sind,   stattdessen w&#252;ste K&#252;rzungen bei den Sozialausgaben vorzunehmen, um ihre   Illusionen in die Erhabenheit des US-Imperialismus aufrecht zu erhalten.   Aber aufgrund der schw&#228;cher werdenden wirtschaftlichen Basis des   US-Kapitalismus kann er dies nicht ohne zunehmende Angriffe auf den   Lebensstandard der Arbeiterklasse und der Mittelschichten gew&#228;hren. Das   bedeutet, dass die USA auf internationaler Ebene frustriert werden und   innerhalb ihrer eigenen Grenzen ebenfalls heftige Klassenk&#228;mpfe erfahren   wird, wie Europa in der letzten Phase &#8211; nur mit den speziellen   amerikanischen Charakteristika hinsichtlich des Tempos und der   Entschlossenheit der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>  Deshalb sehen wir statt der von den kapitalistischen Strategen   erwarteten triumphalistischen &#196;ra eines gest&#228;rkten und boomenden   Kapitalismus zehn Jahre nach dem 11. September das genaue Gegenteil. Von   seinen Widerspr&#252;chen zerrissen und mit der gr&#246;&#223;ten wirtschaftlichen   Krise seit den 1930ern konfrontiert, befindet sich der Kapitalismus in   den USA und weltweit in einer Sackgasse. Der Kapitalismus ist schon   jetzt ein gescheitertes System. Der k&#252;rzlich ver&#246;ffentlichte   Entwicklungsbericht der Weltbank sch&#228;tzt, das ein Viertel der   Weltbev&#246;lkerung in L&#228;ndern lebt, die erheblich von politischer und   krimineller Gewalt besch&#228;digt sind. Martin Wolf hat in der Financial   Times sachlich erkl&#228;rt: &#8222;Das Politische und das Kriminelle sind eng   verbunden.&#8220; Mexiko und das von ihm symbolisierte &#8222;Mad-Max-Szenario&#8220;   weisen darauf hin.<\/p>\n<h4>  Die Zuversicht der Kapitalisten br&#246;ckelt<\/h4>\n<p>  Der 11. September erlaubte des Kapitalismus, und vor allem der extremen   Rechten, alle Muslime als offene oder versteckte Unterst&#252;tzerInnen des   al-Qaida-Terrorismus zu stigmatisieren, was niemals der Fall war und   auch heute nicht ist. So wie w&#228;hrend des Nordirland-Konflikts v&#246;llig   unschuldige Menschen verhaftet und inhaftiert wurden, geschieht dies   heute mit Muslimen. Spaltungslinien und Misstrauen, die zwischen   MigrantInnen und anderen ArbeiterInnen schon vorher bestanden, haben   sich vergr&#246;&#223;ert. Dies wurde durch die Attacke Camerons gegen   &#8220;Multikulturalismus&#8221; verst&#228;rkt, was ein kaum verschleierter Angriff auf   MigrantInnen war. Kapitalistische PolitikerInnen in Europa, inklusive   Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, schlagen denselben Ton an.<\/p>\n<p>  Nach den Unruhen in Gro&#223;britannien und dem Tod von drei asiatischen   Jugendlichen in Birmingham wurde jedoch von den asiatischen, schwarzen   und wei&#223;en Menschen dort ein &#8220;multikultureller&#8221; Ansatz verfolgt. Dies   geschah vor allem aufgrund der gro&#223;artigen Initiative des Vaters eines   der get&#246;teten jungen M&#228;nner. Dies war eine Gelegenheit f&#252;r die   Arbeiterbewegung, diesem instinktiven Zusammenkommen einen   Klassenstandpunkt zu geben. &#196;hnliches geschah 1969 in Nordirland, als   gewerkschaftliche Vertrauensleute in Belfast die Initiative zur Bildung   der &#8220;Friedenskomitees&#8221; von protestantischen und katholischen   ArbeiterInnen ergriffen. Leider handelte die Arbeiterbewegung in   Birmingham nicht in dieser Art und Weise, so dass religi&#246;se   Organisationen eingreifen konnten. Aber nur auf der Basis eines   Klassenstandpunkts, der die gemeinsamen Interessen aller ArbeiterInnen   betont, kann diese Stimmung und Bewegung aufrecht erhalten werden.<\/p>\n<p>  Wenn sich keine Perspektive einer sozialistischen Arbeiterbewegung   entwickelt, kann der vergiftende Einfluss der extremen Rechten wachsen,   was auch dazu f&#252;hren kann, dass Verr&#252;ckte, wie Anders Breivik in   Norwegen, versuchen unschuldige Menschen im Namen des angeblichen   &#8220;Kriegs gegen den Islam&#8221; zu t&#246;ten. Diese Kreatur war wie ein Spiegelbild   in seiner Anwendung derselben faschistischen Methoden, wie der rechte   politische Islam von al-Qaida.<\/p>\n<p>  Die Menschheit wird mit sich verschlechternden Lebensbedingungen   konfrontiert, mit Umweltzerst&#246;rung und der Zerst&#246;rung aller   Zukunftshoffnungen, indem die Aussichten f&#252;r die Jugend zerst&#246;rt werden.   Die Situation wurde von Max Hastings zusammen gefasst, der eine   Diskussion mit einem B&#228;nker &#252;ber die Aussage des Pr&#228;sidenten der Bank of   England &#252;ber &#8220;sieben anstehende d&#252;nne Jahre&#8221; f&#252;r England, wiedergab.   Hastings und der B&#228;nker kamen zu der Schlussfolgerung, dass diese   Annahme zu zur&#252;ckhaltend sein k&#246;nnte und es eher um &#8220;siebzig d&#252;nne   Jahre&#8221; gehen k&#246;nnte. Nat&#252;rlich kann niemand voraussehen, wie lange diese   Krise anhalten wird. Aber es ist klar, dass die Repr&#228;sentanten des   Kapitalismus selber kein vertrauen mehr in ihr System haben. Dies   demonstrieren die Kapitalisten mit ihrer Weigerung den aus der Arbeit   der Arbeiterklasse gewonnenen Mehrwert wieder in die Produktion zu   investieren- Deshalb liegen zwei Billionen US-Dollar nutzlos in den   Tresoren der gro&#223;en Konzerne in Amerika und deshalb werden 60 Milliarden   Pfund von den britischen Unternehmen angeh&#228;uft. Es gibt keinen   &#8220;profitablen Absatz&#8221;, also investieren sie nicht, die Arbeitslosigkeit   steigt, die Armut w&#228;chst und die Arbeiterklasse kann zur H&#246;lle fahren.<\/p>\n<p>  Wenn auch noch nicht bewusst, so lehnt die Masse der Arbeiterklasse und   der Armen durch ihre Aktionen das System doch instinktiv ab. Sie haben   es noch nicht geschafft, das Erbe der letzten zwanzig bis drei&#223;ig Jahre   von neoliberalem Kapitalismus und seiner ideologischen Offensive zu   &#252;berwinden. Aber gesellschaftlich betrachtet bewegen sich die Massen   weltweit nach Links. Dies wird sich zwangsl&#228;ufig auch auf der   politischen Ebene entwickeln, es sei denn, der Kapitalismus findet einen   Ausweg aus seiner Sackgasse. Selbst die Verwalter des Systems, in   Regierungen, Parlamenten, Think-Tanks &#8211; den modernen Kl&#246;stern des   Kapitalismus &#8211; haben wenig Hoffnung, dass ihr System bald gerettet   werden k&#246;nnte. Das bereitet die Basis f&#252;r dramatische und ersch&#252;tternde   revolution&#228;re Umw&#228;lzungen vor, die die Zuh&#246;rerschaft f&#252;r sozialistische   und marxistische Ideen enorm ausweiten werden. Auf dieser Basis werden   Massenparteien entstehen.<\/p>\n<p>  Die wahre Lehre des 11. September ist, dass weder der Imperialismus,   noch sein Spiegelbild, der islamische Terrorismus &#8211; oder irgendeine Form   von Terrorismus &#8211; einen Weg vorw&#228;rts f&#252;r die Arbeiterklasse und f&#252;r die   Menschheit aufzeigen. Es sind nur die befreienden und demokratischen   Ideen des Sozialismus, die eine Zukunftsperspektive weisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Welt wurde auf den Kopf gestellt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[98],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14423"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14423"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14423\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}