{"id":14421,"date":"2011-09-07T11:00:00","date_gmt":"2011-09-07T09:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14421"},"modified":"2012-05-15T14:46:56","modified_gmt":"2012-05-15T12:46:56","slug":"14421","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14421\/","title":{"rendered":"Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern: Im Nordosten nichts Neues?"},"content":{"rendered":"<p>  Verlierer werden regieren<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Sieger l&#228;chelt in die Kameras, die schreibende Zunft titelt &#8222;SPD   obenauf&#8220;. Die Sozialdemokraten feiern sich und ihren neuen Star, Erwin   Sellering. <\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Auf den ersten Blick, ist in der Tat die SPD die Gewinnerin der   Landtagswahlen vom vergangenen Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern (MV).   Sie legte von 30,2% auf 35,7% der Stimmen zu. Sie kann jetzt entweder   die Gro&#223;e Koalition mit einer geschw&#228;chten CDU (- 5,7%) fortsetzen oder   die Offerten der LINKEN (+1,6%) annehmen. Unzweifelhafte Gewinner sind   die Gr&#252;nen die erstmals in den Landtag einziehen. Eindeutige Verlierer   sind die Liberalen. Nur 2,7% erhielt die kleine Partei des Gro&#223;en   Geldes. Die faschistische NPD konnte &#8211; trotz Verlusten &#8211; wieder in den   Landtag einziehen.<\/p>\n<h4>  Wahlbeteiligung<\/h4>\n<p>  Es ist bezeichnend f&#252;r die b&#252;rgerlichen Politiker und Medien, dass sie   fast ausschlie&#223;lich auf die Sitzverteilung der Mandate und die   Regierungsbildung schauen. Parlamentswahlen und die Beteiligung an   diesen sagt jedoch einiges &#252;ber den Zustand der Gesellschaft aus. Der   R&#252;ckgang der Wahlbeteiligung von 59,1 auf nur noch 51,4% entspricht   einer Anklage der Verh&#228;ltnisse in MV. Legt man die Realstimmen zugrunde,   gibt es &#8211; mit Ausnahme der Gr&#252;nen &#8211; nur Verlierer! Diesen Trend gibt es   bundesweit, er ging jedoch in MV weiter als anderswo und das aus guten   Gr&#252;nden. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und etwa jeder zweite   Besch&#228;ftigte malocht im Niedriglohnsektor. Hinzu kommt die allgemeine   Frustration &#252;ber die Bundespolitik.<\/p>\n<h4>  Klatsche f&#252;r Merkel<\/h4>\n<p>  Die Wahl wurde offenkundig auch daf&#252;r genutzt, um mit der Regierung in   Berlin abzurechnen. CDU und FDP erlitten dramatische Stimmenverluste,   die SPD profitiert von deren Schw&#228;che. F&#252;r die Gr&#252;nen hat eine   Normalisierung eingesetzt, da MV das einzige Bundesland ist, in dem die   Partei bisher noch nicht vertreten war.<\/p>\n<h4>  Faschisten<\/h4>\n<p>  Ein Warnsignal an die politische Linke und Arbeiterbewegung ist der   Wiedereinzug der Nazis. Immerhin verlor die NPD knapp ein Drittel ihrer   W&#228;hler. Offensichtlich ist jedoch, dass es ihr gelungen ist, gerade in   den l&#228;ndlichen Gebieten mit sehr hoher Arbeits &#8211; und Perspektivlosigkeit   in Vorpommern eine stabile Basis aufzubauen. Eine Lehre ist zudem, dass   es den b&#252;rgerlichen Moralappellen und Initiativen nicht gelang die Nazis   drau&#223;en zuhalten. Zu unglaubw&#252;rdig sind jene Politiker, welche die   Verantwortung f&#252;r Sozialabbau, Niedrigl&#246;hne und Stimmungsmache gegen   Muslime tragen. Das die NPD nicht weiter zur&#252;ck gedr&#228;ngt werden konnte,   h&#228;ngt zudem mit der angepassten Politik der LINKEN zusammen.<\/p>\n<h4>  Regierungskurs&#8230;<\/h4>\n<p>  Der Spitzenkandidat der Partei, Helmut Holter, war Arbeitsminister der   &#8222;rot-roten&#8220; Regierung von 1998 bis 2006. Ein blasser Mann des Apparats   wie aus dem Bilderbuch. Sein Lieblingswort ist &#8222;pragmatisch&#8220;. Damit will   er deutlich machen, dass, im klassischen Sinne, sozialdemokratische   Politik bei ihm und seinen Getreuen gut aufgehoben ist. Angesichts der   globalen Krise des Kapitalismus, der Sinnkrise seiner Protagonisten und   der genannten Missst&#228;nde in MV, ist ein R&#252;ckgang der realen Stimmen f&#252;r   eine sich sozialistisch nennende Partei ein mittleres Desaster. Die   F&#252;hrung der LINKEN in MV wusch sich rasch die H&#228;nde in Unschuld und   verwies auf den &#8222;Gegenwind&#8220; der Bundespartei. Das Ergebnis der LINKEN   hat sicher mehrere Ursachen. Bundesweit wird die Partei als zerstritten   wahrgenommen, wo es weniger um die Sache als um Personalgeschacher und   typische Parteiintrigen geht. Die Debatte um die Mauer und den Brief an   Castro wurde nicht dazu genutzt um sich vom Stalinismus abzugrenzen.   Zudem fehlen radikale Antworten auf die heutige Krise des Kapitalismus.   Ganz zu schweigen von der Vision einer sozialistischen Demokratie als   konkreter Alternative zum Bankrott der Marktwirtschaft. Der   F&#252;hrungsriege der LINKEN in MV geht die derzeitige &#8222;Linie&#8220; der   Bundespartei aber schon viel zu sehr nach links. Sie strebt eine   Wiederauflage des B&#252;ndnisses mit der SPD an. In der Logik dieser Politik   wird sie wie damals bereit sein, Verschlechterungen f&#252;r die Masse der   Bev&#246;lkerung zuzustimmen mit dem Argument, dass es mit der CDU ja   schlimmer komme. Dies ist sicher ein Faktor daf&#252;r, dass die LINKE in   einer Umfrage der ARD weniger Glaubw&#252;rdigkeit als SPD und Gr&#252;ne aufweist.<\/p>\n<h4>  &#8230;aufhalten<\/h4>\n<p>  Die Aufgabe des linken Fl&#252;gels in der LINKEN in MV und bundesweit sollte   es sein, diesem Kurs Paroli zu bieten. Eine Regierungsbeteiligung der   LINKEN wird &#8211; gerade vor dem Hintergrund einer zu erwartenden   neuerlichen Rezession &#8211; die Partei in Konfrontation mit den   Besch&#228;ftigten und sozialen Bewegungen bringen. Dies gilt es durch   entsprechende Initiativen an der Basis zu verhindern und stattdessen f&#252;r   eine k&#228;mpferischen, au&#223;erparlamentarischen Kurs einzutreten.<\/p>\n<h5>  Torsten Sting ist Mitglied der SAV und der Partei DIE LINKE in Rostock.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Verlierer werden regieren\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14421"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14421"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14421\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14421"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14421"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14421"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}