{"id":14417,"date":"2011-09-05T11:10:00","date_gmt":"2011-09-05T11:10:00","guid":{"rendered":".\/?p=14417"},"modified":"2011-09-05T11:10:00","modified_gmt":"2011-09-05T11:10:00","slug":"14417","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14417\/","title":{"rendered":"10.000 protestieren gegen Naziaufmarsch in Dortmund"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht zu den antifaschistischen Aktionen gegen den &quot;Nationalen   Antikriegstag&quot;am 3. September 2011<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>In Dortmund, der westdeutschen Hochburg der so genannten &quot;Autonomen   Nationalisten&quot; (ANs), fand am Samstag, den 3. September 2011 der bereits   7. &quot;Nationalen Antikriegstags&quot; statt. Mit ihrem Aufruf missbrauchen die   Nazis die Idee des Antikriegstags (der in der BRD eigentlich am 1.   September ist) und t&#228;uschen vor, gegen Krieg und Kapitalismus zu sein um   Leute f&#252;r ihre faschistischen Ideen zu gewinnen. <\/b>    <\/p>\n<h4>  <b>von Sebastian Foerster, Dortmund<\/b><\/h4>\n<p>  Als Aufmarschgebiet versuchen die ANs seit Jahren durch die migrantisch   gepr&#228;gte Dortmunder Nordstadt zu ziehen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend es anfangs nur 200 FaschistInnen waren, die dem Aufruf der   Gruppen des &quot;Nationalen Widerstands Dortmund&quot; folgten, waren es in den   letzten Jahren 1.000-1.200 Nazis, die am ersten Septemberwochenende in   die Ruhrgebietsmetropole reisten. In diesem Jahr erlitten die ANs   allerdings eine Schlappe und schafften es nur noch 750 ihrer   Anh&#228;ngerInnen zu mobilisieren.<\/p>\n<p>  Insgesamt nahmen &#252;ber 10.000 Menschen an den Gegenprotesten teil, die   sich &#252;ber verschiedene Teile der Stadt erstreckten. Bis zu 3.000   TeilnehmerInnen beteiligten sich dabei an den Versuchen, die Wegstrecke   der Nazis zu blockieren.<\/p>\n<p>  Bereits in den letzten Wochen waren erh&#246;hte Naziaktivit&#228;ten in Dortmund   zu verzeichnen. Es gab fast t&#228;gliche Anschl&#228;ge auf aktive   AntifaschistInnen und Linke und zahlreiche bewaffnete &#220;berf&#228;lle der   Rechten, wobei auch Messer und Hiebwaffen eingesetzt wurden. Mit einer   Vielzahl kleinerer Demonstrationen und Kundgebung in Dortmund und   anderen St&#228;dten in Nordrhein-Westfalen versuchten die Nazis f&#252;r ihren   Aufmarsch am 3.9. zu werben. Fast immer gab es jedoch auch Gegenproteste   von AntifaschistInnen, AnwohnerInnen und PassantInnen.<\/p>\n<h4>  Gegenmobilisierung<\/h4>\n<p>  Vor und nach dem Naziaufmarsch war die Medienaufmerksamkeit deutlich   h&#246;her als in den Vorjahren: in der &#246;rtlichen Presse waren die Aktionen   der ANs und die Gegenwehr schon lange zuvor beherrschendes Thema, auch   &#252;ber die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus wurde &#252;ber den Naziaufmarsch in   Dortmund berichtet.<\/p>\n<p>  Drei verschiedene B&#252;ndnisse bereiteten sich auf Widerstand gegen den   &quot;Nationalen Antikriegstag&quot; vor: das linke B&#252;ndnis &quot;Dortmund stellt sich   quer&quot; (DSSQ), in dem auch die SAV aktiv ist, &quot;Alerta&quot;, eine von   autonomen und antideutschen Gruppen gepr&#228;gte Struktur, und der   b&#252;rgerliche Zusammenschluss &quot;Dortmund Nazifrei&quot;. W&#228;hrend DSSQ auf den   auch in Dresden bew&#228;hrten Aktionskonsens von friedlichen und   entschlossenen Massenblockaden setzt, orientierten die Autonomen im   Vorfeld mehr auf Einzelaktionen bei der Anreise der Nazis. Dortmund   Nazifrei, dass sich auf Initiative von der Stadt Dortmund, SPD, DGB,   Gr&#252;nen und anderen vor einigen Monaten gegr&#252;ndet hatte, griff ebenfalls   die Idee der Blockaden auf, vertrat allerdings eine eher schwammige   Vorstellung davon, wie diese aussehen sollten und mobilisierte einen   Gro&#223;teil ihrer Unterst&#252;tzerInnen zu anderen Orten als zum   Aufmarschgebiet der FaschistInnen.<\/p>\n<p>  Dass sich auch B&#252;rgerliche wie der Dortmunder Oberb&#252;rgermeister Ullrich   Sierau (SPD) in den Medien positiv auf die Idee einer Blockade bezog,   hat seine Ursache nicht zuletzt auch darin, dass das B&#252;ndnis Dortmund   stellt sich quer und anderen AntifaschistInnen in den letzten Jahren   massiven &#246;ffentlichen Druck gegen die Naziaktivit&#228;ten und deren   Verharmlosung aufgebaut haben.<\/p>\n<p>  Dortmund stellt sich quer setzte sich in den letzten Wochen mit   zahlreichen Plakatierungen, Flyer-Verteilungen und Infotouren einen   Schwerpunkt auf die Nordstadt und versuchte AnwohnerInnen f&#252;r die   Blockaden am 3. September zu gewinnen. Am Vorabend des &quot;Nationalen   Antikriegstags&quot; gab es zu dem eine linke Demonstration mit 500   AntifaschistInnen gegen Faschismus, Imperialismus und Krieg durch den   Dortmunder Stadtteil Dorstfeld, in dem die Nazigruppen des Nationalen   Widerstands und der Skinheadfront ihre Szene aufbauen.<\/p>\n<h4>  Verlauf der Gegenproteste und Blockaden<\/h4>\n<p>  Ein wirklicher Durchbruch der AntifaschistInnen blieb leider auch in   diesem Jahr aus &#8211; die Nazis konnten wieder durch die Dortmunder   Nordstadt ziehen. Einen Teilerfolg der GegendemonstrantInnen gab es   allerdings, da die Demonstrationsstrecke der Nazis wegen zwei Blockaden   von Dortmund stellt sich quer und Dortmund Nazifrei erheblich verk&#252;rzt   werden musste.<\/p>\n<p>  An der Blockade von Dortmund stellt sich quer nahmen etwa 100   AntifaschistInnen teil, darunter auch etliche SAV-Mitglieder. Anders als   die b&#252;rgerliche Blockade, die etwas 100 Meter entfernt stattfand, wurden   die linken BlockiererInnen allerdings von Beginn an mit massiver   Polizeigewalt traktiert.<\/p>\n<p>  Dass die Nazis aber &#252;berhaupt laufen konnten ist einzig und allein der   Entscheidung der Einsatzleitung der Polizei zuzurechnen, die an diesem   Tag 5.000 PolizistInnen (Quelle: &quot;Lageabschlussmeldung&quot; des Dortmunder   Polizeipr&#228;sidiums) einsetzte, gro&#223;e Teile der Nordstadt hermetisch   abriegelte und mit &#228;u&#223;erster Brutalit&#228;t gegen die AntifaschistInnen   vorgingen, die versuchten auf die Naziroute zu gelangen. Insgesamt   wurden 271 Personen festgenommen und in die Gefangenensammelstelle   gebracht. 95% geh&#246;ren nicht zum rechten Spektrum. Es wurden   Schlagst&#246;cke, CS-Gas, R&#228;umpanzer und Wasserwerfer eingesetzt; es wurde   gekesselt, gew&#252;rgt und gepr&#252;gelt. Die Polizei ging mit einer Brutalit&#228;t   vor, wie sie in den Jahren zuvor noch nicht gesehen wurde.<\/p>\n<p>  Linke TeilnehmerInnen der Gegenproteste wurden von   Polizei-Einsatzleitung und der b&#252;rgerlichen Presse pauschal   kriminalisiert. Polizeipr&#228;sident Hans Schulze (SPD), der in der   Vergangenheit mit realit&#228;tsfernen &#196;u&#223;erungen wie &quot;Dortmund hat kein   Naziproblem&quot; auffiel, sprach von &quot;Gewaltexzessen&quot; am 3.9. &#8211; die   allerdings von den Linken ausgegangen seien!<\/p>\n<p>  Der nordrhein-westf&#228;lische Landesvorsitzende der Deutschen   Polizeigewerkschaft (DPolG), Erich Rettinghaus, behauptet gegen&#252;ber   SPIEGEL ONLINE dass die polizeilichen Einsatzkr&#228;fte &quot;auf das Brutalste   von linken Autonomen angegriffen worden&quot;.<\/p>\n<p>  Deutlich wahrzunehmen waren in den letzten Wochen Risse in den   herrschenden politischen Kreisen der Stadt &#8211; der OB Sierau (SPD)   bef&#252;rwortet Blockaden, die der Polizeipr&#228;sident Schulze (SPD) bek&#228;mpft.   Was sich aber auch abzeichnet ist, wie Teile der Unterst&#252;tzerInnen des   b&#252;rgerlichen Dortmund Nazifrei den GegendemonstrantInnen in den R&#252;cken   fallen. So &#228;u&#223;erte der Dortmunder Oberb&#252;rgermeister gegen&#252;ber des WDRs   am Abend nach den Protesten, dass zwar einige Sachen noch mal genauer   beleuchtet werden m&#252;ssten, die Polizei am besagten Tag einen &quot;guten Job&quot;   gemacht habe.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die Landeschefin der Gr&#252;nen, Monika D&#252;ker, deren Partei ebenfalls bei   Dortmund Nazifrei engagiert ist, sprach gegen&#252;ber der Presse sogar von   einer &quot;schwierige[n] Lage&quot;, die die Polizeikr&#228;fte &quot;hervorragend   bew&#228;ltigt&quot; haben sollen.<\/p>\n<p>  Wichtig ist es jetzt neben einer Auswertung der Erfahrungen des 3.   Septembers solchen Pressemeldungen &#246;ffentlich Gegendruck zu machen und   gegen die Polizeirepression der vergangenen Tage zu streiten.<\/p>\n<p>  Zu hoffen ist, dass &#8211; in dem nicht unwahrscheinlichen Fall, dass die   &quot;Autonomen Nationalisten&quot; auch im n&#228;chsten Jahr wieder marschieren   wollen &#8211; dass die Mobilisierungen innerhalb und au&#223;erhalb Dortmunds   weiter gest&#228;rkt werden, damit sich auch hier ein Erfolg wie in Dresden   einstellt, wo in diesem und im letzten Jahr die Nazis erfolgreich   gestoppt werden konnten.<\/p>\n<h4>  Kurze Auswertung von Dortmund stellt sich quer:<a href=\" http:\/\/dortmundquergestellt.de\">   <\/a><\/h4>\n<p>  <a href=\"http:\/\/dortmundquergestellt.de\">http:\/\/dortmundquergestellt.de<\/a><\/p>\n<h4>  Fotos zum 3.9.2011 im Flickr-Account von Dortmund stellt sich quer:<\/h4>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dortmundquer\/\">http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dortmundquer\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht zu den antifaschistischen Aktionen gegen den &quot;Nationalen<br \/>\n      Antikriegstag&quot;am 3. 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