{"id":14414,"date":"2011-09-03T05:00:00","date_gmt":"2011-09-03T03:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14414"},"modified":"2012-05-09T15:27:48","modified_gmt":"2012-05-09T13:27:48","slug":"14414","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14414\/","title":{"rendered":"Naziterror entgegentreten"},"content":{"rendered":"<p>  Derzeit kriechen Nazis und Rechtspopulisten in ganz Deutschland vermehrt   in die &#214;ffentlichkeit, machen spontane Demos und werden zunehmend   gewaltt&#228;tig. Wie ist diese gesteigerte Aktivit&#228;t zu erkl&#228;ren?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Nico und Anna<\/i><\/h4>\n<p>  Beispiel Berlin &#8211; dort ver&#252;bten organisierte Nazis in diesem Jahr   diverse Anschl&#228;ge auf linke Stadtteilzentren und Projekte und sch&#228;ndeten   j&#252;dische und Arbeiterdenkmale. Auch am 6. August, nachdem sie zu einer   Kundgebung vor der NPD-Zentrale aufgerufen und sogar, dreist wie sie   sind, einen Fackelmarsch durch Berlin angek&#252;ndigt hatten. Daf&#252;r wollten   sie 1000 Nazis aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus Tschechien   mobilisieren. Nicht, dass die Rechten jemals weg oder nicht gewaltt&#228;tig   gewesen w&#228;ren: Bereits im Fr&#252;hjahr 2011 provozierten die Nazis in Berlin   verst&#228;rkt. Sie hielten Kundgebungen vor der Landeszentrale der LINKEN   ab, organisierten Demonstrationen in Bezirken mit besonders hohem   MigrantInnenanteil und machten verst&#228;rkt Propaganda mit Stickern und   Flyern.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem wurden mindestens 140 Menschen laut dem Antifaschistischen   Infoblatt Nr. 89 in den letzten zwanzig Jahren von Rechten ermordet. Am   20. Juli wurde in Dortmund an die Hauswand eines bekannten   MLPD-Aktivisten &#8222;MLPD t&#246;ten&#8221; gesprayt.<\/p>\n<p>  Zur Zeit bem&#252;hen sie sich um noch mehr Pr&#228;senz: Nach dem Massaker von   Oslo und Uteya zogen vermummte autonome Nationalisten am helllichten   Tage durch die Stra&#223;en und &#246;ffentlichen Pl&#228;tze. Oft machten sie Jagd auf   linke AktivistInnen oder verpr&#252;gelten MigrantInnen. Sie ver&#252;bten   Brandanschl&#228;ge auf B&#252;ros von Sozialdemokraten und Linken und sprayten   rechte Parolen in den St&#228;dten. Au&#223;erdem ver&#246;ffentlichten sie Adressen   von aktiven Linken, deren H&#228;user sie mit Farbbomben und positiven   Anspielungen auf das Massaker von Oslo und Uteya beschmierten. Die Liste   rechter Taten seit Beginn des Jahres ist erschreckend lang.<\/p>\n<h4>  Keinen Fu&#223;breit den Faschisten!<\/h4>\n<p>  Ihre irrsinnige Propaganda verbreiten die Nazis durch Demos,   Wahlplakate, Aktionen und Veranstaltungen, aber auch durch Gewalt und   Einsch&#252;chterung. Als AntifaschistInnen mit deutschem oder anderem Pass   m&#252;ssen wir uns dagegenstellen und eine starke Gegenbewegung aufbauen.   Indem wir Nazidemos blockieren, faschistische Wahlwerbung abh&#228;ngen und   so einen aktiven Kampf f&#252;r einen nazifreien Kiez oder eine nazifreie   Stadt f&#252;hren, senden wir nicht nur ein klares Signal gegen die   Faschisten, sondern k&#246;nnen auch Gleichgesinnte treffen und st&#228;rker   werden. Wir nehmen den Nazis jede B&#252;hne f&#252;r ihre Propaganda und k&#246;nnen   ihren Einfluss dadurch schw&#228;chen.<\/p>\n<p>  Aber physischer Widerstand gegen die Nazis allein reicht nicht: Der   antifaschistische Kampf wird politisch entschieden. Entscheidend ist es,   ihnen die kapitalistische Basis f&#252;r ihre Hetzte zu entziehen. Rassismus   baut auf der wirtschaftlichen, nicht auf der kulturellen Ungleichheit   zwischen den Menschen auf. Er lenkt davon ab, dass es Herrschende und   Beherrschte im Kapitalismus gibt. Die Herrschenden, die das Geld horten   und Krisen verursachen, und die Beherrschten, die den G&#252;rtel immer enger   schnallen sollen. Unsere Aufgabe ist, zu zeigen, wer in dieser Welt die   Kohle verschlingt und uns den gesellschaftlichen Reichtum und das sch&#246;ne   Leben vorenth&#228;lt.<\/p>\n<h4>  International&#8230;h&#228;?<\/h4>\n<p>  Es erscheint Vielen unlogisch, dass Rechtsradikale international   vernetzt sind und es &#252;berhaupt welche in verschiedenen L&#228;nder gibt.   Wieso mobilisieren die deutschen Nazis, die am liebsten ganz Tschechien   unterworfen h&#228;tten, so mal rein historisch betrachtet, ausgerechnet ihre   tschechischen Freunde zum Wahlpappen-Aufh&#228;ngen &#8211; Und wieso lassen die   sich darauf auch noch ein?<\/p>\n<p>  Sicherlich kann man tiefer in die ekelhafte Ideologie einsteigen und   Erkl&#228;rungen im Rassenwahn finden. Interessanter (und aufschlussreicher)   ist aber, den politischen und sozialen N&#228;hrboden zu betrachten, auf dem   die rechte Ideologie w&#228;chst und gedeiht. Beispiel Russland: Seit Jahren   hat die rechtsextreme Bewegung Aufwind. Die Nazis morden MigrantInnen,   vor Allem aus dem Kaukasus, und Kriegsveteranen. Im vergangenen Dezember   marschierten mehrere tausend Rechtsextreme auf dem Moskauer Manegenplatz   und machten Jagd auf Ausl&#228;nder.<\/p>\n<p>  Unter Fu&#223;ballfans sind rechtes Szenetum und Nazi-Parolen weit   verbreitet. Auch in anderen L&#228;ndern Osteuropas w&#228;chst die rechte   Bewegung. Die Schw&#228;che der Gegenbewegung, das Erbe des Stalinismus, das   zu einer weit verbreiteten Desillusionierung in politische Aktivit&#228;ten   gef&#252;hrt hat, und die Suche nach einfachen L&#246;sungen auf gro&#223;e soziale und   wirtschaftliche Probleme spielen den Nazis in die H&#228;nde.<\/p>\n<h4>  Krise =&gt; Faschismus?<\/h4>\n<p>  Dass rechtsextremes Gedankengut gerade zu Zeiten der tiefen   Weltwirtschaftskrise an Auftrieb gewinnt ist nicht verwunderlich. Die   Wirklichkeit verh&#228;lt sich aber nicht so platt wie das in Schulb&#252;chern   gern dargestellt wird: &#8222;Die Leute waren unzufrieden und dann w&#228;hlten sie   die Nazis, weil die so radikal waren, und das hat emotional zu den   Menschen gepasst&#8221;. Fakt ist: In Zeiten von Krise, sinkenden   Lebensstandards und Zukunftsangst suchen die Leute nat&#252;rlich nach   L&#246;sungen.<\/p>\n<p>  Deshalb werden sie aber nicht automatisch zu Nazis. Vielmehr nutzen die   b&#252;rgerlichen Kr&#228;fte in der Gesellschaft Rassismus und Sozialdarwinismus   (&#8222;Nur die Kl&#252;gsten\/Sch&#246;nsten\/Flei&#223;igsten\/&#8230; sollen durchkommen&#8221;)   gezielt zur Spaltung der Bev&#246;lkerung. Wenn die Leute denken, ihr   t&#252;rkischer Kollege oder ihre arbeitslose Nachbarin sind Schuld an ihrer   Situation, sind sie abgelenkt von der Tatsache, dass die Banken und   Konzerne Milliardengewinne machen &#8211; trotz Krise! &#8211; und dass es zwei   Klassen gibt in der Gesellschaft: Die, die nichts hat, au&#223;er ihrer   Arbeitskraft. Und die, die den Reichtum der Welt an sich gerissen hat   und nie mehr hergibt, als das, was wir uns erk&#228;mpfen. Faschisten stehen   nie auf der Seite der Arbeiterklasse. Sie schm&#252;cken sich in bestimmten   Situationen mit sozialen Forderungen (National&#8222;sozialismus&#8222;), um   attraktiv auf die Massen zu wirken.<\/p>\n<p>  Sinn und Zweck des Faschismus ist aber die Zerschlagung der   Arbeiterbewegung &#8211; offensichtlich, wenn man das Verbot von   Gewerkschaften und anderen ArbeiterInnenorganisationen in allen   faschistischen Regimes bedenkt. Die Geschichte zeigt auch, dass die   Arbeiterklasse sich bisher immer zun&#228;chst nach links gewandt hat, und   erst das Versagen der Linken das Erstarken faschistischer Kr&#228;fte   erm&#246;glicht hat. Das gilt f&#252;r Italien, Deutschland und &#214;sterreich, wo   Sozialdemokratie und Stalinisten die faschistische Machtergreifung nicht   verhinderten, f&#252;r den spanischen B&#252;rgerkrieg, in dem weder Anarchisten   noch Stalinisten die richtigen Schritte ergriffen, f&#252;r   lateinamerikanische Diktaturen, und eben auch f&#252;r die Schw&#228;che der   Linken nach Zerfall des Stalinismus.<\/p>\n<h4>  Nazi gleich Nazi &#8211; Oder?<\/h4>\n<p>  Nazis, Faschisten, Rassisten, Rechtspopulisten &#8211; Rechte gibt es in   verschiedenen Ausf&#252;hrungen und Abstufungen. Rechtspopulistische   Organisationen wie &#8222;Die Freiheit&#8221; oder &#8222;Pro(&#8230;)&#8222; bestehen nicht   mehrheitlich aus &#305;Stiefelnazis&#8222;. Gef&#228;hrlich sind sie trotzdem: Sie   betreiben Hetze gegen MigrantInnen und leistungsgesellschaftlich   &#8222;Nutzlose&#8221; wie Arbeitslose oder Alleinerziehende. Damit bereiten sie den   Boden f&#252;r weitere rassistische Schlussfolgerungen und machen Rassismus   und rechte Ideen salonf&#228;hig.<\/p>\n<p>  Ihre N&#228;he zu rechtsextremen Organisationen zeigt sich nicht nur   ideologisch, sondern auch personell und methodisch. So griffen im August   zwei Vertreter von ProDeutschland im Berliner Wahlkampf einen Migranten   an, nachdem der ihre Plakate kritisiert hatte. Ein besonders krasses   Beispiel f&#252;r die Vernetzung ist das Massaker von Oslo und Uteya. Der   T&#228;ter Andreas Breivik war sieben Jahre lang Mitglied der   rechtspopulistischen Fremskrittspartiet bevor er diese als zu gem&#228;&#223;igt   empfand und sich im norwegischen Ableger der rechtsextremen English   Defence League organisierte.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Mainstream-Medien sich dar&#252;ber streiten, ob Breivik   rechtsextrem oder extrem konservativ, aber nicht neonazistisch ist, ist   so oder so klar, dass auch eine &#8222;gem&#228;&#223;igt rechte&#8221; Ideologie sich   lebensgef&#228;hrlich f&#252;r Andere entwickeln kann. Insbesondere die   Finanzierung der Sprengs&#228;tze &#8211; immerhin konnte er f&#252;r eine halbe Million   Euro die entsprechenden Utensilien shoppen (und stand deshalb sogar auf   einer Beobachtungsliste der norwegischen Beh&#246;rden) &#8211; war wohl kaum   individuell &#305;durch einen verr&#252;ckten Einzelnen&#8222; m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Gerade weil die Rechtspopulisten &#8211; und bei Erstarken einer linken   Gegenbewegung zu Krise und Kapitalismus auch die Nazis &#8211; einen   praktischen Nutzen f&#252;r die Herrschenden haben, werden sie unterst&#252;tzt   und finanziert. Es wird niemals einen Kapitalismus ohne Rassismus geben.   Zeit, beides loszuwerden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Derzeit kriechen Nazis und Rechtspopulisten in ganz Deutschland vermehrt<br \/>\n      in die &#214;ffentlichkeit, machen spontane Demos und werden zunehmend<br \/>\n      gewaltt&#228;tig. 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