{"id":14403,"date":"2011-09-14T00:00:00","date_gmt":"2011-09-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14403"},"modified":"2011-09-14T00:00:00","modified_gmt":"2011-09-14T00:00:00","slug":"14403","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14403\/","title":{"rendered":"Explosion der Wut"},"content":{"rendered":"<p>  Gro&#223;britannien: Im Land von Kahlschlag, Korruption und Polizeigewalt<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Dieser britische Sommer war extrem ereignisreich. Zuerst enth&#252;llte   der Abh&#246;rskandal um den Medienmogul Rupert Murdoch die korrupten   Verbindungen zwischen Politik, Staatsapparat und den Medien. Dann   ersch&#252;tterten Jugendausschreitungen das Land, eine Woche lang breiteten   sie sich von London auf jede gr&#246;&#223;ere Stadt Englands aus.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Christian Bunke, Manchester<\/i><\/h4>\n<p>  Die Ausschreitungen begannen Anfang August als Wutausbruch im Londoner   Stadtteil Tottenham gegen einen weiteren Toten in den H&#228;nden der   Polizei. 100 Menschen starben in den letzten f&#252;nf Jahren in   Polizeigewahrsam. Die wenigsten F&#228;lle wurden aufgekl&#228;rt.<\/p>\n<h4>  Brutalit&#228;t des Staatsapparates<\/h4>\n<p>  J&#252;ngstes Opfer war der Migrant Mark Duggan, der von der Polizei aus   n&#228;chster N&#228;he erschossen wurde. FreundInnen und Verwandte organisierten   daraufhin am Samstag, den 6. August eine Kundgebung vor der Polizeiwache   in Tottenham. Sie wollten mit einem f&#252;hrenden Polizeioffizier &#252;ber den   Vorfall reden. Um 17 Uhr begann die Kundgebung. Um 21 Uhr warteten die   Menschen immer noch. Als einige Polizisten dann provozierten, kam es zur   Eskalation.<\/p>\n<p>  Die im Anschluss einsetzenden Unruhen sp&#252;lten &#252;ber Jahre verdeckte   Frustrationen der Jugend an die Oberfl&#228;che. Tottenham hat eine   Jugenderwerbslosigkeit von 25 Prozent. In ganz Gro&#223;britannien liegt   diese Zahl bei 20,2 Prozent. Das sind 949.000 erwerbslose junge Menschen.<\/p>\n<h4>  Beispiellose Rotstiftpolitik<\/h4>\n<p>  F&#252;r diese Situation sind alle neoliberalen Regierungen seit Margaret   Thatcher verantwortlich. Auch die Labour-Regierungen unter Tony Blair   und Gordon Brown. Die jetzt durchgef&#252;hrten K&#252;rzungen gie&#223;en aber massiv   &#214;l ins Feuer. Die von David Cameron gef&#252;hrte liberal-konservative   Koalitionsregierung will in vier Jahren die staatliche Neuverschuldung   auf null Prozent senken. Daf&#252;r wird alles, was vom britischen   Sozialstaat noch &#252;brig ist, zerlegt.<\/p>\n<p>  So werden in Manchester und Salford alle Jugendeinrichtungen ersatzlos   gestrichen. In Camerons eigenem Wahlkreis in Oxfordshire streiken   JugendarbeiterInnen, um Einrichtungen zu retten.<\/p>\n<p>  Im Bildungswesen wird das Erlangen einer akademischen Qualifikation f&#252;r   die meisten zum Ding der Unm&#246;glichkeit. Ab 2012 erh&#246;hen viele   Universit&#228;ten die Studiengeb&#252;hren auf 9.000 Pfund pro Jahr, weil ihnen   das Lehrbudget um 80 Prozent gek&#252;rzt wird. Viele Kurse werden ersatzlos   gestrichen. Derzeit k&#228;mpfen rund 100.000 Schulabg&#228;ngerInnen um 20.000   Studienpl&#228;tze. Die meisten von ihnen werden bald in der   Erwerbslosenstatistik auftauchen.<\/p>\n<h4>  Cameron &#8211; &#8222;Ein Mann sieht rot&#8220;<\/h4>\n<p>  Der Million&#228;r und Premierminister Cameron spielte w&#228;hrend und nach den   Krawallen den Moralapostel. Er sprach von &#8222;hirnloser Kriminalit&#228;t&#8220; und   davon, sich bei der Strafverfolgung nicht durch &#8222;Menschenrechtsbl&#246;dsinn&#8220;   aufhalten lassen zu wollen. Er forderte den Einsatz der Armee und den   Ausbau der Polizei zur B&#252;rgerkriegstruppe. Dumm nur, dass auch bei der   Polizei Tausende Stellen wegen der K&#252;rzungen abgebaut werden.<\/p>\n<p>  Rund 2.000 &#252;berwiegend erwerbslose Jugendliche wurden bislang inhaftiert   und wegen teils sehr kleiner Delikte f&#252;r Monate oder Jahre ins Gef&#228;ngnis   gesteckt: Sechs Monate Haft f&#252;r eine junge Frau, die eine 3,50 Pfund   teure Wasserflasche klaute; vier Jahre Haft f&#252;r zwei junge M&#228;nner, die   auf Facebook &#252;ber die Unruhen posteten. Unter den so Inhaftierten sind   viele Minderj&#228;hrige.<\/p>\n<h4>  F&#252;r massenhaften, organisierten Widerstand gegen Sozialraub<\/h4>\n<p>  Die Gewerkschaft f&#252;r Staatsangestellte (PCS) schrieb in einer   Stellungnahme richtigerweise: &#8222;Sich &#252;ber die Ursachen der Krawalle   Gedanken zu machen, bedeutet nicht, sie gut zu hei&#223;en. (&#8230;) Das viel   gr&#246;&#223;ere Problem als die Jugendlichen ist aber die Kriminalit&#228;t der   Eliten aus Finanz und Politik.&#8220; Cameron behauptet hingegen, f&#252;r die   Krawalle g&#228;be es keine sozialen Ursachen. Das sehen die 3.000   DemonstrantInnen anders, die nach den Unruhen auch auf Initiative der   Socialist Party hin durch London demonstrierten und Widerstand gegen   Sozialabbau sowie ein Ende der Repression gegen Jugendliche forderten.<\/p>\n<p>  F&#252;r die britischen Gewerkschaften m&#252;ssen die Ausschreitungen ein   Warnsignal sein. Viel wurde &#252;ber Massenstreiks im Herbst geredet, doch   die F&#252;hrungsspitzen des Gewerkschaftsbundes TUC verschleppen die   Umsetzung dieser Worte in Taten. Am 11. September organisiert das   gewerkschaftsoppositionelle &#8222;National Shop Stewards Network&#8220; eine   Kundgebung vor dem TUC-Kongress in London. Gefordert wird ein   24-st&#252;ndiger Generalstreik im &#214;ffentlichen Dienst. Die Zeit daf&#252;r   dr&#228;ngt. n<\/p>\n<h4>  Zwei Welten<\/h4>\n<p>  Wie eine im Mai ver&#246;ffentlichte Studie der Organisation f&#252;r   wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, sind die   Einkommen nirgendwo in der Europ&#228;ischen Union (EU) so ungleich verteilt   wie in Gro&#223;britannien. Laut einem im letzten Jahr vorgelegten Bericht   der britischen Regierung ist in der drittgr&#246;&#223;ten EU-&#214;konomie das   Verm&#246;gen der oberen zehn Prozent der Bev&#246;lkerung mehr als hundertmal so   gro&#223; wie das der unteren zehn Prozent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gro&#223;britannien: Im Land von Kahlschlag, Korruption und Polizeigewalt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[53,46],"tags":[240],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14403"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14403"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14403\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14403"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14403"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}