{"id":14399,"date":"2011-10-03T00:00:00","date_gmt":"2011-10-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14399"},"modified":"2012-05-15T14:46:03","modified_gmt":"2012-05-15T12:46:03","slug":"14399","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/10\/14399\/","title":{"rendered":"Mit dem Kapital oder gegen das Kapital?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Mitbestimmung im Programmentwurf der LINKEN<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Der aktuelle Programmentwurf der LINKEN spricht sich einerseits f&#252;r   eine &#220;berwindung des Kapitalismus und eine neue Eigentumsordnung aus,   andererseits weist er in entscheidenden konkreten Punkten keine   Alternative zum Profitsystem auf. So auch in der Frage, wie   gesellschaftlicher Einfluss auf die Unternehmen durchgesetzt werden   soll. Hier werden Ideen von &#8222;Wirtschaftsdemokratie&#8220; und &#8222;Mitbestimmung&#8220;   vertreten, die eben keinen wirklichen Bruch mit kapitalistischen   Verh&#228;ltnissen bedeuten.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg, G&#246;ttingen, und Simon Aulepp, Kassel<\/i><\/h4>\n<p>  DIE LINKE erhebt als einzige im Bundestag vertretene Partei in ihrem   Programm den Anspruch, eine Gesellschaft jenseits der kapitalistischen   Marktwirtschaft erreichen zu wollen. Sie fordert &#8222;demokratische   gesellschaftliche Eigentumsformen&#8220; f&#252;r die strukturbestimmenden   Gro&#223;betriebe und &#246;ffentliches Eigentum f&#252;r die Unternehmen der   Daseinsvorsorge und das Bankwesen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig bezeichnet sie aber die &#8222;parit&#228;tische Mitbestimmung&#8220; als   Ziel ihres politischen Handelns. Im Entwurf hei&#223;t es: &#8222;Deshalb setzen   wir uns f&#252;r die Erweiterung der parit&#228;tischen Mitbestimmung und f&#252;r die   Durchsetzung des Vetorechts der Belegschaften gegen die Schlie&#223;ung von   Betrieben ein, die nicht von Insolvenz bedroht sind.&#8220; Das erweckt den   Eindruck, dass &#8211; bezogen auf private Unternehmen &#8211; die Forderung nach   &#196;nderung der Eigentumsordnung f&#252;r die unbestimmte Zukunft, die nach   parit&#228;tischer Mitbestimmung f&#252;r die aktuelle Politik gemeint ist.<\/p>\n<p>  Jede &#8222;Mitbestimmung&#8220; der Besch&#228;ftigten setzt voraus, dass die   Besitzrechte der Anteilseigner in den Gro&#223;betrieben nicht abgeschafft   und durch &#246;ffentliches Eigentum ersetzt, sondern lediglich beschnitten   beziehungsweise durch Vetorechte erg&#228;nzt werden sollen. Die   Mitbestimmung zementiert also das Privateigentum an den   Produktionsmitteln anstatt es zu &#252;berwinden. Die Einschr&#228;nkung der   Vetorechte auf &#8222;NICHT von Insolvenz bedrohte&#8220; Betriebe unterstreicht,   dass mit dieser Strategie nicht einmal Stilllegungen verhindert werden   k&#246;nnen und dass sie ganz im Rahmen der kapitalistischen Logik verharrt.<\/p>\n<h4>  Abmilderung der Widerspr&#252;che statt deren Aufhebung<\/h4>\n<p>  Die Mitbestimmung, wie sie in Deutschland existiert, ist ein   zweischneidiges Schwert. Sie war ein Zugest&#228;ndnis der Kapitalisten   angesichts gro&#223;er K&#228;mpfe der Arbeiterklasse in der Vergangenheit, mit   dem Ziel, dadurch nicht die ganze Kontrolle &#252;ber die Betriebe an die   ArbeiterInnen abgeben zu m&#252;ssen. Linke verteidigen Mitbestimmungsrechte,   wie alle &#8211; auch noch so beschr&#228;nkten &#8211; Errungenschaften der   Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p>  Diese zu verteidigen bedeutet aber nicht, sie zu eigenen politischen   Prinzipien zu erheben. Denn die Herrschenden haben der Mitbestimmung   einen pro-kapitalistischen ideologischen und rechtlichen Rahmen gegeben,   der davon ausgeht, dass die Interessen von Lohnabh&#228;ngigen und   Kapitaleignern nicht entgegengesetzt und unvereinbar sind, sondern durch   eine Zusammenarbeit dieser Klassen in betrieblichen Gremien und   Aufsichtsr&#228;ten miteinander vers&#246;hnt werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Erfahrungen mit der Mitbestimmung, auch mit der parit&#228;tischen in der   fr&#252;heren Montanindustrie (in der BRD von 1951 an), beweisen jedoch das   genaue Gegenteil: Sie hat die Anteilseigner in diesen Industriezweigen   weder an gigantischen Profiten, noch an der Zerst&#246;rung von Zehntausenden   von Arbeitspl&#228;tzen gehindert. Sie hat die gew&#228;hlten   BelegschaftsvertreterInnen auf ein nur scheinbar klassenunabh&#228;ngiges   Unternehmensinteresse verpflichtet und spielte eine Rolle dabei, viele   von ihnen in Co-Manager des Kapitals zu verwandeln.<\/p>\n<p>  Wirkliche Kontrolle eines Betriebs durch die Gesellschaft &#8211; und damit   die M&#246;glichkeit, die Produktion nach den Bed&#252;rfnissen der Gesellschaft   zu steuern &#8211; ist jedoch nur auf der Basis &#246;ffentlichen Eigentums zu   erreichen. Ein kapitalistischer Betrieb, in dem der Belegschaft nur eine   Mitwirkung an den Entscheidungen des Kapitals einger&#228;umt wird, verbleibt   innerhalb der Konkurrenzlogik des Systems. Der Zwang zum   profitorientierten Wirtschaften f&#252;hrt so unweigerlich zu Entscheidungen,   die den Interessen der Mehrheit der Bev&#246;lkerung zuwider laufen, seien es   Arbeitsverdichtung, Lohnk&#252;rzungen oder Entlassungen. Auch Entscheidungen   f&#252;r die Umstellung der Produktion auf alternative Produkte (etwa in der   Automobilindustrie) blieben dann dem Diktat des Profits unterworfen.<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine echte Systemalternative &#8211; f&#252;r eine sozialistische LINKE!<\/h4>\n<p>  Das Ziel der Vergesellschaftung von Produktionsmitteln im   Programmentwurf &#8211; das dort auf Betriebe der sogenannten Daseinsvorsorge   und strukturbestimmende Unternehmen beschr&#228;nkt und als eine unbestimmte   Mischung von kollektivem und &#246;ffentlichem Eigentum pr&#228;sentiert wird &#8211;   droht &#228;hnlich wie bei der SPD zu einem Lippenbekenntnis in Sonntagsreden   zu werden, wenn der Weg dahin nicht &#252;ber eine unabh&#228;ngige   Interessenvertretung der Lohnabh&#228;ngigen, sondern umgekehrt &#252;ber eine   organisierte Klassenzusammenarbeit gesucht werden soll.<\/p>\n<p>  Vor allem aber muss die Eigentumsfrage in einen Zusammenhang mit der   Produktionsweise gestellt werden. Auch staatliche oder   genossenschaftliche Unternehmen, die nach kapitalistischen   Gesichtspunkten funktionieren und Profiterzielung erreichen wollen, sind   keine Mittel zur &#220;berwindung des Kapitalismus. Nur die Verstaatlichung   der gro&#223;en Banken und Konzerne unter demokratischer Kontrolle und   Verwaltung der arbeitenden Bev&#246;lkerung als Grundlage zur Ersetzung der   Profitwirtschaft durch eine demokratische und an den Bed&#252;rfnissen von   Mensch und Natur ausgerichtete kooperative und demokratische   Wirtschaftsplanung ist ein solches Mittel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Mitbestimmung im Programmentwurf der LINKEN\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,29],"tags":[240],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14399"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14399"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14399\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14399"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}