{"id":14396,"date":"2011-09-04T00:00:00","date_gmt":"2011-09-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14396"},"modified":"2012-06-28T15:44:50","modified_gmt":"2012-06-28T13:44:50","slug":"14396","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14396\/","title":{"rendered":"Warnendes Beispiel einer gekaperten Revolution"},"content":{"rendered":"<p>  Imperialisten versuchen in Libyen und Nordafrika Fu&#223; zu fassen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Nach einem halben Jahr B&#252;rgerkrieg haben die sogenannten Rebellen,   begleitet von 20.000 NATO-Luftangriffen auf 4.000 Ziele, Tripolis   eingenommen. Was bedeutet das f&#252;r die libyschen Massen und f&#252;r ganz   Nordafrika?<\/b><\/p>\n<h4>  <i><b>von Sascha Wiesenm&#252;ller, Aachen<\/b><\/i><\/h4>\n<p>  Was im Februar als Aufstand gegen die korrupte Diktatur Muammar   al-Gaddafis begann und stark von den revolution&#228;ren Bewegungen in   Tunesien und &#196;gypten beeinflusst war, wurde vom Regime zun&#228;chst schnell   und brutal niedergeschlagen.<\/p>\n<h4>  <i>Von der Volksbewegung zum B&#252;rgerkrieg<\/i><\/h4>\n<p>  Waren zuerst einfache ArbeiterInnen, Jugendliche und Arme die treibende   Kraft der Protestbewegung, so bildete sich in Bengasi bald ein neues   oppositionelles Zentrum. Bestimmt wurde es von abtr&#252;nnigen   Repr&#228;sentanten des alten Regimes, Monarchisten und neoliberalen   Politikern.<\/p>\n<p>  Diese formierten sich im &#8222;Nationalen &#220;bergangsrat&#8220; zu einer   Gegenregierung. Im Gegensatz zur Bewegung in der fr&#252;hen Phase der   Rebellion traten diese Kr&#228;fte offensiv f&#252;r die Kollaboration mit der   NATO ein, die ihnen dann auch schon ab M&#228;rz mit Luftschl&#228;gen   assistierte. Sp&#228;testens von da an wurden Libyens ArbeiterInnen und   Jugendliche von der politischen B&#252;hne gedr&#228;ngt und gerieten zwischen die   Fronten eines brutalen Krieges zwischen den Gaddafi-Treuen und den von   der NATO gest&#252;tzten pro-westlichen Rebellen.<\/p>\n<p>  Die brutalen Bombardements der NATO erlaubten es Gaddafi, sich einer   antiwestlichen Rhetorik zu bedienen. Das trieb Teile der Bev&#246;lkerung   wieder in die Reihen des Regimes.<\/p>\n<h4>  Imperialistische Ziele<\/h4>\n<p>  Genau vor hundert Jahren nutzte Italien innere Machtk&#228;mpfe im heutigen   Libyen, um das Land seinem Kolonialreich einzuverleiben. Italien stellte   sich dabei auf die Seite einer Konfliktpartei und &#252;bte das erste Mal in   der Geschichte Bombenterror aus der Luft aus. Die Folge war die   koloniale Unterjochung (in den vierziger Jahren auch von Frankreich und   Gro&#223;britannien) des heutigen Libyen, das 1951 seine Unabh&#228;ngigkeit   erkl&#228;rte.<\/p>\n<p>  Den heute unter dem Dach der NATO organisierten Kr&#228;ften ging es niemals   darum, eine Bewegung von unten gegen eine Diktatur zu unterst&#252;tzen.   Nat&#252;rlich versuchen die Gro&#223;m&#228;chte bei der Neuaufteilung der libyschen   Ressourcen (vor allem Erd&#246;l) sich die L&#246;wenanteile zu sichern. Die   &#214;lindustrie Libyens ist bis heute in Staatshand. Dies hat &#8211; dank   gro&#223;z&#252;giger Konzessionen &#8211; den Westen nicht an der Ausbeutung des   libyschen &#214;ls gehindert. Von der Macht&#252;bernahme des Nationalen   &#220;bergangsrats aber, dessen wirtschaftspolitischer Sprecher sich f&#252;r den   Ausbau eines &#8222;leistungsf&#228;higen Privatsektors&#8220; ausgesprochen hat,   erhoffen sich die Kapitalisten einen besseren Zugriff darauf.<\/p>\n<p>  Es ist aber kein reiner Krieg f&#252;r &#214;l. Viel bedeutender noch ist aktuell   der politisch-geostrategische Aspekt. Die ganze Region Nordafrika ist   ein brodelnder Hexenkessel, ein Hort sozialer und politischer Unruhen.   Die revolution&#228;re Welle hat dem Westen Angst gemacht. Deshalb haben die   westlichen Imperialisten ein gro&#223;es Interesse daran, einen politischen   und milit&#228;rischen Br&#252;ckenkopf in Nordafrika zu sichern. Dieses aktuelle   Ziel mischt sich mit uralten Kolonialinteressen. Nicht umsonst sind   Italien und Frankreich bei der Intervention federf&#252;hrend dabei. Mit dem   Nationalen &#220;bergangsrat hoffen die imperialistischen M&#228;chte in Libyen &#8211;   anstelle des unberechenbaren Gaddafi &#8211; auf eine verl&#228;ssliche   Marionettenregierung (wie sie diese auch im Irak und in Afghanistan im   Zuge ihrer Milit&#228;rinterventionen anstrebten).<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine unabh&#228;ngige Bewegung von unten<\/h4>\n<p>  Auch wenn der Sturz des Tyrannen viele LibyerInnen freut, bedeutet der   Verlauf der Entwicklungen, dass die Imperialisten jetzt einen Fu&#223; in der   T&#252;r haben. Sie werden versuchen, diese Position zu nutzen, um   unabh&#228;ngige revolution&#228;re Initiativen in der Region abzuw&#252;rgen   beziehungsweise unter ihre Kontrolle zu bringen.<\/p>\n<p>  Ob sich in Libyen derweil eine neue Regierung wirklich durchsetzen kann,   ist mehr als fraglich. Vieles deutet auf einen Prozess wie im Irak oder   in Afghanistan hin, wo weiter Chaos und Gewalt herrschen. In jedem Fall   sind Libyens Massen vom Regen in die Traufe gekommen: vom sich   bereichernden Diktator Gaddafi zu den Privatisierern des Westens und des   Nationalen &#220;bergangsrats. In Libyen drohen zudem heftige   Stammeskonflikte und eine Zunahme ethnischer und religi&#246;ser Spannungen.<\/p>\n<p>  Es f&#252;hrt kein Weg daran vorbei, dass die benachteiligten Massen neue   Anstrengungen unternehmen m&#252;ssen, eine unabh&#228;ngige Bewegung im Interesse   von ArbeiterInnen, Jugendlichen und Armen aufzubauen. Statt sich in   irgendeiner Weise auf das Postengeschacher einer kapitalistischen   Regierung einzulassen, sollten in den Nachbarschaften, Betrieben und in   anderen Bereichen eigene Strukturen geschaffen und der Br&#252;ckenschlag zu   den revolution&#228;ren Bestrebungen in &#196;gypten, Tunesien und anderswo   gesucht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Imperialisten versuchen in Libyen und Nordafrika Fu&#223; zu fassen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[270,240],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14396"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14396"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14396\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}