{"id":14394,"date":"2011-09-01T00:00:00","date_gmt":"2011-09-01T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14394"},"modified":"2011-09-01T00:00:00","modified_gmt":"2011-09-01T00:00:00","slug":"14394","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/09\/14394\/","title":{"rendered":"Nach dem Massaker von Norwegen verlieren die rechten Parteien an \r\n      Unterst&#252;tzung"},"content":{"rendered":"<p>  Das Interesse, sich zu organisieren, hat zugenommen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Am 22. Juli t&#246;tete der rechtsextreme Terrorist Anders Behring Breivik   77 Menschen; zehn davon mit einer Bombe im Osloer Stadtzentrum und 67   junge politische AktivistInnen durch ein Massaker beim Sommerlager von   AUF, der Jugendorganisation der sozialdemokratischen norwegischen   Arbeiderpartiet, AP. Das Motiv von Behring Breivik war sein Hass auf die   Arbeiterbewegung, den Marxismus und den Islam. Er war &#252;ber Jahre aktiv   in der rassistischen Fremskrittspartiet (Fortschrittspartei, FRP), hatte   Parteifunktionen in Oslo inne und stand auf deren Wahlliste. In j&#252;ngsten   Meinungsumfragen vor den Kommunalwahlen am 12. September verliert die   Fortschrittspartei nun an Unterst&#252;tzung und ebenso die konservative   Partei H&#248;yre, die vor dem Terroranschlag noch ein B&#252;ndnis mit der   Fortschrittspartei vorbereitete. Im unten abgedruckten Artikel berichten <b>Trond   Sverre<\/b> und <b>Elise Kolltveit<\/b> aus Oslo.<\/i><\/p>\n<p>  Nach dem Terroranschlag war die Stimmung unter den Menschen anfangs   bestimmt von Schock und Verzweiflung. Tausende legten Blumen vor der   Osloer Kathedrale und der Zentrale der Arbeiterbewegung am Youngstorget   (dem Platz, an dem sich das B&#252;ro der Arbeitspartei und das des   norwegischen Gewerkschaftsbundes befinden; Anm. d. &#220;bers.) nieder. Aber   viele haben auch die menschliche W&#228;rme beschrieben, die in den   nachfolgenden Tagen herrschte, und dass die Menschen auf einander   achteten. 200.000 Menschen demonstrierten gegen Terror, doch die   Demonstration wurde zu einer Kundgebung, weil es einfach zu viele   Menschen wurden, um durch die Stra&#223;en marschieren zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die AP verzeichnet einen Anstieg in den Meinungsumfragen um zehn Prozent   und steht jetzt mit vierzig Prozent in den Vorhersagen an der Spitze in   der W&#228;hlergunst. Auch wenn der Anteil an Sympathie-Stimmen f&#252;r die AP   noch abnehmen kann, so wird es wohl reichen, um den rechtsgerichteten   Parteien in Oslo bei den Wahlen im September eine Niederlage zu bereiten   und den Aufstieg der Konservativen zu stoppen. Die Parteien haben sich   unterdessen darauf verst&#228;ndigt, den Beginn des Wahlkampfes zu   verschieben. Keine der Parteien hat sich bislang zu einer politischen   Aussage hinrei&#223;en lassen. Die Parteien sagten, dass der Wahlkampf &#8222;nicht   polemisch&#8220; gef&#252;hrt werden sollte. Doch die gro&#223;en Parteien und die   Regierung selbst vertreten eine harte Einwanderungs- und Asylpolitik.   Und die etablierten Politiker stellen EinwanderInnen und Muslime h&#228;ufig   als Problem dar.<\/p>\n<p>  Das Interesse, sich zu organisieren, hat unter jungen Leuten zugenommen.   AUF und andere Jugendorganisationen verzeichnen eine Zunahme ihrer   Mitgliederzahlen. Die Jugendorganisationen der Arbeiterbewegung   erkl&#228;rten, dass Terror sie nicht von politischer Arbeit abhalten wird.   Die Sozialistische Jugend hielt ihr Sommerlager nur eine Woche nach dem   Terrorakt von Ut&#248;ya ab. Auch die Parteien der Linken erfahren gestiegene   Mitgliederzahlen. Die Sozialistische Linkspartei (Sosialistisk   Venstreparti) in Oslo ist um rund 500 Mitglieder gewachsen.<\/p>\n<p>  In einer Umfrage, die einige Tage nach dem Anschlag durchgef&#252;hrt wurde,   sagte eine von vier Personen, dass sie einen positiveren Blick auf   EinwanderInnen gewonnen habe. Zudem gaben viele an, dass sie nicht mehr   bereit sind, islamophobe Statements und Witze am Arbeitsplatz oder   anderswo hinzunehmen. Die Stimmung gegen Rassismus wird zunehmen.<\/p>\n<p>  Die Medien berichten viel &#252;ber die islamophoben und rechtsextremen   Blogger und entsprechende Internetdebatten. Breivik hat mehrere tausend   Beitr&#228;ge in islamophoben Blogs gepostet. Er war auch auf der   rechtsextremen schwedischen Internetseite nordic.se aktiv. Die gro&#223;en   Zeitungen versuchen nun, ihre Kommentarseiten zu moderieren, die   unabh&#228;ngig vom jeweiligen Thema oft von rassistischen und islamophoben   Beitr&#228;gen &#252;berflutet werden. Es wurde sogar dar&#252;ber diskutiert, diese   Seiten komplett aus dem Netz zu nehmen. Ein rechtsgerichteter Blogger   namens Fjordman versuchte sich zun&#228;chst zu verstecken. Jetzt aber hat er   sich mit einem Zeitungsartikel zur&#252;ck gemeldet. Allerdings haben die   Zeitungen und das Fernsehen &#252;ber Jahre hinweg sogenannte   &#8222;Integrationsdebatten&#8220; abgehalten, in denen MingrantInnen (vor allem   Muslime) &#252;blicher Weise als Problem dargestellt wurden. Auch wurden oft   islamophobe Kommentarbeitr&#228;ge abgedruckt.<\/p>\n<p>  Sowohl die Konservativen als auch die FRP sind nach dem Terroranschlag   in den Meinungsumfragen abgefallen. Die Vorsitzende der Konservativen   Partei, Erna Solberg, hat die Hetze gegen Muslime mit der Verfolgung der   J&#252;dinnen und Juden in den 1930er Jahren verglichen. Doch gleichzeitig   strebt sie an, mit der rassistischen FRP in der Regierung zu sitzen, die   auf dieselbe Weise wie andere rechtspopulistische Parteien in Europa die   Hetze gegen Muslime benutzt hat, um Stimmen zu bekommen. Die Vorsitzende   der FRP, Siv Jensen, hatte vor der &#8222;schleichenden Islamisierung   Norwegens&#8220; gewarnt. Jetzt ist die FRP ganz leise geworden und sagt, sie   wird sich &#8222;im Ton zur&#252;ckhalten&#8220;. Nicht gesagt aber wurde, dass die   rassistische und islamophobe Politik ge&#228;ndert wird.<\/p>\n<p>  Nun, da der Wahlkampf kaum begonnen hat, sagte der ehemalige Vorsitzende   der FRP, Carl I Hagen, dass er die schnellstm&#246;gliche Aufkl&#228;rung und   gerichtliche Abhandlung will. Zudem sagte er, dass &#8222;die Ermittler sich   nicht zu sehr mit den Details besch&#228;ftigen sollten&#8220;. Das hat bei den   Eltern der auf Ut&#248;ya Get&#246;teten nat&#252;rlich zu einem Aufschrei gef&#252;hrt.   Hagen ist B&#252;rgermeisterkandidat f&#252;r Oslo und es scheint, als h&#228;tte er   nicht begriffen, welche Stimmung in der Stadt herrscht. M&#246;glicher Weise   sendet er aber auch ein Signal an rassistische und islamophobe W&#228;hler,   die sich nun in die Enge gedr&#228;ngt f&#252;hlen und sich w&#252;nschen, dass schnell   alles wieder so ist wie vor dem Massaker. Doch das wird nicht geschehen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der Kapitalismus in Norwegen nicht mit denselben Problemen wie   andernorts in Europa zu k&#228;mpfen hat, haben die Menschen auch hier   K&#252;rzungen, Privatisierungen und Streichungen im &#246;ffentlichen Dienst   erfahren. Die L&#252;cke zwischen den Reichsten und den &#196;rmsten ist   dramatisch angewachsen und der Anteil an in Armut lebenden Kindern hat   zugenommen, obwohl die Regierung versprochen hat, &#8222;Armut auszurotten&#8220;.   Viele EinwanderInnen haben gro&#223;e Schwierigkeiten, auf dem Arbeits- und   Wohnungsmarkt Fu&#223; zu fassen. Massenmobilisierungen und eine   sozialistische Politik sind n&#246;tig, um den Rassismus zu bek&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Das Interesse, sich zu organisieren, hat zugenommen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14394"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14394"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14394\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}