{"id":14392,"date":"2011-08-29T08:00:00","date_gmt":"2011-08-29T08:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14392"},"modified":"2011-08-29T08:00:00","modified_gmt":"2011-08-29T08:00:00","slug":"14392","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14392\/","title":{"rendered":"Das Gaddafi-Regime f&#228;llt zusammen"},"content":{"rendered":"<p>  Nein zu ausl&#228;ndischer Milit&#228;rintervention. Libysche ArbeiterInnen,   Jugendliche und Arme m&#252;ssen unabh&#228;ngig vom Imperialismus handeln<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Dieser Artikel wurde zuerst am 26. August 2011 auf   www.socialistworld.net ver&#246;ffentlicht.<\/b><\/p>\n<h4>  <i><b>von Robert Bechert, CWI<\/b><\/i><\/h4>\n<p>  Nach sechs Monaten blutigem und langwierigen Kampf wurde der Sturz des   dikatorischen Gaddafi-Regimes durch den Jubel einer gro&#223;en Anzahl, das   bedeutet aber nicht aller, LibyerInnen begr&#252;&#223;t. Ein weiterer   autokratischer Herrscher, umgeben von seiner privilegierten Familie und   seinen Gefolgsleuten, wurde gest&#252;rzt. W&#228;re dies das ausschlie&#223;liche   Ergebnis des Kampfes der libyschen Arbeiterklasse gewesen, w&#228;re das   breit begr&#252;&#223;t worden, aber die direkte Einmischung des Imperialismus   wirft einen dunklen Schatten auf die Zukunft der Revolution. Die   anhaltenden K&#228;mpfe in Tripolis und anderswo weisen auf die Instabilit&#228;t   der momentanen Situation in Libyen hin und auch, wie die Revolution, die   dort im letzten Februar begann, in vielerlei Hinsicht aus der Bahn   geworfen wurde.<\/p>\n<h4>  <b>Die Rolle der Nato<\/b><\/h4>\n<p>  W&#228;hrend viele LibyerInnen feiern, m&#252;ssen sich SozialistInnen dar&#252;ber im   Klaren sein, dass, anders als bei der Vertreibung Ben Alis in Tunesien   und Mubaraks in &#196;gypten, die Art und Weise, in der Gaddafi abgesetzt   wurde, einen Sieg f&#252;r die libysche Bev&#246;lkerung, aber auch f&#252;r den   Imperialismus bedeutete. Ohne die NATO, die als Luftstreitkraft der   Rebellen handelte oder die Soldaten, Waffen, Organisation und   Ausbildung, die die NATO und andere L&#228;nder wie die feudale   Katar-Autokratie lieferten, w&#228;re Tripolis nicht in der Weise an die   Rebellen gefallen, wie es geschehen ist. Sogar die Einnahme des Bab   al-Aziziya Gel&#228;ndes im Zentrum Tripolis&quot; wurde nur nach einem gro&#223;en   Bombardement der NATO und einem Angriff, der von Kataren und anderen   ausl&#228;ndischen Spezialkr&#228;ften gef&#252;hrt wurde, erreicht.<\/p>\n<p>  Die imperialistischen M&#228;chte versuchen nun, trotz der Bef&#252;rchtungen, wie   genau sich die Ereignisse in Libyen entfalten werden, es als einen   Erfolg f&#252;r &#8222;liberalen Interventionismus&#8220; darzustellen, z.B. f&#252;r ihr   Recht in anderen L&#228;ndern auf der Grundlage von &#8222;humanit&#228;ren Eins&#228;tzen&#8220;   oder &#8222;Demokratie&#8220; zu intervenieren. Nat&#252;rlich war das immer   scheinheilig, da sich der &#8222;liberale Interventionismus&#8220; nicht auf die   diktatorischen Freunde und Verb&#252;ndeten des Imperialismus in Saudi   Arabien, Jemen oder anderswo erstreckt. Die NATO-M&#228;chte hoffen, dass sie   nach den Katastrophen in Afghanistan und Irak, die Rechtfertigung f&#252;r   weitere Interventionen, um ihre eigenen Interessen zu verteidigen,   erlangen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Trotz der Einbindung einer gro&#223;en Zahl von LibyerInnen im Kampf und der   Bewaffnung der Massen, gibt es bis jetzt keine Anzeichen von libyschen   ArbeiterInnen, Jugendlichen und Armen, die ihre unabh&#228;ngige Regierung   &#252;ber die Gesellschaft errichten. Tats&#228;chlich hat der Imperialismus in   einer Weise, die an den Zusammenbruch des Stalinismus zwanzig Jahre   zuvor erinnert, einen Vorteil aus einer spontanen Bewegung gezogen, die   wusste, wogegen sie war, aber f&#252;r sich selbst kein klares Programm hatte.<\/p>\n<p>  Ungl&#252;cklicherweise hat dieser Sturz des Diktators nicht den gleichen   Charakter wie die Revolutionen in Tunesien oder &#196;gypten oder sogar in   den fr&#252;heren Tagen des Aufstandes in Benghazi, als Bev&#246;lkerungskomitees   gegr&#252;ndet wurden und schnell zur Macht in dieser Stadt wurden. Leider   war die Vertreibung Gaddafis kein Resultat einer breiten Massenbewegung   wie in Tunesien oder &#196;gypten, die den Diktator zum Abdanken zwang. Der   Schwung der fr&#252;hen Tage der libyschen Revolution ging verloren und,   anders als in Tunis oder Kairo, sah Tripolis nicht einen Massenprotest   nacht dem anderen und Streiks, die das Regime untergruben.<\/p>\n<h4>  <b>Benghazi, 23. Februar 2011<\/b><\/h4>\n<p>  Dies lag jedoch nicht einfach an der brutalen Unterdr&#252;ckung der Proteste   Mitte Februar durch das Gaddafi-Regime; Unterdr&#252;ckung hat nicht   unmittelbar die wiederholten Demonstrationen in Syrien gestoppt.<\/p>\n<p>  Die brutale Reaktion des libyschen Regimes war nicht zuf&#228;llig: Gaddafi   und seine Clique f&#252;rchteten die Massenbewegungen, die sich zur dieser   Zeit in Nordafrika entwickelten. Wie wir bereits im M&#228;rz erkl&#228;rten:   &#8222;Gaddafis erste Reaktion auf die diesj&#228;hrigen dramatischen   revolution&#228;ren Ereignisse war, sich auf die Seite der diktatorischen,   korrupten Autokraten zu stellen. Gleich nachdem Ben Ali aus Tunesien   floh, sagte Gaddafi den TunesierInnen, dass sie ,einen gro&#223;en Verlust   erleiden,&quot; weil es &#8222;keinen Besseren als Ben Ali gibt, um zu regieren.&#8220;   M&#246;glicherweise offenbarend, wie er seine eigene Zukunft sieht, f&#252;gte   Gaddafi hinzu, dass er gehofft hat, Ben Ali w&#252;rde &#8222;ein Leben lang&#8220;   herrschen.&#8220; (<a href=\"\/?p=14152\">Gegen   die westliche Milit&#228;rintervention in Libyen, 21.03.2011<\/a>)<\/p>\n<h4>  <b>Der nationale &#220;bergangsrat<\/b><\/h4>\n<p>  Gaddafi er&#246;ffnete, vom Sturz Ben Alis und Mubaraks lernend, eine   Offensive gegen Benghazi und andere Zentren der Revolution. Diese waren   ernsthaft bedroht, h&#228;tten aber durch eine breite Massenverteidigung im   Zuge eines revolution&#228;ren Appells an die ArbeiterInnen, Jugendlichen und   Armen im Rest Libyens verteidigt werden k&#246;nnen. Die selbsternannte   F&#252;hrung des Aufst&#228;ndes w&#252;rde jedoch so etwas nie machen. Dominiert von   einer Verbindung von &#220;berl&#228;ufern des Regime und offen   proimperialistischen Elementen, wandte sich der nationale &#220;bergangsrat   (Transitional National Council TNC, Anm. d. &#220;bers.) f&#252;r Unterst&#252;tzung an   imperialistische M&#228;chte und semi-feudale arabische Statten, w&#228;hrend er   die urspr&#252;ngliche Stimmung der Massen gegen jegliche ausl&#228;ndischer   Intervention beiseite dr&#228;ngte.<\/p>\n<p>  Die gro&#223;en imperialistischen M&#228;chte ergriffen diese Gelegenheit, um   einzuschreiten, wobei sie ihre Intervention durch &#8222;humanit&#228;re&#8220; Gr&#252;nde   rechtfertigten, um Menschenleben zu retten. Aber die selben M&#228;chte   nahmen eine milde Haltung gegen&#252;ber der Repression des syrischen Regimes   ein und wahrten praktisch Schweigen angesichts der Brutalit&#228;t ihres   engen Verb&#252;ndeten, des bahrainischen Regimes. Dies beweist schlichtweg,   dass die libysche Intervention auf einer zynischen Berechnung basierte.   Einige imperialistische F&#252;hrer, wie Sarkozy in Frankreich, versuchten,   f&#252;r sich selbst Vorteile zu erlangen, aber ihre grundlegende Absicht war   die Installation eines verl&#228;sslicheren, pro-imperialistischen Regimes in   Libyen, um eine lukrativere Verteilung des libyschen &#214;l- und   Gasreichtums zu erlangen und vor allem einzugreifen, um die   Revolutionen, die Nordafrika und den Nahen Osten &#252;berfluten, zu   kontrollieren.<\/p>\n<p>  Die Intervention der gro&#223;en imperialistischen M&#228;chte, haupts&#228;chlich der   USA, Gro&#223;britanniens und Frankreichs, ver&#228;nderten die Situation, als sie   versuchten, eine abh&#228;ngige Opposition einzurichten. Unter der falschen   Flagge, ZivilistInnen zu sch&#252;tzen, f&#252;hrte ihre Luftstreikkraft &#252;ber   20.000 Angriffe auf &#252;ber 4.000 Ziele in Libyen durch.<\/p>\n<p>  Die Intervention der NATO erlaubte es Gaddafi, Unterst&#252;tzung gegen das   zu sammeln, was manche LibyerInnen als einen Versuch der USA,   Gro&#223;britannien und Frankreich auffassten, die Kontrolle &#252;ber das   Verm&#246;gen Libyens wiederzuerlangen. Demgegen&#252;ber kann es kein Zweifel   geben, dass eine weit verbreitete Illusion geschaffen wurde, dass die   NATO im Interesse der Anti-Gaddafi Revolution handelte, eine Illusion,   die die gro&#223;en kapitalistischen M&#228;chte jetzt f&#252;r den Versuch nutzen, um   die Entwicklungen in Libyen zu kontrollieren und das Land f&#252;r sp&#228;tere   Ausbeutung zu sichern.<\/p>\n<h4>  <b>Keine Alternative zur NATO-Intervention? <\/b><\/h4>\n<p>  Aus diesem Grund bedeutete die Idee, dass die UN-Entscheidung,   einzugreifen und die NATO-Aktionen unterst&#252;tzt werden k&#246;nnten, die   Entgleisung der libyschen Revolution zu akzeptieren. Die Idee, dass es   &#8222;keine Alternative&#8220; zur NATO gibt, wurde bereits in der &#252;berw&#228;ltigenden   &#228;gyptischen Bewegung verk&#252;ndet, die zum Sturz Mubaraks gef&#252;hrt hat. Die   imperialistischen M&#228;chte griffen aufgrund eigener Beweggr&#252;nde ein, nicht   im Interesse der libysche Arbeiterklasse und Jugend. Jedes Vers&#228;umnis,   das zu erkl&#228;ren, wie es zum Beispiel die kleine britische Gruppierung   AWL (Alliance for Workers&quot; Liberty, Anm. d. &#220;bers.) tat, als sie   anf&#228;nglich unkritisch die Rolle der NATO in den K&#228;mpfen in Tripolis   unterst&#252;tzte, entwaffnet die Arbeiterbewegung politisch und l&#228;sst sie   unf&#228;hig, vor den Absichten des Imperialismus zu warnen. Die AWL hat   durchweg die Bombardierungen der NATO unterst&#252;tzt und versucht dies nun   zu verteidigen, indem sie erkl&#228;rt, dass die Organisation der   ArbeiterInnen nun &#8222;einfacher&#8220; w&#228;re, nachdem Fall Gaddafis, was   allerdings ganz und gar nicht der Fall ist (<a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\/doc\/5096\">siehe   auch The &#8216;no-fly zone&#8217;, the Left and the &#8216;Third Camp&#8217;<\/a>)   In Wirklichkeit ist es eine nachtr&#228;gliche Begr&#252;ndung f&#252;r ihre   Sichtweise, besch&#228;mend f&#252;r eine selbsterkl&#228;rte linke Organisation, dass   die milit&#228;rischen Angriffe der imperialistischen NATO-Allianz   unterst&#252;tzt werden sollte, als die libyschen ArbeiterInnen und   Jugendlichen allein keine Chance hatten, sich selbst zu verteidigen oder   gegen Gaddafi zu wehren.<\/p>\n<p>  Jedoch ist unklar, was jetzt passieren wird. Die momentane Situation   l&#228;sst vermuten, dass es Elemente gibt, die entweder aus politischen oder   Stammesgr&#252;nden den Kampf gegen den TNC fortsetzen. Zur gleichen Zeit   gibt es keine wirkliche Einheit zwischen den Hauptteilen, die Gaddafi   bek&#228;mpft haben. Ebenfalls wird die Bev&#246;lkerung schwer bewaffnet. Das   er&#246;ffnet die M&#246;glichkeit weiterer Auseinandersetzungen in der Zukunft,   einschlie&#223;lich Stammes-, nationaler oder religi&#246;ser Konflikte, selbst   wenn der jetzige Kampf endet.<\/p>\n<p>  Angesichts dessen sehen wir zum Teil, dass die gro&#223;en imperialistischen   L&#228;nder, zeitgleich mit dem beginnenden Dr&#228;ngen auf Vertr&#228;ge, ihre   Intervention ausweiten. Dies schlie&#223;t vermehrtes Sprechen &#252;ber   &#8222;Stabilisierungskr&#228;fte&#8220; mit ein.<\/p>\n<h4>  <b>Fehlgeleitete Revolution<\/b><\/h4>\n<p>  Trotzdem gibt es zur Zeit zweifellos einige Unterst&#252;tzung in Libyen f&#252;r   die Handlungen der NATO, aber das wird nicht andauern. W&#228;hrend die NATO   offensichtlich den Sturz Gaddafis lernte, davon lernend, was nun als   &#8222;Fehler&#8220; in Afghanistan und Irak nach den ersten milit&#228;rischen Erfolgen   angesehen wird, werden die Ereignisse nicht notwendig in der Weise   verlaufen, die sich die Imperialisten erhoffen. Obwohl die Kombination   von Libyens kleiner Bev&#246;lkerung und seines &#214;l- und Gasreichtums   zumindest einigen Wiederaufbau und soziale Zugest&#228;ndnisse zul&#228;sst,   werden sie nicht automatisch alle Probleme l&#246;sen k&#246;nnen, die nun in   Libyen an die Oberfl&#228;che gelangen, einschlie&#223;lich regionaler Spannungen   und solcher zwischen den St&#228;mmen. Es gibt ebenso Fragen bez&#252;glich der   Stellung der Berberminderheit, ungef&#228;hr 10 Prozent der Bev&#246;lkerung, und   jener, die weiterhin Gaddafi unterst&#252;tzen oder zumindest ausl&#228;ndische   Intervention ablehnen.<\/p>\n<p>  Die sehr unklare Situation, die sich nun entwickelt hat, ist zu einem   gro&#223;en Teil ein Ergebnis der Art und Weise, in der die Revolution von   einer sich entwickelnden Massenbewegung, mit eigener Organisation,   Dabatte und Agenda in einen rein milit&#228;rischen Kampf unter NATO<b>&#8211;<\/b>Bevormundung   geleitet wurde.<\/p>\n<h4>  Der Vorsitzende des &#220;bergangsrats, Mahmoud Jibril und der Pr&#228;sident der   Europ&#228;ischen Kommission, Jos&#233; Manuel Barroso in Br&#252;ssel, am Mittwoch,   13. Juli 2011<\/h4>\n<p>  Momentan versucht der selbsternannte TNC sich mit Hilfe der NATO selbst   an die Spitze der Ereignisse zu setzen. Aber es gibt keine Garantie,   dass ihm dies in Wirklichkeit gelingt. Der TNC ist zur Zeit gr&#246;&#223;tenteils   eine Fiktion. Eine Zeit lang stellte er eine &#8222;Regierung&#8220; dar, dies   &#228;nderte sich jedoch nach der nach wie vor ungekl&#228;rten &#8222;Festsetzung&#8220; und   darauf folgenden Ermordung Younes&quot;, Gaddafis fr&#252;heren Innenminister, der   zum Oberkommandierenden des TNC wurde. Jibril, der immer noch als der   &#8222;Kopf der Regierung&#8220; pr&#228;sentiert wird, war im allgemeinen au&#223;erhalb des   Landes, weil &#8222;er um seine eigene Sicherheit in Benghazi f&#252;rchtete&#8220; (The   Times, London, 23. August 2011). Wenn &#8222;Premierminister&#8220; Jibril sich in   Benghazi nicht sicher f&#252;hlt, bis heute der Hauptst&#252;tzpunkt des TNC, ist   es verst&#228;ndlich, warum die TNC-F&#252;hrer sehr z&#246;gerten, als sie nach   Tripolis umzogen.<\/p>\n<p>  Wie wir bereits vorher bemerkten, st&#252;tzte sich der TNC selbst &#8222;einfach   auf einer Kombination von NATO-Luftkr&#228;fte und dem Wunsch der Massen nach   Ver&#228;nderung, um den Sieg zu sichern.&#8220; ( <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\/doc\/4974\">&#8216;Defend   the revolution! No to imperialist intervention!&#8217; 30. M&#228;rz, 2011<\/a>)   Dem TNC, der im Ost seine Grundlage hat, fehlte im Westen klar die   Verankerung, wie sich durch die K&#228;mpferInnen in Misrata gezeigt hat, die   seine Autorit&#228;t ablehnten. Ob es seine Position ausbauen kann und wenn   ja, f&#252;r wie lange, sind offene Fragen.<\/p>\n<p>  Neben einem libyschen nationalen Bewusstsein, dass sich insbesondere in   den letzten Jahrzehnten entwickelte, blieben viele regionale, Stammes-   und Clanloyaliten bestehen, trotzdem das Land jetzt sehr urbanisiert   ist. Hinzu kommt die Stellung der Berberminderheit, die eine zentrale   Rolle im Kampf gegen Gaddafis Truppen im S&#252;dwesten und im Vorsto&#223; auf   Tripolis gespielt haben.<\/p>\n<p>  Libyen selbst ist ein relativ neues Gebilde, das urspr&#252;nglich durch   Italien in 1930er Jahren und erneut in den sp&#228;ten 1940ern unter dem   Druck der USA aufgebaut wurde. Ein Abnehmen des Gef&#252;hls &#8222;LibyerIn&#8220; zu   sein, gemeinsam mit einer Zunahme regionaler und Stammesspannungen oder   die Entwicklung fundamentalistischer islamischer Kr&#228;fte, kann die   M&#246;glichkeit eines Auseinanderbrechens Libyens schaffen, auch durch eine   Entwicklung wie in Somalia oder im Jemen. Spannungen zwischen den   St&#228;mmen k&#246;nnen sich als Folge eines l&#228;ngeren Kampfes entwickeln, wenn   Gaddafi es schafft, dem Beispiel eines seiner Helden zu folgen, zum   Beispiel dem Omar Mukhtars und dem bewaffneten Widerstand gegen die   italienische &#220;bernahme und Besetzung nach 1911. Dennoch existiert der   Fakt, dass sich eine treibende Kraft in der Bewegung gegen Gaddafi, die   jungen Menschen, die gegen die erdr&#252;ckenden Folgen einer korrupten   Diktatur agierten, als LibyerInnen sahen.<\/p>\n<h4>  <b>Kein Vertrauen in die NATO, f&#252;r den Aufbau einer unabh&#228;ngigen   Arbeiterbewegung <\/b><\/h4>\n<p>  F&#252;r die libyschen Massen, insbesondere f&#252;r die Jugend, ArbeiterInnen und   Armen, war diese Revolution, um die Unterdr&#252;ckung und das erstickende,   korrupte Regime zu beenden und f&#252;r h&#246;here Lebensstandards. Trotz   jeglicher unmittelbaren auf &#214;l basierenden Zugest&#228;ndnisse und   Wiederaufbau, werden diese Ansichten auf lange Sicht mit der   Wirklichkeit in Konflikt mit der krisengesch&#252;ttelten Realit&#228;t der   kapitalistischen Wirtschaft kommen. Eine neue weltweite Rezession w&#252;rde   Libyen genauso treffen wie in den 1980, als das Bruttoinlandsprodukt um   &#252;ber 40 Prozent einbrach, als der &#214;lpreis fiel.<\/p>\n<p>  Doch um die Gefahr eines erneuten Zusammenbruchs der Wirtschaft zu   vermeiden und die Reicht&#252;mer daran zu hindern, aus dem Land zu flie&#223;en,   ist ein Bruch mit dem Kapitalismus erforderlich. &#214;ffensichtlich wird der   TNC dies nicht tun, im Gegenteil dazu wird er von pro-kapitalistischen   Elementen dominiert.<\/p>\n<p>  Von Anbeginn des Anti-Gaddafi Aufstandes haben wir argumentiert: &#8222;Was   fehlt, sind unabh&#228;ngige Organisationen der Libyschen ArbeiterInnen und   Jugendlichen, die der Revolution eine klare Richtung geben k&#246;nnen, um   demokratische Rechte zu erlangen, die Korruption zu beenden und der   Masse der LibyerInnen die demokratische Kontrolle &#252;ber und den Nutzen   der Ressourcen des Landes zu sichern.&#8220; (<a href=\"\/?p=14152\">Gegen   die westliche Milit&#228;rintervention in Libyen, 21.03.2011<\/a>)<\/p>\n<p>  Ein Programm f&#252;r die libysche Revolution, das der Masse der Bev&#246;lkerung   ernsthaft n&#252;tzt, w&#252;rde auf dem Erlangen und der Sicherung wirklicher   demokratischer Rechte basieren, auf einem Ende von Korruption und   Privilegien, auf Gew&#228;hrleistung und weitere Entwicklung der sozialen   Errungenschaften, die seit der Entdeckung des &#214;ls erreicht wurden, auf   Opposition zu jeder Form von Rekolonialisierung und f&#252;r eine   demokratisch kontrollierte, in Gemeineigentum befindliche Wirtschaft,   die geplant wird, um die Ressourcen des Landes f&#252;r den k&#252;nftigen Nutzen   der Mehrheit der Menschen einzusetzen.<\/p>\n<p>  Deshalb sollten die libyschen ArbeiterInnen und Jugendlichen keine   Illusionen in die NATO haben, oder dem TNC, der im Wesentlichen mit dem   Imperialismus verbunden ist, irgendwelches Vertrauen schenken. Diese   Verbindung wurde im Plan einer libyschen Verfassung durch den TNC   verdeutlicht, die zuerst vom britischen Au&#223;enministerium ver&#246;ffentlicht   wurde und erkl&#228;rt, dass &#8222;die Interessen und Rechte von ausl&#228;ndischen   Staatsangeh&#246;rigen und Firmen gesch&#252;tzt werden.&#8220; Aber weder der TNC noch   eine andere Regierung, die aus dem Kapitalismus basiert, wird in der   Lage sein, dem Streben der Bev&#246;lkerung in dieser Periode der   Instabilit&#228;t der Weltwirtschaft entgegen kommen oder das Entstehen einer   neuen ausbeutenden Elite verhindern.<\/p>\n<p>  Die Bildung einer unabh&#228;ngigen Bewegung der libyschen und migrantischen   ArbeiterInnen, Jugendlichen und Jugend, die sich auf ihre eigene Aktion   und K&#228;mpfe verlassen kann, um eine wirklich revolution&#228;re Ver&#228;nderung   der Landes voranzutreiben, ist der einzige Weg, die imperialistischen   Pl&#228;ne zu zerschlagen, die Diktatur zu beenden und das Leben der Mehrheit   der Menschen zu ver&#228;ndern.<\/p>\n<p>  Um diese Ziele zu erreichen, m&#252;sste eine solche Bewegung alle   demokratischen Rechte verteidigen, gegen die Privatisierung der   Reicht&#252;mer Libyens sein, die Ausweisung aller ausl&#228;ndischen   Milit&#228;rkr&#228;fte und die demokratische Wahl einer verfassungsgebenden   Versammlung fordern und vor allem die Beteiligung an jeglicher   Regierung, die auf dem Kapitalismus beruht, ablehnen. Stattdessen w&#252;rde   sie f&#252;r eine Regierung der VertreterInnen der ArbeiterInnen und Armen   auf der Grundlage demokratischer Strukturen in den Betrieben und   Gemeinden streben.<\/p>\n<p>  Die Gefahren, denen Libyen momentan gegen&#252;bersteht, bestehen darin, dass   die Kombination von imperialistischer Dominierung der neuen Regierung   und das Fehlen einer Bewegung der ArbeiterInnen und Armen zu der   M&#246;glichkeit von regionalistischen, religi&#246;sen oder Stammeskonflikten   f&#252;hren kann.<\/p>\n<p>  Dennoch ist der Sturz eines Diktators nicht das Ende einer Revolution,   wie Tunesien und &#196;gypten gezeigt haben, w&#228;hrend die arbeitenden Massen   danach streben, ihre Ziele zu erreichen. Obgleich die Entwicklungen in   Libyen einen schwierigen Weg eingeschlagen haben, sind die Forderungen   der Massen nicht vergangen und im Kampf darum, sie zu erf&#252;llen, liegt   die M&#246;glichkeit, eine sozialistische Bewegung aufzubauen, die das Land   wirklich ver&#228;ndern kann.<\/p>\n<p>  Anders als bei Mubarak, fand der Sturz Gaddafis ein gemischtes Echo im   Rest des Nahen Ostens. Teilweise, weil er von vielen als   &#8222;Antiimperialist&#8220; gesehen wurde, aber haupts&#228;chlich wegen der Rolle der   NATO. Die Diskrepanz zwischen dem Eingreifen der NATO in Libyen, w&#228;hrend   sie nichts tun, um die israelischen Angriffe auf Gaza zu beenden und die   Tatsache, dass sie Allierte der saudischen und anderer Diktaturen ist   vielen klar. Aber eine Arbeiterbewegung in Libyen, Tunesien oder   &#196;gypten, die sowohl die alte Ordnung, als auch den Imperialismus   herausfordert, w&#252;rde auf weite Resonanz treffen, eine M&#246;glichkeit f&#252;r   Revolutionen bietend, die den Weg in eine sozialistische Zukunft   er&#246;ffnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nein zu ausl&#228;ndischer Milit&#228;rintervention. 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