{"id":14387,"date":"2011-08-29T00:00:00","date_gmt":"2011-08-28T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14387"},"modified":"2012-05-15T14:47:14","modified_gmt":"2012-05-15T12:47:14","slug":"14387","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14387\/","title":{"rendered":"Mit dem Kapital oder gegen das Kapital?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Mitbestimmung im Programmentwurf der LINKEN<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der aktuelle Programmentwurf der LINKEN spricht sich einerseits f&#252;r eine   &#220;berwindung des Kapitalismus und eine neue Eigentumsordnung aus,   andererseits weist er in entscheidenden konkreten Punkten keine   Alternative zum kapitalistischen Profitsystem auf. So auch in der Frage,   wie gesellschaftlicher Einfluss auf die Wirtschaftsunternehmen   durchgesetzt werden soll. Hier werden Ideen von &#8222;Wirtschaftsdemokratie&#8220;   und &#8222;Mitbestimmung&#8220; vertreten, die eben keinen wirklichen Bruch mit   kapitalistischen Verh&#228;ltnissen bedeuten.<\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg, G&#246;ttingen und Simon Aulepp, Kassel<\/i><\/h4>\n<p>  Die LINKEN erhebt als einzige im Parlament vertretene Partei in ihrem   Programm den Anspruch, eine Gesellschaft jenseits der kapitalistischen   Marktwirtschaft erreichen zu wollen. Sie fordert &#8222;demokratische   gesellschaftliche Eigentumsformen&#8220; f&#252;r die strukturbestimmenden   Gro&#223;betriebe und &#246;ffentliches Eigentum f&#252;r die Unternehmen der   Daseinsvorsorge und das Bankwesen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig bezeichnet sie aber die &#8222;parit&#228;tische Mitbestimmung&#8220; als   Ziel ihres politischen Handelns. Im Entwurf hei&#223;t es: &#8222;Deshalb setzen   wir uns f&#252;r die Erweiterung der parit&#228;tischen Mitbestimmung und f&#252;r die   Durchsetzung des Vetorechts der Belegschaften gegen die Schlie&#223;ung von   Betrieben ein, die nicht von Insolvenz bedroht sind.&#8220; Das erweckt den   Eindruck, dass &#8211; bezogen auf private Unternehmen &#8211; die Forderung nach   &#196;nderung der Eigentumsordnung f&#252;r die unbestimmte Zukunft, die nach   parit&#228;tischer Mitbestimmung f&#252;r die aktuelle Politik gemeint ist.<\/p>\n<p>  Jede &#8222;Mitbestimmung&#8220; der Besch&#228;ftigten setzt aber voraus, dass die   Besitzrechte der Anteilseigner in den Gro&#223;betrieben nicht abgeschafft   und durch &#246;ffentliches Eigentum ersetzt, sondern lediglich beschnitten   bzw. durch Vetorechte erg&#228;nzt werden sollen. Die Mitbestimmung   zementiert also das Privateigentum an den Produktionsmitteln, anstatt es   zu &#252;berwinden. Die Einschr&#228;nkung der Vetorechte auf &#8222;NICHT von Insolvenz   bedrohte&#8220; Betriebe unterstreicht, dass mit dieser Strategie nicht einmal   Stilllegungen verhindert werden k&#246;nnen und dass sie ganz im Rahmen der   kapitalistischen Logik verharrt.<\/p>\n<h4>  Abmilderung der Widerspr&#252;che statt deren Aufhebung<\/h4>\n<p>  Die Mitbestimmung, wie sie in Deutschland existiert, ist ein   zweischneidiges Schwert. Sie war ein Zugest&#228;ndnis der Kapitalisten   angesichts gro&#223;er K&#228;mpfe der Arbeiterklasse in der Vergangenheit, mit   dem Ziel, dadurch nicht die ganze Kontrolle &#252;ber die Betriebe an die   ArbeiterInen abgeben zu m&#252;ssen. Linke verteidigen Mitbestimmungsrechte,   wie alle, auch noch so beschr&#228;nkten, Errungenschaften der   Arbeiterbewegung. Diese zu verteidigen, bedeutet aber nicht sie zu   eigenen politischen Prinzipien zu erheben. Denn die Kapitalisten haben   der Mitbestimmung einen pro-kapitalistischen ideologischen und   rechtlichen Rahmen gegeben, der davon ausgeht, dass die Interessen von   Lohnabh&#228;ngigen und Kapitaleignern nicht entgegengesetzt und unvereinbar   sind, sondern durch eine Zusammenarbeit dieser Klassen in betrieblichen   Gremien und Aufsichtsr&#228;ten miteinander vers&#246;hnt werden k&#246;nnen. Die   Erfahrungen mit der Mitbestimmung, auch mit der parit&#228;tischen in der   fr&#252;heren Montanindustrie, beweisen jedoch das genaue Gegenteil: Sie hat   die Anteilseigner in diesen Industriezweigen weder an gigantischen   Profiten, noch an der Zerst&#246;rungen von Zehntausenden von Arbeitspl&#228;tzen   gehindert. Sie hat die gew&#228;hlten Belegschaftsvertreter auf ein nur   scheinbar klassenunabh&#228;ngiges Unternehmensinteresse verpflichtet und   spielte eine Rolle dabei, viele von ihnen in Co-Manager des Kapitals   verwandelt..<\/p>\n<p>  Wirkliche Kontrolle eines Betriebs durch die Gesellschaft &#8211; und damit   die M&#246;glichkeit, die Produktion nach den Bed&#252;rfnissen der Gesellschaft   zu steuern &#8211; ist jedoch nur auf der Basis &#246;ffentlichen Eigentums zu   erreichen. Ein kapitalistischer Betrieb, in dem der Belegschaft nur eine   Mitwirkung an den Entscheidungen des Kapitals einger&#228;umt wird, verbleibt   innerhalb der Konkurrenzlogik des Systems. Der Zwang zum   profitorientierten Wirtschaften f&#252;hrt so unweigerlich zu Entscheidungen,   die den Interessen der Mehrheit der Bev&#246;lkerung zuwider laufen, seien es   Arbeitsverdichtung, Lohnk&#252;rzungen oder Entlassungen etc. Auch   Entscheidungen f&#252;r die Umstellung der Produktion auf alternative   Produkte (etwa in der Automobilindustrie) blieben dann dem Diktat des   Profits unterworfen.<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine echte Systemalternative &#8211; f&#252;r eine sozialistische LINKE!<\/h4>\n<p>  Das Ziel der Vergesellschaftung von Produktionsmitteln im   Programmentwurf, das dort auf Betriebe der Daseinsvorsorge und   strukturbestimmende Unternehmen beschr&#228;nkt und als eine unbestimmte   Mischung von kollektivem und &#246;ffentlichem Eigentum pr&#228;sentiert wird,   droht &#228;hnlich wie bei der SPD zu einem Lippenbekenntnis in Sonntagsreden   zu werden, wenn der Weg dahin nicht &#252;ber eine unabh&#228;ngige   Interessenvertretung der Lohnabh&#228;ngigen, sondern umgekehrt &#252;ber eine   organisierte Klassenzusammenarbeit gesucht werden soll.<\/p>\n<p>  Vor allem aber muss die Eigentumsfrage in einen Zusammenhang mit der   Produktionsweise gestellt werden. Auch staatliche oder   genossenschaftliche Unternehmen, die nach kapitalistischen   Gesichtspunkten funktionieren und Profiterzielung erreichen wollen, sind   keine Mittel zur &#220;berwindung des Kapitalismus. Nur die Verstaatlichung   der gro&#223;en Banken und Konzerne unter demokratischer Kontrolle und   Verwaltung der arbeitenden Bev&#246;lkerung als Grundlage zur Ersetzung der   Profitwirtschaft durch eine demokratische und an den Bed&#252;rfnissen von   Mensch und Natur ausgerichtete kooperative und demokratische   Wirtschaftsplanung ist ein solches Mittel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Mitbestimmung im Programmentwurf der LINKEN\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14387"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14387"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14387\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}