{"id":14385,"date":"2011-08-26T00:00:00","date_gmt":"2011-08-25T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14385"},"modified":"2012-07-02T18:40:32","modified_gmt":"2012-07-02T16:40:32","slug":"14385","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14385\/","title":{"rendered":"Zehn Jahre G8"},"content":{"rendered":"<p>  und der Kampf gegen die Hochgeschwindigkeitszugtrasse im Susa-Tal<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>zuerst ver&#246;ffentlicht am 20. Juli 2011 bei   www.controcorrentesinistraprc.org<\/b><\/h4>\n<p>  <b>Am 22. Juli 2001 sind auch wir nach Genua gefahren, fast tausend   Personen aus dem Susa-Tal. Es war der Tag nach der Ermordung Carlos   [Carlo Giuliani wurde bei den Anti-G8-Protesten in Genua durch einen   Polizisten ermordert (Anmerkung der &#220;bersetzerin)]. Unsere Opposition   gegen den TAV [Treno ad alta velocita &#8211; Hochgeschwindigkeitszug (die   &#220;bers.)] dauerte schon mehr als zehn Jahre. Wir gingen nach Genua gegen   die M&#228;chtigen des Landes, gegen die gro&#223;en Interessen, die im Namen des   Profites unsere Existenz zerst&#246;ren wollen, um Korridore f&#252;r den Verkehr   des globalen Marktes zu schaffen. Sie wollen Monster aus Stahl und Beton   schaffen, an den alles vorbeirauscht und nichts bleibt, Monster, die   alle Lebewesen, die Gesellschaft, gute und freie Arbeit verneinen.<\/b><\/p>\n<h4>  <b><i>von Nicoletta Dosio<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Wir gingen auch um gegen die Repression, deren Bilder uns aus dem   Fernsehen entgegenflutete, entgegenzutreten. Die Nachricht &#252;ber den   Jugendlichen, der durch &#8222;die Ordnungskr&#228;fte&#8220; starb, schmerzte, Unmut   begleitete uns auf dem Weg.<\/p>\n<p>  Unter uns waren nicht nur Aktivisten, sondern auch gew&#246;hnliche Menschen,   die aus den Kampf gegen den TAV, Kraft, Wissen und Gro&#223;z&#252;gigkeit erlangt   haben. Die ROBOT [Polizisten in voller Montur (die &#220;bers.)] wie sie in   ihrer Anti-Aufstands-Montur bis zum Abend k&#228;mpften, kannten wir schon:   wir hatten mit ihnen am 29 Januar in Turin Erfahrung gemacht. Das war   der Tag, an dem die italienische und franz&#246;sische Regierung im Palazzo   Reale in Turin den Vertrag f&#252;r die TAV-Strecke Turin &#8211; Lion   unterschreiben wollten. Gegen diesen Vertrag sind wir mit 6000 Menschen   aus dem Susa-Tal mit Bussen und Z&#252;gen angereist: eine heterogene bunte   Vielfalt: Frauen und M&#228;nner jeden Alters, die Kinder inbegriffen,   GewerkschafterInnen im Trikolor, Transparente, Luftballons, verkleidete   Personen. Wie eine Wolke haben sich die Anti-Aufstand-Truppen   ausgebreitet, haben uns in Richtung Via Roma gedr&#228;ngt und mit   Schlagst&#246;cken die ersten Reihen traktiert, die gegen die Absperrung   dr&#252;ckten. Zu den Pal&#228;sten der Macht drang noch nicht mal das Echo   unserer Stimmen. <\/p>\n<p>  Von dem Tag in Genua haben wir nichts vergessen: der Spalier, der unser   Eintreffen erwartete, die Masse aus Stimmen die hinunter zum Meer zog,   die Abk&#252;hlung durch das Wasser von den Balkonen, der getrennte   Demonstrationszug; dann die Stockschl&#228;ge, die Schreie, der   Tr&#228;nengasnebel. Unser demonstrationszug wurde eine Umzug von Blinden,   der Hals und die Augen brannten, die Beine immer schwerer, und sie   hinter uns, verkleidet mit Gasmasken, bewaffnet mit Schilder, ihre   Schritte hallten wider. &#220;ber uns das Rattern des Helikopters, der unsere   No-Tav-Fahnen im Auge behielt; die neuen Fahnen, die wir in Genova   eingeweiht haben.<\/p>\n<p>  Wieder zu Hause stellt sich das Gef&#252;hl von Bolzaneto, der Diaz-Schule,   [dort wurde in Genua 2001 mit brutalster Polizeiwillk&#252;r gegen G8-Gegner   vorgegangen, (die &#220;bers.)] und erdr&#252;ckender und unkontrollierter   Repression ein. Und dies alles, um eine heimt&#252;ckische und gewaltsame&#160;   Macht zu sch&#252;tzen. Eine Macht, die ihre Institutionen so formt und so   benutzt, dass es ihren eigenen Gesch&#228;ften n&#252;tzt, gegen das Volk und   gegen die Zukunft aller.<\/p>\n<p>  Da unser Kampf weitergeht, seine Kr&#228;fte neu gesammelt hat, wird er zum   Zeichen der Hoffnung, die nicht nur unser Tal betrifft, sondern auch von   der Befreiung des Menschen und der Natur handelt. Er hat   Ausstrahlungskraft, da es ein konkreter Kampf ist, der mit   Entschlossenheit, die Sch&#228;tze der Allgemeinheit und eine Zukunft f&#252;r   alle verteidigt. Die Kraft n&#228;hrt sich aus dem Wissen, dass kein   Vermittlung zwischen Ausbeuter und Ausgebeutetem, keine Vermittlung bei   der Verteidigung der Gebiete und der Arbeitspl&#228;tze geben kann.<\/p>\n<p>  Also versuchen wir das Gebiet wiederzuerobern, das 45 Tage die freie   Republik des Maddalena war, auf dem Gebiet von Chiomonte. Nun ist sie   zur Festung der Verteidiger des Kapitals geworden, das Susa-Tal   verwandelt sich wieder zur milit&#228;risch besetzten Zone wie Mompantero   2005 &#8211; mit Z&#228;unen, Stacheldraht, Truppen in Anti-Aufstand- Montur. Sie   verhindern den Zugang zu den H&#228;usern, den Weinbergen, den   Lavendelwiesen, zur Sozialk&#252;che, zu den Orten einer sicheren und   befriedigenden Arbeit, von denen etliche Familie leben. Das   arch&#228;ologische Museum, das Fundst&#252;cke aus 6000 Jahren aus dieser Region   beherbergt, wurde zur Kaserne umfunktioniert. Die neolithischen   Grabst&#228;tten sind besetzt durch milit&#228;risches Ger&#228;t. Das Leben von Tier   und Pflanze stirbt unter den tausenden von Litern Tr&#228;nengas, das gegen   die Menschen eingesetzt wurde. Gegen das Volk, das vom 27. Juni 2011 an   versucht hat die Besatzungstruppen zu stoppen und am 3.Juli 2011 der   milit&#228;rischen Besetzung nachgegeben hat.<\/p>\n<p>  In diesen Momenten von gro&#223;em Volkswiderstand haben wir wieder an Genua   zur&#252;ckgedacht. Als wir durch das Tr&#228;nengas verletzt wurden (dies sind   chemische Waffen, die nach internationalen Konventionen zwar verboten   sind, aber eingesetzt werden), als sie mit Baggern gegen unsere   Verteidigungsw&#228;lle vorgingen, auf denen M&#228;nner und Frauen jeden Alters   waren, als wir taub von dem Helikopterl&#228;rm waren. Und wir haben   verstanden, dass sich die Institutionen f&#252;r eine m&#246;gliche, andere Welt   aus unserem Widerstand konkret entwickeln.<\/p>\n<p>  Wir sp&#252;rten, dass Carlo bei uns war, und haben seinen Namen gerufen,   genauso wie wir die Namen und Lieder der Partisanen hinausschrien, als   die Robot uns &#252;berfielen.<\/p>\n<p>  An unserer Seite waren gro&#223;z&#252;gige Menschen, die aus anderen Regionen   gekommen waren, um einen kollektiven Kampf zu f&#252;hren; einige von ihnen   wurden verhaftet und ins Gef&#228;ngnis gesteckt. Wir nennen sie unsere   S&#246;hne, denn mit uns haben sie die Erfahrung geteilt, eine andere   Gesellschaft und eine andere Menschlichkeit zu verteidigen.<\/p>\n<p>  Die Medien des Regimes waren wie immer vehement gegen die Schwachen und   zaghaft gegen die Starken. Sie haben versucht die gewohnte   Kriminalisierung vorzunehmen, indem sie zwischen &#8222;guten&#8220; und &#8222;b&#246;sen&#8220;,   &#8222;gewaltfreien&#8220; und &#8222;gewaltt&#228;tigen&#8220; spalten wollten. Wir weisen jegliche   Spaltung zur&#252;ck.<\/p>\n<p>  Es gab Gewalt, schwere Gewalt, ausge&#252;bt von denen, die unsere Barrikaden   zerst&#246;rt haben, die uns im Wald verfolgt haben, die Schlagst&#246;cke und   Tr&#228;nengas benutzt haben und die Verhafteten mit Schl&#228;gen und Angst   eingesch&#252;chtert haben. Es waren in erster Linie ihre Auftraggeber, die   Herren der Institutionen, wie die Partei des Business, die Gewalt   praktiziert haben.<\/p>\n<p>  Gewalt gegen Menschen und gegen Sachen: die Zelte, die Schlafs&#228;cke, die   B&#252;cher, die Kleidung &#8211; zerrissen und durch F&#228;kalien beschmutzt &#8211; , der   Menschen, die &#252;ber einen Monat lang diese Orte verteidigt haben. Gegen   jede Gewalt fordern wir das Recht auf Selbstverteidigung, entschlossen,   ernst und durch das Volk, denn dies hat die Kraft des Verstandes, des   Herzens und der Zukunft.<\/p>\n<p>  &#220;bersetzt durch Maren Albert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      und der Kampf gegen die Hochgeschwindigkeitszugtrasse im Susa-Tal\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[65],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14385"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14385"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14385\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14385"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}