{"id":14382,"date":"2011-08-15T14:00:00","date_gmt":"2011-08-15T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14382"},"modified":"2011-08-15T14:00:00","modified_gmt":"2011-08-15T14:00:00","slug":"14382","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14382\/","title":{"rendered":"Die &quot;junge Welt&quot; und die Mauer"},"content":{"rendered":"<p>  jW-Redaktion diskreditiert den Sozialismus<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Zum Jahrestag des DDR-Mauerbaus hat die Tageszeitung junge Welt eine   Titelseite ver&#246;ffentlicht, die bei jedem kritischen Sozialisten nur   Emp&#246;rung hervorrufen kann. Neben einem Bild von NVA-Soldaten vorm   Brandenburg Tor, das Gewehr im Anschlag, wird sich dort unter anderem   f&#252;r 28 Jahre &#8222;Geschichtswissenschaft statt Guidoknoppgeschichten&#8220;,   &#8222;Club-Cola und FKK&#8220;, &#8222;Hohensch&#246;nhausen ohne Hubertus Knabe&#8220; und einige   tats&#228;chliche soziale Errungenschaften der DDR bedankt.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic<\/i><\/h4>\n<p>  Bei wem wird sich eigentlich bedankt? Bei der Mauer selbst oder den   abgebildeten NVA-Soldaten, die von der Partei- und Staatsf&#252;hrung   gezwungen wurden, auf Menschen zu schie&#223;en, die die DDR verlassen   wollten? Bei eben dieser Staats- und Parteif&#252;hrung oder direkt bei den   &#8222;roten&#8220; Bonzen in Moskau? Und warum eigentlich nur f&#252;r 28 Jahre? Gab es   die beschriebenen Dinge in den Jahren der DDR vor der Mauer nicht?   Intellektuell bewegt sich diese Titelseite auf einem so niedrigen   Niveau, dass jede Auseinandersetzung damit einer Beleidigung der   Intelligenz der LeserInnen gleich kommt. Aber leider ist die junge Welt   die einzige linke Tageszeitung, die einen antikapitalistischen Anspruch   vertritt und dementsprechend sind auch viele auf die in ihr enthaltenen   Informationen angewiesen, die angesichts dieser Titelseite angewidert   den Kopf sch&#252;tteln. Aus diesem Grund ist dann wohl doch eine   Auseinandersetzung innerhalb der Linken mit diesem Thema n&#246;tig.<\/p>\n<p>  Eine sachliche Auseinandersetzung mit der DDR sieht jedenfalls anders   aus. Beispiel &#8222;Geschichtswissenschaft&#8220;: In einem Staat, in dem die   Zensur herrschte und beispielsweise die historischen Werke Leo Trotzkis   zur Oktoberrevolution und der Geschichte der Sowjetunion nicht frei   zug&#228;nglich waren, von &#8222;Geschichtswissenschaft&#8220; zu reden ist blanker   Unfug. Leider ist es eine Wahrheit, dass trotz des Einflusses der   Kapitalisten auf Wissenschaft und Forschung, es in Westdeutschland mehr   Raum f&#252;r kritische, ja marxistische Arbeiten gab &#8211; Raum, den die   Arbeiterbewegung und die Linke sich erk&#228;mpft hatte.<\/p>\n<p>  Der Mauerbau war ebenso wie die hohe Zahl derjenigen DDR-B&#252;rger, die   nach Westdeutschland &#252;bersiedelten, Ausdruck der Tatsache, dass die DDR   zu keinem Zeitpunkt sozialistisch war und auch keine sozialistischen   Prinzipien der Selbstorganisation und Selbstregierung der Arbeiterklasse   verwirklichte. ArbeiterInnen verlie&#223;en die DDR, weil sie dieses Land   eben nicht regierten, weil sie die Betriebe eben nicht in ihrer Hand   hatten, weil sie eben nicht selber an der Gestaltung der Zukunft   arbeiten konnten. &#8222;W&#228;re die DDR sozialistisch gewesen, h&#228;tte Adenauer   eine Mauer bauen lassen&#8220;, ist ein Bonmot, das den Nagel auf den Kopf   trifft.<\/p>\n<p>  Ob der Mauerbau im Rahmen der 1961 real existierenden internationalen   politischen und &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse kriegsverhindernd wirkte, ist   auch zu bezweifeln. Die Bedrohung durch eine Intervention des Westens   hat die Mauer jedenfalls nicht verhindert. Sie hat nur zur   Aufrechterhaltung eines b&#252;rokratischen und diktatorischen Systems   gedient, dass den Sozialismus in den K&#246;pfen von Millionen Menschen   diskreditierte und das die verstaatlichte Planwirtschaft untergrub und   selbst die Verantwortung f&#252;r den Zusammenbruch in den Jahren 1989\/90 und   die kapitalistische Restauration tr&#228;gt. Und: eines Systems, das bis   heute mit daf&#252;r verantwortlich ist, dass es uns Linken so schwer f&#228;llt &#8211;   trotz kapitalistischer Weltkrise &#8211; breite Unterst&#252;tzung f&#252;r die Idee des   Sozialismus zu mobilisieren.<\/p>\n<p>  Und hierin liegt auch die Schuld der jW-Redaktion, denn diese in jeder   Hinsicht dumme Titelseite wird zu einer Waffe in der Hand der   Sozialismus-Gegner &#8211; siehe BILD-Zeitung. Wieder m&#252;ssen wir uns von den   heuchlerischen Vertretern des Kapitalismus &#8211; der in Westdeutschland kein   Problem damit hatte, haufenweise alte Nazis in den neuen Staat zu   integrieren &#8211; anh&#246;ren, dass der Sozialismus Stasi, Mauertote und   politische Unfreiheit bedeutet &#8211; und eine antikapitalistische   Tageszeitung best&#228;tigt das auch noch, indem sie sich das Stasi-Gef&#228;ngnis   in Hohensch&#246;nhausen zur&#252;ck w&#252;nscht. Worin &#252;brigens auch wirkliche   Sozialisten gewandert sind, die an den Ideen von Marx, Lenin und   Luxemburg festhielten und den Marxismus als eine kritische Wissenschaft   verstanden und sich das Recht auf Kritik nicht nehmen lassen wollten.<\/p>\n<p>  Also: danke, jW-Redaktion &#8211; Ihr habt dem Sozialismus einen B&#228;rendienst   geleistet. Wenn man so eindimensional denken w&#252;rde, wie Ihr, m&#252;sste man   ein Abo Eurer Zeitung abbestellen. Aber die jW sind nicht nur die   Stalinisten und DDR-Fans in ihrer Redaktion, sondern die vielen   AutorInnen, die eine solche Titelseite niemals unterschrieben h&#228;tten und   nicht zuletzt die Leserinnen und Leser, die oftmals AktivistInnen aus   Gewerkschaften und linken Bewegungen sind, und die Informationen aus der   jW brauchen. In diesem Sinne kann man nur dazu auffordern, die jW zu   ver&#228;ndern, damit ein solcher Mist nicht noch einmal den Weg auf die   Titelseite findet.<\/p>\n<p>  Der Chefredaktion sei geraten, die Seiten der jW f&#252;r eine breite Debatte   zum Charakter der DDR und zum Mauerbau zu &#246;ffnen, in denen alle   Str&#246;mungen der sozialistischen Linken ihre Positionen darlegen k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      jW-Redaktion diskreditiert den Sozialismus\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,90,92],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14382"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14382"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14382\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}