{"id":14380,"date":"2011-08-12T16:00:00","date_gmt":"2011-08-12T14:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14380"},"modified":"2012-06-28T16:22:46","modified_gmt":"2012-06-28T14:22:46","slug":"14380","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14380\/","title":{"rendered":"Englands Innenst&#228;dte explodieren"},"content":{"rendered":"<p>  Eine Massenbewegung der Arbeiterklasse ist notwendig, um die Regierung   zu besiegen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>erschienen am 10. August 2011 auf socialistworld.net<\/i><\/p>\n<p>  <b>&quot;Es wird wieder Szenen der Verzweiflung und Explosionen der Wut auf   den Stra&#223;en geben wie 1981. Vernachl&#228;ssigte Gebiete in Gro&#223;st&#228;dten &#8211;   wenn nicht die Stadtzentren, dann die &#8222;banlieus&#8220; oder Au&#223;enbezirke wie   in Frankreich &#8211; werden der Schauplatz neuer Unruhen sein.&#8220;<\/b><\/p>\n<p>  <b>Diese Warnung hat die Socialist Party vor nur vier Monaten ins   unserem Artikel zum Jahrestag der Brixton Riots abgegeben. Heute morgen   sind tausende Menschen in verw&#252;steten Vierteln aufgewacht.<\/b><\/p>\n<h4>  <i><b>von Hannah Sell, stellvertretende Generalsekret&#228;rin der Socialist   Party<\/b><\/i><\/h4>\n<p>  Heute ist eine Trag&#246;die f&#252;r die kleinen LadenbesitzerInnen deren   Gesch&#228;fte gepl&#252;ndert oder angez&#252;ndet wurden, f&#252;r die ArbeiterInnen deren   Autos abgebrannt wurden und vielleicht am schlimssten f&#252;r diejenigen,   vor deren Augen ihre H&#228;user niedergebrannt sind. Feuerwehrleute standen   bei der Bek&#228;mpfung der Br&#228;nde inmitten der Unruhen vor riesigen   Problemen.<\/p>\n<p>  Die aktuellen Ausbr&#252;che der Wut auf den Stra&#223;en sind die gr&#246;&#223;ten in   Britannien seit Mitte der 1980er. Versp&#228;tet sind einige Minister aus dem   Urlaub zur&#252;ckgekommen um zu versuchen &#8222;die Ordnung wiederherzustellen&#8220;.<\/p>\n<p>  Das Parlament wurde f&#252;r Donnerstag zur&#252;ckgerufen, aber bis jetzt war die   einzige Reaktion der kapitalistischen PolitikerInnen, sich &#252;ber &#8222;den   Mob&#8220;, &#8222;Kriminelle&#8220; und &#8222;kopflose Gewalt&#8220; zu ereifern. ArbeiterInnen die   in den betroffenen Vierteln leben sind zwangsl&#228;ufig w&#252;tend &#252;ber die   stattgefundene Zerst&#246;rung, aber werden auch &#252;ber die Versuche der   Regierung sich aus der Verantwortung f&#252;r die Situation zu stehlen emp&#246;rt   sein.<\/p>\n<p>  Leider war die Reaktion von New Labour im wesentlichen die gleiche wie   die der Konservativen. Ed Miliband hat die Unruhen einfach als   &#8222;unertr&#228;gliches kriminelles Verhalten&#8220; bezeichnet und fordert von David   Cameron &#8222;die st&#228;rkste m&#246;gliche Antwort der Polizei&#8220;. Diane Abbot,   Parlamentsabgeordnete f&#252;r Hackney North, die fr&#252;her zum linken Fl&#252;gel   der Labour Party geh&#246;rte hat gefordert, &#252;ber eine Ausgangssperre   nachzudenken.<\/p>\n<p>  Die F&#252;hrung von New Labour hat nichts getan um die Ursachen f&#252;r die   Jugendunruhen aufzuzeigen. Das ist nicht &#252;berraschend.   Massenarbeitslosigkeit, K&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Dienst, Polizeigewalt   und willk&#252;rliche Durchsuchungen wurden verst&#228;rkt, als New Labour an der   Macht war. Trotz aller Versuche der kapitalistischen Politiker, die   Realit&#228;t zu ignorieren ist es kein Zufall dass Britannien im August 2011   brennt &#8211; es ist eine Folge der sozialen Bedingungen f&#252;r eine Generation   von Jugendlichen in den Innenst&#228;dten.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der Unruhen in den 1980ern bezeichnete die damalige konservative   Regierung die Menschen auf den Stra&#223;en als &#8222;Hooligans&#8220;. Jetzt, wo diese   Krawalle nur noch eine entfernte Erinnerung sind, sind Edwina Currie und   andere Konservative bereit anzuerkennen, dass die Beteiligten   tats&#228;chlich unter Massenarbeitslosigkeit und Diskriminierung durch die   Polizei litten, sie behaupten aber, dass heute alles anders sei. In   Wirklichkeit hat sich f&#252;r Jugendliche in Innenstadtgebieten nichts   ge&#228;ndert.<\/p>\n<p>  Die aktuellen Ereignisse sind ein Schrei der Wut und Verzweiflung von   Angeh&#246;rigen einer Generation die auf den M&#252;llhaufen geworfen wurde. Es   sind keine Rassenunruhen, Jugendliche aus den Innenst&#228;dten mit allen   m&#246;glichen ethnischen Hintergr&#252;nden sind beteiligt.<\/p>\n<h4>  <b>W&#252;tend und vernachl&#228;ssigt<\/b><\/h4>\n<p>  Die Motive der Beteiligten sind unterschiedlich, aber sie kreisen um ein   einziges Thema, das eine Frau in einem Interview in der   Nachrichtensendung &#8222;Today&#8220; von Radio Four so zusammenfasste: &#8222;Ich bin   keine Diebin, aber ich bin w&#252;tend. Was haben wir? &#8211; Nichts.&#8220; Anders als   sie hatten sich Andere beteiligt um L&#228;den zu pl&#252;ndern. Elektro- und   Sportgesch&#228;fte, aber auch Superm&#228;rkte wurden in vielen Gebieten   angegriffen.<\/p>\n<p>  In Tottenham, wurde ein Aldi geleert, in Lewisham Morrisons. Die Leute   standen nicht nur Schlange um &#8222;Luxusg&#252;ter&#8220; mitzunehmen, sondern auch f&#252;r   die wichtigsten Grundbed&#252;rfnisse des Lebens. Was sagt es &#252;ber   Britannien, ein &#8222;fortgeschrittenes&#8220; kapitalistisches Land, aus, dass so   viele Menschen verzweifelt genug sind und so wenig an die Konsequenzen   denken, dass sie sich an Massenpl&#252;nderungen beteiligen? Jugendliche mit   einem Job den es sich zu haben lohnt und Perspektiven f&#252;r die Zukunft   nehmen im Allgemeinen nicht an solchen Aktionen teil.<\/p>\n<p>  Aber in Britannien gibt es heute fast eine Million junge Arbeitslose,   denen praktisch gesagt wurde dass sie von der Zukunft nichts zu erwarten   haben. W&#228;hrend die B&#246;rsen der Welt abst&#252;rzen w&#228;chst unweigerlich das   Gef&#252;hl, dass der Kapitalismus der &#8222;verlorenen Generation&#8220; keine   Perspektiven bietet. <\/p>\n<p>  Schon jetzt liegt die Jugendarbeitslosigkeit in ganz London bei 23%, in   den Innenstadtgebieten ist sie viel h&#246;her. Hackney und Tower Hamlets   haben die h&#246;chste Jugendarbeitslosigkeit im Land, Tottenham liegt dicht   dahinter. Diese Jugendlichen wohnen nur wenige Meilen von den   Million&#228;ren und Milliard&#228;ren Londons entfernt, aber haben nur geringe   Chancen den Mindestlohn zu bekommen, geschweige denn einen guten Job zu   finden.<\/p>\n<p>  Die echten Pl&#252;nderer sind die Kapitalisten der Stadt, die Milliarden mit   Spekulation an den B&#246;rsen und der wirtschaftlichen Auspl&#252;nderung ganzer   L&#228;nder eingenommen und dabei ganze Bev&#246;lkerungen, wie in Griechenland,   in bittere Armut getrieben haben.<\/p>\n<p>  Ist es ein Wunder, dass in einer Gesellschaft, die private Unternehmer   dazu ermutigt mit allen notwendigen Mitteln Profit zu machen,   arbeitslose Jugendlichen versuchen mit allen Mitteln an ein Paar Sachen   zu kommen? <\/p>\n<h4>  <b>Ethnische Minderheiten<\/b><\/h4>\n<p>  Obwohl die Krawalle keine &#8222;Rassenunruhen&#8220; sind und Jugendliche aus allen   ethnischen Gruppen mitmachen stimmt es, dass viele von ihnen schwarz   sind. Die kapitalistischen Politiker behaupten, es g&#228;be in Britannien   heute keinen Rassismus mehr, aber das stimmt einfach nicht.<\/p>\n<p>  Alle ethnischen Minderheiten in Britannien haben im Durchschnitt noch   geringere Einkommen als Wei&#223;e, die Einkommensunterschiede bei den   M&#228;nnern liegen zwischen durchschnittlich 10% weniger f&#252;r Chinesen und   27% weniger f&#252;r Menschen aus Bangladesch.<\/p>\n<p>  Selbst ethnische Minderheiten mit hohen Anteilen an hoch qualifizierten   sind von niedrigen L&#246;hnen betroffen. Alle ethnischen Minderheiten haben   &#252;berdurchschnittlich hohe Armutsquoten. Die Armutsquoten sind bei   Bangladeshis, Pakistanis und SchwarzafrikanerInnen am h&#246;chsten, unter   Bangladeshis erreicht sie fast zwei Drittel.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig sind ethnische Minderheiten unter den Managern und   Arbeitgebern der gro&#223;en Unternehmen kaum vertreten. KeineR der 98   RichterInnen am obersten Gerichtshof stammt aus einer ethnischen   Minderheit, und nur vier der 563 RichterInnen an anderen Gerichten.<\/p>\n<p>  Weniger als 1% der Armee kommt aus ethnischen Minderheiten. Es gibt   j&#228;mmerlich wenige schwarze und asiatische Abgeordnete im Parlament. Der   britische Kapitalismus hat sich als unf&#228;hig erwiesen, die   Lebensbedingungen f&#252;r Schwarze und AsiatInnen &#8211; mit Ausnahme einer   winzigen Minderheit &#8211; qualitativ zu verbessern.<\/p>\n<p>  Wut wegen Polizei&#252;bergriffen ist ein wichtiger Faktor in der Explosion,   die stattgefunden hat. In Tottenham war der Ausl&#246;ser die Erschie&#223;ung von   Mark Duggan durch die Polizei. Die Unabh&#228;ngige Beschwerdekommission der   Polizei (IPCC) musste schon zugeben, dass die Kugel, mit der die Polizei   beweisen wollte, dass Mark Duggan zuerst auf sie geschossen habe in   Wirklichkeit aus einer Polizeiwaffe stammte. <\/p>\n<p>  Die Menschen in Tottenham haben Recht, wenn sie der IPCC keine   unabh&#228;ngige Untersuchung zutrauen. Die Gewerkschaftsbewegng muss eine   wirklich unabh&#228;ngige Untersuchung durch gew&#228;hlte VertreterInnen von   Gewerkschaften, Organisationen und besonders der Jugend fordern.<\/p>\n<p>  Eine &#228;hnliche Untersuchung muss die Unruhen und ihre Gr&#252;nde beleuchten.   Viele TeilnehmerInnen die Unruhen, die von Medien interviewt wurden   dr&#252;cken ihre Wut &#252;ber st&#228;ndige Durchsuchungen durch die Polizei im   Alltag aus.<\/p>\n<p>  Von 2005 bis 2009 ist die Zahl der polizeilichen Durchsuchungen von   AsiatInnen um 84% und von Schwarzen um 51% gestiegen. Jetzt will der   Staat nochh weiter gehen und &#8222;Section 60&#8220; einsetzen um es der Polizei zu   erleichtern Menschen ohne Verdacht anzuhalten und zu durchsuchen.<\/p>\n<p>  Es gab friedliche Proteste gegen diese Missst&#228;nde, aber nichts hat sich   ge&#228;ndert und es ist der Eindruck entstanden, dass &#8222;mehr&#8220; getan werden   muss. In Tottenham waren die Angeh&#246;rigen und FreundInnen von Mark Duggan   zur Polizeiwache gezogen und hatten umsonst stundenlang darauf gewartet   mit einem Verantwortlichen sprechen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Das war kein Einzelfall. Ein junger Mann aus Tottenham sagte zum   TV-Sender NBC: &#8222;Ihr w&#252;rdet jetzt nicht mit mir reden wenn wir nicht   randalieren w&#252;rden, oder? Vor zwei Monaten sind wir zu Scotland Yard   marschiert, mehr als 2000 von uns, alles Schwarze, und wir waren   friedliche und ruhig und was ist passiert? Kein Wort in der Presse.   Letzte Nacht ein Paar Unruhen und Pl&#252;nderungen und seht euch um.<\/p>\n<h4>  K&#252;rzungen bei Sozialleistungen<\/h4>\n<p>  Massenarbeitslosigkeit und Polizei&#252;bergriffe haben zu einer explosiven   Situation gef&#252;hrt. F&#252;r Viele hat das Fass zum &#252;berlaufen gebracht, dass   ihnen jetzt noch die wenigen Programme weggenommen werden die zumindest   die Folgen von Jugendarbeitslosigkeit lindern sollten.<\/p>\n<p>  Die Regierung hat, trotz Massenprotesten, das EMA-Stipendium [entspricht   etwa dem deutschen BaF&#246;G] abgeschafft, durch dass Jugendlichen aus der   Arbeiterklasse zumindest erm&#246;glicht wurde aufs College [entspricht in   Britannien der gymnasialen Oberstufe] zu gehen. Trotz der endlosen   Forderungen an junge Menschen, &#8222;sich zu bessern&#8220; und &#8222;sich zu bilden&#8220;   wurde die eine konkrete Ma&#223;nahme durch die Zugang zu Bildung geschafften   wurde jetzt abgeschafft. Zus&#228;tzlich h&#228;lt die Erh&#246;hung der   Studiengeb&#252;hren in den Universit&#228;ten auf 9000&#163; im Jahr [ca. 10250&#8364;]   viele Arbeiterkinder davon ab, &#252;ber h&#246;here Bildung als Ausweg   nachzudenken.<\/p>\n<p>  Andere K&#252;rzungen der Regierung im schon &#252;berlasteten &#246;ffentlichen   Dienst, die von Labour-gef&#252;hrten Gemeinder&#228;ten ebenso umgesetzt wurden   wie von den Konservativen und Liberalen haben ebenfalls zur Situation   beigetragen. Anstatt die Bev&#246;lkerung vor Ort zu verteidigen und die   Umsetzung von K&#252;rzungen zu verweigern, wie es die Socialist Party   fordert und die Stadtregierung von Liverpool in den 1980ern getran hat,   hat jeder einzelne Labour-Stadtrat staatliche Leistungen gek&#252;rzt.<\/p>\n<p>  In Tottenham wurden die Ausgaben f&#252;r Jugendhilfe um 75% gesenkt.   Landesweit wurde Connexions, die Berufs- und Sozialberatung f&#252;r   Jugendliche, zerst&#246;rt. Viele Stadtverwaltungen bieten jetzt &#252;berhaupt   keine Beratung f&#252;r junge Menschen an. Aber wir befinden uns erst im   ersten Jahr der K&#252;rzungen, die Gemeinden planen in den n&#228;chsten Jahren   noch viele weitere.<\/p>\n<p>  Die Regierung versucht jetzt jeden Zusammenhang zwischen K&#252;rzungen und   den Unruhen zu leugnen, aber wenige Wochen vor der letzten Wahl hat Nick   Clegg, der F&#252;hrer der Liberaldemokraten [seit der Wahl Koalitionspartner   der Konservativen], davor gewarnt dass die K&#252;rzungen der Konservativen   zu Unruhen f&#252;hren w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Es ist ein Zeichen f&#252;r die extreme Kurzsichtigkeit der aktuellen   Regierung, dass sie bei den Ma&#223;nahmen k&#252;rzen l&#228;sst, die der Regierung   eine gewisse &#8222;soziale Kontrolle&#8220; &#252;ber Jugendliche geben.<\/p>\n<p>  Die relativ geringen Summen, die durch die K&#252;rzungen eingespart wurden   werden jetzt in zehnfacher H&#246;he f&#252;r die Beseitigung der Folgen der   Unruhen ausgegeben werden m&#252;ssen. Im Anschluss an die Unruhen k&#246;nnten   Stadtteilkampagnen f&#252;r die sofortige Wiederer&#246;ffnung aller geschlossenen   Jugendeinrichtungen und von Connexions, finanziert durch die   Zentralregierung, die Regierung zwingen diese K&#252;rzungen zur&#252;ckzunehmen.<\/p>\n<h4>  Krawalle &#8211; keine L&#246;sung<\/h4>\n<p>  Allerdings sind Unruhen keine M&#246;glichkeit die Regierung zu besiegen,   sondern schaden im Gegenteil nur den Arbeitervierteln und geben der   Kapitalistenklasse eine Begr&#252;ndung, um den repressiven Staatsapparat   auszubauen.<\/p>\n<p>  Die Socialist Party stimmt nicht mit denen auf der Linken &#252;berein, die   sich f&#252;r die Krawalle aussprechen, wie die Socialist Workers Party [in   Deutschland marx21], deren Plakate in den betroffenen Gebieten die   Unruhen als einen Schritt zur Revolution bezeichnen.<\/p>\n<p>  Die aktuellen Auseinandersetzungen sind ein Ausdruck von blinder Wut auf   das System. Zweifellos werden einige der Beteiligten von den   Revolutionen, die im Nahen Osten Diktatoren st&#252;rzten und der Bewegung   auf den Pl&#228;tzen in Spanien und Griechenland inspiriert worden sein.<\/p>\n<p>  Allerdings hatten diese Bewegungen einen sehr anderen Charakter als die   Unruhen. W&#228;hrend jedes Land unterschiedliche Merkmale hatte, waren alle   Platzbesetzungen &#8211; von Spanien bis &#196;gypten &#8211; relativ disziplinierte   Massenproteste die Gewaltakte gegen kleine Gesch&#228;fte usw. ablehnten und   gr&#246;&#223;tenteils verhinderten.<\/p>\n<p>  Das war ein Grund daf&#252;r, dass diese Bewegungen, die gr&#246;&#223;tenteils mit   Jugendlichen begannen, die breite Bev&#246;lkerung erreichen und ihre   Unterst&#252;tzung bekommen konnten.<\/p>\n<p>  Im Gegensatz dazu erm&#246;glichen die Unruhen den kapitalistischen Medien   und der Regierung Jugendliche weiter zu d&#228;monisieren und vielleicht den   Kampf gegen die Regierung zu spalten.<\/p>\n<p>  Die Regierung kann nur durch den Aufbau einer vereinigten Massenbewegung   all derer die sie angreift besiegt werden. Die gewerkschaftlich   organisierte Arbeiterklasse muss die Schl&#252;sselrolle spielen.<\/p>\n<p>  In &#196;gypten wurde Mubarak endlich besiegt, als die Arbeiterklasse einen   Generalstreik organisierte. In der britischen Geschichte wurde Thatchers   Poll Tax [=Kopfsteuer] nicht, wie manche Linke behaupten, durch die   Krawalle im M&#228;rz 1990 zur&#252;ckgeschlagen, sondern durch eine organisierte   Massenkampagne zur Nichtzahlung, an der sich 18 Millionen Menschen   beteiligten.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaftliche Aktionen<\/h4>\n<p>  Der 30. Juni diesen Jahres war der Tag, der die Regierung am meisten   schreckte. An diesem Tag beteiligten sich 750.000 Besch&#228;ftigte des   &#246;ffentlichen Dienst an Streikaktionen. Leider aber war am 30. Juni nur   ein F&#252;nftel aller Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienst zum Streik   aufgerufen.<\/p>\n<p>  Die F&#252;hrungen der gro&#223;en Gewerkschaften des &#246;ffentlichen Dienst hatten   gegen den Streik argumentiert, obwohl es viele Forderungen aus den   Betrieben dazu gab. Das Versagen der Gewerkschaftsf&#252;hrungen einen Kampf   gegen die Sozialk&#252;rzungen zu organisieren, ist ein zentraler Grund f&#252;r   die jetztigen Unruhen.<\/p>\n<p>  Brendan Barber, der Generalsekret&#228;r des TUC [=brit.   Gewerkschaftsdachverband] warnte zwar davor, dass die Sozialk&#252;rzungen   Unruhen ausl&#246;sen k&#246;nnten, aber unternahm nichts.<\/p>\n<p>  Wenn, wie wir gefordert hatten, der TUC einen ernsthaften Kampf gegen   die Regierung organisiert h&#228;tte, seine sieben Millionen Mitglieder   mobilisiert h&#228;tte, dann h&#228;tte die Regierung l&#228;ngst aus dem Amt gejagt   sein k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Wenn der TUC eine bundesweite Demonstrationen gegen K&#252;rzungen bereits im   letzten Oktober mobilisiert, im November gemeinsam mit den Studierenden   protestiert und dann einen eint&#228;gigen Generalstreik organisiert h&#228;tte,   w&#228;re das auf gro&#223;e Unterst&#252;tzung getroffen und h&#228;tte einen   Anziehungspunkt f&#252;r die unterdr&#252;cktesten Schichten von Jugendlichen   dargestellt.<\/p>\n<p>  Der TUC muss jetzt entschlossen handeln. Er sollte unmittelbar eine   bundesweite Gewerkschaftsdemonstration gegen alle Sozialk&#252;rzungen und   f&#252;r eine Zukunft von Jugendlichen organisieren.<\/p>\n<p>  Das w&#228;re ein Schritt vorw&#228;rts zu weiteren Streikaktionen im Herbst, zu   denen dann alle vier Millionen Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienst   einbezogen werden sollten. Das k&#246;nnte verbunden werden mit Streik von   Sch&#252;lerInnen und Studierenden.<\/p>\n<p>  Eine Gewerkschaftsdemonstration muss zeigen, dass die Gewerkschaften an   der Seite der Jugendlichen stehen. Die vielf&#228;tige Unterst&#252;tzung f&#252;r   Youth Fight for Jobs (YFJ, siehe .\/?p=13348)   ist daf&#252;r ein Beispiel<\/p>\n<p>  Aber es ist auch wichtig, dass eine solche Demonstration klare   Forderungen hat. Das sollte unter anderem die unmittelbare   Wiedereinf&#252;hrung des EMA-Stipendiums und die Abschaffung aller   Studiengeb&#252;hren sein. Dazu geh&#246;rt auch, dass sich die Gewerkschaften   dagegen aussprechen, dass die jetztigen Unruhen zur weiteren   Kriminalisierung junger Menschen genutzt werden.<\/p>\n<p>  Im Gegenteil: &#8222;Stop and Search&#8221; [=Gesetz aus der   Anti-Terror-Gesetzgebung, dass der Polizei erlaubt Menschen ohne Grund   zu durchsuchen] muss beendet werden. Politiker wie Teresa May wollen   jetzt Tr&#228;nengas und Wasserwerfer nach England bringen und Gummigeschosse   einsetzen. Dem muss entgegengetreten werden, denn diese Waffen werden in   Zukunft gegen alle ArbeiterInnen und Jugendlichen eingesetzt werden. Die   Gewerkschaftsbewegung sollte die Forderung aufstellen, dass die Polizei   durch &#246;rtliche gew&#228;hlte Komitees kontrolliert wird.<\/p>\n<p>  Die Explosion der Wut auf Englands Stra&#223;en ist eine Abrechnung mit dem   Kapitalismus und seiner Unf&#228;higkeit auch nur die bescheidenen   Lebensbedingungen der Arbeiterklasse der letzten zwanzig Jahre zu   erhalten. <\/p>\n<p>  Die Gewerkschaftsbewegung muss handeln und zeigen, dass sie auf der   Seite der Jugendlichen steht. Aber damit dies erfolgreich ist, muss dies   mit der Frage des Aufbaus einer neuen Arbeiterpartei verbunden werden,   die f&#252;r eine sozialistische Gesellschaft k&#228;mpft. <\/p>\n<p>  Nur durch die Enteignung der gro&#223;en Konzerne und deren &#220;berf&#252;hrung in   Gemeineigentum unter demokratischer Kontrolle, ist es m&#246;glich eine   wirkliche Perspektive f&#252;r Jugendliche aufzuzeigen. Kapitalismus ist   nicht in der Lage auch nur die notwendigsten Dinge &#8211; ein ordentlicher   Job, ein Zuhause, Bildung &#8211; der n&#228;chsten Generation zu garantieren.   Sozialistische Demokratie w&#252;rde bedeuten, dass die Produktion aber im   Interesse der Mehrheit und nicht der Minderheit geschieht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Eine Massenbewegung der Arbeiterklasse ist notwendig, um die Regierung<br \/>\n      zu besiegen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[53],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14380"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14380"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14380\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14380"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14380"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14380"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}