{"id":14378,"date":"2011-08-12T00:00:00","date_gmt":"2011-08-12T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14378"},"modified":"2011-08-12T00:00:00","modified_gmt":"2011-08-12T00:00:00","slug":"14378","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14378\/","title":{"rendered":"Weltwirtschaft im Chaos"},"content":{"rendered":"<p>  Drastische Kurseinbr&#252;che an den B&#246;rsen weisen auf Gefahr weltweiter   Rezession hin<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i><b>Vorbemerkung: dieser Artikel wurde am 11.8.2011 verfasst und   verarbeitet dementsprechend nicht die neuesten Entwicklungen.<\/b><\/i><\/h4>\n<p>  Kurssturz an den B&#246;rsen, hohe Zinsen f&#252;r spanische und italienische   Staatsanleihen, sich in Schweizer Franken und Gold fl&#252;chtende Anleger &#8211;   die Finanzm&#228;rkte spielen seit Tagen verr&#252;ckt &#8230; und die Politiker sind   hilflos, denn die gegenw&#228;rtigen Probleme sind die direkte Folge ihrer   Gegenma&#223;nahmen gegen die Wirtschaftskrise 2008\/2009. Damals machten sie   massiv Schulden, um Banken zu retten und die Wirtschaft anzukurbeln.   Jetzt f&#252;hren die Schuldenberge zu Finanzproblemen &#8211; und   K&#252;rzungsma&#223;nahmen drohen die Konjunktur wieder abzuw&#252;rgen. In Europa   droht beides zus&#228;tzlich, die Eurozone zu zerrei&#223;en, und China droht   aufgrund der hohen Verschuldung und der Gefahr eines Platzens der   dortigen Immobilienblase zu einem weiteren Krisenherd zu werden, was   massive Auswirkungen auf L&#228;nder wie Deutschland und Brasilien h&#228;tte, die   in der letzten Phase vom chinesischen Wirtschaftsboom profitierten.<\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, Plochingen bei Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  In wenigen Wochen wurden an den weltweiten B&#246;rsen Werte von mehr als   f&#252;nf Billionen Dollar vernichtet, die H&#228;lfte davon in der vergangenen   Woche. Die f&#252;nfzig im Eurostoxx50 notierten europ&#228;ischen Firmen verloren   in 12 Handelstagen 350 Milliarden Euro an B&#246;rsenwert (das entspricht 20   Prozent). Da in den Medien meist die Entwicklung des jeweiligen Tages   berichtet werden, die ganze Dramatik aber nur sichtbar wird, wenn man   sich die die Entwicklung &#252;ber mehrere Tage betrachtet. Zwischen dem 28.   Juli und 10. August fiel:<\/p>\n<p>  &#8211; der Dow Jones um 12,9 Prozent<\/p>\n<p>  &#8211; der S&amp;P 500 um 14,3 Prozent<\/p>\n<p>  &#8211; der DAX um 21,9 Prozent<\/p>\n<p>  &#8211; der Athex Comp (Griechenland) um 18,8 Prozent<\/p>\n<p>  &#8211; der RTS (Russland) um 22,6 Prozent<\/p>\n<p>  &#8211; der IBEX 35 (Spanien) um 17,5 Prozent<\/p>\n<p>  &#8211; der Bel 20 (Belgien) um 14,8 Prozent<\/p>\n<p>  &#8211; der NIKKEI (Japan) um 8,7 Prozent <\/p>\n<p>  &#8211; der Hang Seng (Hong Kong) um 16,8 Prozent<\/p>\n<p>  Einen H&#246;hepunkt erreichte die Talfahrt der B&#246;rsen allerdings am Montag,   den 8. August 2011, als die B&#246;rsen nach der Bekanntgabe der Herabstufung   der US-Staatsanleihen durch die Rating-Agentur Standard &amp; Poor&#8217;s   (Freitag nach B&#246;rsenschluss) wieder &#246;ffneten.<\/p>\n<p>  In den USA hatte der Dow-Jones-Aktienindex an diesem Tag einen seiner   sechs gr&#246;&#223;ten Tagesverluste. Nach der Erholung vom Tag darauf (Dienstag,   9.8.2011) landete er am Mittwoch, den 10.8., auf dem niedrigsten   Schlusskurs seit September 2010. Von den 500 Aktien im S&amp;P-500-Index   legte am 8. August keine einzige zu. Dieser Index fiel um 6,7 Prozent &#8211;   der gr&#246;&#223;te prozentuale Verlust seit Dezember 2008<\/p>\n<p>  In Deutschland fiel der Dax am 8. August den zehnten Handelstag in Folge   und landete bei 5923 Punkten. Der griechische Index ASE 20 landete auf   dem niedrigsten Wert seit Januar 1997.<\/p>\n<p>  Die B&#246;rse in Taiwan hatte die gr&#246;&#223;ten Kursverluste seit dreizehn   Monaten, der brasilianische Bovespa-Index die gr&#246;&#223;ten seit Herbst 2008   (- 8,1 Prozent)<\/p>\n<p>  Am Dienstag, den 9.8. gab es eine Achterbahnfahrt auf den   internationalen B&#246;rsen. Am Mittwochmorgen konnten die ostasiatischen   B&#246;rsen einen Tag Verschnaufpause einlegen, aber schon wenige Stunden   sp&#228;ter prasselten die Kurse in Europa und Amerika wieder.<\/p>\n<p>  Die Kurzst&#252;rze dr&#252;ckten nicht zuletzt Sorgen vor einem Abschwung der   Weltwirtschaft aus, nachdem das Wachstum in den USA deutlich   nachgelassen hatte. So hatten vor allem auch Rohstoff-, Energie- und   Investitionsg&#252;terunternehmen schwere Verluste hinzunehmen, was auf   fehlendes Vertrauen in weiteres Wachstum schlie&#223;en l&#228;sst.<\/p>\n<h4>  Profiteure (zum Teil wider Willen)<\/h4>\n<p>  Nat&#252;rlich wurde nicht alles Kapital vernichtet, das in diesen Tagen aus   den Aktienb&#246;rsen abfloss. Teils wurde es nur in &#8222;sichere H&#228;fen&#8220;   transferiert. Der Goldpreis erreichte gleich mehrere Rekordhochs.<\/p>\n<p>  Der Schweizer Franken ist schon seit vielen Jahren eine Fluchtw&#228;hrung   f&#252;r Anleger. Aber fr&#252;her war er eine unter mehreren. Inzwischen ist er   schon fast die einzige. Der Euro kostete am Mittwoch weniger als 1,03   Schweizer Franken, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein R&#252;ckgang von 25   Prozent. F&#252;r eine exportorientierte Wirtschaft wie die Schweiz ist das   nat&#252;rlich eine Bedrohung. Letzte Woche versuchte die Schweizer   Bundesbank daher, den H&#246;henflug des Franken zu stoppen &#8211; mit minimalem   Erfolg.<\/p>\n<p>  Paradox k&#246;nnte scheinen, dass eine durch die Herabstufung von   US-Staatsanleihen angeheizte Finanzmarktkrise dazu f&#252;hrt, dass Anleger   sich in eben diese Staatsanleihen fl&#252;chten. Aber auch von &#8222;AAA&#8220; auf   &#8222;AA+&#8220; herabgestufte US-Anleihen sind immer noch wesentlich sicherere   Anlagen als an den B&#246;rsen Achterbahn fahrende Aktien.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite f&#252;hrten Sorgen, dass die Turbulenzen an den   Aktienm&#228;rkten mit einer Abschw&#228;chung der Weltwirtschaft oder gar einer   drohenden neuen Weltwirtschaftskrise zu tun haben &#8211; und damit die   Nachfrage nach Rohstoffen sinkt &#8211; zum R&#252;ckgang von Rohstoffpreisen,   besonders des &#214;lpreises. Das Brent-Nordsee&#246;l erreichte am Dienstag ein   6-Monats-Tief (98,74 Dollar pro Barrel).<\/p>\n<p>  Da es in diesem Zeitraum keine erkennbaren &#196;nderungen von Angebot und   Nachfrage nach &#214;l gab, handelte es sich um spekulative Entwicklungen,   die nat&#252;rlich auch ihre R&#252;ckwirkungen auf die Finanzm&#228;rkte hatten. Die   Kurseinbr&#252;che an der Moskauer B&#246;rse hingen (neben dem   &#8222;Ansteckungseffekt&#8220; durch die anderen B&#246;rsen) auch mit der Abh&#228;ngigkeit   der russischen Wirtschaft vom &#214;lexport zusammen.<\/p>\n<h4>  Die Hilflosigkeit der Politik<\/h4>\n<p>  Ein weiteres Merkmal der letzten Tage war die Unf&#228;higkeit von Politikern   und Notenbanken, die Finanzmarktkrise zu stoppen. Wir erinnern uns noch,   wie in den Krisenmonaten nach der Lehman-Brothers-Pleite Politiker immer   wieder an den Wochenenden zusammen kamen, um neue Rettungspakete   zusammen zu stoppeln und vor der B&#246;rsener&#246;ffnung in Ostasien am Montag   morgen den Finanzm&#228;rkten als Beruhigungspille zu verabreichen. Auch   jetzt war Standard &amp; Poor&#8217;s so patriotisch (oder gesch&#228;ftst&#252;chtig), mit   der Herabstufung der US-Staatsanleihen bis Freitag nach B&#246;rsenschluss zu   warten, um der Politik ein Wochenende zum Reagieren zu geben &#8211; ohne   jeden Erfolg: Die B&#246;rsen brachen trotzdem am Montag, dem 9. August 2011   ein (und die Aktien von Standard &amp; Poor&#8217;s waren besonders stark   betroffen). Als US-Pr&#228;sident Obama am Montag eine Fernsehansprache   hielt, f&#252;hrte das nur dazu, dass sich die Talfahrt an der Wall Street   bescheunigte. Die Interventionen der Schweizer und Japanischen Notenbank   letzte Woche zur Senkung der Wechselkurse von Franken und Yen   verpufften, ebenso wie die Aufk&#228;ufe spanischer und italienischer   Staatsanleihen durch die EZB seit Montag. Auch die Bekanntgabe von   US-Arbeitsmarkzahlen am Freitag, die &#8222;die miserablen Erwartungen&#8220;   (Financial Times Deutschland) &#252;bertrafen, lie&#223; Anleger nur kurz aufatmen.<\/p>\n<p>  Aber als am Dienstag die US-Notenbank eher entt&#228;uschende Beschl&#252;sse   verk&#252;ndete &#8211; n&#228;mlich erst mal keine dritte Runde von &#8222;quantitativer   Lockerung&#8220; (die moderne Form des Gelddruckens) einzuleiten &#8211; gab es ein   kleines Kursfeuerwerk (dass sie keine Zinserh&#246;hung beschloss, war   selbstverst&#228;ndlich, andernfalls h&#228;tten die Notenbanker einen Platz in   der Psychiatrie verdient). Am folgenden Tag wurde dieselbe Entscheidung   als ein Grund f&#252;r die Kursverluste aufgef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Der Grund f&#252;r die Hilflosigkeit der Politiker ist, dass sich die Lage   seit 2008 grundlegend gewandelt hat. Damals reagierten sie auf die   schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren, indem sie   &#246;ffentliche Gelder in die Wirtschaft pumpte, um angeschlagene Banken zu   retten und die Wirtschaft durch Konjunkturprogramme anzukurbeln. Aber   die L&#246;sung von damals ist das Problem von heute. Private Schulden wurden   in &#246;ffentliche Schulden verwandelt. Dazu kamen steigende Staatsausgaben   f&#252;r die Konjunkturprogramme und durch die Krise einbrechende   Staatseinnahmen. Diese Ma&#223;nahmen f&#252;hrten zu gro&#223;en Haushaltsdefiziten   und anschwellenden Staatsschulden.<\/p>\n<p>  Dieses globale Problem kam vor anderthalb Jahren in Griechenland zum   Ausbruch und f&#252;hrte in den folgenden Monaten zu einer Reihe von Krisen   und Rettungspaketen in der Eurozone. Als Reaktion setzte sich auf den   Finanzm&#228;rkten eine wesentlich pessimistischere Sicht der   Staatsverschuldung durch. Regierungen sahen sich gezwungen, ihren Eifer   im Kampf gegen die Staatsschulden unter Beweis zu stellen aus Angst,   dass sonst ihre Staatsanleihen nur noch mit hohen Risikopr&#228;mien   ausgegeben werden k&#246;nnten. Die Folge war, dass nicht nur Griechenland   und anderen direkt betroffenen Staaten (Irland, Portugal, Spanien)   brutale Kahlschlagprogramme aufgezwungen wurden, sondern auch andere   kapitalistische Regierungen eine Kehrtwende von Konjunkturprogrammen zu   K&#252;rzungspolitik einleiteten (zum Beispiel das Sparprogramm in   Gro&#223;britannien und die deutsche &#8222;Schuldenbremse&#8220;).<\/p>\n<h4>  US-Schuldenkrise<\/h4>\n<p>  Dass die Rating-Agentur Standard &amp; Poor&#8217;s die US-Staatsleihen von &#8222;AAA&#8220;   auf &#8222;AA+&#8220; herabgestuft hat und die Rating-Agentur Moody&#8217;s laut &#252;ber   einen solchen Schritt nachdenkt, zeigt, wie grundlegend sich die   Bewertung der Staatsverschuldung ge&#228;ndert hat. Schlie&#223;lich sind die USA   weiterhin die f&#252;hrende kapitalistische Wirtschaftsmacht, der Dollar ist   Weltreservew&#228;hrung. Faktisch ist eine Zahlungsunf&#228;higkeit der USA   ausgeschlossen, da diese ihre in Dollar gehaltenen Schulden immer durch   das Anwerfen der Notenpresse werden bedienen k&#246;nnen (was jedoch zu einem   weiteren drastischen Wertverlust des US-Dollars f&#252;hren w&#252;rde). Die   Abwertung die S&amp;P kommt einerseits einem Warnschuss an die US-Parteien   gleich, die Wirtschaft nicht durch von Parteiinteressen geleiteten   Streitereien zu destabilisieren und ist gleichzeitig Ausdruck der   grundlegenden Schw&#228;che der &#8222;Erholung&#8220; der US-&#214;konomie.<\/p>\n<p>  In den USA haben die Staatsschulden und der politische Konflikt um die   Anhebung der Schuldenobergrenze in den letzten Wochen die Medien   beherrscht. Wichtig ist aber das Wechselverh&#228;ltnis von   Staatsverschuldung, privater Verschuldung und Wirtschaftsentwicklung.   &#220;ber Jahre hinweg waren die USA Motor der Weltwirtschaft, der US-Konsum   war der Staubsauger, der die Export&#252;bersch&#252;sse von L&#228;ndern wie   Deutschland oder China aufsaugte. Diesem wachsenden Konsum entsprachen   aber keine ebenso schnell wachsenden Einkommen. Es entstanden zwar viele   Jobs, aber diese waren h&#228;ufig schlecht bezahlte Dienstleistungsjobs,   w&#228;hrend vergleichsweise gut bezahlte Jobs in der Industrie vernichtet   wurden. Die Kluft zwischen Reichen und Armen nahm zu. Der wachsende   Konsum war nur mit einer wachsenden Verschuldung m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Mit dieser wachsenden Verschuldung ist es seit 2008 vorbei. Seit damals   sanken die ausstehenden Konsumentenkredite von 2,59 auf 2,41 Billionen   Dollar (Mai 2011), die Hypothekenschulden von 14,61 auf 13,72 Billionen   Dollar (I. Quartal 2011). Die Verschuldung sank von 130 Prozent auf 115   Prozent der Haushaltseinkommen, der Schuldendienst von 13,51 Prozent der   Haushaltseinkommen (IV. Quartal 2011) auf 11,51 Prozent (I. Quartal   2011).<\/p>\n<p>  Offensichtlich fiel damit der private Konsum als Wirtschaftsmotor aus.   Man sieht an den USA exemplarisch, wie die staatliche Verschuldung die   unhaltbar gewordene private Verschuldung als Wachstumsmotor ersetzte.   2006 lag die Staatsverschuldung der USA noch bei sechzig Prozent des   BIP, dieses Jahr d&#252;rfte sie einhundert Prozent erreichen. Nach dem   Wirtschaftseinbruch von insgesamt 5,1 Prozent 2008\/09 trugen Obamas   Konjunkturprogramme zu einem Wachstum ab dem III. Quartal 2009 bei. Aber   sie wirkten nicht als Initialz&#252;ndung f&#252;r einen dynamischen Aufschwung.   Schon im zweiten Halbjahr 2010 hat sich die Wirtschaft wieder deutlich   abgeschw&#228;cht. Im I. Quartal 2011 wuchs die Wirtschaft nur um 0,4 Prozent   (aufs ganze Jahr hoch gerechnet). F&#252;r das II. Quartal gab das   US-Handelsministerium am 29. Juli 1,3 Prozent bekannt &#8211; aber diese   ersten Sch&#228;tzungen sind nicht sehr zuverl&#228;ssig (f&#252;r das 1. Quartal   lautete die erste Sch&#228;tzung 1,9 Prozent, was doch einen erheblichen   Unterschied zu der revidierten Zahl von 0,4 Prozent macht!).<\/p>\n<p>  Durch den schwachen Aufschwung bleibt die Arbeitslosigkeit hoch,   offiziell bei 9 Prozent. Die tats&#228;chliche Zahl d&#252;rfte das Doppelte   betragen. In der Vergangenheit wurde die Mickrigkeit der   Arbeitslosenunterst&#252;tzung dadurch gemildert, dass nach der Krise schnell   viele neue Arbeitspl&#228;tze entstanden. Jetzt ist das nicht der Fall. Im   Gegenteil haben verschiedene US-amerikanische Unternehmen   Arbeitsplatzvernichtung angek&#252;ndigt: der Pharmakonzern Merck hat die   Vernichtung von 13 Prozent seiner Arbeitspl&#228;tze angek&#252;ndigt, 3.600   Post&#228;mter sollen geschlossen werden, die Buchhandelskette Borders   schlie&#223;t alle L&#228;den und der Flugzeugbauer Lockheed Martin will 6.500   Jobs streichen.<\/p>\n<p>  Im Haushaltsstreit hat Obama weitgehend vor den Republikanern und ihrem   durchgeknallten &#8222;Tea-Party-Fl&#252;gel&#8220; kapituliert: Die Verschuldung soll   nicht dadurch bek&#228;mpft werden, dass die Steuergeschenke von   Amtsvorg&#228;nger Bush f&#252;r die Reichen wieder r&#252;ckg&#228;ngig gemacht werden,   sondern ausschlie&#223;lich durch K&#252;rzungen bei den Ausgaben &#8211; die vor allem   die arbeitende Bev&#246;lkerung betreffen werden. Damit wird nicht nur die   staatliche Nachfrage als Wachstumsmotor ausfallen, auch die Masse der   Bev&#246;lkerung wird immer mehr erkennen m&#252;ssen, dass die wirtschaftlichen   Probleme seit 2008 kein Ausrutscher sind, sondern sie auf Dauer in   wirtschaftlich k&#228;lteren Zeiten leben. Damit wird auch der private Konsum   mittelfristig schwach sein.<\/p>\n<p>  Das Gezerre um den Haushaltskompromiss hat auch kein Vertrauen   gestiftet. Laut einer am Mittwoch ver&#246;ffentlichten Umfrage des   internationalen Marktforschungsinstituts Ipsos sind 73 Prozent der   Amerikaner der Meinung, die USA bef&#228;nden sich derzeit auf dem falschen   Weg. 53 Prozent sehen die aktuelle Entwicklung in der Schuldenkrise   negativ. Nur 38 Prozent bef&#252;rworteten den Kompromiss zwischen   Republikanern und Demokraten zur Anhebung der Schuldenobergrenze.<\/p>\n<p>  Die USA d&#252;rften als Wachstumsmotor f&#252;r die Weltwirtschaft weiter   ausfallen. Der bekannte &#214;konom Nouriel Roubini schrieb in der &#8222;Financial   Times Deutschland&#8220;: &#8222;Die j&#252;ngsten Daten der USA sind miserabel: Es   wurden kaum Arbeitspl&#228;tze geschaffen, das Wachstum ist schwach, Konsum   und Produktion stagnieren. Der H&#228;usermarkt liegt weiterhin am Boden. Das   Vertrauen der Verbraucher, Unternehmen und Anleger sinkt und wird jetzt   noch weiter fallen.&#8220;<\/p>\n<h4>  Schuldenkrise der Eurozone<\/h4>\n<p>  Das andere Problemfeld, das zur aktuellen Finanzmarkkrise f&#252;hrte, war   die Schuldenkrise der Eurozone. Am 21. Juli einigten sich die   europ&#228;ischen Regierungen auf ein neues Rettungspaket f&#252;r &#8222;Griechenland&#8220;   (d.h. f&#252;r die Banken, die dem griechischen Staat Geld geliehen haben).   Die Politiker diskutierten &#252;ber Griechenland und meinten Spanien und   Italien. Denn die entscheidende Frage bei der Schuldenkrise sind nicht   die kleinen L&#228;nder Griechenland, Irland und Portugal, sondern Spanien   und Italien, immerhin die viert- und die drittgr&#246;&#223;ten Volkswirtschaften   der Eurozone.<\/p>\n<p>  Dass dort das wirkliche Gefahrenpotenzial liegt, ist diese Woche quasi   offiziell geworden, als die Europ&#228;ische Zentralbank begann, italienische   und spanische Staatsanleihen aufzukaufen, um damit ihren Preis   hochzutreiben und im Gegenzug ihre Umlaufrendite (also die Zinsen, die   Italien und Spanien f&#252;r ihre Staatsschulden zahlen m&#252;ssen) zu dr&#252;cken.<\/p>\n<p>  Im Mai 2010 hatte die EZB mit dem Kauf griechischer, portugiesischer und   irischer Staatsanleihen begonnen und bis Februar 2011 77,5 Milliarden   Euro daf&#252;r verwendet. Nach dem EU-Beschluss von 21. Juli sollte diese   Aufgabe an den Euro-Rettungsfonds EFSF &#252;bertragen werden. Aber es wird   noch Monate dauern, bis dieser Beschluss nach der Sommerpause die   Parlamente passiert hat und rechtskr&#228;ftig geworden ist. Da die Krise   nicht so lange warten wollte, wurde die EZB erneut t&#228;tig. Von der   &#8222;Financial Times Deutschland&#8220; befragte Fachleute sch&#228;tzten, dass die EZB   mindestens 100 Milliarden Euro einsetzen m&#252;sste (einzelne sprachen sogar   von 250 Milliarden), um eine Wirkung zu erzielen. Immerhin m&#252;ssen   Italien und Spanien in den n&#228;chsten 18 Monaten 840 Milliarden Euro f&#252;r   Zinsen und Tilgungen aufbringen. Bisher hat die EZB aber erst wenige   Milliarden Euro verwendet.<\/p>\n<p>  Bedingung f&#252;r die EZB-Intervention war das Versprechen der italienischen   Regierung, den Sozialkahlschlag zu versch&#228;rfen. Berlusconi versicherte,   den Haushalt schon 2013 ausgleichen zu wollen. (Spaniens   Sozialkahlschlagpl&#228;ne stellten die EZB bereits zufrieden.) Dabei ist   Griechenland das beste Beispiel, dass diese Politik nicht nur Millionen   Menschen ins Elend st&#252;rzt, sondern auch die wirtschaftlichen Probleme   nicht l&#246;st. Die K&#252;rzungspakete trieben das Land in die Depression, das   BIP schrumpfte 2010 um 4,5 Prozent, f&#252;r dieses Jahr wird ein weiteres   Schrumpfen um 3,5 Prozent erwartet. Das f&#252;hrt nat&#252;rlich zu geringeren   Steuereinnahmen und zus&#228;tzlichen Ausgaben f&#252;r den Staat. Wenn das   Bruttoinlandsprodukt schrumpft, ist der Anteil der Schulden am BIP   h&#246;her. So sollen die Ma&#223;nahmen vom 21. Juli dazu f&#252;hren, dass der Anteil   der Schulden am BIP nur auf 148 Prozent ansteigt. Das sollten aber schon   die Rettungspakete vom letzten Jahr bewirken. Die negative   Wirtschaftsentwicklung des letzten Jahres f&#252;hrte aber dazu, dass ein   Anstieg auf 172 Prozent (Pessimisten erwarteten 196-200 Prozent) drohte.   Die neuen Beschl&#252;sse sollten also nur dazu dienen, die alte Obergrenze   doch noch einzuhalten &#8211; um den Preis, die Ma&#223;nahmen zeitlich zu   strecken, also die griechische Bev&#246;lkerung zus&#228;tzliche zehn bis zwanzig   Jahre in die Sozialkahlschlags-Folterkammer zu stecken. Eine   Vorstellung, deren Grausamkeit nur von ihrer Realit&#228;tsferne &#252;bertroffen   wird.<\/p>\n<p>  Dabei wuchs die spanische Wirtschaft im II. Quartal bereits nur um 0,7   Prozent gegen&#252;ber dem II. Quartal 2010. In Italien wuchs die Industrie   im Juni nur um 0,2 Prozent gegen&#252;ber dem Vorjahresmonat. In Spanien und   Irland war die Wirtschaft 2010 geschrumpft, f&#252;r dieses Jahr war ein   leichtes Wachstum vorausgesagt worden. Angesichts der sich   abschw&#228;chenden Weltwirtschaft kann man davon ausgehen, dass in mehreren   Euro-L&#228;ndern dieses Jahr die Wirtschaft schrumpfen wird.<\/p>\n<p>  Welche Auswirkungen die Schuldenkrise auf die Banken hat, bleibt   abzuwarten. Die letzten Tage ist die wechselseitige Kreditvergabe der   Banken wieder auf ein Niveau wie nach der Lehman-Pleite zur&#252;ckgegangen.   Die europ&#228;ischen Banken wollen einander kein Geld mehr verleihen, da sie   nicht wissen, wie viele fragw&#252;rdige Staatsanleihen die anderen Banken   mit sich herumschleppen. Sie deponieren Gelder lieber bei der EZB bzw.   m&#252;ssen ben&#246;tigte Gelder dort leihen. Ein Faktor bei den erneuten   Aktienkurseinbr&#252;chen vom Mittwoch waren Sorgen, dass (vor allem   franz&#246;sische) Banken von der griechischen Schuldenkrise stark getroffen   sein k&#246;nnten. Banken-Aktien brachen besonders ein.<\/p>\n<h4>  Eurokrise<\/h4>\n<p>  Die Schuldenkrise der Eurozone ist aber zugleich eine Krise des Euro.   Wenn Teile der Eurozone durch Kahlschlagpolitik in die Rezession   getrieben werden und andere (Deutschland, die Niederlande u.a.) durch   hohe Exporte eine Sonderkonjunktur haben, steigert das die Spannungen in   der Eurozone.<\/p>\n<p>  Die SAV hat niemals erwartet, dass der Euro dauerhaft funktionieren   werde. Gro&#223;e kapitalistische L&#228;nder mit konkurrierenden nationalen   Kapitalistenklassen k&#246;nnen nicht auf Dauer eine gemeinsame W&#228;hrung   haben. Das d&#228;mmert inzwischen auch den europ&#228;ischen Politikern und sie   versuchen Schritte hin zu einem gemeinsamen europ&#228;ischen Bundesstaat zu   ergreifen. Auch beim Euro-Krisengipfel am 21. Juli wurden derartige   Schritte vereinbart, zum Beispiel die &#220;bertragung von Kompetenzen an den   Euro-Rettungsschirm EFSF. Der Haken ist, dass sie einer &#220;berwindung des   Nationalstaats nicht in der Lage sind. In Zeiten von Wirtschaftswachstum   waren Schritte in diese Richtung m&#246;glich und fanden auch im Rahmen der   EU statt. Aber es blieb bei Schritten, die nicht zu dem qualitativen   Sprung der &#220;berwindung der Nationalstaaten wurden und auch nicht werden   konnten. Und jetzt, in Zeiten der Krise, ist eher mit dem Aufbrechen von   nationalen Konflikten zwischen und sogar innerhalb der bestehenden   Nationalstaaten zu rechnen. Man schaue nur Belgien an, wo es seit &#252;ber   400 Tagen keine Regierung gibt, weil fl&#228;mische Nationalisten einen neuen   Staatsvertrag fordern, der die Verteilung der Kompetenzen &#8211; und der   finanziellen Mittel! &#8211; zwischen den Regionen neu regeln soll. Auf so   etwas kann man sich vielleicht einigen, wenn es um die Verteilung von   Zuw&#228;chsen gehen soll. Aber in Krisenzeiten&#8230;<\/p>\n<p>  Was in einem bestehenden Staat &#8211; Belgien &#8211; zu einer politischen L&#228;hmung   f&#252;hrt, ist im Rahmen der Eurozone oder der EU erst Recht nicht   realistisch. Tats&#228;chlich kommen bei jeder einzelnen Ma&#223;nahme nationale   Interessengegens&#228;tze zum Ausdruck. Bei dem Krisengipfel am 21. Juli   bestand Merkel auf einer Beteiligung des Privatsektors, um die   Beschl&#252;sse der deutschen Bev&#246;lkerung besser verkaufen zu k&#246;nnen. Die   &#8222;Beteiligung&#8220; bedeutet, dass Anleger freiwillig auf 20 Prozent des Werts   der griechischen Staatsanleihen verzichten, die auf dem Markt ohnehin 40   Prozent unter ihrem Nennwert gehandelt werden &#8211; kein schlechtes   Gesch&#228;ft. Die EZB lehnte das ab, da die M&#228;rkte das als teilweise   Zahlungsunf&#228;higkeit werten w&#252;rden und es einen Pr&#228;zedenzfall f&#252;r die   Schulden anderer L&#228;nder schaffen w&#252;rde. Merkel setzte sich durch. Jetzt   waren Diskussionen, f&#252;r welche griechischen Staatsanleihen diese private   Beteiligung gelten solle &#8211; f&#252;r solche mit Laufzeit bis 2020 oder auch   f&#252;r solche mit Laufzeit bis z.B. 2024 &#8211; ein weiterer Ausl&#246;ser f&#252;r die   Kurseinbr&#252;che am Mittwoch.<\/p>\n<p>  Auch die EZB-Aufk&#228;ufe spanischer und italienischer Staatsanleihen waren   umstritten. Neben Bundesbank-Chef Weidmann scheinen auch sein   niederl&#228;ndischer und luxemburgischer Kollege Opposition gemacht zu haben.<\/p>\n<p>  Ob die Beschl&#252;sse vom 21. Juli tats&#228;chlich in allen 17 Euro-Staaten von   den Parlamenten gebilligt werden, ist keineswegs sicher &#8211; und auch dann   w&#252;rden sie kein grundlegendes Problem l&#246;sen.<\/p>\n<h4>  China<\/h4>\n<p>  Ein entscheidender Faktor f&#252;r die Wirtschaftsaussichten ist die   Entwicklung in China. In den letzten Jahren hat China die Rolle als   Motor der Weltwirtschaft gespielt, die vorher die USA einnahm. 2007 bis   2010 trug China so viel zum weltweiten BIP-Wachstum bei wie die   G7-L&#228;nder (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Britannien, Italien und   Kanada) zusammen. Die chinesische Nachfrage verschaffte Industriel&#228;ndern   wie Deutschland Auftr&#228;ge, aber auch Rohstoffexporteuren wie Australien,   Brasilien und Indonesien. Letztes Jahr wuchs das chinesische BIP um 10,3   Prozent, f&#252;r dieses Jahr erwartet der IWF 9,6 Prozent. Es gibt aber   Hinweise auf eine Abschw&#228;chung der Wirtschaft.<\/p>\n<p>  Aber trotzdem ist die Weltwirtschaftskrise ab 2008 keineswegs spurlos an   China vorbeigegangen. Im Gegenteil war China wegen seiner hohen   Exportabh&#228;ngigkeit massiv betroffen. Das chinesische Regime startete ein   umfangreiches Konjunkturprogramm. Die staatlichen Banken wurden   angewiesen, den Geldhahn aufzudrehen. Das Ergebnis war ein gigantischer   Bauboom. 35 Prozent der weltweiten (und 70 Prozent der chinesischen)   Stahlproduktion werden gerade in der chinesischen Bauwirtschaft   verbraucht. Ein betr&#228;chtlicher Teil der Kredite ging auch in die   Immobilienspekulation, wo eine Spekulationsblase entstand, die fr&#252;her   oder sp&#228;ter platzen wird.<\/p>\n<p>  Der Staat versucht inzwischen, den Kredithahn wieder zuzudrehen: Der   Wirtschaftsboom f&#252;hrte zu einem Anstieg der Inflation (im Juli 6,5   Prozent). Die Staatsschulden erreichen mittlerweile 89 Prozent des BIP   (&#228;hnlich wie in Portugal).<\/p>\n<p>  Das Problem ist aber, dass Leitzinserh&#246;hungen produktive Investitionen   behindern, w&#228;hrend Spekulanten (zu denen chinesische Staatsbetriebe und   von Kommunen gegr&#252;ndete Investmentfirmen geh&#246;ren) im   Schattenbankensektor Kredite zu hohen Zinsen aufnehmen k&#246;nnen und sie   bezahlen k&#246;nnen, so lange der Spekulationsboom anh&#228;lt. Wenn die Blase   platzt, wird der Staat vor der Wahl stehen, sie mit unabsehbaren   sozialen Folgen pleite gehen zu lassen oder mit Rettungsprogrammen   einzuspringen.<\/p>\n<p>  So oder so wird China seine Rolle als Motor der Weltwirtschaft nicht   mehr lange spielen k&#246;nnen. Wann das eintritt, l&#228;sst sich nicht   vorhersagen. Wenn es eintritt, wird es drastische Folgen f&#252;r L&#228;nder wie   Deutschland oder Brasilien haben, die vom chinesischen Boom besonders   profitierten.<\/p>\n<p>  Aber der chinesische Boom zeigte auch, dass der Kapitalismus im   Aufschwung m&#246;glicherweise weniger schlecht f&#252;r die arbeitende   Bev&#246;lkerung ist als in der Krise, aber keineswegs gut. So war er mit   deutlichen Preissteigerungen verbunden. Selbst die gesch&#246;nten amtlichen   Statistiken gaben den Anstieg der Nahrungsmittelpreise mit 14 Prozent an.<\/p>\n<h4>  Gegenma&#223;nahmen?<\/h4>\n<p>  Da die gegenw&#228;rtige Krise eine direkte Folge der staatlichen   Gegenma&#223;nahmen gegen die Krise 2008\/09 sind, ist ein staatliches   Gegensteuern im Rahmen des Kapitalismus nur begrenzt m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Manche Wirtschaftsexperten fordern von der US-Notenbank eine dritte   Runde der quantitativen Lockerung. 2009 hatte sie auf diese Weise (durch   den Aufkauf von Wertpapieren) 1.700 Milliarden Dollar in die Wirtschaft   gepumpt, in der zweiten Runde November 2010 bis Juni 2011 weitere 600   Milliarden Dollar. Aber bei einer dritten Runde k&#246;nnten L&#228;nder wie China   aus Angst vor Inflation mit Zinserh&#246;hungen reagieren oder L&#228;nder wie   Japan und die Schweiz Gegenma&#223;nahmen gegen einen dann noch st&#228;rker   fallenden Dollarkurs ergreifen.<\/p>\n<p>  Die M&#246;glichkeiten der Zinssenkungen durch Notenbanken sind begrenzt, da   sie in L&#228;ndern wie den USA und Japan ohnehin nahe Null sind. Und   &#252;berhaupt: was n&#252;tzen niedrige Zentralbankzinsen, wenn sie nur mit hohen   Risikozuschl&#228;gen von den Banken weitergereicht werden?<\/p>\n<p>  Die letzte Krise brach aus, weil die aufget&#252;rmten Schuldenberge,   angefangen mit den subprime-Immobilienkrediten in den USA, einzust&#252;rzen   drohten. Die Reaktion bestand darin, ihnen mit Staatsschulden ein   breiteres Fundament zu geben, um sie noch h&#246;her auft&#252;rmen zu k&#246;nnen.   Nachdem inzwischen immer mehr staatliche Schuldenberge einzust&#252;rzen   drohen, fordern manche &#214;konomen, dass jetzt die Staaten, die ihre   Schuldenberge noch h&#246;her bauen k&#246;nnen, das machen sollen. So schreibt   Roubini: &#8222;Die gr&#246;&#223;te Hoffnung besteht darin, dass diejenigen L&#228;nder, die   den Zugang zum Markt noch nicht eingeb&#252;&#223;t haben &#8211; die USA,   Gro&#223;britannien, Japan und Deutschland &#8211; neue, kurzfristige   Konjunkturprogramme auflegen und sich gleichzeitig mittelfristig zum   Sparen verpflichten. Die Herunterstufung der USA wird die Forderungen   nach kleineren Haushalten befeuern, aber speziell die USA sollten sich   verbindlich darauf festlegen, erst mittelfristig betr&#228;chtliche   Einschnitte vorzunehmen und nicht unmittelbar, wenn Haushaltsk&#252;rzungen   das Wachstum verlangsamen und die Defizite verschlimmern w&#252;rden.&#8220;<\/p>\n<p>  Es sollte klar sein, dass das nur einen kurzfristigen Aufschub bedeuten   w&#252;rde und als Folge dann auch in L&#228;ndern wie den USA oder der BRD   griechische Verh&#228;ltnisse einkehren w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Eine Variante dieser Idee ist die Forderung, die bestehenden nationalen   Staatsanleihen durch Eurobonds zu ersetzen oder sie mit ihnen zu   kombinieren. Die deutsche Regierung wird sich mit H&#228;nden und F&#252;&#223;en   dagegen wehren, weil der deutsche Staat dann h&#246;here Zinsen f&#252;r seine   Schulden zahlen m&#252;sste. Aber abgesehen davor w&#228;re es nur eine Frage der   Zeit, wann auch Eurobonds einen so fragw&#252;rdigen Ruf wie griechische   Staatsanleihen h&#228;tten.<\/p>\n<p>  Eine sympathischere Idee ist, die Haushaltsl&#246;cher nicht mit   Sozialkahlschlag sondern mit einer st&#228;rkeren Besteuerung der Reichen zu   bek&#228;mpfen. Es ist auff&#228;llig, dass sowohl Standard &amp; Poor&#8217;s seine   erfolgte als auch Moody&#8217;s seine m&#246;gliche k&#252;nftige Herabstufung der   US-Staatsanleihen damit begr&#252;ndeten, dass nach dem   US-Haushaltskompromiss nicht mehr mit einer R&#252;cknahme der   Steuersenkungen der Bush-Regierung f&#252;r Reiche zu rechnen sei. Die   Argumentation hinter solchen Forderungen, wie sie auch von Linken   vertreten werden, ist, dass die Reichen einen betr&#228;chtlichen Teil ihres   Einkommens sparen, w&#228;hrend die Masse der Bev&#246;lkerung den gr&#246;&#223;ten Teil   f&#252;r Konsum verwendet und damit die Wirtschaft ankurbelt. Deshalb   schw&#228;cht es den Konsum weniger, wenn der Staat den Reichen Geld   wegnimmt. Der Haken an dieser Argumentation ist, dass es nicht um   irgendwelche Reichen geht, sondern um Kapitalisten. Im Kapitalismus ist   die Profitmaximierung der Motor des Wirtschaftssystems. Deshalb bedeutet   eine st&#228;rkere Besteuerung der Reichen eine Verringerung der Profite der   Kapitalisten, die den Wirtschaftsmotor zum Stocken bringt. Das Problem   l&#228;sst sich nur l&#246;sen, indem die Produktionsmittel verstaatlicht und   demokratisch kontrolliert werden. Dann kann man den kapitalistischen   Motor der Wirtschaft durch einen sozialistischen ersetzen und die   Produktion gem&#228;&#223; den Bed&#252;rfnissen der Menschen und der Umwelt   organisieren. Und dann kann man gerne auch eventuelle verbliebene   Privatverm&#246;gen (Gem&#228;ldesammlungen, Privatjachten etc.) der Kapitalisten   angemessen besteuern.<\/p>\n<p>  Es ist utopisch, dass L&#228;nder wie Griechenland ihre Schulden jemals   zur&#252;ckzahlen werden. Warum sollten wir das auch bef&#252;rworten? Erst zahlen   die Kapitalisten keine angemessenen Steuern, dann leiht der Staat bei   den Kapitalisten das Geld, das sie ihm nicht als Steuern gezahlt haben,   dann setzt er das Geld f&#252;r Politik im Interesse der Kapitalisten ein,   dann zahlt er ihnen hohe Zinsen daf&#252;r &#8211; und dann soll er es ihnen auch   noch zur&#252;ck zahlen? Sonst noch was? Die einzige realistische L&#246;sung der   Schuldenkrise ist die Nichtzahlung der Schulden und die Verstaatlichung   des Finanzsektors unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch   die arbeitende Bev&#246;lkerung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Drastische Kurseinbr&#252;che an den B&#246;rsen weisen auf Gefahr weltweiter<br \/>\n      Rezession hin\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14378"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14378"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14378\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14378"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14378"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14378"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}