{"id":14368,"date":"2011-08-03T00:00:00","date_gmt":"2011-08-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14368"},"modified":"2011-08-03T00:00:00","modified_gmt":"2011-08-03T00:00:00","slug":"14368","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14368\/","title":{"rendered":"Internationale Schulung des CWI: Krise des Weltkapitalismus, Revolution \r\n      und Konterrevolution"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht von Diskussionen zu Nordafrika und zur internationalen Lage<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Fast 400 SozialistInnen aus 33 L&#228;ndern kamen Ende Juli zur   Sommerschulung des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale (englische   Abk&#252;rzung: CWI) in Belgien zusammen. Dies war die gr&#246;&#223;te Schulung, die   das CWI jemals durchgef&#252;hrt hat. TeilnehmerInnen kamen aus ganz Europa,   den USA, Qu&#233;bec, Brasilien, Bolivien, Venezuela. Nigeria, Malaysia,   Indien, Israel, Tunesien, dem Libanon, Australien und aus Hongkong.<\/p>\n<p>  Dieser Artikel fasst die Debatten zur Revolution in der arabischen Welt   und zur Weltlage zusammen.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic<\/i><\/h4>\n<p>  Nial Mulholland vom Internationalen Sekretariat des CWI leitete die   Diskussion zur Lage der Weltwirtschaft und den internationalen   Beziehungen ein. Er betonte, dass auch vielen pro-kapitalistischen   Kommentatoren mittlerweile klar geworden ist, dass die Weltwirtschaft   sich nicht in einer neuen Periode des Aufschwungs befindet, sondern die   Krise, die 2007\/08 ausbrach, tats&#228;chlich nicht vor&#252;ber ist.<\/p>\n<p>  Er erkl&#228;rte, dass der Kapitalismus in eine Niedergangsphase eingetreten   ist, in der es zwar weiterhin konjunkturelle Aufs und Abs gibt, die aber   von einer grundlegenden Tendenz der Stagnation gekennzeichnet ist.<\/p>\n<p>  Die gesamte Welt ist von dieser &#246;konomischen Krise betroffen. W&#228;hrend   die Masse der Arbeitenden und Armen die Lasten der Krise tragen m&#252;ssen,   nimmt der Reichtum der herrschenden Klassen weiter zu. Im Jahr 2010   stiegen die Boni der Top-Manager in den USA um 38 Prozent, w&#228;hrend 45   Millionen US-Amerikaner, fast ein Siebtel der Bev&#246;lkerung, auf   Nahrungsmittelzusch&#252;sse angewiesen sind, um zu &#252;berleben. Allein in   diesem Jahr sind aufgrund des Preisanstiegs f&#252;r Nahrungsmittel   zus&#228;tzliche 44 Millionen Menschen in Armut geraten, 205 Millionen   Erwerbst&#228;tige sind erwerbslos &#8211; 27 Millionen mehr als 2007 vor Ausbruch   der Krise.<\/p>\n<p>  Die Bankenrettungs- und Konjunkturprogramme, mit denen kapitalistische   Regierungen auf die Krise reagierten, konnten zwar eine tiefe Depression   wie in den 1930er Jahren verhindern, stellen aber keine L&#246;sung f&#252;r die   Probleme des Weltkapitalismus dar. Nun ist die Krise in eine Periode der   Staatsschuldenkrise getreten, deren dramatischste Auswirkungen in Europa   zu beobachten sind. Aber auch der Konflikt zwischen Republikanern und   Demokraten in den USA &#252;ber die Frage des Staatshaushalts ist ein Zeichen   f&#252;r die Instabilit&#228;t der Weltlage und die drohende Gefahr einer neuen   weltweiten Rezession. Auf der CWI-Sommerschulung wurde eine Einigung   zwischen den beiden US-amerikanischen Unternehmerparteien erwartet, aber   auch darauf hingewiesen, dass der Internationale W&#228;hrungsfonds davor   warnte, dass schon eine Vertrauenskrise in die Zahlungsf&#228;higkeit der USA   eine neue internationale Rezession ausl&#246;sen k&#246;nne.<\/p>\n<p>  SozialistInnen aus Hongkong sprachen &#252;ber den Zustand der chinesischen   Wirtschaft. Diese war durch ein gigantisches Konjunkturprogramm einer   Krise entkommen und spielt seitdem eine wichtige Rolle, die   Weltwirtschaft zu st&#252;tzen, da der chinesische Markt gro&#223;e Mengen an   Rohstoffen aufnimmt. Nicht zuletzt das Wirtschaftswachstum in   Lateinamerika basiert auf steigenden Exporten nach China. Die andere   Seite der Medaille ist aber, dass billige Importwaren die   lateinamerikanische Konsumg&#252;terindustrie untergraben und es faktisch   einen Prozess der Deindustrialisierung in L&#228;ndern wie Brasilien gibt.<\/p>\n<p>  Aber auch China ist nicht immun gegen die weltweiten Krisenprozesse. Die   Verschuldung der chinesischen Kommunen liegt bei vierzig Prozent der   Wirtschaftsleistung, es gibt eine riesige Immobilienblase. Diese   Faktoren k&#246;nnen auch in China Ausl&#246;ser eines Wirtschaftsabschwungs sein,   der weltweite Auswirkungen h&#228;tte.<\/p>\n<h4>  Umweltfragen<\/h4>\n<p>  Nial Mulholland und weitere Redner betonten die Bedeutung der   Umweltfrage f&#252;r die weltweiten Entwicklungen. Trotz der Katastrophe von   Fukushima werden weltweit neue Atomkraftwerke gebaut. Gleichzeitig nimmt   der Treibhauseffekt weiter zu und die n&#246;tige Reduzierung von   Treibhausgase um vierzig Prozent in den n&#228;chsten zehn Jahren ist auf   kapitalistischer Basis unerreichbar. Die Notwendigkeit einer   demokratischen Wirtschaftsplanung zur L&#246;sung der Umweltprobleme wurde   von verschiedenen RednerInnen betont.<\/p>\n<p>  Der Kapitalismus in der Krise wird auch nicht in der Lage sein, die   milit&#228;rischen Konflikte in Afghanistan und anderswo zu l&#246;sen. Der Abzug   von 33.000 US-Soldaten aus Afghanistan markiert nicht das Ende der   Besatzung. W&#228;hrend die imperialistischen Staaten in Afghanistan und im   Irak in einen Sumpf gezogen wurden, aus dem sie kaum heraus kommen,   nehmen auch die Konflikte zwischen imperialistischen M&#228;chten zu. Dies   kann auch die Form von Stellvertreterkonflikten annehmen &#8211;   m&#246;glicherweise zwischen Pakistan und Indien. Die Herrschenden Pakistans   haben ihre Beziehungen zu China ausgebaut, w&#228;hrend Indien weiterhin eng   an die USA gebunden ist.<\/p>\n<h4>  Klassenk&#228;mpfe<\/h4>\n<p>  Eine Folge der Krise ist auch die Zunahme von K&#228;mpfen der Arbeiterklasse   in vielen Teilen der Welt, nicht nur in S&#252;deuropa. Tom Crean aus den USA   berichtete von der Massenbewegung gegen K&#252;rzungen und Angriffe auf   Gewerkschaftsrechte in Wisconsin, wo sich die DemonstrantInnen direkt   auf die Revolutionen in Nordafrika bezogen. Er konnte auch berichten,   dass durch eine entschlossene Beteiligung der Mitglieder von Socialist   Alternative eine neue Ortsgruppe in Wisconsin gegr&#252;ndet wurde.<\/p>\n<p>  Eine besondere Rolle spielte der Streik der &#214;larbeiter in Kasachstan auf   der CWI-Sommerschulung. Der Europaabgeordnete f&#252;r die irische Socialist   Party, Paul Murphy, berichtete von seinem Besuch bei den Streikenden und   der neu gegr&#252;ndeten &#8222;Sozialistischen Bewegung Kasachstan&#8220;, in der   CWI-Mitglieder eine wichtige Rolle spielen. Der Besuch war ein wichtiger   Beitrag zur Unterst&#252;tzung des Streiks und wurde in der unabh&#228;ngigen   kasachischen Presse t&#228;glich kommentiert. Unter dem entstehenden Druck   musste das Management einem Treffen mit der Delegation aus dem   Europaparlament zustimmen. Die Bosse waren sichtlich &#252;berrascht, dass   sie es nicht mit einem typischen Politiker zu tun hatten, sondern einem   Arbeitervertreter, der kompromisslos die Forderungen der Streikenden   vortrug und ihnen mit einer weltweiten Solidarit&#228;tskampagne f&#252;r den   Streik drohte.<\/p>\n<h4>  Revolution in Nordafrika<\/h4>\n<p>  In einer weiteren Plenumsdebatte sprach Robert Bechert &#252;ber die   Ereignisse in Nordafrika und dem Nahen Osten. Er betonte, dass die   Revolutionen nicht vorbei sind, es sich aber auch um einen Prozess von   Revolution und Konterrevolution handelt, welcher aufgrund des Fehlens   starker sozialistischer Kr&#228;fte kompliziert und in die L&#228;nge gezogen   verl&#228;uft.<\/p>\n<p>  Er betonte, dass die Revolutionen in &#196;gypten und Tunesien nicht nur   gegen die mittlerweile gest&#252;rzten Diktatoren Mubarak und Ben Ali   gerichtet waren, sondern auch um soziale Rechte, einen besseren   Lebensstandard etc. gingen. Nachdem die Freude &#252;ber den Sturz der   Despoten nun der Realisierung, dass sich die grundlegenden Verh&#228;ltnisse   nicht &#228;ndern, gewichen ist, nehmen in diesen L&#228;ndern die   Massenmobilisierungen wieder zu.<\/p>\n<p>  Robert Bechert erkl&#228;rte, dass das CWI f&#252;r ein Programm der   Arbeitereinheit und der Bildung von Regierungen der ArbeiterInnen und   armen Bauernschaft eintritt, die mit dem Kapitalismus brechen m&#252;ssen.   Das unterscheidet das CWI von anderen linken Kr&#228;ften, die in der   jetzigen Phase der Revolution nur eine &#8222;demokratische Etappe&#8220; sehen und   eine Zusammenarbeit mit b&#252;rgerlich-liberalen Kr&#228;ften praktizieren,   dadurch aber den Kampf der Arbeiterklasse f&#252;r ihre Interessen in den   Hintergrund schieben. Er legte die Grundz&#252;ge eines sozialistischen   &#220;bergangsprogramms dar, das an dem bestehenden Bewusstsein der Massen   ankn&#252;pfend die Frage der &#220;berwindung des Kapitalismus auf die   Tagesordnung setzen kann.<\/p>\n<p>  Ein Redner aus Tunesien sagte, die Massen versuchten gerade Trotzkis   permanente Revolution umzusetzen, ohne jemals etwas von ihm gelesen zu   haben. Eine CWI-Genossin, die in den letzten Monaten mehrmals &#196;gypten   besucht hatte, berichtete von den Versuchen des Milit&#228;rrats die Lage   durch eine Politik von Zuckerbrot und Peitsche unter Kontrolle zu   bringen. Die Milit&#228;rs pr&#228;sentieren sich als Schutzmacht der Revolution,   versprechen eine Repr&#228;sentierung von Arbeitern und Bauern in einem   zuk&#252;nftigen Parlament, die Einf&#252;hrung des Wahlrechts ab 25 Jahren (statt   bisher 30 Jahre) und gleichzeitig gehen sie gegen DemonstrantInnen auf   dem Tahrir-Platz und gegen Streiks vor.<\/p>\n<p>  Die Ereignisse in Libyen und Syrien wurden ebenfalls diskutiert und   untersucht, weshalb die revolution&#228;ren Massenproteste in diesen L&#228;ndern   anders verlaufen, als in &#196;gypten und Tunesien. Bechert erkl&#228;rte, dass   die Regimes von Gaddafi und Assad aufgrund sozialer Errungenschaften der   Vergangenheit unter Teilen der Bev&#246;lkerung noch eine gewisse Basis   hatten.<\/p>\n<p>  Die libyschen Rebellen im Osten des Landes hatten kein Programm, um die   Massen im Westen zu &#252;berzeugen, sondern entfremdeten Teile der libyschen   Bev&#246;lkerung durch die Verwendung der alten monarchistischen Flagge und   der Kooperation mit westlichen imperialistischen Staaten. In Syrien   hatten die Proteste noch nicht die Metropolen Damaskus und Aleppo   erreicht, was sich aber gerade zu &#228;ndern scheint.<\/p>\n<p>  TeilnehmerInnen aus Israel berichteten von den Auswirkungen der   revolution&#228;ren Ereignisse auf Pal&#228;stina und auf Israel. In Pal&#228;stina   hatten Massenproteste den Druck auf Hamas und Fatah in einem solchen   Ma&#223;e erh&#246;ht, dass diese eine Einheitserkl&#228;rung abgeben mussten. Aus   Israel berichteten mehrere TeilnehmerInnen von der enormen sozialen   Polarisierung und der Bewegung gegen die hohen Mieten, die in Form von   Zeltst&#228;dten das ganze Land erfasst hat.<\/p>\n<p>  Die Teilnahme von AktivistInnen aus verschiedenen L&#228;ndern der Region   markiert einen wichtigen Fortschritt beim Aufbau des CWI. Die vielen   Augenzeugenberichte halfen allen TeilnehmerInnen ihr Verst&#228;ndnis von den   revolution&#228;ren Ereignissen zu vertiefen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Fotos: <a href=\"https:\/\/picasaweb.google.com\/102458489215897250915\/CWISommerschulung2011\">hier   klicken<\/a>.<\/p>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht von Diskussionen zu Nordafrika und zur internationalen Lage\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[103],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14368"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14368"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14368\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}