{"id":14363,"date":"2011-07-27T16:00:00","date_gmt":"2011-07-27T16:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14363"},"modified":"2011-07-27T16:00:00","modified_gmt":"2011-07-27T16:00:00","slug":"14363","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/07\/14363\/","title":{"rendered":"&#8222;Gro&#223;familien leben vom Einkommen eines Arbeiters&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Besch&#228;ftigte der &#214;lindustrie Kasachstans seit &#252;ber zwei Monaten im   Streik. Ein Gespr&#228;ch mit Paul Murphy<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>Sie waren in der vergangenen Woche als Delegierter der   GUE-NGL-Fraktion des Europaparlaments in Kasachstan. Welche Erfahrungen   haben Sie dort gemacht?<\/b><\/h4>\n<p>  Kasachstan ist ein Land unglaublicher Widerspr&#252;che. Auf der einen Seite   hat es einen enormen Reichtum an Rohstoffen wie &#214;l, Gas, Kohle und   seltenen Erden. Auf der anderen Seite herrscht bei der gro&#223;en Mehrheit   der Bev&#246;lkerung unfassbare Armut. Das ist der Hintergrund f&#252;r den zur   Zeit stattfindenden zentralen Konflikt: Seit mehr als zwei Monaten sind   die Arbeiter der gr&#246;&#223;ten kasachischen &#214;lgesellschaft, Kazmunai Gaz, in   der Region Mangistau Oblast im Westen Kasachstans im Streik. Ihnen ist   bewusst, da&#223; sie enorme Reicht&#252;mer f&#252;r das Unternehmen und den Staat   erwirtschaften &#8211; w&#228;hrend sie selbst unter miserablen Bedingungen leben.<\/p>\n<h4>  Wie ist die aktuelle Situation in diesem Arbeitskampf?<\/h4>\n<p>  Die Bedingungen sind extrem schwierig. Es gibt kein Streikgeld. Die   Menschen leben in absoluter Armut, weil ganze Gro&#223;familien vom Einkommen   eines Arbeiters leben m&#252;ssen. Dennoch sind die Besch&#228;ftigten   entschlossen, die Auseinandersetzung zu gewinnen.<\/p>\n<h4>  Was sind ihre zentralen Forderungen?<\/h4>\n<p>  Ausl&#246;ser des Konflikts war die Inhaftierung von Natalia Sokalowa, die   als Rechtsanw&#228;ltin f&#252;r die Arbeiter t&#228;tig ist. Ihr wird vorgeworfen,   Unruhe gestiftet zu haben. Sie k&#246;nnte zu einer Gef&#228;ngnisstrafe von bis   zu zehn Jahren verurteilt werden. Die Streikenden fordern ihre sofortige   Freilassung und ebenso die des inhaftierten Gewerkschaftsfunktion&#228;rs   Akschimat Amanow. W&#228;hrend des Konflikts wurden etwa 400 Besch&#228;ftigte   gefeuert. Eine zentrale Forderung ist ihre Wiedereinstellung und die   Zusicherung, dass die Streikenden nicht gema&#223;regelt werden. Zudem wollen   sie das Recht zur Gr&#252;ndung unabh&#228;ngiger Gewerkschaften durchsetzen &#8211;   unabh&#228;ngig von Staat und Unternehmen. Nicht zuletzt geht es um   Lohnerh&#246;hungen, die eigentlich vor zwei Jahren vereinbart, vom Konzern   aber mit fadenscheinigen Begr&#252;ndungen nicht umgesetzt wurden. Dar&#252;ber   wollen die Streikenden verhandeln, was das Management beharrlich ablehnt.<\/p>\n<h4>  Es gibt offizielle, vom Staat anerkannte Gewerkschaften. Haben diese den   Streik organisiert?<\/h4>\n<p>  Nein, die F&#252;hrer der offiziellen Gewerkschaft geben keinerlei   Unterst&#252;tzung, sondern bet&#228;tigen sich als Streikbrecher. Kein Wunder,   denn ein Ausl&#246;ser der Auseinandersetzung war, dass die   Gewerkschaftsmitglieder die alte F&#252;hrung mit gro&#223;er Mehrheit abgew&#228;hlt   haben &#8211; was vom Unternehmen aber nicht anerkannt wurde. Es gibt ein   sechsk&#246;pfiges, demokratisch gew&#228;hltes Streikkomitee &#8211; von dem allerdings   zwei Mitglieder, Natalia Sokalowa und Akschimat Amanow, im Gef&#228;ngnis   sitzen.<\/p>\n<h4>  Wie haben das Unternehmen und der Staat auf den Ausstand reagiert?<\/h4>\n<p>  Das diktatorische Regime und der &#214;lkonzern, der mehrheitlich in   staatlicher Hand ist, arbeiten bei der Repression eng zusammen. Es gibt   massive Einsch&#252;chterungsversuche, viele Arbeiter wurden entlassen.   Streikende berichten sogar von Morddrohungen gegen sie oder ihre   Familien. Die Polizei ist mehrfach brutal gegen die Besch&#228;ftigten   vorgegangen, zuletzt am 8. Juli bei der R&#228;umung des Kundgebungsplatzes   in Senaozen. In der gleichen Stadt sind etwa 300 Arbeiter und ihre   Familien aus Protest gegen die Inhaftierung Sokalowas in einen   Hungerstreik getreten, der l&#228;nger als 40 Tage angedauert hat. Bei der   R&#228;umung des Platzes durch die Polizei haben sich einige von ihnen mit   Benzin &#252;bergossen und gedroht, sich selbst anzuz&#252;nden. Das zeigt, wie   verzweifelt die Menschen sind.<\/p>\n<h4>  Was k&#246;nnen Gewerkschafter tun, um die Streikenden zu unterst&#252;tzen?<\/h4>\n<p>  Internationale &#214;ffentlichkeit ist entscheidend. Der Staat setzt alles   daran, die Weitergabe von Informationen zu verhindern und L&#252;gen zu   verbreiten. Ein Schlag f&#252;r das Regime war, da&#223; Sting sein Konzert am 4.   Juli in Astana aus Solidarit&#228;t mit den Streikenden abgesagt hat. Der   Regierung von Kasachstan ist ihr internationaler Ruf sehr wichtig.   Gewerkschafter und Linke in Europa k&#246;nnen daher eine gro&#223;e Rolle dabei   spielen, Druck aufzubauen. Der Konzern setzt darauf, die Besch&#228;ftigten   durch Hunger zur&#252;ck zur Arbeit zu zwingen. Das d&#252;rfen wir nicht zulassen.<\/p>\n<h5>  Paul Murphy ist Mitglied der Socialist Party und der Vereinigten   Linksallianz in Irland sowie der Fraktion der Vereinigten Linken im   Europ&#228;ischen Parlament (GUE-NGL).<\/h5>\n<h5>  Das Interview erschien zuerst in der Tageszeitung junge Welt. Es wurde   gef&#252;hrt von Herbert Wulff.<\/h5>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n<h4>  <\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Besch&#228;ftigte der &#214;lindustrie Kasachstans seit &#252;ber zwei Monaten im<br \/>\n      Streik. 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