{"id":14358,"date":"2011-07-20T10:00:00","date_gmt":"2011-07-20T08:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14358"},"modified":"2012-06-24T16:38:54","modified_gmt":"2012-06-24T14:38:54","slug":"14358","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/07\/14358\/","title":{"rendered":"Euro- und US-Krise: Defizitgefahren mal drei"},"content":{"rendered":"<p>  Internationale Staatsschuldenkrise geht in neue Runde<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Gold ist in diesen Tagen gefragt wie nie. Ein Anzeichen f&#252;r   st&#252;rmische Zeiten. Letzte Woche beschleunigte sich die Schuldenspirale   erneut. Und das &#8222;in den beiden weltweit dominanten Wirtschaftsregionen&#8220;   (wie die Financial Times vermerkt) gleichzeitig. Gleich auf drei Ebenen   spitzte sich die Defizitkrise Mitte Juli weiter zu: erstens in den   besonders angeschlagenen Euro-Staaten Griechenland, Portugal und Irland,   zweitens in einem zentralen europ&#228;ischen Industrieland sowie   EU-Gr&#252;ndungsmitglied, Italien, drittens in Nordamerika &#8211; womit selbst   die Stabilit&#228;t des Dollar (lange Zeit von Anlegern als &#8222;sicherer Hafen&#8220;   betrachtet) verst&#228;rkt angezweifelt wird. Aus der Sorge um die Zukunft   von Euro und US-W&#228;hrung heraus begann eine Reihe von Kapitaleignern nun   ihre Anlagen umzuschichten, sich vermehrt mit Gold einzudecken und   seinen Wert auf ein neues Allzeithoch zu jagen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Aron Amm<\/i><\/h4>\n<p>  Zun&#228;chst waren es die sogenannten Peripherie-L&#228;nder der Euro-Zone, f&#252;r   die sich vergangene Woche die Aussichten verd&#252;sterten. So stufte die   Ratingagentur Moody&quot;s die Bonit&#228;t Irlands und Portugals auf Ramschniveau   ab. Ihre Anleihezinsen kletterten in der Folge auf neue Rekordh&#246;hen.   &#220;ber Nacht preisten die Kapitalm&#228;rkte nach Griechenland jetzt auch f&#252;r   Irland und Portugal neue Rettungspakete ein. Parallel dazu   konkretisierten sich die Forderungen von einem wachsenden Kreis der   Euro-Politiker, -Unternehmer und -Banker nach einer &#8222;Umschuldung&#8220; Hellas.<\/p>\n<h4>  Wie gro&#223; ist die Peripherie des Euro-Raums?<\/h4>\n<p>  Flugs weitete sich die krisengesch&#252;ttelte &#8222;Peripherie&#8220; des Euro-Raums   erneut aus und schloss pl&#246;tzlich Italien mit ein: Die Renditen f&#252;r   zehnj&#228;hrige Staatsanleihen zogen auf &#252;ber sechs Prozent an (mehr als das   Doppelte von dem, was bei Bundesanleihen anf&#228;llt). Mittlerweile   kursieren Zweifel, ob die drittgr&#246;&#223;te Volkswirtschaft der Euro-Staaten &#8211;   und immerhin Mitglied der G8 &#8211; (mit einem Defizit von fast 1,9 Billionen   Euro, 120 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt) noch als kreditw&#252;rdig   einzustufen ist. Gen&#228;hrt nat&#252;rlich auch durch den offenen Konflikt   zwischen dem Finanzminister Giulio Tremonti und Premier Silvio   Berlusconi &#8211; Tremonti empfahl zum &#8222;Verst&#228;ndnis Berlusconis&#8220; &#246;ffentlich   die Lekt&#252;re von Georges Simmenons Krimi &#8222;Der Pr&#228;sident&#8220; &#252;ber ein   korruptes Staatsoberhaupt, der sich am Ende seiner Kr&#228;fte befindet.   Daraufhin wurde letzte Woche binnen drei Tagen das gut 50 Milliarden   Euro starke neue K&#252;rzungsprogramm durchs Parlament gepeitscht.<\/p>\n<p>  &#220;brigens offenbarte der &#8222;Banken-Stresstest&#8220;, dass die deutschen Banken   zwar ihre Anleiherisiken gegen&#252;ber Griechenland und Irland deutlich   abbauen konnten, gegen&#252;ber Spanien und Italien jedoch aktuell gewaltige   Kreditrisiken in ihren B&#252;chern zu verzeichnen haben. Apropos Spanien: Im   Windschatten Italiens ger&#228;t auch die viertgr&#246;&#223;te Euro-&#214;konomie immer   tiefer in die Misere. Der Anteil der faulen Kredite am gesamten   Darlehensaufkommen der spanischen Banken hat sich im Vergleich zum Boom   Mitte 2000 inzwischen verzehnfacht. Beim Banken-Stresstest stammten f&#252;nf   der acht durchgefallenen Banken aus Spanien.<\/p>\n<p>  Die Turbulenzen Griechenlands, Portugals, Irlands, Italiens und Spaniens   treiben die Preise, die von den Gl&#228;ubigern an Banken entrichtet werden   m&#252;ssen, um von diesen Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps   &#8211; CDS) zu erwerben, t&#228;glich auf neue Rekorde. Die Regierenden im   Euro-Raum sehen sich jetzt zu einem weiteren Krisengipfel an diesem   Donnerstag gezwungen. Damit nicht genug, h&#228;lt jenseits des Atlantik der   US-Streit &#252;ber eine Anhebung der Schuldengrenze von derzeit 14,3   Billionen Dollar den globalen Finanzsektor ebenfalls in Atem.<\/p>\n<h4>  Amerika &#8211; das Land der begrenzten M&#246;glichkeiten?<\/h4>\n<p>  Die Uhr tickt &#8211; sollte bis 2. August keine L&#246;sung erreicht werden, w&#228;re   die st&#228;rkste Wirtschaftsmacht auf dem Planeten partiell zahlungsunf&#228;hig,   40 Prozent der Staatsausgaben (darunter beispielsweise die   Rentenbetr&#228;ge) m&#252;ssten erst einmal zur&#252;ckgestellt werden. Die Spannungen   zwischen den beiden b&#252;rgerlichen Parteien werden dadurch intensiviert,   dass die b&#252;rgerliche Opposition, die Partei der Republikaner, im   Repr&#228;sentantenhaus die Mehrheit stellt. Zudem ist der Vorwahlkampf zur   Pr&#228;sidentschaftswahl 2012 voll entbrannt: W&#228;hrend die Republikaner sich   als Gegner von Steuererh&#246;hungen profilieren m&#246;chten, lehnen die   Demokraten unter Barack Obama (obwohl sie selber Sozialraub im gro&#223;en   Stil zu verantworten haben) K&#252;rzungen bei den Sozialversicherungen   gegenw&#228;rtig ab.<\/p>\n<p>  In fr&#252;heren Zeiten war es in Washington Routine, die Schuldenobergrenze   anzuheben. Zwar ist zu erwarten, dass gerade die Republikaner hoch   pokern, beide Seiten sich schlussendlich aber doch noch vor dem 3.   August verst&#228;ndigen. Allerdings birgt die St&#228;rkung der Tea Party   innerhalb der Partei von Bush und Co. eine geh&#246;rige Portion   Unberechenbarkeit (repr&#228;sentieren sie bis heute doch nicht die   Mehrheitsmeinung im US-amerikanischen Big Business). Zudem drohte   Moody&quot;s j&#252;ngst an, den USA zum ersten Mal seit 1917 die Bestnote von AAA   bei der Einstufung ihrer Kreditw&#252;rdigkeit zu nehmen (immerhin n&#228;hert   sich die Staatsverschuldung bald hundert Prozent vom Sozialprodukt). Um   den Kongress zum Einlenken zu bewegen, malen die Kapitalisten   Horrorszenarios an die Wand. So orakelte Jamie Dimon, Chef der Gro&#223;bank   JPMorganChase: Ein Zahlungsausfall k&#246;nne eine Katastrophe ausl&#246;sen, mit   &#8222;ernsthaften Folgen f&#252;r die Weltwirtschaft&#8220;.<\/p>\n<h4>  Der Euro droht Schiffbruch zu erleiden<\/h4>\n<p>  Noch gilt, was die UNCTAD in ihrem Report 2010 konstatierte: &#8222;Europa   wurde zum Zentrum der globalen Krise.&#8220; Nicht wegen dem Umfang der   Staatsschulden, die in Griechenland beispielsweise knapp 350 Milliarden   Euro betragen, in den USA hingegen &#252;ber 14.000 Milliarden Dollar. Nein,   was sich jetzt r&#228;cht, ist die Schaffung einer W&#228;hrungsunion ohne   politische Union. Erinnert sei daran, dass dieser Widerspruch vor gut 20   Jahren auch die westdeutsche Bourgeoisie damals zwang, viel fr&#252;her als   geplant nach der W&#228;hrungsunion auch die Vereinigung beziehungsweise die   Einverleibung des ostdeutschen Staats in die BRD durchzusetzen. Wie vom   CWI korrekt analysiert, erweist sich die &#220;berwindung der Nationalstaaten   im Euro-Raum auf kapitalistischer Basis als unm&#246;glich: Schlie&#223;lich   basieren Macht und Einfluss der Kapitalisten ma&#223;geblich auf ihrem   jeweiligen nationalstaatlichen Territorium, dem dortigen Eigentum und   dem Schutz durch den eigenen Staatsapparat (zudem f&#246;rderten sie   jahrhundertelang ein Nationalbewusstsein zur eigenen Legitimation).<\/p>\n<p>  Nun kommt es, wie von uns ebenfalls prognostiziert, in Zeiten   &#246;konomischer Ersch&#252;tterungen und divergierender Entwicklungen in der   Euro-Zone zu Schwierigkeiten, die Tremonti mit der Fahrt auf der Titanic   verglich, die &#8222;auch f&#252;r die Passagiere der 1. Klasse b&#246;se ausgehen kann&#8220;.<\/p>\n<h4>  Die Gemeinschaftsw&#228;hrung und das deutsche Kapital<\/h4>\n<p>  Als die Euro-Finanzminister am 11. Juli eine gemeinsame Erkl&#228;rung   abgaben, beruhigte das die M&#228;rkte nicht, sondern forcierte Unruhen.   Jetzt soll am 21. Juli das n&#228;chste (von seit Fr&#252;hjahr 2010 inzwischen   unz&#228;hligen) Krisengipfeln einberufen werden. Was ist zu erwarten? Wie   ist die Haltung gerade der entscheidenden Euro-M&#228;chte, Deutschland und   Frankreich, zu beurteilen?<\/p>\n<p>  Zuallererst darf nicht vergessen werden, dass der deutsche und   franz&#246;sische Imperialismus die treibenden Kr&#228;fte bei der Bildung der   Gemeinschaftsw&#228;hrung waren. Und das aus gutem Grund: Konnten sie doch   den gr&#246;&#223;ten Binnenmarkt auf dem Erdball schaffen und damit ihre Position   gegen&#252;ber ihren Kontrahenten st&#228;rken. Die Euro-Zone wurde zu einem   Anziehungspunkt f&#252;r ausl&#228;ndische Direktinvestitionen: In den Achtzigern   steigerten sich die ausl&#228;ndischen Direktinvestitionen, die in die EU   gingen, j&#228;hrlich um vier Prozent &#8211; zwischen 1995 und 2005 dann aber um   sage und schreibe 38 Prozent pro Jahr (sogar die H&#228;lfte der   US-Direktinvestitionen zog es nach Europa)!<\/p>\n<p>  Deutschland und Frankreich profitierten vom Euro am meisten. So   verbilligten sich die Waren aus der Bundesrepublik seit 1999 um &#252;ber   zehn Prozent, w&#228;hrend die Preise f&#252;r die Ausfuhren Griechenlands um eine   &#228;hnliche Gr&#246;&#223;e anzogen. Aus diesem Grund setzten Angela Merkel und   Nicolas Sarkozy bislang alles daran, die Euro-W&#228;hrung zu retten. Aber   genau das beginnt sich allm&#228;hlich zu ver&#228;ndern. Die Vorteile drohen in   Nachteile umzuschlagen. &#8222;Weit mehr als ein Viertel des deutschen BIP ist   mit B&#252;rgschaften, Anleiheaufk&#228;ufen und Bareinzahlungen direkt gebunden   an das Meistern der Krise in der Euro-Zone&#8220; (Conrad Schuhler in seinem   Beitrag f&#252;r das 19. Forum des Instituts f&#252;r sozial-&#246;kologische   Wirtschaftsforschung). Die von SPD und Gr&#252;nen dieser Tage ins Gespr&#228;ch   gebrachten &#8222;Eurobonds&#8220;, also gemeinschaftliche Anleihen, h&#228;tten f&#252;r   Deutschland stark steigende Zinskosten zur Folge, die eigene bislang   sehr gute Bonit&#228;t w&#252;rde aufs Spiel gesetzt &#8211; nach Sch&#228;tzungen des   ifo-Instituts w&#228;ren Mehrkosten von 25 Milliarden Euro die Folge.<\/p>\n<h4>  Am Rande des Abgrunds<\/h4>\n<p>  Ein ehemaliges italienisches Regierungsmitglied schimpfte die   Ratingagenturen k&#252;rzlich &#8222;Terroristen&#8220;. Vermehrt wird in Europa gefragt,   ob sich hinter den Abwertungen der Kreditw&#252;rdigkeit nicht   US-amerikanische Interessen verbergen. Es stimmt, dass Fitch, Moody&quot;s   und Standard and Poor&quot;s 95 Prozent aller Kredite entscheidend bewerten.   Allerdings ist Fitch in den H&#228;nden eines franz&#246;sischen Unternehmens, die   Agentur hat nicht nur in New York, sondern auch in London einen   Firmensitz. Wichtiger ist aber, dass die oberen Zehntausend in den USA   selber derzeit kein Interesse an einer Eskalation der Euro-Krise haben,   weil sie um eigene Gelder und vor allem unkalkulierbare Auswirkungen f&#252;r   die Weltwirtschaft f&#252;rchten. Die jetzt schnell aufeinander folgenden   Abwertungen durch die Ratingagenturen sind prim&#228;r ein Resultat ihrer   &#252;ber Jahre hinweg vorgenommenen Gef&#228;lligkeitsgutachten, die sie so nicht   l&#228;nger aufrechterhalten k&#246;nnen. An den B&#246;rsen soll schon der Spruch die   Runde machen, dass man die Ratingagenturen ebenso wenig f&#252;r die   Kreditausfallgefahren verantwortlich machen kann wie ein Thermometer f&#252;r   das Fieber.<\/p>\n<p>  Die Financial Times titelte am 16. Juli: &#8222;Der Abgrund, der sich auftut&#8220;.   Am Rande des Abgrunds w&#228;hnen sich die B&#252;rgerlichen seit der Finanz- und   Wirtschaftskrise 2007\/2008. Seitdem verfolgen sie keinen klaren,   ideologisch begr&#252;ndeten wirtschaftspolitischen Kurs. Im kapitalistischen   Nachkriegsaufschwung dominierte die Unterst&#252;tzung f&#252;r keynesianische   Ideen. Mit der ersten synchron auftretenden tiefen internationalen   Rezession Mitte der Siebziger brauchten sie mehrere Jahre, bis sich eine   neue Doktrin, der Neoliberalismus, durchsetzte (der zuerst in   Lateinamerika, gerade in Chile unter der Pinochet-Diktator, von Milton   Friedman und seinen &#8222;Chicago-Boys&#8220; erprobt wurde).<\/p>\n<h4>  &#8222;Umschuldung&#8220; &#8211; Un-Wort oder U-Wort?<\/h4>\n<p>  Bundesfinanzminister Wolfgang Sch&#228;uble f&#252;rchtet im Fall einer   Zahlungsunf&#228;higkeit Griechenlands eine neue Bankenkrise, die schlimmer   sein k&#246;nnte als die durch die Lehman-Brothers-Pleite ausgel&#246;sten   Ereignisse. Niemand kann absehen, ob eine &#8222;Umschuldung&#8220; Griechenlands,   also eine teilweise oder sogar komplette Schuldenstreichung, das   Euro-Projekt sprengen k&#246;nnte. Aus diesem Grund haben Merkel, Sarkozy und   Konsorten bisher einen solchen Schritt beharrlich ausgeschlossen.<\/p>\n<p>  Einig ist sich das Kapital in Deutschland, Frankreich und den   Benelux-Staaten darin, selbst jetzt noch das griechische Schlamassel   auszuschlachten, so lange es geht, um zum Beispiel vom neuen   50-Milliarden-Euro-Privatisierungprogramm zu profitieren. Zynischerweise   schlug der Luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker unl&#228;ngst   f&#252;r Griechenland eine neue Privatisierungsagentur nach dem Vorbild der   deutschen Treuhand vor: Diese erreichte bekanntlich eine dauerhafte   Absenkung der ostdeutschen Einkommen ein Drittel unterhalb des   westdeutschen Durchschnitts sowie eine doppelt so hohe   Arbeitslosenquote&#8230;<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich sind wir gegenw&#228;rtig Zeuge einer modernen Variante von   Kolonialpolitik. Die griechischen DemonstrantInnen liegen nicht falsch,   die am 5. Juni ein Transparent mit dem Logo des Internationalen   W&#228;hrungsfonds (IWF), der Visage von Premier Georgos Papandreou und   folgender Aufschrift trugen: &#8222;Angestellter des Jahres&#8220;. In der Tat tanzt   die PASOK-Regierung nach der Pfeife von IWF, EU-Kommission und   Europ&#228;ischer Zentralbank (EZB).<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Herrschenden bislang mehrheitlich versuchen, Griechenland   mit im Euro-Boot zu halten, um so ihre langj&#228;hrigen Vorteile dank der   Gemeinschaftsw&#228;hrung nicht zu riskieren, mehren sich mittlerweile die   Stimmen, die meinen, dass Griechenland nicht zu verteidigen, ein   Staatsbankrott nicht mehr abzuwenden ist. Bedeutsam ist der Vorsto&#223; von   Martin Blessing, dem Chef der Commerzbank, immerhin der zweitgr&#246;&#223;ten   Bank der Bundesrepublik. Blessing macht kein Hehl daraus, dass es ihm   bei einem Verzicht von einem Teil der an Hellas verliehenen Gelder nicht   um Geschenke geht. So rechnete er vor, bei einem &#8211; von ihm ins Gespr&#228;ch   gebrachten &#8211; Verzicht der Gl&#228;ubiger um 30 Prozent eine Milliarde Euro   einzub&#252;&#223;en, da die Commerzbank 2,9 Milliarden Euro im Feuer hat (wobei   auch hier, wie immer, die Beteiligung beziehungsweise &#220;bernahme der   Kosten durch die deutschen Steuerzahler droht). Blessing verheimlichte   nicht, dass er erw&#228;gt, auf eine Milliarde griechischer Gelder zu   verzichten, um die Euro-Zone zu stabilisieren und so Italien zu st&#252;tzen   &#8211; dem die Commerzbank &#252;ber neun Milliarden Euro geborgt hat. Hinzu kommt   &#252;brigens ein weiteres durch die Euro-Krise hervorgerufenes Problem,   worauf Hanno Mussler in der FAZ verweist: &#8222;Der Aktienkurs der Bank hat   allein in dieser Woche fast 15 Prozent verloren&#8220; (16. Juli).<\/p>\n<h4>  Griechenland abschie&#223;en?<\/h4>\n<p>  Keiner wei&#223;, ob ein Schuldenschnitt bez&#252;glich Griechenland im Rahmen der   Gemeinschaftsw&#228;hrung zu realisieren ist &#8211; oder aber zum Exit   Griechenlands aus dem Euro-Raum f&#252;hren wird. Der fr&#252;here EZB-Chef&#246;konom   Otmar Issing sagte am 19. Juli im FAZ-Interview: &#8222;Nun setzt sich die   Wirklichkeit unerbittlich durch: Griechenland wird seine Schulden nicht   bedienen k&#246;nnen. (&#8230;) Ein massiver Schuldenschnitt ist also   unvermeidlich.&#8220; Seine Konsequenz: &#8222;Bleibt Griechenland danach Mitglied   in der W&#228;hrungsunion und kann auf weitere Hilfen sowie Refinanzierung   bei der EZB vertrauen, ist das Ende der W&#228;hrungsunion eingel&#228;utet.&#8220; In   seinen Augen w&#252;rde dann &#8222;eine Lawine losgetreten&#8220;, Irland, Portugal und   Italien w&#252;rden den gleichen Weg gehen wie Griechenland. &#8222;Die Dynamik   wird sich nicht mehr aufhalten lassen.&#8220; F&#252;r Issing w&#228;re der das &#8222;der   wirkliche Gau&#8220;.<\/p>\n<p>  Den Blessings und Issings schwebt vor, die Rei&#223;leine zu ziehen und   Griechenland abzuschie&#223;en &#8211; um so die Schuldenkrise einzud&#228;mmen und eine   Ausbreitung auf Italien und Spanien zu vereiteln.<\/p>\n<h4>  Politik des billigen Geldes kann teuer werden<\/h4>\n<p>  Was der Commerzbank-Boss und vor ihm viele Mittelstands-Vorsitzende (im   Gegensatz &#8211; zumindest bislang &#8211; zu J&#252;rgen Schrempp und andere   Vorstandschefs der Gro&#223;konzerne) ins Feld f&#252;hren, wird beim   Euro-Krisengipfel am Donnerstag sicher nicht beschlossen werden. Aber   egal, ob Merkel und Co. mit oder ohne Griechenland (und anderen   Peripherie-L&#228;ndern) den Euro retten will, auf Dauer wird das &#8211; aufgrund   der dieser Gemeinschaftsw&#228;hrung innewohnenden Widerspr&#252;che &#8211; nicht   gelingen. Was dieser Tage jedoch immer klarer wird: Der Anfang vom Ende   des Euro hat begonnen!<\/p>\n<p>  Ob die Euro-Zone noch ein, zwei, drei oder gar mehr Jahre fortbesteht,   wird stark vom Verlauf der Klassenk&#228;mpfe und von der weiteren   &#246;konomischen Krisenentwicklung abh&#228;ngen. Da die K&#252;rzungsauflagen von IWF   und EU die &#214;konomien Griechenlands, Italiens und anderer Staaten nur   weiter in den Abschwungsstrudel rei&#223;en und die Schuldenberge weiter   erh&#246;hen, ist ein substanzieller, l&#228;nger anhaltender Aufschwung nicht in   Sicht. Hinzu kommen die, euphemistisch als &#8222;Wachstumsdelle&#8220;   bezeichneten, Hiobsbotschaften aus den USA &#8211; und das nach zwei Jahren   der im letzten halben Jahrhundert k&#252;rzesten und schw&#228;chsten   wirtschaftlichen Erholung &#252;berhaupt.<\/p>\n<p>  Es war die Politik des billigen Geldes, die die historisch einmalige   Kreditblase aufbl&#228;hte. Billiges Geld half auch, die Rettungspakete in   den USA und anderswo zu schn&#252;ren. Und billiges Geld (in Form weiterhin   extrem niedriger Zinsen und m&#246;glicherweise eine dritten Runde der   sogenannten Quantitativen Lockerung) k&#246;nnte den jetzigen labilen   US-Aufschwung erst einmal st&#252;tzen. Was jedoch zur Folge h&#228;tte, dass die   n&#228;chste Rezession von einer um so gr&#246;&#223;eren neuen Spekulations- und   Kreditblase begleitet sein k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Immer evidenter wird, dass die tiefste Krise des Kapitalismus seit den   drei&#223;iger Jahren, die ausgehend von der Pleitewelle im Immobiliensektor   2007 ihren Lauf nahm, nicht &#252;berwunden, sondern nur in ein neues Stadium   eingetreten ist: dem Stadium der Staatsschuldenkrise. Dieses Stadium   offenbart in diesem Sommer in aller Sch&#228;rfe die Dimension der Probleme.   Im Nachhinein gesehen k&#246;nnten die heutigen Wochen einen Wendepunkt f&#252;r   die US-Wirtschaft und vor allem f&#252;r den Euro markieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Internationale Staatsschuldenkrise geht in neue Runde\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[79,123,127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14358"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14358"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14358\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14358"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14358"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14358"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}