{"id":14356,"date":"2011-07-16T00:00:00","date_gmt":"2011-07-16T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14356"},"modified":"2011-07-16T00:00:00","modified_gmt":"2011-07-16T00:00:00","slug":"14356","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/07\/14356\/","title":{"rendered":"Otto Habsburg: Rechts &amp; Reaktion&#228;r bis zum Schluss"},"content":{"rendered":"<p>  Proteste zum Begr&#228;bnis von Otto von Habsburg<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 16. Juli wird der Kaissersohn und ehemaliger CSU   Europaparlamentsabgeordnete Otto von Habsburg beerdigt. Angesichts des   Todes von Otto Habsburg findet eine Geschichtsf&#228;lschung im breiten   Umfang statt. Tats&#228;chlich war der Mann Zeit seines Lebens ein Reaktion&#228;r   &#8211; und hat u.a. mit dem austrofaschistischen Regime sympathisiert.   Sozialismus.info ver&#246;ffentlicht dazu einen Artikel der SLP   (&#246;sterreichische Schwesterorganisation der SAV), die sich an den   Protesten beteiligt. <\/b>    <\/p>\n<h1>  <b>Ottos Begr&#228;bnis <\/b>    <\/h1>\n<p>  <i>von John Evers, Wien<\/i><\/p>\n<h4>  (K)a schene Leich?<\/h4>\n<p>  Wenn jemand bereits zu Lebzeiten als Gespenst gelten konnte, dann er:   Otto Habsburg. Getrieben von der &#220;berzeugung per Geburt f&#252;r H&#246;heres   auserkoren zu sein, wollte er so gerne einmal als Player in der   europ&#228;ischen Politik gelten. In der Praxis lie&#223; sich freilich gerade ein   H&#228;uflein Ewiggestriger von ihm etwas sagen &#8211; wie der versoffene   Schriftsteller und Monarchist Joseph Roth, dem er angeblich einmal   erfolgreich das Trinken verbat. Seine reale Bedeutungslosigkeit hinderte   Otto freilich nicht daran, sich wahlweise als obersten Widerstandk&#228;mpfer   gegen Hitler zu betrachten oder sich selbst den Fall des eisernen   Vorhangs zuzuschreiben. Nicht unwesentlich unterst&#252;tzt wurde dieser   pers&#246;nliche Gr&#246;&#223;enwahn des kaiserlichen Gerippes durch die Kirche und   konservative gesellschaftliche Kr&#228;fte. Dies sind freilich historisch   betrachtet jene geistigen Str&#246;mungen die einst zu den St&#252;tzen der   kaiserlich-k&#246;niglichen Diktatur z&#228;hlten und daher ein vitales Interesse   an der nostalgischen Verkl&#228;rung des Staates und Geschlechts der   Habsburger besitzen. Doch bei n&#252;chterner Betrachtung gibt es da wenig zu   verkl&#228;ren.<\/p>\n<h4>  &#8222;A failed state&#8220; &#8211; Die Habsburgermonarchie 1848 bis 1918<\/h4>\n<p>  Die Verbrechen und Kriege welche das Haus Habsburg &#252;ber Jahrhunderte als   f&#252;hrende katholische Gro&#223;macht zu verantworten hat, k&#246;nnen hier nicht   aufgez&#228;hlt werden. Tatsache ist jedenfalls, dass mit den Bildern dieser   fanatischen Glaubensk&#228;mpfe &#8211; Stichwort &#8222;T&#252;rkenbelagerung&#8220; &#8211; bis heute   (rechte) Politik gemacht wird. Aus heutiger Sicht zentral erscheint aber   vielmehr, dass sich die Monarchie nach der gescheiterten Revolution 1848   von der Gro&#223;macht zum kranken Mann an der Donau entwickelte. Im   europ&#228;ischen Vergleich war dieser Staat nicht nur wirtschaftlich   zunehmend r&#252;ckst&#228;ndig. Auch dessen politisches System wurde einmal   treffend als &#8222;Despotie gemildert durch Schlamperei&#8220; bezeichnet. Gro&#223;e   regionale Entwicklungsunterschiede und die Herrschaft deutscher (und   ungarischer) Eliten befeuerten zudem die nationale Frage. Ein von   Militaristen kontrollierter Staatsapparat setzte &#8211; obwohl ein Krieg nach   dem anderen verloren ging &#8211; auf eine aggressive Politik, die sich   zunehmend auf den Balkan als Feld f&#252;r imperialistische Experimente   konzentrierte. Genau hier sollte schlie&#223;lich der erste Weltkrieg   ausbrechen &#8211; ein Krieg der gerade auch von &#246;sterreichischer Seite als   totaler, als Vernichtungskrieg gef&#252;hrt wurde. (Legend&#228;r etwa der Einsatz   von Giftgas an der Front unter Ottos Vater Karl im Jahre 1917.) V&#246;llig   zurecht ging dieser Staat 1918 unter. Und zwar nicht nur an seinen   inneren Widerspr&#252;chen, die sich die westlichen Alliierten durch die   Unterst&#252;tzung neuer, verb&#252;ndeter Nationalstaaten zu nutze machen   konnten. Es war immerhin eine beginnende sozialistische Revolution die   sich 1918 auch in Zentraleuropa ausbreitete, die sich gegen den Krieg   und das System Habsburg richtete und beide &#220;bel schlie&#223;lich beendete.<\/p>\n<h4>  Freund der Diktatoren &#8211; Ottos historischer Beitrag<\/h4>\n<p>  Ebenso unangebracht wie jegliche Nostalgie gegen&#252;ber dem Staat der   Habsburger, w&#228;re die Verkl&#228;rung Ottos zum Demokraten und   Freiheitsk&#228;mpfer. Otto Habsburg war Nutznie&#223;er und Unterst&#252;tzer des   austrofaschistischen Regimes 1934-1938, welches durch die Beseitigung   der legalen ArbeiterInnenbewegung die Basis f&#252;r den &#8222;Anschluss 1938&#8220;   legte. Er war der Freund verschiedener rechtsextremer Diktatoren und   bekam nicht umsonst von Francesco Franco den spanischen Thron angeboten.   Als Politiker und Abgeordneter der bayrischen CSU machte er sich gegen   Frauenrechte stark. Als Zeitzeuge beschwor er auf Einladung der &#214;VP den   Mythos, dass &#214;sterreich 1938 lediglich ein Opfer gewesen w&#228;re. In seinen   letzten Lebensjahr engagierte sich der Erzherzog gegen Homosexuelle und   gab rechtsextremen Zeitungen Interviews in denen er sich schon einmal   &#252;ber den Anteil der &#8222;Juden&#8220; und &#8222;Schwarzen&#8220; in der US-Administration   beschwerte. Sein Erbe Karl geht demgegen&#252;ber nach einem Ausflug bei der   &#214;VP die Sache weniger politisch an: Er ist bisher vor allem als   Quizmaster, Juwelenschmuggler und im Zusammenhang mit der Veruntreuung   von Spendengeldern aufgefallen.<\/p>\n<h4>  Feige Gr&#252;ne<\/h4>\n<p>  Doch muss das alles gerade jetzt gesagt werden? Ja &#8211; weil die   wesentlichen politische Akteure bereits aktiv an Ottos Verkl&#228;rung   arbeiten. Nicht nur &#214;VP und FP&#214; feiern den Habsburgerspross ab. Auch Eva   Glawitschnig ist sich nicht zu schade (eigene) historische   Peinlichkeiten zum Thema Otto zum Besten zu geben: &quot;Mit Otto Habsburg   geht ein Teil &#246;sterreichischer Geschichte. Die Jahrzehnte, in der er als   politischer Mensch und Politiker t&#228;tig war, geh&#246;rten zu den   herausforderndsten Phasen in &#214;sterreichs j&#252;ngerer Vergangenheit. Viele   seine Reden haben auch Diskussionen ausgel&#246;st. Uns bleibt besonders in   Erinnerung, dass er gemeinsam mit dem ungarischen Staatsminister und   Reformer Imre Pozsgay Schirmherr des &quot;Paneurop&#228;ischen Picknicks&quot; war, in   dessen Folge Hunderte DDR-B&#252;rger nach &#214;sterreich fl&#252;chten konnten.&#8220; Aus   welcher &#8211; restaurativen &#8211; Motivation ein Otto Habsburg den Fall des   eisernen Vorhangs wollte bleibt ausgespart. Ebenso wie die Tatsache dass   &#8211; sicher ohne an Otto zu denken &#8211; in Polen die ArbeiterInnen damals   bereits l&#228;ngst streikten und erst die Massendemonstrationen IN der DDR   (und nicht die Flucht aus ihr) den Mauerfall brachten.<\/p>\n<h4>  Lernens Geschichte Herr Faymann!<\/h4>\n<p>  Im selben seltsamen Tonfall wie die Gr&#252;nen-Chefin &#228;u&#223;ert sich   schlussendlich Werner Faymann, der nicht nur Ottos angeblich   demokratisches Engagement lobt, sondern auch seine &#8222;entschiedene   Gegnerschaft zu Nationalsozialismus UND Faschismus (!!!)&#8220; hervorhebt.   Lernens Geschichte Herr Faymann! &#8222;Wenn es ums Land geht, bin ich zu   jeglicher Sache bereit&#8220; kommentierte n&#228;mlich Habsburg die Ereignisse   1933\/34, also den Putsch der Austrofaschisten. Dar&#252;ber, dass eine &#8211;   allerdings noch anders verfasste &#8211; SP&#214; gemeinsam mit dem &#214;GB 1966 durch   Massenstreiks Habsburgs Einreise verhindert hat, schweigt die SP&#214; heute   ebenfalls. Und Minister Darabos schickt sogar eine Ehrenkompanie des   Bundesheeres zu Ottos Sarg. N&#246;tig h&#228;tten die Habsburger diese   &#246;ffentliche Subvention ihrer Begr&#228;bnisfeierlichkeiten freilich nicht:   Ihr Verm&#246;gen &#8211; nicht zuletzt ausgedehnte L&#228;ndereien und Immobilien &#8211;   wird auf mindestens 100 Millionen gesch&#228;tzt. Insofern besitzt vielmehr   die Forderung nach der Enteignung der Habsburger (1918) erstaunliche   Aktualit&#228;tsgehalt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Proteste zum Begr&#228;bnis von Otto von Habsburg\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90,5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14356"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14356"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14356\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14356"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14356"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14356"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}