{"id":14347,"date":"2011-08-23T00:00:00","date_gmt":"2011-08-22T22:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14347"},"modified":"2012-05-09T15:28:09","modified_gmt":"2012-05-09T13:28:09","slug":"14347","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14347\/","title":{"rendered":"Was ist das Bedingungslose Grundeinkommen?"},"content":{"rendered":"<p>  aus der megafon &#8211; sozialistische Jugendzeitung &#8211; Juli\/August 2011<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Es klingt sehr verlockend: Arbeiten muss nur, wer das auch will, es gibt   f&#252;r alle einen festen Geldbetrag vom Staat, ohne Bedingungen. Die Rede   ist vom bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). Doch ist das BGE wirklich   so erstrebenswert oder einfach nur utopisch? Was das bedingungslose   Grundeinkommen ist, wer es vertritt und warum die SAV andere Forderungen   aufstellt, soll in diesem Artikel erkl&#228;rt werden.<\/p>\n<h4>  BGE &#8211; was ist das?<\/h4>\n<p>  Das Bedingungslose Grundeinkommen sieht vor, dass jede und jeder Geld   vom Staat bekommt, egal ob obdachlos, reich, lohnabh&#228;ngig oder   erwerbslos. Dar&#252;ber hinaus kann man noch Geld verdienen, muss man aber   nicht. Grunds&#228;tzlich gibt es zwei verschiedene Bef&#252;rworterInnen vom BGE,   die sehr unterschiedliche Motivationen haben.<\/p>\n<h4>  Fortschrittliche Unternehmer?<\/h4>\n<p>  B&#252;rgerliche Politiker, wie der ehemalige th&#252;ringische Ministerpr&#228;sident   Dieter Althaus oder Unternehmer, wie der Drogerie-Ketten Chef G&#246;tz   Werner fordern ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Uns sollte das   stutzig machen, denn Kapitalisten wie Werner und Althaus gl&#228;nzen nicht   gerade als Humanisten. Althaus schwebt ein Betrag von 600 Euro plus   Krankenversicherung vor. Das ist weniger als Hartz IV!<\/p>\n<p>  Werner und Co. haben das Interesse eines jeden Unternehmers: m&#246;glichst   niedrige L&#246;hne. Das BGE w&#252;rde aus ihrer Sicht schon einen Teil des   Lohnes darstellen, der vom Unternehmer bezahlte Teil d&#252;rfte damit   geringer ausfallen. Dieser Kombilohn w&#252;rde direkt in die Taschen vom   Unternehmer gehen.<\/p>\n<p>  Sie geh&#246;ren au&#223;erdem zu dem Kreis der Bef&#252;rworterInnen, die das BGE &#252;ber   eine Konsumsteuer, wie Mehrwertsteuer oder Tabaksteuer bezahlen wollen.   Am besten fallen andere Steuern, vor allem die Unternehmenssteuern, weg.   Damit wird es doppelt ungerecht: Mehrwertsteuern werden von reich und   arm bezahlt, weil wir alle etwas essen und trinken m&#252;ssen. Die, die   wenig haben, m&#252;ssen so prozentual mehr bezahlen als die Reichen.<\/p>\n<h4>  Utopische Linke?<\/h4>\n<p>  Linke Unterst&#252;tzerInnen, wie Katja Kipping aus dem LINKE-Vorstand,   einige Erwerbslosenverb&#228;nden oder die Facebookgruppen der &#8222;spanischen   Revolutionen&#8220; unterscheiden sich meist sehr stark von diesem Modell.   (Manchmal auch weniger als w&#252;nschenswert w&#228;re!). Sie fordern ein   Bedingungsloses Grundeinkommen von bis zu 1500 Euro, was durch h&#246;here   Besteuerung von Einkommen und von Konzernen finanziert werden soll.<\/p>\n<p>  Das hat eine hohe Attraktivit&#228;t. Die Bef&#252;rworterInnen wollen vor allem,   dass die &#228;tzenden Durchleuchtungen des Job Centers aufh&#246;ren und   Arbeitslose nicht mehr diskriminiert werden. Wenn es keinen Zwang mehr   zur Arbeit g&#228;be, m&#252;sste sich die gesamte Arbeitswelt &#228;ndern und der   Kapitalist uns zum Arbeiten motivieren. Die heutigen Grenzen zwischen   gesellschaftlich anerkannter Arbeit und nicht anerkannter Arbeit w&#252;rden   kleiner werden. Klingt erstmal gut, ist es das auch?<\/p>\n<h4>  Arbeitslosigkeit akzeptiert<\/h4>\n<p>  Die Bef&#252;rworter vom BGE gehen von dem gleichen Grundsatz aus, mit dem   uns heute Lohnk&#252;rzungen und Stellenabbau begr&#252;ndet werden: &#8222;Es ist nicht   genug Arbeit f&#252;r alle da.&#8220; Dabei gehen Linke eigentlich davon aus, dass   genug Arbeit f&#252;r alle da ist, sie aber entweder nicht gemacht, nicht   bezahlt oder nicht genug auf alle verteilt ist. Das Potenzial der   Gesellschaft kann nicht mal ansatzweise ausgesch&#246;pft werden. Die   Produktionsweise zwingt die einen in antrengende und krankmachende   Lohnabh&#228;ngigkeit und die anderen in g&#228;hnende Perspektivlosigkeit.<\/p>\n<h4>  ArbeiterInnen vereint euch?!<\/h4>\n<p>  Die Forderung nach einem BGE enstammt vor allem aus Kreisen von   Arbeitsloseninitiativen und Erwerbslose w&#252;rden vor allem, von der   Einf&#252;hrung eines BGE profitieren. Es setzt aber zu wenig an den realen   K&#228;mpfen der Besch&#228;ftigten an. Sie k&#228;mpfen gegen die Unternehmer f&#252;r   h&#246;here L&#246;hne und k&#252;rzere Arbeitszeiten.<\/p>\n<p>  Damit fehlt aber die wichtigste B&#252;ndnispartnerin. Nur die Verbindung mit   der organisierten Arbeiterbewegung in den Betrieben und den   Gewerkschaften w&#228;re die Bewegung in der Lage, einen solchen   gesellschaftlichen Fortschritt gegen die Herrschenden durchzusetzen.   Denn ohne die fehlt nicht nur ein Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung, sondern auch   die &#246;konomische Macht, die die Arbeiterklasse in der Gesellschaft hat.<\/p>\n<p>  Ein Beispiel: Eine Demo von Erwerbslosen an einem Tag und eine   Gewerkschaftsdemo an einem anderen Tag sind weit weniger schlagkr&#228;ftig,   als wenn beide an einem Tag und gemeinsam demonstrieren. Daf&#252;r sind dann   auch Forderungen n&#246;tig, die beide Gruppen ansprechen und vereinen.<\/p>\n<h4>  Arbeit auf alle verteilen<\/h4>\n<p>  Die SAV w&#252;rde sich nicht gegen die Einf&#252;hrung eines BGE im Sinne von   Erwerblosen und ArbeiterInnen stellen. Wir halten es jedoch nicht f&#252;r   eine geeignete Kampfforderung und stellen deshalb die Forderung nach   Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich verbunden   mit der Einf&#252;hrung einer Mindestsicherung auf.<\/p>\n<p>  Eine Wochenarbeitszeit von 30 Stunden w&#252;rde 5 Millionen neue Jobs   kreieren. Die Arbeit w&#252;rde auf alle verteilt, die einen w&#252;rden entlastet   und die anderen besch&#228;ftigt. Die Forderung h&#228;tte Kampfcharakter und   bietet gute Ankn&#252;pfungspunkte, um den gemeinsamen Kampf von Erwerbslosen   und ArbeiterInnen zu organisieren. Gleichzeitig w&#252;rden durch den   Lohnausgleich die Unternehmen zur Kasse gebeten, die damit f&#252;r die   verursachte Arbeitslosigkeit gerade stehen m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Mindestsicherung und Investition in Bildung und Soziales<\/h4>\n<p>  Nat&#252;rlich w&#252;rden diese Arbeitspl&#228;tze nicht &#252;ber Nacht entstehen. Deshalb   fordern wir gleichzeitig eine Mindestsicherung ohne Schikanen von 750   Euro plus Warmmiete f&#252;r Erwerbslose. Damit w&#252;rde sichergestellt, dass   auch diejenigen, die (noch) keine Arbeit haben, in W&#252;rde leben k&#246;nnen   und dabei keine Repression zu bef&#252;rchten haben. Damit ArbeiterInnen   nicht darunter fallen, fordert die SAV au&#223;erdem einen Mindestlohn von 10   Euro als ersten Schritt zu 12 Euro. So w&#228;re auch die Abw&#228;rtsspirale bei   den L&#246;hnen eingegrenzt bzw. abgestellt.<\/p>\n<p>  Bef&#252;rworter des BGE argumentieren, dass &#8222;T&#228;tigkeiten jenseits   klassischer Lohnarbeit, die f&#252;r die Gesellschaft unwahrscheinlich   wichtig sind: Erziehung von Kindern, Pflege, ehrenamtliches Engagement&#8220;   (Katja Kipping) gef&#246;rdert w&#252;rden. Lohnarbeit ist in der Regel alles   andere als sch&#246;n. Aber Kindererziehung und Pflege von Angeh&#246;rigen   mittels unbezahlter Arbeit &#8211; vornehmlich von Frauen verrichtet , ohne   moderne Hilfsmittel zu Lasten der eigenen Gesundheit &#8211; das kann icht das   Ziel sein.<\/p>\n<p>  N&#246;tig ist die Vergesellschaftung von m&#246;glichst viel Hausarbeit, mehr   Bildungseinrichtungen und die Ausbildung von vielen tariflich bezahlten   Fachkr&#228;ften daf&#252;r. Auch weitere kulturelle Projekte geh&#246;ren anerkannt   und ausreichend finanziert, anstatt zu akzeptieren, dass diese   T&#228;tigkeiten unbezahlt sein sollen.<\/p>\n<h4>  Gemeinsamer Kampf<\/h4>\n<p>  Nat&#252;rlich kommen diese Forderungen nicht von alleine, sondern m&#252;ssen von   einer gesellschaftlichen Bewegung erk&#228;mpft werden. Da sie aber darauf   abzielen, die ArbeiterInnen mit den Erwerbslosen zum gemeinsamen Kampf   zu animieren, sind sie umsetzbar. Weil sie im Interesse der Mehrheit der   Bev&#246;lkerung sind, haben sie eine gesellschaftliche Basis. Utopisch ist   dagegen die Vorstellung, man k&#246;nnte mit einem netten Einkommens- und   Steuermodell im Kapitalismus allen ein sch&#246;nes Leben bieten und br&#228;uchte   ihn nicht mehr abzuschaffen. David<\/p>\n<h4>  Die SAV fordert:<\/h4>\n<h4>  Weg mit Agenda 2010 und Hartz I bis IV<\/h4>\n<p>  Garantierte Mindestsicherung f&#252;r Erwerbslose und Arbeitsunf&#228;hige und   Mindestrente von 750 Euro plus Warmmiete &#8211; ohne Bed&#252;rftigkeitspr&#252;fung,   Schikanen und Durchleuchtung<\/p>\n<h4>  Mindestlohn von 10 Euro pro Stunde als erster Schritt zu einem   Mindestlohn von 12 Euro<\/h4>\n<h4>  Einf&#252;hrung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich<\/h4>\n<p>  F&#252;r ein &#246;ffentliches Investitionsprogramm zur Schaffung von einer   Million Arbeitspl&#228;tzen j&#228;hrlich in den Bereichen Bildung, Umwelt,   Gesundheit, &#246;ffentlicher Verkehr und Soziales &#8211; finanziert durch die   Milliardengewinne der Banken und Konzerne<\/p>\n<p>  &#220;berf&#252;hrung in &#246;ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und   Verwaltung von solchen Betrieben, die Entlassungen und Verlagerungen   vornehmen wollen. Entsch&#228;digung nur bei erwiesener Bed&#252;rftigkeit.   Fortf&#252;hrung der Produktion unter der Kontrolle und Verwaltung von   Belegschaftskomitees und gew&#228;hlten VertreterInnen der arbeitenden   Bev&#246;lkerung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      aus der megafon &#8211; sozialistische Jugendzeitung &#8211; Juli\/August 2011\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[108],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14347"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14347"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14347\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}