{"id":14338,"date":"2011-07-13T00:00:00","date_gmt":"2011-07-13T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14338"},"modified":"2011-07-13T00:00:00","modified_gmt":"2011-07-13T00:00:00","slug":"14338","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/07\/14338\/","title":{"rendered":"Wie erk&#228;mpft man einen Tarifvertrag?"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Kati Ziemer, Mitglied des Betriebsrats bei der CFM in   Berlin und aktiv in der ver.di-Betriebsgruppe*. Die Fragen stellte Klaus   Franz<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Ihr habt zwei Wochen bei der CFM (Charit&#233; Facility Management)   gestreikt. Was waren die konkreten Gr&#252;nde?<\/h4>\n<p>  In erster Linie sind wir f&#252;r einen Tarifvertrag in den Streik gegangen.   Wir wollen die Angleichung an den Tarifvertrag der Charit&#233; und damit die   Verbesserung der Einkommen aller Besch&#228;ftigten in der CFM, gleiche   Urlaubsanspr&#252;che und die G&#252;ltigkeit von Zuschl&#228;gen f&#252;r Schichtarbeit und   Erschwerniszulagen.<\/p>\n<h4>  Der Streik wurde mit gro&#223;em Mut und Selbstbewusstsein gef&#252;hrt, oft   sp&#252;rte man sogar Enthusiasmus. Angesichts Eurer ungesicherten Lage ist   das alles andere als selbstverst&#228;ndlich. Woher kommt das und denkst du,   dass dieses neu erwachte Selbstbewusstsein auch im Falle des Scheiterns   von Tarifverhandlungen den Arbeitgebern wieder entgegen tritt?<\/h4>\n<p>  Die Kolleginnen und Kollegen haben gro&#223;en Mut bewiesen, als sie in den   Streik gegangen sind. Es war der Mut der Verzweiflung. Es war keine   leichte Entscheidung, die die Kollegen jeden Morgen neu zu entscheiden   hatten. Und jeden Tag brachten sie noch mehr mit. Jeder einzelne tr&#228;gt   die Verantwortung f&#252;r seine Arbeit. Und jeder einzelne tr&#228;gt auch das   Risiko der Konflikte mit den Kollegen.<\/p>\n<p>  Leider hatten nicht alle Kollegen den Mut, sich am Streik zu beteiligen.   Der Arbeitgeber hat keine Gelegenheit ausgelassen, die Besch&#228;ftigten am   Streik zu hindern, unter Druck zu setzen oder gar zu sanktionieren.   Dieser Druck weckte zu einem Teil Zweifel an der Richtigkeit des   Streiks, zum anderen vermehrte er die Wut, dem Arbeitgeber ausgeliefert   zu sein. Nach dem Streik wurden auch Abmahnungen ausgesprochen.   Begr&#252;ndung: das Verhalten im Streik.<\/p>\n<p>  Das gewonnene Selbstbewusstsein kann niemand den Kollegen wegnehmen, das   hat Auswirkungen auf die Kollegen, die Familien, die die Streikenden   aktiv unterst&#252;tzten und auf ihr weiteres Leben. Leider haben sich nur   wenige mit befristeten Arbeitsvertr&#228;gen am Streik beteiligt; die   Unsicherheit und die Wahrscheinlichkeit den Arbeitsplatz zu verlieren,   ist sehr hoch. Trotzdem haben wir auch diese Kollegen im Streik begr&#252;&#223;en   k&#246;nnen und auch sie haben uns unterst&#252;tzt.<\/p>\n<h4>  Die Methode der Gesch&#228;ftsleitung, Arbeitsvertr&#228;ge befristet   abzuschlie&#223;en, hatte die klare Zielrichtung, eine Solidarisierung unter   den Kollegen oder gar einen Streik zu verhindern. Ihr habt diese H&#252;rde   &#252;berwunden. Jetzt verl&#228;ngert die Firmenleitung auslaufende befristete   Vertr&#228;ge nicht, mit dem Hinweis, dass ja gerade Tarifverhandlungen   laufen. Wie geht ihr damit um?<\/h4>\n<p>  Der Arbeitgeber stellt grunds&#228;tzlich nur befristet ein, neuerdings mit   dreimonatiger Befristung. Es ist die Entscheidung des Arbeitgebers,   dieses Instrument des Teilzeit- und Befristungsgesetzes auszunutzen. Es   ist der bittere Alltag in der CFM seit deren Bestehen 2006. Der Anteil   an Teilzeitarbeit, Minijobs und Leiharbeit ist seitdem gestiegen.<\/p>\n<h4>  Was ist, wenn sich herausstellt, dass die Firmenleitung blufft und gar   keinen Tarifvertrag will?<\/h4>\n<p>  Dann werden wir wieder unsere St&#228;rke zeigen und streiken.<\/p>\n<h4>  Euer schutzloser Status ist der Landespolitik des SPD\/LINKE-Senats   geschuldet. Ihr habt die politische Forderung nach Wiedereingliederung   der CFM in die Charit&#233;. Welche Hebel zu ihrer Verwirklichung siehst du?<\/h4>\n<p>  Wir haben es dem Druck der Kolleginnen und Kollegen der Charit&#233; zu   verdanken, dass die ersten Termine zu Tarifverhandlungen mit der   CFM-Gesch&#228;ftsf&#252;hrung stattgefunden haben. Klar ist: Streikt die CFM &#150;   dann l&#228;uft die Klinik nicht! Es ist eine politische Entscheidung, die   CFM zu 100 Prozent in die Charit&#233; einzugliedern. Es ist an uns, den   Druck auf viele Schultern zu verteilen und zu erh&#246;hen.<\/p>\n<h4>  Das Solidarit&#228;tskomitee f&#252;r die CFM-Besch&#228;ftigten will auch &#246;ffentlichen   Druck auf den Senat mittels einer Unterschriftensammlung und des   Ansto&#223;es zur Einmischung von Gewerkschafts- und anderen Aktivisten   erreichen. Welche Gr&#252;nde siehst du f&#252;r unsere Leser, hier aktiv zu   werden?<\/h4>\n<p>  Der Zusammenhalt der Kollegen von Charit&#233; und CFM ist in Zeiten des   Streiks weiter gewachsen. Es ist wichtig, dass das Thema erhalten   bleibt. Die &#214;ffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, wie die   Bedingungen in der Charit&#233;-Tochter sind, und warum ein privates   Konsortium Gewinne verbucht und Arbeiter der CFM erg&#228;nzende Hilfen, also   Hartz IV, beziehen. Mit der Unterschriftensammlung bleibt das Thema im   Bewusstsein, man kommt mit den Kollegen, Patienten von heute und morgen   leicht ins Gespr&#228;ch. Arbeits- und Lebensbedingungen m&#252;ssen gerade in   Krankenh&#228;usern thematisiert werden, da geh&#246;rt die CFM dazu.<\/p>\n<p>  <i>*Angaben zu den Funktionen dienen nur zur Kenntlichmachung der Person <\/i>    <\/p>\n<h4>  Hungerl&#246;hne unter Rot-Rot<\/h4>\n<p>  Vom 2. bis 14. Mai wurde f&#252;r die Aufnahme von Verhandlungen &#252;ber einen   Tarifvertrag bei der CFM gestreikt (die ersten f&#252;nf Tage synchron zum   Arbeitskampf bei der Charit&#233;). Die CFM ist der &#150; 2006 unter dem   SPD\/LINKE-Senat &#150; ausgegliederte Dienstleistungsbereich der Berliner   Uniklinik Charit&#233;. Hier wurden unter anderem Reinigung,   Krankentransport, K&#252;che, Wachschutz zusammengefasst. Sogar Niedrigl&#246;hne   von 6,25 Euro werden gezahlt. Etwa ein Drittel der gut 2.150   CFM-KollegInnen sind sogenannte &quot;Gestellte&quot;, also aus der Charit&#233; an die   CFM entliehene Arbeitskr&#228;fte. Diese verdienen bis zu 40 Prozent mehr als   direkt bei der CFM besch&#228;ftigte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Kati Ziemer, Mitglied des Betriebsrats bei der CFM in<br \/>\n      Berlin und aktiv in der ver.di-Betriebsgruppe*. Die Fragen stellte Klaus<br \/>\n      Franz\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,14],"tags":[239],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14338"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14338"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14338\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}