{"id":14321,"date":"2011-07-02T00:00:00","date_gmt":"2011-07-01T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14321"},"modified":"2012-05-15T14:48:53","modified_gmt":"2012-05-15T12:48:53","slug":"14321","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/07\/14321\/","title":{"rendered":"DIE LINKE, Antisemitismus, Israel-Kritik und die Gaza-Flottille"},"content":{"rendered":"<p>  Anmerkungen zu einer &#252;berfl&#252;ssigen Diskussion<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE hat innerhalb von zwei   Wochen zwei Beschl&#252;sse zum Thema Antisemitismus und Israel\/Pal&#228;stina   gef&#228;llt und damit eine kontroverse und heftige Debatte innerhalb und   au&#223;erhalb der Partei ausgel&#246;st.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic<\/i><\/h4>\n<p>  Der Beschluss vom 7. Juni r&#252;ckte israelkritische Positionen,   insbesondere die Unterst&#252;tzung einer Ein-Staaten-L&#246;sung im   Nahostkonflikt, die Unterst&#252;tzung von Boykottaufrufen gegen israelische   Produkte und die Gaza-Flottille in die N&#228;he von Antisemitismus. Der   zweite Beschluss vom 28. Juni betonte zwar, dass Kritik an der   israelischen Regierungspolitik kein Antisemitismus ist und bezeichnet   die inflation&#228;re Verwendung des Begriffs &#8222;Antisemitismus&#8220; als sch&#228;dlich   f&#252;r den Kampf gegen denselben. Die Forderung an Fraktionsmitglieder und   -mitarbeiterInnen sich weder an der Gaza-Flottille, noch an politischen   Initiativen f&#252;r eine Ein-Staaten-L&#246;sung und an Boykottaufrufen zu   beteiligen, wurde aber weder zur&#252;ck genommen noch relativiert.<\/p>\n<h4>  Worum geht es?<\/h4>\n<p>  Es geht in dieser Debatte nicht tats&#228;chlich um einen Kampf gegen   antisemitische Positionen innerhalb der Partei DIE LINKE. Auch wenn   verschiedene VertreterInnen der rechten Parteifl&#252;gels behaupten, es gebe   ein Antisemitismusproblem in der Partei, so gibt es keine &#252;berzeugenden   Beispiele f&#252;r antisemitische Positionen von Gliederungen oder   Funkion&#228;rInnen der Partei. Sollte es diese geben, geh&#246;ren diese Personen   oder Gliederungen sofort ausgeschlossen.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich geht es aber um etwas anderes. Als Mittel gegen   Antisemitismus wird vom rechten Fl&#252;gel der Partei eine unkritische   Haltung gegen&#252;ber der Politik des Staates Israel gefordert. In   Wirklichkeit geht es dabei nicht um den Kampf gegen Antisemitismus,   sondern um die Regierungsf&#228;higkeit der Partei auf Bundesebene. In einem   imperialistischen Land wie der Bundesrepublik Deutschland kann eine   Partei nur als Koalitionspartner pro-kapitalistischer Parteien (wie SPD   und Gr&#252;ne) auf Bundesebene akzeptiert werden, wenn sie die wesentlichen   Grundfesten dieses imperialistischen Staates nicht gef&#228;hrdet. Dazu   geh&#246;rt nicht zuletzt die Au&#223;enpolitik und hier die Mitgliedschaft in der   NATO, die Beteiligung an Auslandseins&#228;tzen der Bundeswehr und   verschiedene internationale Kooperationen und B&#252;ndnisse. Der Staat   Israel spielt im Nahen Osten f&#252;r die Aufrechterhaltung der bestehenden   Weltordnung eine zentrale Rolle, er ist der Br&#252;ckenkopf des   Imperialismus in einer &#246;l- und rohstoffreichen Region. Aus historischen   Gr&#252;nden ist das Bekenntnis zu diesem Staat und seine Unterst&#252;tzung f&#252;r   den deutschen Kapitalismus von gro&#223;er Bedeutung und geh&#246;rt, wie Gregor   Gysi es nannte, zur deutschen Staatsr&#228;son. Der rechte Fl&#252;gel der Partei   DIE LINKE will die Partei hier auf BRD-Staatslinie bringen, um die   Beteiligung an einer Bundesregierung in Zukunft m&#246;glich zu machen. Darum   geht es und um nichts anderes!<\/p>\n<h4>  Der Kampf gegen Antisemitismus<\/h4>\n<p>  Dem Kampf gegen Antisemitismus schadet eine solche Haltung. Dieser Kampf   ist wichtig und muss mit aller Entschlossenheit gef&#252;hrt werden, denn   Antisemitismus ist kein Ph&#228;nomen der Vergangenheit. Angesichts der   Weltwirtschaftskrise, zunehmender Verarmung breiter Bev&#246;lkerungskreise   und sozialer Zukunfts&#228;ngste bei Millionen Menschen ist zu bef&#252;rchten,   dass antisemitische S&#252;ndenbockpropaganda, wie auch andere Formen des   Rassismus, einen wachsenden N&#228;hrboden erhalten und zunehmen k&#246;nnen, wenn   diesen nicht entschlossen begegnet und &#252;berzeugende linke Alternativen   entgegen gestellt werden.<\/p>\n<p>  Die Vermischung von Israel-Kritik mit Antisemitismus schadet dem Kampf   gegen Antisemitismus, weil erstens dieser dadurch verharmlost wird,   zweitens die Front der Antisemitismus-GegnerInnen gespalten wird und   drittens gerade das Bestehen darauf, dass Kritik am Staat Israel nicht   mit Antisemitismus gleichbedeutend ist, dazu dient, eine Verbreitung von   Antisemitismus unter denjenigen, die aus guten gr&#252;nden Israel   kritisieren, zu verhindern.<\/p>\n<p>  Die LINKE-Bundestagsfraktion kritisiert in ihrem Beschluss vom 28.6.   faktisch ihren eigenen Beschluss vom 7. Juni, wenn sie schreibt: &#8222;Die   inflation&#228;re Verwendung des Begriffs des Antisemitismus schadet dem   Kampf gegen ihn.&#8220; Es w&#228;re angemessen gewesen, erstens dies offen   zuzugeben und zweitens den Beschluss vom 7. Juni auch formell   zur&#252;ckzuziehen.<\/p>\n<h4>  Ein Staat oder zwei Staaten?<\/h4>\n<p>  Der Staat Israel spielt im Nahen Osten die Rolle einer Besatzungsmacht,   die das Selbstbestimmungsrecht der Pal&#228;stinenserInnen seit Jahrzehnten   verhindert und eine wesentliche Rolle bei der erzwungenen Zersplitterung   der arabischen Nation spielt. Er hat den Gaza-Streifen in ein Gef&#228;ngnis   verwandelt, in dem die Bev&#246;lkerung eingesperrt ist und unter schlechten   sozialen Bedingungen und einer miesen Versorgungslage leidet. Die   Solidarit&#228;t von Linken muss der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung gelten.   Das bedeutet jedoch nicht, dass man als Linke unkritisch jede Form des   pal&#228;stinensischen Widerstands unterst&#252;tzen sollte. Insbesondere die   Politik von Terroranschl&#228;gen gegen israelische ZivilistInnen und das   Abfeuern von Granaten und Kassam-Raketen auf israelische Wohnviertel   sind Mittel, die abzulehnen sind. Nicht nur weil sie die Falschen   treffen, sondern auch weil sie dadurch der pal&#228;stinensischen Sache gar   nicht dienen. Die herrschende Klasse in Israel kann ihre   unterdr&#252;ckerische Politik so dreist betreiben, weil sie daf&#252;r eine Basis   in breiten Teilen der israelisch-j&#252;dischen Bev&#246;lkerung hat. Dies ist der   Fall, weil diese sich in ihrem Selbstbestimmungsrecht bedroht f&#252;hlen und   Angst um ihre eigene Sicherheit haben. Tats&#228;chlich ist Israel heute der   f&#252;r J&#252;dinnen und Juden wahrscheinlich unsicherste Platz, weil die   Unterdr&#252;ckung der Pal&#228;stinenserInnen durch den Staat Israel Widerstand   und auch Terroranschl&#228;ge provoziert. Solche Anschl&#228;ge treiben die   einfachen israelisch-j&#252;dischen ArbeiterInnen aber in die Arme ihrer   Regierung und sind kein Mittel, um die nationale Spaltung zu &#252;berwinden.<\/p>\n<p>  Wie die &#220;berwindung der nationalen Spaltung zu erreichen ist, ist unter   Linken umstritten. Die einen, darunter auch einige j&#252;dische Linke,   treten f&#252;r einen demokratischen und s&#228;kularen (also nicht religi&#246;s   definierten) Staat ein, der das Gebiet des heutigen Israels und der   heutigen Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde umfassen soll und in dem gleiche Rechte   f&#252;r alle Menschen gelten sollen. Dies wird als Ein-Staaten-L&#246;sung   bezeichnet und hat nichts mit Vorstellungen rechter Islamisten zu tun,   die den Staat Israel zerst&#246;ren und die j&#252;dische Bev&#246;lkerung &#8222;ins Meer   treiben&#8220; wollen. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass die Bildung von   zwei separaten Staaten Israel und Pal&#228;stina immer die Manifestierung   begangenen Unrechts, der Vertreibung von Pal&#228;stinenserInnen bei der   Gr&#252;ndung des Staats Israel, bedeuten w&#252;rde. Diese Zielsetzung ist   nachvollziehbar. Sie wird verst&#228;rkt unter pal&#228;stinensischen Linken   diskutiert, die die Hoffnung auf die Gr&#252;ndung eines lebensf&#228;higen   Pal&#228;stinenserstaats aufgegeben haben.<\/p>\n<p>  Sie zeigt aber keinen Weg auf, die tiefe Spaltung zwischen j&#252;dischen   Israelis und Pal&#228;stinenserInnen zu &#252;berwinden. Dazu ist die gegenseitige   Anerkennung des Rechts auf nationale Selbstbestimmung n&#246;tig, was das   Recht auf die Bildung eigener Staaten beinhalten muss. Dies auf   demokratischem Weg umzusetzen, die sozialen Rechte der Menschen dabei   auszuweiten, komplizierte Fragen, wie den Status der Stadt Jerusalem   (die Israelis und Pal&#228;stinenserInnen als Hauptstadt beanspruchen), die   R&#252;ckkehr der pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlinge aus dem Libanon und anderen   L&#228;ndern zu erm&#246;glichen, wird auf Basis kapitalistischer   Klassengesellschaften in Israel und in den Pal&#228;stinensergebieten   unm&#246;glich sein. Nicht zuletzt, weil die herrschende israelische Klasse   den nationalen Konflikt zur Rechtfertigung ihrer Existenz, ihres   aufgebl&#228;hten Staatsapparates etc braucht, aber auch weil die   pal&#228;stinensischen Eliten ebenfalls ihre soziale Basis aus der nationalen   Unterdr&#252;ckung ihres Volkes ableiten.<\/p>\n<p>  Deshalb tritt die SAV und das Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale   f&#252;r eine sozialistische Zwei-Staaten-L&#246;sung ein. Wir erkennen einerseits   das Selbstbestimmungsrecht beider in der Region lebenden Nationen an   (und damit das Recht auf einen eigenen Staat) und erkl&#228;ren gleichzeitig,   dass eine Voraussetzung daf&#252;r &#8211; und damit f&#252;r Frieden in der Region &#8211;   der Sturz der bestehenden kapitalistischen Regierungen ist.<\/p>\n<p>  Im Zusammenhang mit dem Beschluss der Bundestagsfraktion hei&#223;t das aber,   anzuerkennen, dass die Diskussion um eine demokratische   Ein-Staaten-L&#246;sung eine Realit&#228;t innerhalb der linken Bewegungen ist und   es f&#252;r Mitglieder einer pluralen Partei auch das Recht geben muss, diese   zu vertreten, auch wenn die Partei insgesamt eine andere Beschlusslage   hat.<\/p>\n<h4>  Boykott israelischer Waren?<\/h4>\n<p>  Es gibt eine internationale Kampagne, die sich zum Ziel gesetzt hat, die   israelische Regierung durch den Boykott israelischer Waren, eine   Weigerung in Israel zu investieren und die Forderung nach Sanktionen   gegen Israel aufgrund der dort begangenen Menschenrechtsverletzungen   unter Druck zu setzen. Diese Kampagne l&#228;uft unter dem Namen &#8222;BDS &#8211;   Boykott, Deinvestitionen, Sanktionen&#8220;. Sie bezieht sich auf &#228;hnliche   Kampagnen, die gegen den s&#252;dafrikanischen Apartheidsstaat durchgef&#252;hrt   wurden und als ein Beitrag zur Beendigung der Apartheid betrachtet   werden.<\/p>\n<p>  Paul Murphy, der Europaabgeordnete der irischen Schwesterorganisation   der SAV, Socialist Party, und Teilnehmer der Gaza-Flottille hat dazu in   einem Interview gesagt: &#8222;Ich verstehe, warum diese Kampagne von Vielen   unterst&#252;tzt wird, aber ich denke nicht, dass ein genereller Boykott die   beste Taktik f&#252;r eine Kampagne f&#252;r die Rechte der Pal&#228;stinenserInnen und   f&#252;r einen pal&#228;stinensischen Staat ist. Bestimmte Formen von Boykotts &#8211;   zum Beispiel gegen Waffen, die in den besetzten Gebieten verwendet   werden oder gegen von Siedlern hergestellte Produkte k&#246;nnen sinnvoll   sein, vor allem, wenn sie von den Gewerkschaften organisiert werden.   Aber ich denke, dass das israelische Establishment die Entwicklung einer   allgemeinen BDS-Kampagne nutzen w&#252;rde, um die israelische Arbeiterklasse   von den pal&#228;stinensischen Massen weiter zu entfremden. Es w&#252;rde dem   israelischen Staat eine M&#246;glichkeit bieten, seine Propaganda weiter zu   betreiben, dass die israelischen J&#252;dinnen und Juden alleine in der Welt   sind und dass sie zusammen r&#252;cken m&#252;ssen, um sich zu verteidigen.&#8220;<\/p>\n<p>  In Deutschland wird zurecht die Frage des Boykotts israelischer Waren   mit besonderer Sensibilit&#228;t betrachtet, weil die Nazis zum Boykott   j&#252;discher Gesch&#228;fte aufgerufen haben. Eine Gleichsetzung der Nazi-Parole   &#8222;Kauft nicht bei Juden&#8220; und der BDS-Kampagne geht aber an der Realit&#228;t   vorbei. Denn die BDS-Kampagne argumentiert nicht rassistisch, sondern   richtet sich gegen die Politik eines Staates, der ein ganzes Volk   unterdr&#252;ckt. Sie wird von nicht wenigen J&#252;dinnen und Juden unterst&#252;tzt.   Aber eine solche Kampagne kann nur erfolgreich und ein Beitrag zur   &#220;berwindung der nationalen Spaltung im Nahen Osten sein, wenn sie sich   auf die Unterst&#252;tzung relevanter Teile der von einem solchen Boykott   betroffenen Bev&#246;lkerung st&#252;tzen kann. Das ist auch der wesentliche   Unterschied zur Boykottkampagne gegen das Apartheidsregime in S&#252;dafrika.   Dort war die schwarze Arbeiterklasse die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit der   Bev&#246;lkerung und unterst&#252;tzte Boykottaufrufe gegen S&#252;dafrika. Im Fall von   Israel trifft das auf die Mehrheit der israelisch-j&#252;dischen   Arbeiterklasse nicht zu. Deshalb ist die Gefahr gro&#223;, dass die   BDS-Kampagne den Effekt hat, die israelisch-j&#252;dische Bev&#246;lkerung in die   Arme der rechten israelischen Regierung zu treiben und kein Beitrag ist,   diese von der Regierung zu l&#246;sen.<\/p>\n<p>  Bez&#252;glich des Beschlusses der Bundestagsfraktion bedeutet das aber auch   im Fall von BDS, dass eine Vermischung dieser Kampagne mit   Antisemitismus ungerechtfertigt ist und sie Teil der Debatten &#252;ber eine   wirkungsvolle Solidarit&#228;t mit der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung ist.   Auch wenn die Partei sich nicht an der BDS-Kampagne beteiligt, m&#252;ssen   einzelne Mitglieder und Funktion&#228;re trotzdem das Recht dazu haben, dies   zu tun.<\/p>\n<h4>  Die Gaza-Flottille<\/h4>\n<p>  Die Ablehnung einer Unterst&#252;tzung der Gaza-Flottille durch die   Bundestagsfraktion und das faktische Verbot zur Teilnahme an dieser f&#252;r   Abgeordnete und FraktionsmitarbeiterInnen sind eine direkte   Entsolidarisierung mit der Solidarit&#228;tsbewegung f&#252;r die   Pal&#228;stinenserInnen und vor allem die Bev&#246;lkerung in Gaza. Gerade nach   dem brutalen Angriff der israelischen Armee auf die Flottille im letzten   Jahr und die T&#246;tung von neun t&#252;rkischen TeilnehmerInnen, ist dieser   Beschluss skandal&#246;s.<\/p>\n<p>  Die Flottille wird in der Linken im wesentlichen aus zwei Gr&#252;nden   hinterfragt: erstens aufgrund der Zusammensetzung des   Flottillenb&#252;ndnisses und zweitens aufgrund der konfrontativen Taktik.<\/p>\n<p>  Die Free-Gaza-Bewegung, die die Flottille organisiert, ist eine   internationale, sehr breit angelegte Bewegung, die einen demokratischen   Charakter hat. Zu ihr geh&#246;rt auch die t&#252;rkische islamische   Hilfsorganisation IHH. Dieser wird vorgeworfen, eine rechte   islamistische Organisation zu sein. Daf&#252;r gibt es jedoch keine   &#252;berzeugenden Beweise. Tats&#228;chlich ist die IHH wohl eher mit der Caritas   vergleichbar. Sie ist eine islamische Hilfsorganisation, die aber ihre   Hilfe nicht konfessionsgebunden vergibt. So hat sie unter anderem   Hilfsprojekte f&#252;r die Erdbebenopfer in Haiti organisiert. Ihre   Verbindungen zur Hamas gehen nicht &#252;ber die Verbindungen anderer   Institutionen und Nichtregierungsorganisationen hinaus, die im   Gaza-Streifen operieren. Zwangsl&#228;ufig ist die Hamas-Regierung f&#252;r eine   Hilfsorganisation wie die IHH der Ansprechpartner in Gaza, so wie alle   institutionellen Hilfsorganisationen mit den Regierungen der L&#228;nder, in   denen sie Hilfsprojekte durchf&#252;hren, Kontakte unterhalten.<\/p>\n<p>  Als sozialistische Organisation tritt die SAV grunds&#228;tzlich f&#252;r durch   die Arbeiterbewegung organisierte, unabh&#228;ngige Hilfsprojekte ein. Diese   bieten eher eine Garantie, dass Gelder nicht im Korruptionssumpf   versiegen und tats&#228;chlich die am schlimmsten Betroffenen unterst&#252;tzt   werden. Vor allem aber k&#246;nnen gewerkschaftliche und sozialistische   Hilfsprojekte dazu dienen, in den betroffenen L&#228;ndern eine unabh&#228;ngige   Arbeiterbewegung aufzubauen. Das w&#252;rden wir auch f&#252;r Hilfsprojekte f&#252;r   Gaza vorschlagen. Daraus ergibt sich aber nicht, dass SozialistInnen   andere Hilfsprojekte ablehnen oder sich unter keinen Umst&#228;nden daran   beteiligen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Die Gaza-Flottille ist aber mehr als ein humanit&#228;res Hilfsprojekt. Es   ist eine politische Aktion, um international die israelische Blockade   gegen die Bev&#246;lkerung von Gaza auf die Tagesordnung zu bringen und den   Druck auf die israelische Regierung zu maximieren. Sie hat keinen   sozialistischen Charakter und ist auch keine Aktion der   Arbeiterbewegung. Aber sie hat einen demokratischen und   antiimperialistischen Charakter und vertritt progressive Inhalte, die   sich auch nicht gegen die israelisch-j&#252;dische Bev&#246;lkerung richten oder   in irgend einer Art und Weise eine Nationalit&#228;t oder Religion   diskriminieren. An ihr nehmen Hunderte AktivistInnen und viele   Prominente, wie der schwedische Autor Henning Mankell und die   US-amerikanische Schriftstellerin Alice Walker teil. Auf dem irischen   Boot, an dem Paul Murphy teilnimmt, sind vor allem AktivistInnen der   Partei Sinn Fein, von anderen linken Gruppen und von Gewerkschaften.<\/p>\n<p>  MarxistInnen treten f&#252;r die politische Unabh&#228;ngigkeit der   Arbeiterbewegung ein und tragen in alle Widerstandsbewegungen eine   antikapitalistische Perspektive. Die Ablehnung von politischen   B&#252;ndnissen mit b&#252;rgerlichen, pro-kapitalistischen Kr&#228;ften, die zur   Unterordnung unter deren Inhalte und die Zur&#252;ckstellung des Kampfes f&#252;r   Arbeiterrechte und Sozialismus f&#252;hren, bedeutet nicht, Aktionsb&#252;ndnisse   auf demokratischer Basis abzulehnen, an der sich auch   b&#252;rgerlich-demokratische Kr&#228;fte oder eben b&#252;rgerliche oder religi&#246;se   Hilfsorganisationen beteiligen, solange man die eigene politische   Unabh&#228;ngigkeit und Handlungsf&#228;higkeit bewahrt. Das gilt umso mehr f&#252;r   die Bedingungen, die in der neokolonialen Welt, im Falle von nationaler   Unterdr&#252;ckung oder milit&#228;rischer Besatzung herrschen.<\/p>\n<p>  Die Gaza-Flottille ist au&#223;erdem zu unterst&#252;tzen, gerade weil sie den   israelischen Staat und seine in jeder Hinsicht unrechtm&#228;&#223;ige Blockade   von Gaza direkt und offensiv herausfordert. Es geht eben nicht nur um   die Lieferung von Hilfsg&#252;tern, sondern darum, einen Beitrag dazu zu   leisten, dass die Blockade beendet wird. Deshalb sind alle Vorschl&#228;ge,   die Flottille solle doch, anstatt zu versuchen Gaza direkt auf dem   Seeweg zu erreichen, die Hilfsg&#252;ter &#252;ber &#196;gypten anliefern oder die   scheinheiligen Angebote Israels annehmen, die Schiffe von der   israelischen Armee kontrollieren zu lassen und die Lieferung dann den   israelischen Beh&#246;rden zu &#252;berlassen, falsch. Denn sie bedeuten politisch   eine faktische Akzeptanz der Blockade und gerade diese soll ja   delegitimiert werden. Und ganz abgesehen davon ist kein Verlass auf die   israelischen Beh&#246;rden, dass sie tats&#228;chlich alle Hilfsg&#252;ter nach Gaza   transportieren w&#252;rden. Im letzten Jahr wurden zum Beispiel nicht alle   G&#252;ter, die nach der Kaperung der Flottille in die H&#228;nde der israelischen   Beh&#246;rden gelangten, weiter geleitet und wurden die Rollst&#252;hle   funktionsunf&#228;hig geliefert.<\/p>\n<h4>  Wie weiter?<\/h4>\n<p>  In der Partei DIE LINKE sollte eine offene und breite Debatte &#252;ber die   in den letzten Wochen aufgeworfenen Fragen gef&#252;hrt werden. Diejenigen,   die pauschal den Vorwurf erheben, es gebe in der Partei Antisemiten,   sollen das konkret darlegen oder diesen Vorwurf zur&#252;ck nehmen. Denn wie   der Verein &#8222;J&#252;dische Stimme f&#252;r einen gerechten Frieden in Nahost&#8220; sagt:   &#8222;Der Antisemitismusvorwurf ist angesichts der Auswirkungen dieser   katastrophalsten und widerlichsten Weltanschauung in der   Menschheitsgeschichte eine der schwerwiegendsten Bezichtigungen, die man   heute in Deutschland und auch sonst &#252;berall auf der Welt hervorheben   kann. Es unterstellt dem Angeschuldigten eine hasserf&#252;llte innere Welt   mit auf Juden verschobener Aggressivit&#228;t. Sie beschuldigt ihn, ihr   Verschwinden als religi&#246;se, kulturelle, ethnische und angeblich   rassische Einheit aus der Welt zu w&#252;nschen und daf&#252;r einzutreten bis hin   zum V&#246;lkermord..&#8220;<\/p>\n<p>  Gleichzeitig gilt zweifellos auch, dass die historische Singularit&#228;t des   nazistischen Vernichtungsfeldzugs gegen die J&#252;dinnen und Juden nicht   relativiert werden sollte und immer wieder vorkommende Vergleiche der   Politik des Staats Israels mit den Nazis Fehl am Platze sind.   Unterdr&#252;ckerisch, imperialistisch und rassistisch ist die Politik des   Staates Israel aber trotzdem. Das muss ausgesprochen und bek&#228;mpft   werden. Auch von der Partei DIE LINKE.<\/p>\n<\/p>\n<h5>  Sascha Stanicic ist Bundessprecher der SAV und Mitglied der Partei DIE   LINKE in Berlin-Neuk&#246;lln.<\/h5>\n<h4>  Weiterlesen zum Thema Antisemistsmus und Nahost-Konflikt:<\/h4>\n<p>  <a href=\"\/?p=14016\">Artikel zu Antisemitismus<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/?swid=98\">Artikel zum Nahostkonflikt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Anmerkungen zu einer &#252;berfl&#252;ssigen Diskussion\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,25,5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14321"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14321"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14321\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}