{"id":14289,"date":"2011-08-19T00:00:00","date_gmt":"2011-08-18T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14289"},"modified":"2016-02-12T10:40:19","modified_gmt":"2016-02-12T09:40:19","slug":"14289","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/08\/14289\/","title":{"rendered":"Die TrotzkistInnen in Spanien"},"content":{"rendered":"<p>  aus dem Buch: Der Spanische B&#252;rgerkrieg 1936-1939<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die POUM und andere Linke wurden von den Stalinisten im B&#252;rgerInnenkrieg   als trotzkistisch beschimpft und schlie&#223;lich verfolgt. Tats&#228;chlich   kritisierten die TrotzkistInnen, die sich damals meist   &#8222;Bolschewiki-Leninisten&#8220; nannten, die POUM-Politik scharf.<\/p>\n<h4>  POUM und Trotzkismus<\/h4>\n<p>  Die POUM war im September 1935 durch die Vereinigung der &#8222;Izquierda   Comunista de Espa&#241;a&#8220; (Kommunistische Linke Spaniens, ICE) und des   &#8222;Bloque Obrero y Compesino&#8220; (Arbeiter- und Bauernblock, BOC) entstanden.   Die ICE unter der F&#252;hrung von Andres Nin und Juan Andrade war jahrelang   die Organisation der spanischen TrotzkistInnen gewesen. Fast &#252;ber die   ganze Zeit hinweg gab es zum Teil heftige Meinungsverschiedenheiten mit   Trotzki.<\/p>\n<p>  Die Gr&#252;ndung der POUM f&#252;hrte schlie&#223;lich zum endg&#252;ltigen Bruch mit   Trotzki. Die Beteiligung der POUM an dem Volksfront-Wahlb&#252;ndnis im   Januar 1936 vertiefte den Bruch weiter. Als Folge gab es in den n&#228;chsten   Monaten niemanden im Spanien, der im Sinne Trotzkis politisch t&#228;tig war.<\/p>\n<h4>  Erste Ans&#228;tze<\/h4>\n<p>  Das &#228;nderte sich erst, als im April 1936 die italienischen   TrotzkistInnen Nicola di Bartolomeo und Virginia Gervasini (die unter   den Pseudonymen Fosco und Sonia t&#228;tig wurden) nach Barcelona kamen. Sie   wurden Anfang Mai festgenommen und erst nach einer Protestkampagne von   CNT und POUM wieder freigelassen. In den folgenden Wochen gingen sie an   die Schaffung der &#8222;Grupo Bolchevique-Leninista&#8220;   (Bolschewistisch-Leninistische Gruppe, GBL) in Barcelona. Mehrere   weitere italienische TrotzkistInnen, die in Paris im Exil gelebt hatten,   kamen nach Barcelona, z.B. Lionelli Guido (Pino) und Guiseppe Guarneri   (Lino), Piero Milano, Placido Mangraviti, ebenso der Franzose Robert de   Fauconnet, der Ende Juni aus der franz&#246;sischen Armee desertiert war.   Ebenfalls bereits vor dem 19. Juli in Barcelona waren der Tscheche   V&#237;ctor Ondik und die Schweizerin Clara Ensner (oder Clara Thalmann), die   f&#252;r die Volksolympiade, die linke Gegenveranstaltung zur Olympiade in   Nazi-Berlin, gekommen war.<\/p>\n<p>  Zu Beginn des B&#252;rgerInnenkriegs nahmen Virginia Gervasini und Guiseppe   Guaneri an der St&#252;rmung des Hotels Falcon teil, das dann zur   Parteizentrale der POUM wurde. Nach Francos Putsch kam der Deutsche Hans   David Freund (Moulin) nach Madrid. Der D&#228;ne Aage Kielso k&#228;mpfte an der   Front von C&#243;rdoba und bei Madrid und geh&#246;rte bis M&#228;rz 1937 den   Internationalen Brigaden an. Der Schweizer Paul Thalmann, der   Lebensgef&#228;hrte von Clara Ensner, kam ebenso nach Barcelona wie die   Italiener Domenico Sedran (Adolfo Carlini) und Cristofano Salvini   (Tosca). Weiter kamen Veniero Spinelli, die Franzosen George Ch&#233;ron,   Emmanuel Loubier, Vallade, Henry und Maurice A&#239;ache, die Belgier Ren&#233;   Pasque, Pierre Wauvermans, Pierre Launoj und Maurice Breziner, der   Deutsche Herbert Lenz (Kempinski), die kubanischen surrealistischen   Dichter Wilfrido Lam und Juan Brea, die Australierin Mary Low. Der Pole   Mieczyslaw Bortenstein (Casanova) schrieb sp&#228;ter eine Zusammenfassung   seiner Erlebnisse in Spanien, wurde nach seiner Flucht 1939 von der   franz&#246;sischen demokratischen Republik so lange interniert, bis er den   Nazis in die H&#228;nde fiel, die ihn 1942 in Auschwitz ermordeten. Aus den   USA kamen Wolf Kupinsky (Harry Milton), Charles A. Orr und seine Frau   Lois Orr, Russell Blackwell (Rosalio Negrete) und Hugo Oehler, der einer   Abspaltung der trotzkistischen Organisation angeh&#246;rte. Leslie   Goonewardene, f&#252;hrendes Mitglied der Lanka Sama Samaja Party, die wenige   Jahre sp&#228;ter die trotzkistische Organisation in Sri Lanka wurde, ging   ebenfalls nach Spanien.<\/p>\n<h4>  Die Internationale Lenin-Kolonne<\/h4>\n<p>  Das Exekutivkomitee der POUM &#252;bertrug Fosco die Verantwortung f&#252;r die   Betreuung der ausl&#228;ndischen AktivistInnen, Sonia machte franz&#246;sisch- und   italienischsprachige Beitr&#228;ge f&#252;r den Radiosender der POUM. Beide   gr&#252;ndeten das &#8222;Comit&#233; Unico Internacional de Refugiados Antifascistas&#8220;   (Internationales Einheitskomitee der antifaschistischen Fl&#252;chtlinge,   CUIRA), das aus ausl&#228;ndischen Fl&#252;chtlingen die Internationale   Lenin-Kolonne der POUM bildete, die &#8211; Monate vor der Gr&#252;ndung der   Internationalen Brigaden &#8211; die erste internationale Kampfeinheit im   Spanischen B&#252;rgerInnenkrieg war. Geleitet wurde die Lenin-Kolonne von   Fosco, Robert de Fauconnet und Enrico Russo, einem f&#252;hrenden   Bordigisten. Die BordigistInnen waren eine linke Abspaltung der   italienischen Kommunistischen Partei. Amadeo Bordiga hatte Anfang der   20er Jahre die italienische Kommunistische Partei geleitet, den   aufkommenden Faschismus schwer untersch&#228;tzt und eine sektiererische   Politik betrieben. Auch sp&#228;ter (1930, nach 1945) scheiterte ein   Zusammenschluss mit der trotzkistischen Opposition am bordigistischen   Sektierertum. Aber trotz dieser politischen Fehler waren viele   BordigistInnen aufrechte Revolution&#228;rInnen. Der Lenin-Kolonne geh&#246;rten   rund 30 BordigistInnen, 20 Bolschewiki-LeninistInnen, mehrere   MaximalistInnen (linke italienische SozialistInnen) und Parteilose an.   Die meisten waren italienische Fl&#252;chtlinge aus Frankreich und Belgien.<\/p>\n<p>  Die Lenin-Kolonne k&#228;mpfte im September in mehreren Schlachten an der   Huesca-Front an vorderster Front. Aber im Oktober stie&#223; die Politik der   Volksfrontregierung, die Milizen zu militarisieren, bei der   Lenin-Kolonne auf heftige Opposition. Die POUM versicherte ihnen, das   gelte nicht f&#252;r Katalonien und schon gar nicht f&#252;r die ausl&#228;ndischen   K&#228;mpferInnen. Aber schon wenige Tage nach dieser Zusage gab sie dem   Druck der Volksfront nach. Daraufhin verlie&#223;en die meisten   bordigistischen K&#228;mpferInnen und ein paar der TrotzkistInnen Spanien.   Die Mehrheit der TrotzkistInnen blieb und setzte den Kampf bzw. die   politische Arbeit an anderer Stelle fort. So zB die Franzosen Loubier   und Vallade, sie traten den Internationalen Brigaden bei und fielen im   April-Mai 1937 an der Front.<\/p>\n<h4>  Konflikte<\/h4>\n<p>  Gleichzeitig vertiefte sich der Bruch zwischen der POUM und Trotzki   wegen der Teilnahme der POUM am Wirtschaftsrat ab August und der   Regierung Kataloniens ab September 1936. Die F&#252;hrung der POUM   bezeichnete die scharfe Kritik der TrotzkistInnen an dieser Politik als   Verleumdung und forderte von den spanischen TrotzkistInnen, sich davon   zu distanzieren. Besonders gro&#223;e Konflikte gab es, als im August 1936   eine offizielle trotzkistische Delegation mit Benjam&#237;n P&#233;ret und Pierre   Sabas unter der Leitung von Jean Rous (Clart) nach Barcelona kam.<\/p>\n<p>  Es entwickelte sich ein Konflikt innerhalb der trotzkistischen Gruppe   GBL wegen der Frage der Mitarbeit in der POUM. Die GBL wollte innerhalb   der POUM als Fraktion arbeiten. Die POUM lehnte das ab und wollte nur   erlauben, dass einzelne Mitglieder individuell der POUM beitraten, wenn   sie sich von der trotzkistischen &#8222;Verleumdungskampagne&#8220; distanzierten.   Zu dieser Zeit lief die wirkliche Verleumdungskampagne der Stalinisten   gegen die POUM schon auf Hochtouren. Gleichzeitig wurden TrozkistInnen,   die in der POUM Mitglied waren, ausgeschlossen, zB Herbert Lenz. Lu&#237;s   Zanon Grimm, der in der POUM-Miliz gek&#228;mpft und f&#252;r POUM-Zeitungen   &#252;bersetzt hatte, wurde im Februar 1937 24 Stunden vom Ordnungsdienst der   POUM festgehalten, weil er trotzkistisches Material verteilt hatte.<\/p>\n<p>  Die Frage, unter welchen Bedingungen man\/frau der POUM beitreten k&#246;nne,   f&#252;hrte zur Spaltung der kleinen trotzkistischen Gruppe. Fosco wurde am   30. Oktober ausgeschlossen. Der Hauptgrund war der enorme Druck, den die   riesige Kluft zwischen der gewaltigen historischen Aufgabe und der   zahlenm&#228;&#223;ige Schw&#228;che der TrotzkistInnen bedeutete. So eine Situation   verleitet zu der Suche nach Abk&#252;rzungen und Fosco gab dieser Versuchung   nach und hoffte, durch die Mitarbeit der POUM um jeden Preis dort einen   Kurswechsel erreichen zu k&#246;nnen. Hinzu kam, dass in Frankreich, wo es   nach der Streikwelle vom Juni 1936 eine &#228;hnliche Kluft zwischen Aufgaben   und Kr&#228;ften gab, auch eine Spaltung stattfand. Eine Gruppe um Molinier   hoffte, durch die Herausgabe einer &#8222;Massenzeitung&#8220; mit verw&#228;ssertem   Programm schneller wachsen zu k&#246;nnen &#8211; was sich in den folgenden Monaten   als Illusion erwies.<\/p>\n<p>  Der Konflikt endete damit, dass es nur eine kleine und eine winzige   trotzkistische Gruppe gab. Die winzige Gruppe von Fosco mit im Mai 1937   etwa 8 Leuten lehnte sich an die Gruppe Moliniers in Frankreich an und   gab das Bulletin &#8222;Le Soviet&#8220; heraus &#8211; auf franz&#246;sisch, weil sie keine   Leute hatten, die auf spanisch schreiben konnten. Zwischen Januar 1937   und Januar 1938 erschienen 15 Nummern, die in 8 oder 10 Exemplaren von   Virginia Gervasini abgetippt wurden! Sie nannten sich Grupo   Bolshevique-Leninista &#8222;Le Soviet&#8220;. Vereinigungsversuche im Januar und   Mai scheiterten. Die Spaltung konnte erst 1943 im Exil wieder &#252;berwunden   werden.<\/p>\n<h4>  Die Secci&#243;n bolchevique-leninista de Espa&#241;a (SBLE)<\/h4>\n<p>  Die Mehrheit der GBL setzte ihre Arbeit fort. Wichtig war, dass sie   Verst&#228;rkung durch SpanierInnen erhielten. Manuel Fern&#225;ndez Grandizo   (Grandizo Munis) war einer der wenigen spanischen POUM-F&#252;hrerInnen, der   dem Trotzkismus treu geblieben war. Allerdings war er Anfang 1936 nach   Mexiko abgereist. Nach Francos Putsch und der revolution&#228;ren   Gegenbewegung kehrte er schnellstm&#246;glich nach Spanien zur&#252;ck, kam aber   erst im Oktober an. Er nahm in der sozialistischen Miliz an der   Verteidigung von Madrid teil und gr&#252;ndet dann im November mit der   GBL-Mehrheit eine offizielle spanische trotzkistische Sektion &#8222;Secci&#243;n   bolchevique-leninista de Espa&#241;a&#8220;, SBLE. Es wurde ein Exekutivkomitee aus   Munis, Aage Kielso und Adolfo Carlini gegr&#252;ndet. Im Januar und Februar   1937 erschien je ein Bulletin und im April die erste Nummer ihrer   Zeitung &#8220;La voz Leninista&#8221; (Die leninistische Stimme).<\/p>\n<p>  Diese Zeitung und Flugbl&#228;tter gab sie in einer Auflage von Tausenden   heraus. Dazu erschienen noch Bulletins in franz&#246;sisch und deutsch.   Anders als die &#8220;Le Soviet&#8221;-Gruppe, deren Verankerung so gering wie ihre   Zahl und ihre Spanischkenntnisse waren, hatten sie nicht nur mehr   Mitglieder, etwa 30 im Mai 1937, sondern auch wichtige Kontakte zur   linken Opposition innerhalb der POUM und den AnarchistInnen. Die   Organisation bestand aus einem kleinen Kern au&#223;erhalb der POUM und einer   Gruppe, die in der POUM faktisch als Fraktion arbeitete. Auf Widerhall   in der POUM stie&#223;en ihre Ideen vor allem in Barcelona, Madrid und   Llerena. Freund (Moulin) hatte eine gute Beziehung zur &#8222;Agrupaci&#243;n de   Los Amigos de Durruti&#8220; (Vereinigung der Freunde Durrutis), dem   revolution&#228;ren Fl&#252;gel der AnarchistInnen, mit etwa 4-5.000 Mitgliedern.<\/p>\n<p>  Im April ging Munis f&#252;r ein paar Wochen nach Paris, so dass w&#228;hrend der   entscheidenden Mai-Tage in Barcelona die F&#252;hrung der SBLE bei Moulin   lag. Damals waren die Amigos de Durruti und die SBLE die einzigen   Organisationen, die auf den Barrikaden Flugbl&#228;tter verteilten, die dazu   aufforderten, den Kampf fortzusetzen. Adolfo Carlini und Jos&#233; Quesnada   von der SBLE trafen sich mit Jaime Balius und anderen LeiterInnen der   Amigos de Durruti, um gemeinsam den revolution&#228;ren Aufstand   voranzutreiben. Balius wiederum hatte Kontakte zu Josep Rebull, dem Kopf   der Linken in der POUM. Leider reichte die Autorit&#228;t der Linken nicht,   um den spontanen Aufstand in Barcelona gegen die Opposition der   CNT-F&#252;hrung fortzusetzen und auszuweiten. Die ArbeiterInnen verlie&#223;en   die Barrikaden und der stalinistische Terror begann.<\/p>\n<h4>  Stalinistischer Terror<\/h4>\n<p>  Die POUM wurde ebenso verboten wie die Amigos de Durruti und die SBLE.   POUM-F&#252;hrer Andres Nin wurde ebenso von den Stalinisten ermordet wie die   Anarchisten Camillo Berneri und Francesco Barbieri und die   TrotzkistInnen Hans David Freund, Carrasco und Erwin Wolf und viele   weniger Bekannte. Erwin Wolf (Nicolle Braun) hatte Munis im Mai als   offizieller Vertreter des trotzkistischen Internationalen Sekretariats   nach Barcelona begleitet. Er wurde von den Stalinisten in ihr   Privatgef&#228;ngnis geworfen, nach einer Weile scheinbar freigelassen,   tats&#228;chlich aber ermordet. Jaime Fern&#225;ndez musste die Zeit vom 2.   September 1937 bis 10. Februar 1938 im Arbeitslager Omells de Na Gaia   verbringen, wo die Stalinisten f&#252;r unmenschliche Lebensbedingungen   sorgten, Folter und Mord an der Tagesordnung waren. Kaum freigelassen,   wurde er am 13. Februar mit anderen f&#252;hrenden TrotzkistInnen erneut   verhaftet.<\/p>\n<p>  In einem stalinistischen Schauprozess (allerdings ohne die widerlichen   Selbstbezichtigungen der damaligen Moskauer Schauprozesse) wurde ihnen   Sabotage, Spionage und alle m&#246;glichen Attentatspl&#228;ne vorgeworfen. Munis,   Carlini und Jaime Fern&#225;ndez wurden zum Tode verurteilt. Wegen   internationalem Druck und dem durch den Krieg erzeugten Chaos verz&#246;gerte   sich die Hinrichtung. Munis entkam mit mehreren POUM-Mitgefangenen aus   dem Gef&#228;ngnis und gelangte 1939 &#252;ber Frankreich nach Mexiko. Carlini   entkam ebenfalls, tauchte unter, wurde aber beim Versuch, die   franz&#246;sische Grenze zu &#252;berqueren, gefasst und in ein Lager gesteckt.<\/p>\n<p>  Nach der Niederlage des Maiaufstandes und der Unterdr&#252;ckung der POUM   versuchten die TrotzkistInnen, die anarchistische Basis verst&#228;rkt   anzusprechen. Sie fanden dort viel Sympathie. Die Verbreitung des   trotzkistischen Materials w&#228;re ohne diesen Schutz angesichts des   stalinistischen Terrors nicht mehr m&#246;glich gewesen. Aber viele, die den   Ideen zustimmten, wagten es wegen des stalinistischen Terrors nicht,   sich zum Trotzkismus zu bekennen.<\/p>\n<h4>  Gr&#252;nde des Misserfolgs<\/h4>\n<h4>  Erwin Wolf nannte in seinem internen Bericht vom 6. Juli 1937 eine Reihe   von Gr&#252;nden f&#252;r den geringen Erfolg der spanischen TrotzkistInnen:<\/h4>\n<p>  Der Verrat einer F&#252;hrung mit gro&#223;em Prestige (Nin und Andrade) f&#252;hrte zu   einer Demoralisierung der Basis der ehemaligen linken Opposition.   Richtige Ideen reichen nicht aus. In einer Revolution muss eine   Organisation stark genug sein, um auch Aktionen durchf&#252;hren zu k&#246;nnen,   um das Vertrauen der Massen zu gewinnen. Viele GenossInnen, die auch aus   dem Ausland kamen, wollten lieber mit der &#8222;etwas falschen Politik&#8220; der   POUM &#8222;die Revolution machen&#8220; als mit den TrotzkistInnen &#8222;endlos reden&#8220;.   Leider zeigte sich, dass das &#8222;etwas Falsche&#8220; an der Politik der POUM den   Unterschied zwischen Sieg der Revolution und Sieg des Faschismus   ausmachte. Drittens nutzte die POUM Differenzen innerhalb der   trotzkistischen Bewegung, in der einzelne nationale Sektionen die POUM   gegen die Linie Trotzkis unterst&#252;tzten.<\/p>\n<p>  In der ersten H&#228;lfte der 1930er Jahre hatten die Weltwirtschaftskrise   und der Aufstieg des Faschismus zu einer Radikalisierung der   Arbeiterbewegung gef&#252;hrt. Der Reformismus schien auszusterben. Selbst   rechte SozialdemokratInnen hielten revolution&#228;re Sonntagsreden und Linke   entwickelten sich teilweise wirklich in eine revolution&#228;re Richtung. Die   TrotzkistInnen versuchten, mit ihnen gemeinsam eine neue Vierte   Internationale aufzubauen. Der &#220;bergang der stalinistischen Komintern   (Dritte Internationale) zur reformistischen Volksfrontpolitik &#228;nderte   das. Pl&#246;tzlich bot ausgerechnet die &#8222;kommunistische&#8220; Internationale den   rechten SozialdemokratInnen einen Halt, um nicht von der nach links   str&#246;menden Flut mitgerissen zu werden. StalinistInnen und rechte   SozialdemokratInnen gingen international in die Gegenoffensive. Das   Zur&#252;ckschwingen des Pendels nach rechts hatte auch Auswirkungen auf   Teile der TrotzkistInnen. Besonders f&#252;r solche, die sich erst vor kurzem   von der Sozialdemokratie gel&#246;st hatten. Das war ein Faktor nicht nur   beim Rechtsrutsch der POUM, sondern auch bei der Unterst&#252;tzung f&#252;r sie   innerhalb trotzkistischer Organisationen.<\/p>\n<p>  Wolf kritisierte auch, dass die Internationale die spanischen   TrotzkistInnen zu wenig finanziell unterst&#252;tzt habe. Als weiteres   Problem nannte Wolf nat&#252;rlich die Rolle der GBL &#8222;Le Soviet&#8220;. Sie habe   Opportunismus und Sektierertum kombiniert. Ihre Kritik an der POUM sei   oft abstrakt und irrig gewesen.<\/p>\n<p>  All diese Faktoren verhinderten, dass die kleinen trotzkistischen   Organisationen zu einer Massenkraft anwachsen konnten. Die POUM hatte im   Sommer 1936 ein st&#252;rmisches Wachstum, von wenigen Tausend auf einige   zehntausend Mitglieder in wenigen Wochen. Die Grundlage daf&#252;r war, dass   sie getrieben durch die revolution&#228;ren Ereignisse eine &#8222;richtigere&#8220;   Politik als zuvor machte. Und nat&#252;rlich hatte die POUM bereits eine   gewisse Gr&#246;&#223;e und damit eine gr&#246;&#223;ere Anziehungskraft.<\/p>\n<p>  H&#228;tten die POUM F&#252;hrer Nin und Andrade den Rat der Trotzkis und der   Internationalen Linken Opposition befolgt sich nicht mit dem BOC zu   vereinigen, h&#228;tten sie im Sommer 1936 eine revolution&#228;re Massenpartei   aufbauen k&#246;nnen. Und diese Partei h&#228;tte dem Spanischen B&#252;rgerInnenkrieg   einen anderen Verlauf geben k&#246;nnen. So aber ist die Geschichte der POUM   unmittelbar mit der Niederlage im Spanischen B&#252;rgerInnenkrieg verkn&#252;pft.<\/p>\n<p>  Die meisten der in diesem Artikel angef&#252;hrten Daten sind entnommen aus:   Agust&#237;n Guillam&#243;n (Hg.): Documentaci&#243;n hist&#243;rica del Trosquismo espa&#241;ol   (1936-1948). Ediciones de la Torre. Madrid 1996<\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_36\/Der-Spanische-B%C3%BCrgerkrieg.html\">Das   Buch im Online-Shop der SAV kaufen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      aus dem Buch: Der Spanische B&#252;rgerkrieg 1936-1939\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90,97],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14289"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14289"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14289\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32252,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14289\/revisions\/32252"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14289"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14289"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14289"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}