{"id":14287,"date":"2011-07-25T00:00:00","date_gmt":"2011-07-24T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14287"},"modified":"2016-02-12T10:37:50","modified_gmt":"2016-02-12T09:37:50","slug":"14287","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/07\/14287\/","title":{"rendered":"Leo Trotzki: Die Spanische Lehre &#8211; eine letzte Warnung"},"content":{"rendered":"<p>  aus dem Buch: Der Spanische B&#252;rgerkrieg 1936-1939<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Menschewismus und Bolschewismus in Spanien<\/h4>\n<p>  Die milit&#228;rischen Operationen in Abessinien, Spanien und im Fernen Osten   werden heute von allen Generalst&#228;ben, die sich auf den kommenden gro&#223;en   Krieg vorbereiten, sorgf&#228;ltig studiert. Die K&#228;mpfe des spanischen   Proletariats, Wetterleuchten der k&#252;nftigen internationalen Revolution,   m&#252;ssen nicht minder aufmerksam von den revolution&#228;ren St&#228;ben studiert   werden: nur unter dieser Bedingung werden die kommenden Ereignisse uns   nicht &#252;berrumpeln.<\/p>\n<p>  Drei Konzeptionen bek&#228;mpften sich mit ungleichen Kr&#228;ften im so genannten   republikanischen Lager: die Menschewistische, die Bolschewistische und   die Anarchistische. Was die b&#252;rgerlich-republikanischen Parteien   betrifft, so besa&#223;en sie weder eigene Ideen noch eigene politische   Bedeutung und hielten sich nur im Nacken der Reformisten und   Anarchisten. Man kann weiterhin ohne &#220;bertreibung sagen, die F&#252;hrer des   spanischen Anarchosyndikalismus haben alles getan, um ihre Doktrin zu   desavouieren und praktisch ihre Bedeutung auf Null zu reduzieren.   Faktisch standen sich im so genannten republikanischen Lager zwei   Doktrinen gegen&#252;ber: die Menschewistische und die Bolschewistische.<\/p>\n<p>  Nach Auffassung der Sozialisten und Stalinisten, daher der Menschewiki   ersten und zweiten Aufgebots, sollte die spanische Revolution nur ihre   &quot;demokratischen&quot; Aufgaben l&#246;sen, und dazu sei Einheitsfront mit der   &quot;demokratischen&quot; Bourgeoisie erforderlich. Jeder Versuch des   Proletariats, &#252;ber den Rahmen der b&#252;rgerlichen Demokratie hinauszugehen,   ist von diesem Gesichtspunkt aus gesehen nicht nur verfr&#252;ht, sondern   auch verh&#228;ngnisvoll. Au&#223;erdem stehe nicht die Revolution, sondern der   Kampf gegen den Rebellen Franco auf der Tagesordnung. Der Faschismus ist   die &quot;Reaktion&quot;. Gegen die &quot;Reaktion&quot; g&#228;lte es, alle Kr&#228;fte des zu   &quot;Fortschritts&quot; zu einen. Dass der Faschismus nicht feudale, sondern   b&#252;rgerliche Reaktion ist, dass die b&#252;rgerliche Reaktion erfolgreich nur   mit den Kr&#228;ften und Methoden der proletarischen Revolution zu bek&#228;mpfen   ist, daf&#252;r hat der Menschewismus, selbst ein Zweig des b&#252;rgerlichen   Denkens, kein Verst&#228;ndnis und kann es auch nicht haben.<\/p>\n<p>  Der bolschewistische Standpunkt, dem nur die junge Sektion der Vierten   Internationale vollendeten Ausdruck verlieh, ging von der Theorie der   permanenten Revolution aus, n&#228;mlich: selbst rein demokratische Aufgaben   wie die Liquidierung des halbfeudalen Grundbesitzes sind ohne   Machteroberung durch das Proletariat nicht zu l&#246;sen, dies aber stellt   seinerseits die sozialistische Revolution auf die Tagesordnung. &#220;brigens   setzten sich die spanischen Arbeiter selbst vom ersten Tage der   Revolution an praktisch nicht nur demokratische, sondern auch rein   sozialistische Ziele. Die Forderung, nicht &#252;ber die Grenzen der   b&#252;rgerlichen Demokratie hinauszugehen, bedeutet in Wirklichkeit nicht   eine Verteidigung der demokratischen Revolution, sondern Verzicht auf   sie. Nur durch Umw&#228;lzung der Bodenverh&#228;ltnisse k&#246;nnte man die Bauern,   die Hauptmasse der Bev&#246;lkerung, zu einem m&#228;chtigen Bollwerk gegen den   Faschismus machen. Doch die Grundbesitzer sind durch unl&#246;sliche Bande   mit Finanz-, Handels- Industriebourgeoisie und der von ihr abh&#228;ngigen   b&#252;rgerlichen Intelligenz verkn&#252;pft. Die Partei des Proletariats stand   somit vor der notwendigen Wahl: Mit den Bauernmassen oder mit der   liberalen Bourgeoisie? In eine allgemeine Koalition sowohl die Bauern   wie die liberale Bourgeoisie aufnehmen, konnte nur mit einem einzigen   Ziel geschehen: der Bourgeoisie helfen, die Bauern zu betr&#252;gen und sie   so von den Arbeitern zu isolieren. Die Agrarrevolution war nur gegen die   Bourgeoisie durchzuf&#252;hren, folglich nur durch Ma&#223;nahmen einer Diktatur   des Proletariats. Irgendein mittleres, ein Zwischenregime gibt es nicht.<\/p>\n<p>  Was vom Standpunkt der Theorie in Stalins Spanienpolitik am meisten   &#252;berrascht, ist das vollst&#228;ndige Vergessen des ABC des Leninismus. Mit   der Versp&#228;tung von einigen Jahrzehnten &#8211; und was f&#252;r Jahrzehnten! &#8211; hat   die Komintern die Doktrin des Menschewismus wieder ganz in ihre Rechte   eingesetzt. Mehr; sie bekam es fertig, dieser Doktrin den   &quot;konsequentesten&quot; und damit absurdesten Ausdruck zu verleihen. Im   zaristischen Russland an der Schwelle des Jahres 1905 verf&#252;gte die   Formel der &quot;rein demokratischen Revolution&quot; jedenfalls &#252;ber ungleich   mehr Argumente als 1937 in Spanien. Kein Wunder, wenn im heutigen   Spanien die &quot;liberale Arbeiterpolitik&quot; des Menschewismus sich in die   reaktion&#228;re Anti-Arbeiterpolitik des Stalinismus verwandelte. Zugleich   damit verwandelte sich die Doktrin der Menschewiki, diese Karikatur auf   den Marxismus, in ihre eigene Karikatur.<\/p>\n<h4>  Die &quot;Theorie&quot; der Volksfront<\/h4>\n<p>  Es w&#228;re indessen naiv zu meinen, der Kominternpolitik in Spanien l&#228;ge   ein theoretischer &quot;Fehler&quot; zugrunde. Der Stalinismus l&#228;sst sich nicht   von der Theorie des Marxismus oder &#252;berhaupt von irgendeiner Theorie   leiten, sondern von den empirischen Interessen der Sowjetb&#252;rokratie.   Unter sich machen sich die Moskauer Zyniker &#252;ber die dimitrowsche   Volksfront &quot;Philosophie&quot; lustig. Doch zur T&#228;uschung der Massen stehen   ihnen zahlreiche Kader von Predigern dieser geheiligten Formel zur   Verf&#252;gung, Aufrichtige und Schelme, Einfaltspinsel und Scharlatane.   Louis Fisher, mit seiner Unwissenheit und Selbstzufriedenheit, mit   seiner provinziellen Klugrednerei und seiner organischen Taubheit f&#252;r   die Revolution ist der absto&#223;endste Vertreter dieser wenig anziehenden   Sippschaft. &quot;B&#252;ndnis der fortschrittlichen Kr&#228;fte!&quot;, &quot;Triumph der   Volksfrontidee!&quot;, &quot;Anschlag der Trotzkisten auf die Einheit der   antifaschistischen Reihen!&quot;, &#8230; wer sollte glauben, dass das   &quot;Kommunistische Manifest&quot; vor 90 Jahren geschrieben wurde?<\/p>\n<p>  Die Volksfronttheoretiker gehen im Wesentlichen &#252;ber die Anfangsgr&#252;nde   der Arithmetik, n&#228;mlich die Addition, nicht hinaus: die Summe von   &quot;Kommunisten&quot;, Sozialisten, Anarchisten und Liberalen ist gr&#246;&#223;er als   jeder Teil f&#252;r sich. Das ist ihre ganze Weisheit. Allein, die Arithmetik   reicht in diesem Fall nicht aus, Es bedarf mindestens der Mechanik: das   Gesetz des Parallelogramms der Kr&#228;fte ist auch in der Politik g&#252;ltig.   Die Resultante pflegt bekanntlich umso k&#252;rzer zu sein, je st&#228;rker die   zusammenwirkenden Kr&#228;fte auseinanderstreben. Ziehen die politischen   Verb&#252;ndeten nach entgegen gesetzten Richtungen, so kann die Resultante   gleich Null sein. Ein Block verschiedener politischer Gruppen der   Arbeiterklasse pflegt zur L&#246;sung gemeinsamer praktischer Aufgaben ganz   unerl&#228;sslich zu sein. Bei gewissen historischen Bedingungen ist ein   solcher Block imstande, die unterdr&#252;ckten kleinb&#252;rgerlichen Massen,   deren Interessen denen des Proletariats verwandt sind, mitzurei&#223;en. Die   Gesamtkraft eines derartigen Blocks kann viel gr&#246;&#223;er sein als die Kraft   jedes seiner Bestandteile. Hingegen ein politisches B&#252;ndnis des   Proletariats mit der Bourgeoisie, deren Interessen in der heutigen   Epoche in den Grundlagen um 180&#176; auseinanderklaffen, ist in der Regel   nur imstande, die revolution&#228;re Kraft des Proletariats zu paralysieren.<\/p>\n<p>  Der B&#252;rgerkrieg, in dem die Kraft des nackten Zwangs wenig wirksam ist,   fordert von seinen Teilnehmern h&#246;chste Selbstaufopferung. Die Arbeiter   und Bauern verm&#246;gen nur dann den Sieg zu erringen, wenn sie um ihre   eigene Befreiung k&#228;mpfen. In diesen Umst&#228;nden das Proletariat der   F&#252;hrung der Bourgeoisie unterstellen, hei&#223;t, ihm von vornherein eine   Niederlage im B&#252;rgerkrieg zu garantieren. Diese einfachen Wahrheiten   sind am wenigsten Frucht der rein theoretischen Analyse. Im Gegenteil,   sie stellen eine unumst&#246;&#223;liche Schlussfolgerung aus der gesamten   historischen Erfahrung dar, mindestens seit 1848. Die j&#252;ngere Geschichte   der b&#252;rgerlichen Gesellschaft ist voll von allen m&#246;glichen   &quot;Volksfronten&quot;, daher verschiedenartigsten politischen Kombinationen zum   Betrug an den Werkt&#228;tigen. Die spanische Erfahrung ist nur ein neues   tragisches Glied in dieser Kette von Verbrechen und Verrat.<\/p>\n<h4>  B&#252;ndnis mit dem Schatten der Bourgeoisie<\/h4>\n<p>  Politisch am erstaunlichsten ist die Tatsache, dass es in der spanischen   Volksfront im Grunde nicht einmal ein Parallelogramm der Kr&#228;fte gab: an   der Stelle der Bourgeoisie stand ihr Schatten. Vermittels der   Stalinisten, Sozialisten und Anarchisten unterwarf die spanische   Bourgeoisie sich das Proletariat, ohne sich auch nur die M&#252;he zu geben,   an der Volksfront teilzunehmen: die &#252;berwiegende Mehrheit der Ausbeuter   aller politischen Schattierungen ging offen in Francos Lager &#252;ber. Auch   ohne die Theorie der permanenten Revolution begriff die spanische   Bourgeoisie von Anfang an, dass die revolution&#228;re Bewegung der Massen,   welches auch ihr Ausgangspunkt sei, sich gegen das Privateigentum an   Grund und Boden und an den Produktionsmitteln richtete, und dass es ganz   ausgeschlossen war, dieser Bewegung mit Ma&#223;nahmen der Demokratie Herr zu   werden. Im republikanischen Lager blieben daher nur winzige Teile der   besitzenden Klassen, die Herren Azana, Companys und &#228;hnliche politische   Anw&#228;lte der Bourgeoise, nicht aber die Bourgeoisie selbst. Die   besitzenden Klassen setzten g&#228;nzlich auf die Milit&#228;rdiktatur und   verstanden es, gleichzeitig diese ihre gestrigen politischen Vertreter   auszunutzen, um die sozialistische Bewegung der Massen auf dem   &quot;republikanischen&quot; Gebiet zu paralysieren, zu zersetzen und dann auch   abzuw&#252;rgen. Die linken Republikaner, die nicht im geringsten Ma&#223;e mehr   die spanische Bourgeoisie vertraten, vertraten noch weniger die Arbeiter   und Bauern. Sie vertraten nichts als sich selbst. Jedoch dank ihren   Verb&#252;ndeten, den Sozialisten, Stalinisten und Anarchisten, spielten   diese politischen Gespenster in der Revolution eine entscheidende Rolle.   Auf welche Weise? Sehr einfach: als Verk&#246;rperung des Prinzips der   &quot;demokratischen Revolution&quot;, daher der Unantastbarkeit des   Privateigentums.<\/p>\n<h4>  Die Stalinisten in der &quot;Volksfront&quot;<\/h4>\n<p>  Die Ursachen des Entstehens der spanischen Volksfront und ihrer inneren   Mechanik sind ganz klar. Die Aufgabe der verabschiedeten F&#252;hrer des   linken Fl&#252;gels der Bourgeoisie war, die Revolution der Massen zum   Stillstand zu bringen und sich so das verlorene Vertrauen der Ausbeuter   zur&#252;ck zu gewinnen: &quot;Wozu braucht Ihr Franco, wo wir Republikaner doch   dasselbe tun k&#246;nnen?&quot; Die Interessen Azanas und Companys fielen in   diesem zentralen Punkt v&#246;llig mit denen Stalins zusammen, der sich das   Vertrauen der franz&#246;sischen und britischen Bourgeoisie erobern musste,   indem er ihr mit Taten seine F&#228;higkeit bewies, die &quot;Ordnung&quot; gegen die   &quot;Anarchie&quot; zu verteidigen. Azana und Companys brauchte Stalin als   Deckung gegen&#252;ber den Arbeitern, er selbst, Stalin, ist nat&#252;rlich f&#252;r   den Sozialismus, aber man darf doch nicht die republikanische   Bourgeoisie absto&#223;en! F&#252;r Azana und Companys war Stalin notwendig als   ein erfahrener Henker mit der Autorit&#228;t eines Revolution&#228;rs, ohnedies   h&#228;tte dies verschwindende H&#228;uflein niemals vermocht noch gewagt, die   Arbeiter anzugreifen.<\/p>\n<p>  Die traditionellen Reformisten der Zweiten Internationale, die der Gang   des Klassenkampfes l&#228;ngst aus dem Geleise geworfen hatte, sch&#246;pften dank   Moskaus Unterst&#252;tzung neue Zuversicht. &#220;brigens wurde diese   Unterst&#252;tzung nicht allen Reformisten, sondern nur den reaktion&#228;rsten   zuteil. Caballero vertrat das Gesicht der sozialistischen Partei, das   der Arbeiteraristokratie zugewandt war. Negrins und Prietos Blick war   stets auf die Bourgeoisie gerichtet. Negrin besiegte Caballero mit   Moskaus Hilfe. Die linken Sozialisten und die Anarchisten, Gefangene der   Volksfront, bem&#252;hten sich zwar, von der Demokratie zu retten, was zu   retten war. Da sie es aber nicht wagten, die Massen gegen die Gendarmen   der Volksfront zu mobilisieren, liefen ihre Bem&#252;hungen letzten Endes auf   kl&#228;gliches Jammern hinaus. Die Stalinisten standen auf diese Weise mit   dem rechtesten, offen b&#252;rgerlichen Fl&#252;gel der sozialistischen Partei im   Bunde. Ihre Repression richteten sie gegen die POUM, die Anarchisten und   die &quot;linken&quot; Sozialisten, daher gegen die zentristischen Gruppierungen,   die, wenn auch nur entfernt, den Druck der revolution&#228;ren Massen   widerspiegelten.<\/p>\n<p>  Diese an sich schon hoch bedeutende politische Tatsache l&#228;sst uns   gleichzeitig auch die Entartung der Komintern in den letzten Jahren   ermessen. Wir definierten seinerzeit den Stalinismus als b&#252;rokratischen   Zentrismus, und die Ereignisse gaben eine Reihe von Beweisen f&#252;r die   Richtigkeit dieser Definition. Doch jetzt ist sie sichtlich veraltet.   Die Interessen der bonapartistischen B&#252;rokratie vertragen sich nicht   mehr mit zentristischer Halbheit. Indem die Stalinclique Vers&#246;hnung mit   der Bourgeoisie anstrebt, vermag sie nur noch mit den konservativsten   Gruppierungen der internationalen Arbeiteraristokratie einen Bund   einzugehen. Damit ist endg&#252;ltig der konterrevolution&#228;re Charakter des   Stalinismus auf der internationalen Arena erwiesen.<\/p>\n<h4>  Die konterrevolution&#228;ren Vorz&#252;ge des Stalinismus<\/h4>\n<p>  Wir n&#228;hern uns hier dicht der L&#246;sung des R&#228;tsels, wie und warum die an   Zahl und Niveau der F&#252;hrung so unbedeutende &quot;kommunistische&quot; Partei   Spaniens imstande war, in ihren H&#228;nden trotz Vorhandenseins der ungleich   m&#228;chtigeren Organisationen der Sozialisten und Anarchisten alle   Machthebel zu vereinigen. Die landl&#228;ufige Erkl&#228;rung, die da lautet, die   Stalinisten h&#228;tten die Macht im Tausch gegen die Sowjetwaffen erhalten,   ist zu oberfl&#228;chlich. Als Preis f&#252;r die Waffen erhielt Moskau spanisches   Gold. Nach den Gesetzen des kapitalistischen Markts gen&#252;gt das. Wie aber   brachte es Stalin fertig, als Zugabe auch noch die Macht zu bekommen?   Darauf wird gew&#246;hnlich geantwortet: indem die Sowjetregierung mit ihren   Kriegslieferungen ihre Autorit&#228;t in den Augen der Massen hob, machte sie   entschiedene Ma&#223;nahmen gegen die Revolution&#228;re zur Bedingung ihrer   &quot;Mitarbeit&quot; und r&#228;umte so die gef&#228;hrlichen Gegner aus dem Wege. All das   ist ganz unbestreitbar, aber das ist nur eine, und dabei die   unwichtigere Seite der Sache. Trotz der durch die Sowjetlieferungen   geschaffenen &quot;Autorit&#228;t&quot; blieb die spanische kommunistische Partei eine   kleine Minderheit und bei den Arbeitern stie&#223; sie auf steigenden Hass.   Andererseits gen&#252;gte es nicht, dass Moskau Bedingungen stellte, n&#246;tig   war, dass Valencia sie annahm. Das ist das Wesen der Sache. Nicht nur   Zamora, Companys und Negrin, sondern auch Caballero, als er   Ministerpr&#228;sident war, kamen alle mehr oder weniger bereitwillig Moskaus   Forderungen entgegen. Warum? Weil diese Herren selber die Revolution im   b&#252;rgerlichen Rahmen halten wollten. Nicht nur die Sozialisten, sondern   auch die Anarchisten leisteten dem stalinistischen Programm keinen   ernsthaften Widerstand. Sie f&#252;rchteten selbst einen Bruch mit der   Bourgeoisie. T&#246;dlich erschraken sie vor jedem revolution&#228;ren Ansturm der   Arbeiter.<\/p>\n<p>  Stalin mit seinen Waffen und seinem konterrevolution&#228;ren Ultimatum war   f&#252;r alle diese Gruppen der Erl&#246;ser. Er garantierte ihnen, so hofften   sie, den milit&#228;rischen Sieg &#252;ber Franco und befreite sie gleichzeitig   von der Verantwortung f&#252;r den Gang der Revolution. Sie beeilten sich,   ihre sozialistische und anarchistische Maske in der Garderobe abzugeben,   in der Hoffnung sie sp&#228;ter, wenn Moskau f&#252;r sie die b&#252;rgerliche   Demokratie wiederhergestellt haben wird, wieder aufzusetzen. Sehr bequem   konnten diese Herrschaften nunmehr ihren Verrat am Proletariat mit der   Notwendigkeit der milit&#228;rischen Verst&#228;ndigung mit Stalin rechtfertigen.   Stalin seinerseits rechtfertigte seine konterrevolution&#228;re Politik mit   der Notwendigkeit einer Verst&#228;ndigung mit der republikanischen   Bourgeoisie.<\/p>\n<p>  Nur unter diesem breiteren Gesichtswinkel wird uns die Engelsgeduld   klar, die solche Ritter des Rechts und der Freiheit wie Azana, Negrin,   Companys, Caballero, Garcia Oliver u.a. gegen&#252;ber den Verbrechen der GPU   bewiesen. Wenn sie, wie sie behaupten, keine andere Wahl hatten, so   keineswegs deswegen, weil sie die Flugzeuge und Tanks nicht anders als   mit den K&#246;pfen der Revolution&#228;re und den Rechten der Arbeiter bezahlen   konnten, sondern weil ihr eigenes &quot;rein demokratisches&quot;, daher   antisozialistisches Programm, sich mit keinen anderen Ma&#223;nahmen als mit   Terror verwirklichen lie&#223;. Sobald die Arbeiter und Bauern den Weg ihrer   Revolution betreten, daher Fabriken und Gutsbesitze in Beschlag nehmen,   die alten Inhaber davonjagen, stellenweise die Macht erobern, so hat die   b&#252;rgerliche Konterrevolution &#8211; ob demokratische, stalinistische oder   faschistische, ist ganz gleichg&#252;ltig &#8211; kein anderes Mittel, um dieser   Bewegung Einhalt zu gebieten, als blutige Gewalt, erg&#228;nzt durch L&#252;ge und   Betrug. Der Vorzug der Stalinclique auf diesem Wege war der, dass sie   sofort die Methoden anzuwenden begann, denen Azana, Companys, Negrin und   ihre linken Verb&#252;ndeten nicht gewachsen waren.<\/p>\n<h4>  Stalin best&#228;tigt auf seine Weise die Richtigkeit der Theorie von der   permanenten Revolution<\/h4>\n<p>  Auf dem Territorium des republikanischen Spaniens rangen auf diese Weise   zwei unvers&#246;hnliche Programme miteinander. Einerseits das Programm der   Rettung des Privateigentums vor dem Proletariat, koste es was es wolle,   und &#8211; soweit es m&#246;glich ist &#8211; Rettung der Demokratie vor Franco. Auf der   anderen Seite das Programm der Vernichtung des Privateigentums auf dem   Wege der Machteroberung durch das Proletariat. Das erste Programm   bringt, durch Vermittlung der Arbeiteraristokratie, der Spitzen des   Kleinb&#252;rgertums und insbesondere der Sowjetb&#252;rokratie, die Interessen   des Kapitals zum Ausdruck. Das zweite Programm &#252;bersetzte in die Sprache   des Marxismus die nicht voll bewussten, aber m&#228;chtigen Tendenzen der   revolution&#228;ren Massenbewegung. Zum Ungl&#252;ck f&#252;r die Revolution stand   zwischen der Handvoll Bolschewiki und dem revolution&#228;ren Proletariat die   konterrevolution&#228;re Scheidewand der Volksfront.<\/p>\n<p>  Die Politik der Volksfront war ihrerseits durchaus nicht von der   Erpressung Stalins, als des Waffenlieferanten, bestimmt. An Erpressung   hat es nat&#252;rlich nicht gemangelt. Aber der Grund f&#252;r den Erfolg dieser   Erpressung ist in den inneren Bedingungen der Revolution selbst zu   suchen. Ihr sozialer Untergrund war w&#228;hrend der ganzen sechs Jahre ein   wachsendes Andr&#228;ngen der Massen gegen das Regime des halbfeudalen und   b&#252;rgerlichen Eigentums gewesen. Die Notwendigkeit, dieses Eigentum mit   den extremsten Mitteln zu verteidigen, hat eben die Bourgeoisie in   Francos Arme getrieben. Die republikanische Regierung versprach der   Bourgeoisie, das Eigentum mit &quot;demokratischen&quot; Ma&#223;nahmen zu sch&#252;tzen,   legte aber vor allem im Juli 1936 v&#246;llige Haltlosigkeit an den Tag. Als   die Lage an der Front des Eigentums noch bedrohlicher wurde als an der   milit&#228;rischen Front, gaben die Demokraten aller Schattierungen,   einschlie&#223;lich der Anarchisten, Stalin nach, dieser aber fand in seinem   Arsenal keine anderen Methoden als die Francos.<\/p>\n<p>  Hetze gegen &quot;Trotzkisten&quot;, POUMisten, revolution&#228;re Anarchisten und   linke Sozialisten, schmutzige Verleumdung, gef&#228;lschte Dokumente,   Folterungen in den stalinistischen Schr&#228;nken, Meuchelmorde &#8211; ohne all   das h&#228;tte das b&#252;rgerliche Regime unter republikanischer Flagge keine   zwei Monate standgehalten. Die GPU blieb Herr der Lage, nur weil sie   konsequenter als die anderen, daher mit gr&#246;&#223;erer Niedertracht und   Blutr&#252;nstigkeit, die Interessen der Bourgeoisie gegen das Proletariat   wahrnahm. Im Kampfe gegen die sozialistische Revolution suchte der   &quot;Demokrat&quot; Kerenski zuerst eine St&#252;tze in einer Milit&#228;rdiktatur   Kornilows und versuchte dann, im Tross des monarchistischen Generals   Krasnow in Petrograd Einzug zu halten. Andererseits sahen sich die   Bolschewiki, um die demokratische Revolution zu Ende zu f&#252;hren,   gezwungen, die Regierung der &quot;demokratischen&quot; Scharlatane und Schw&#228;tzer   zu st&#252;rzen. Damit bereiteten sie beil&#228;ufig auch jeder Art Versuch, eine   Milit&#228;r- (oder &quot;faschistische&quot;) Diktatur zu errichten, ein Ende.<\/p>\n<p>  Die spanische Revolution zeigt aufs Neue, dass die &quot;Demokratie&quot; gegen   die revolution&#228;ren Massen nicht anders als mit den Methoden der   faschistischen Reaktion zu sch&#252;tzen ist. Und umgekehrt: ein wirklicher   Kampf gegen den Faschismus ist nicht anders zu f&#252;hren als mit den   Methoden der proletarischen Revolution. Stalin bek&#228;mpfte den   &quot;Trotzkismus&quot; (die proletarische Revolution), indem er die Demokratie   mit den bonapartistischen Ma&#223;nahmen der GPU zerst&#246;rte. Damit ist aufs   Neue und endg&#252;ltig die von der Komintern &#252;bernommene alte   menschewistische Theorie zu Schanden geworden, die da aus der   demokratischen und der sozialistischen Revolution zwei selbst&#228;ndige,   zeitlich von einander geschiedene Kapitel macht. Das Werk der Moskauer   Henker best&#228;tigt auf seine Weise die Richtigkeit der Theorie der   permanenten Revolution.<\/p>\n<h4>  Die Rolle der Anarchisten<\/h4>\n<p>  Die Anarchisten besa&#223;en in der spanischen Revolution keinerlei eigene   Position. Sie taten nichts weiter, als zwischen Bolschewismus und   Menschewismus hin- und herzuschwanken. Genauer: die anarchistischen   Arbeiter waren bestrebt, den bolschewistischen Weg zu gehen (19. Juli   1936, Maitage 1937), w&#228;hrend die F&#252;hrer umgekehrt mit aller Kraft die   Massen ins Lager der Volksfront, daher des b&#252;rgerlichen Regimes   zur&#252;cktrieben.<\/p>\n<p>  Die Anarchisten zeichneten sich durch fatales Unverst&#228;ndnis f&#252;r die   Gesetze der Revolution und ihre Aufgaben aus, als sie versuchten, sich   auf ihre Gewerkschaften, daher mit Routine durchtr&#228;nkten Organisationen   der Friedenszeit, zu beschr&#228;nken, und alles, was jenseits der   Gewerkschaftsgrenzen in den Massen, in den politischen Parteien und im   Staatsapparat vor sich ging, ignorierten. W&#228;ren die Anarchisten   Revolution&#228;re gewesen, so h&#228;tten sie vor allem zur Bildung von Sowjets   aufgerufen, in denen sich Vertreter aller Werkt&#228;tigen von Stadt und Land   versammeln, darunter auch der unterdr&#252;cktesten Schichten, die niemals   den Gewerkschaften angeh&#246;rten. In diesen Sowjets h&#228;tten die   revolution&#228;ren Arbeiter nat&#252;rlich die dominierende Stellung innegehabt.   Die Stalinisten w&#228;ren eine winzige Minderheit gewesen. Das Proletariat   w&#228;re sich seiner un&#252;berwindlichen Kraft bewusst geworden. Der   b&#252;rgerliche Staatsapparat h&#228;tte in der Luft gehangen. Ein starker Hieb   w&#252;rde gen&#252;gt haben, um diesen Apparat vollends zu zertr&#252;mmern. Die   sozialistische Revolution w&#252;rde einen m&#228;chtigen Antrieb erfahren haben.   Das franz&#246;sische Proletariat w&#252;rde es Leon Blum nicht lange erlaubt   haben, die proletarische Revolution jenseits der Pyren&#228;en zu blockieren.   Kaum h&#228;tte sich auch die Moskauer B&#252;rokratie diesen Luxus leisten   k&#246;nnen. Die schwierigsten Fragen w&#228;ren von selbst gel&#246;st gewesen.<\/p>\n<p>  Stattdessen erwiesen sich die Anarchosyndikalisten, die sich vor der   &quot;Politik&quot; in die Gewerkschaften verkriechen wollten, zum gro&#223;en   Erstaunen aller Welt und ihrer selbst als f&#252;nftes Rad am Wagen der   b&#252;rgerlichen Demokratie. Nicht lange: ein f&#252;nftes Rad braucht niemand.   Nachdem Garcia Oliver &amp; Co Stalin und seinen Spie&#223;gesellen geholfen   hatten, den Arbeitern die Macht wegzunehmen, sahen sich die Anarchisten   selbst aus der Volksfrontregierung verjagt. Auch dann fanden sie nichts   Besseres zu tun, als hinter dem Wagen des Siegers einherzulaufen und   diesen ihre Ergebenheit zu versichern. Die Furcht des Kleinb&#252;rgers vor   dem gro&#223;en Bourgeois, des kleinen B&#252;rokraten vor dem gro&#223;en B&#252;rokraten,   verh&#252;llten sie mit weinerlichen Reden &#252;ber die Heiligkeit der   Einheitsfront (der Opfer mit den Henkern) und die Unzul&#228;ssigkeit   jeglicher Diktatur, darunter auch ihrer eigenen. &quot;H&#228;tten wir ja doch im   Juni 1936 die Macht ergreifen k&#246;nnen..&quot; &quot;H&#228;tten wir ja doch im Mai 1937   die Macht ergreifen k&#246;nnen&#8230;&quot; Die Anarchisten flehten Negrin-Stalin an,   ihren Verrat an der Revolution anzuerkennen und zu belohnen.   Widerw&#228;rtiges Bild!<\/p>\n<p>  Diese Selbstrechtfertigung: &quot;Wir ergriffen die Macht nicht, weil wir   nicht konnten, sondern weil wir nicht wollten, weil wir gegen jede   Diktatur sind&quot; usw. enth&#228;lt allein schon die unwiderrufliche   Verurteilung des Anarchismus als einer durch und durch   antirevolution&#228;ren Doktrin. Auf die Eroberung der Macht verzichten,   hei&#223;t, freiwillig die Macht dem zu &#252;berlassen, der sie besitzt, daher   den Ausbeutern. Das Wesen jeder Revolution bestand und besteht darin,   dass sie eine neue Klasse an die Macht bringt und ihr so die M&#246;glichkeit   gibt, ihr Programm zu verwirklichen. Man kann nicht Krieg f&#252;hren, ohne   den Sieg zu wollen. Man kann die Massen nicht zum Aufstand f&#252;hren, ohne   sich auf die Eroberung der Massen vorzubereiten. Niemand konnte die   Anarchisten hindern, nach der Machtergreifung das Regime einzuf&#252;hren,   das sie f&#252;r notwendig halten, angenommen nat&#252;rlich, dass ihr Programm   verwirklichbar sei. Aber die anarchistischen F&#252;hrer verloren selbst den   Glauben daran. Sie verzichteten auf die Macht nicht, weil sie gegen   &quot;jede Diktatur&quot; waren &#8211; in Wirklichkeit unterst&#252;tzten und unterst&#252;tzen   sie murrend und flennend die Diktatur Negrin-Stalins -, sondern weil sie   vollkommen ihre Prinzipien und ihren Mut verloren hatten, wenn sie diese   &#252;berhaupt je besessen haben. Sie hatten Angst, Angst vor allem: vor   &quot;Isolierung&quot;, &quot;Intervention&quot;, &quot;Faschismus&quot;. Sie hatten Angst vor Stalin.   Angst vor Negrin. Vor Frankreich und England. Am meisten hatten diese   Phrasendrescher Angst vor den revolution&#228;ren Massen.<\/p>\n<p>  Der Verzicht auf die Machteroberung wirft unausbleiblich jede   Arbeiterorganisation in den Sumpf des Reformismus und verwandelt sie in   ein Spielzeug der Bourgeoisie: anders kann es bei der Klassenstruktur   der Gesellschaft nicht sein. Da die Anarchisten das Ziel ablehnten,   n&#228;mlich die Machteroberung, konnten sie letzten Endes auch nicht umhin,   das Mittel abzulehnen, daher die Revolution. Die F&#252;hrer der CNT und der   FAI halfen der Bourgeoisie nicht nur im Juli 1936 einen Schatten der   Macht zu behalten, sondern auch st&#252;ckweise das wiederherzustellen, was   sie pl&#246;tzlich verloren hatte. Im Mai 1937 sabotierten sie den Aufstand   der Arbeiter und retteten damit die Diktatur der Bourgeoisie. So erwies   sich der Anarchismus, der nur antipolitisch sein wollte in Wirklichkeit   als antirevolution&#228;r und in den kritischsten Augenblicken als   konterrevolution&#228;r.<\/p>\n<p>  Die anarchistischen Theoretiker, die nach dem gro&#223;en Examen von 1931 bis   1937 immer noch das alte reaktion&#228;re Gew&#228;sch &#252;ber Kronstadt wiederholen   und behaupten: &quot;Der Stalinismus ist eine unvermeidliche Folge des   Marxismus und Bolschewismus&quot;, beweisen damit nur, dass sie f&#252;r die   Revolution ein f&#252;r allemal tot sind. Ihr sagt, der Marxismus sei schon   an sich verrufen und der Stalinismus sein legitimes Kind? Warum aber   stehen dann wir revolution&#228;re Marxisten auf Leben und Tod im Kampf gegen   den Stalinismus auf der ganzen Welt? Warum erblickt die Stalinbande im   &quot;Trotzkismus&quot; den Hauptfeind? Warum veranlasst jede Ann&#228;herung an unsere   Anschauungen oder an unser Aktionssystem&#160; (Durutti, Andres Nin, Landau   u.a.) die Gangster des Stalinismus, mit einem Blutgericht zu antworten?   Warum wurden andererseits die F&#252;hrer des spanischen Anarchismus w&#228;hrend   der Moskauer und Madrider GPU-Verbrechen Minister Caballero-Negrins,   daher Knechte der Bourgeoisie und Stalins? Warum bleiben die Anarchisten   auch jetzt unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Faschismus,   freiwillige Gefangene Stalin-Negrins, daher der Henker der Revolution,   die ihre Unf&#228;higkeit bewiesen haben, den Faschismus zu bek&#228;mpfen? Die   Advokaten des Anarchismus, die sich hinter Kronstadt und Machno   verstecken, t&#228;uschen niemanden. In der Kronst&#228;dter Episode und im Kampf   gegen Machno verteidigten wir die proletarische Revolution gegen die   b&#228;uerliche Konterrevolution. Die spanischen Anarchisten verteidigten und   verteidigen die b&#252;rgerliche Konterrevolution gegen die proletarische   Revolution. Kein Sophismus wird aus der Geschichte die Tatsache   streichen, dass in der spanischen Revolution Anarchismus und Stalinismus   auf der einen Seite der Barrikaden standen, die Arbeitermassen und   revolution&#228;ren Marxisten aber auf der anderen. Das ist die Wahrheit, die   ins Bewusstsein des Proletariats f&#252;r alle Zeit eingehen wird!<\/p>\n<h4>  Die Rolle der P.O.U.M.<\/h4>\n<p>  Nicht viel besser stand es mit der POUM. Theoretisch versuchte sie wohl,   sich auf die Formel der permanenten Revolution zu st&#252;tzen (darum nannten   die Stalinisten die POUMisten eben Trotzkisten). Aber die Revolution   befriedigt sich nicht mit theoretischen Anerkennungen. Statt die Massen   gegen die reformistischen F&#252;hrer, einschlie&#223;lich der Anarchisten zu   mobilisieren, suchte die POUM diese Herren von den Vorz&#252;gen des   Sozialismus vor dem Kapitalismus zu &#252;berzeugen. Auf diesen Kammerton   waren alle Artikel und Reden der POUM-F&#252;hrer abgestimmt. Um sich mit den   anarchistischen F&#252;hrern nicht zu entzweien, haben sie in der CNT weder   Zellen gebaut, noch &#252;berhaupt gearbeitet. Scharfen Konflikten   ausweichend, leisteten sie keine revolution&#228;re Arbeit in der   republikanischen Armee. Stattdessen bauten sie &quot;ihre eigenen&quot;   Gewerkschaften und &quot;ihre eigene&quot; Miliz auf, die &quot;ihre eigenen&quot; Geb&#228;ude   sch&#252;tzte oder &quot;ihren eigenen&quot; Frontabschnitt besetzte. Indem die POUM   die revolution&#228;re Vorhut von der Klasse isolierte, entkr&#228;ftete sie die   Vorhut und lie&#223; die Klasse ohne F&#252;hrung. Politisch stand die POUM die   ganze Zeit der Volksfront, deren linken Fl&#252;gel sie deckte, viel n&#228;her   als dem Bolschewismus. Wenn die POUM dennoch einer blutigen und gemeinen   Repression zum Opfer fiel, so, weil die Volksfront ihre Sendung, die   sozialistische Revolution abzuw&#252;rgen, nicht anders erf&#252;llen konnte als   durch St&#252;ck weises Abhauen ihres eigenen linken Fl&#252;gels.<\/p>\n<p>  Trotz ihrer Absichten war die POUM letzten Endes das Haupthindernis auf   dem Wege zur Schaffung einer revolution&#228;ren Partei. Eine gewaltige   Verantwortung haben die platonischen oder diplomatischen Anh&#228;nger der   Vierten Internationale auf sich geladen, die wie der F&#252;hrer der   holl&#228;ndischen Revolution&#228;ren-Sozialistischen Arbeiterpartei, Sneevliet,   demonstrativ die POUM in ihrer Halbheit, Unentschiedenheit, ihrem   Ausweichen, mit einem Wort in ihrem Zentrismus unterst&#252;tzten. Die   Revolution vertr&#228;gt sich nicht mit Zentrismus. Sie entlarvt und   vernichtet ihn. Nebenbei kompromittiert sie auch die Freunde und   Advokaten des Zentrismus. Das ist eine der Hauptlehren der spanischen   Revolution.<\/p>\n<h4>  Das Problem der Bewaffnung<\/h4>\n<p>  Die Sozialisten und Anarchisten, die ihre Kapitulation vor Stalin mit   der Notwendigkeit, die Moskauer Waffen mit Prinzipien und Gewissen zu   bezahlen, zu rechtfertigen suchen, l&#252;gen einfach und l&#252;gen dumm.   Nat&#252;rlich h&#228;tten viele von ihnen vorgezogen, ohne Morde und F&#228;lschungen   auszukommen. Aber jedes Ziel verlangt nach entsprechenden Mitteln. Seit   April 1931, daher lange vor dem milit&#228;rischen Eingreifen Moskaus, haben   die Sozialisten und Anarchisten alles getan, was sie konnten, um die   proletarische Revolution zu bremsen. Stalin lehrte sie, wie diese Arbeit   zu Ende zu f&#252;hren ist. Sie wurden Stalins kriminelle Mitschuldige nur,   weil sie seine politischen Gesinnungsgenossen waren.<\/p>\n<p>  H&#228;tten die F&#252;hrer der Anarchisten auch nur ein bisschen Revolution&#228;ren   gleichgesehen, so m&#252;ssten sie die allererste Erpressung Moskaus nicht   allein mit der Weiterf&#252;hrung des sozialistischen Vorsto&#223;es, sondern auch   mit der Entlarvung Stalins konterrevolution&#228;rer Bedingungen vor der   Weltarbeiterklasse beantworten. Damit w&#252;rden sie die Moskauer B&#252;rokratie   gen&#246;tigt haben, offen zwischen der sozialistischen Revolution und   Francos Diktatur zu w&#228;hlen. Die thermidorianische B&#252;rokratie f&#252;rchtet   und hasst die Revolution. Aber sie f&#252;rchtet auch, von einem   faschistischen Ring erdr&#252;ckt zu werden. Au&#223;erdem ist sie von den   Arbeitern abh&#228;ngig. Alles spricht daf&#252;r, dass Moskau gezwungen gewesen   w&#228;re, Waffen zu liefern, und zwar wohl zu annehmbarerem Preise.<\/p>\n<p>  Aber Stalins Moskau ist nicht das A und O der Welt. In anderthalb Jahren   B&#252;rgerkrieg konnte und musste man die spanische Kriegsindustrie ausbauen   und entwickeln, durch Umstellung einer Reihe von Friedensbetrieben auf   Kriegsbedarf. Diese Arbeit wurde nur darum nicht durchgef&#252;hrt, weil die   Initiative der Arbeiterorganisationen gleicherweise von Stalin wie von   seinen spanischen Verb&#252;ndeten bek&#228;mpft wurde. Eine starke   Kriegsindustrie w&#228;re eine m&#228;chtige Waffe in den H&#228;nden der Arbeiter   gewesen. Die Volksfrontf&#252;hrer zogen die Abh&#228;ngigkeit von Moskau vor.   Gerade in dieser Frage zeigt sich besonders deutlich die perfide Rolle   der &quot;Volksfront&quot;, die den proletarischen Organisationen die   Verantwortung f&#252;r den verr&#228;terischen Schacher der Bourgeoisie mit Stalin   auflud. Insofern die Anarchisten in der Minderheit waren, konnten sie   nat&#252;rlich nicht unmittelbar den regierenden Block daran hindern, Moskau   oder Moskaus Herren (London und Paris) gegen&#252;ber ihm beliebende   Verpflichtungen einzugehen. Aber sie konnten und mussten, ohne deswegen   aufzuh&#246;ren, an der Front die besten K&#228;mpfer zu sein, sich offen vom   Verrat und von den Verr&#228;tern abgrenzen, der Masse die wahre Lage   erkl&#228;ren, sie gegen die b&#252;rgerliche Regierung mobilisieren, Tag f&#252;r Tag   an Kraft zunehmen, um schlie&#223;lich die Macht und damit auch die Moskauer   Waffen zu ergreifen.<\/p>\n<p>  Wie aber, wenn Moskau mangels einer Volksfront &#252;berhaupt davon abgesehen   h&#228;tte, Waffen herzugeben? Und wie, antworten wir darauf, wenn es   &#252;berhaupt keine Sowjetunion gegeben h&#228;tte? Die Revolutionen siegten   bisher durchaus nicht dank hohen ausl&#228;ndischen G&#246;nnern, die ihnen die   Waffen lieferten. Die ausl&#228;ndischen G&#246;nner standen gew&#246;hnlich auf Seiten   der Konterrevolution. Muss man an die Erfahrung der Intervention   franz&#246;sischer, englischer, amerikanischer, japanischer und anderer   Truppen gegen die Sowjets erinnern?<\/p>\n<p>  Das russische Proletariat besiegte die Reaktion im Innern und die   ausl&#228;ndischen Interventionen ohne milit&#228;rische Unterst&#252;tzung von au&#223;en.   Die Revolutionen siegen vor allem vermittels eines k&#252;hnen sozialen   Programms, das es den Massen erm&#246;glicht, die auf ihrem Territorium   vorhandenen Waffen zu erobern und die feindliche Armee zu zersetzen. Die   Rote Armee beschlagnahmte franz&#246;sische, englische und amerikanische   Milit&#228;rvorr&#228;te und warf die fremden Expeditionskorps ins Meer. Ist das   etwa schon vergessen? H&#228;tten an der Spitze der bewaffneten Arbeiter und   Bauern, daher an der Spitze des so genannten &quot;republikanischen&quot;   Spaniens, Revolution&#228;re gestanden und nicht feige Agenten der   Bourgeoisie, das Problem der Bewaffnung h&#228;tte &#252;berhaupt keine so   erstrangige Rolle gespielt. Francos Armee, einschlie&#223;lich der   marokkanischen Kolonials&#246;ldner und Mussolinis Soldaten, ist keineswegs   gegen revolution&#228;re Ansteckung gefeit. Auf allen Seiten von den Flammen   der sozialistischen Umw&#228;lzung ergriffen, h&#228;tten die Soldaten des   Faschismus eine winzige Gr&#246;&#223;e dargestellt. Nicht an Waffen fehlte es in   Madrid und Barcelona und auch nicht an &quot;Milit&#228;rgenies&quot;, was fehlte, war   die revolution&#228;re Partei!<\/p>\n<h4>  Die Bedingungen des Sieges<\/h4>\n<p>  Die Bedingungen des Sieges der Massen im B&#252;rgerkrieg gegen die Armee der   Unterdr&#252;cker sind im Wesen sehr einfach. Die K&#228;mpfer der revolution&#228;ren   Armee m&#252;ssen sich deutlich bewusst sein, dass sie f&#252;r ihre v&#246;llige   soziale Befreiung streiten und nicht f&#252;r die Wiederherstellung der alten   (&quot;demokratischen&quot;) Ausbeutungsformen. Dasselbe m&#252;ssen die Arbeiter und   Bauern im Hinterland der revolution&#228;ren Armee wie in dem des Feindes   wissen und begreifen. Die Propaganda an der eigenen Front, an der Front   des Gegners und im Hinterlande beider muss tief vom Geiste der sozialen   Revolution durchdrungen sein. Die Losung: &quot;Zuerst den Sieg, dann die   Reformen&quot; ist die Losung aller Unterdr&#252;cker und Ausbeuter, von den   biblischen K&#246;nigen bis zu Stalin.<\/p>\n<p>  Die Politik wird von den Klassen und Schichten bestimmt, die am Kampfe   teilnehmen. Die revolution&#228;ren Massen m&#252;ssen einen Staatsapparat   besitzen, der direkt und unmittelbar ihren Willen ausdr&#252;ckt. Dieser   Apparat kann nichts anderes sein als der Sowjet der Arbeiter-, Soldaten-   und Bauerndeputierten. Die revolution&#228;re Armee muss die dringendsten   Sofortma&#223;nahmen der sozialen Revolution nicht nur verk&#252;nden, sondern in   den eroberten Provinzen auch unverz&#252;glich verwirklichen: Enteignung der   vorhandenen Lebensmittel-, Manufakturwaren- und anderer Vorr&#228;te und ihre   Abgabe an die Bed&#252;rftigen, Neuaufteilung der Wohnst&#228;tten im Interesse   der Werkt&#228;tigen und insbesondere der Kriegerfamilien, Enteignung des   Bodens und des landwirtschaftlichen Inventars im Interesse der Bauern,   Errichtung der Arbeiterkontrolle &#252;ber die Produktion und der Sowjetmacht   anstelle der fr&#252;heren B&#252;rokratie.<\/p>\n<p>  Aus der revolution&#228;ren Armee m&#252;ssen die Feinde der sozialistischen   Revolution, daher Ausbeuterelemente und ihre Agenten und versteckten sie   sich auch hinter der Maske von &quot;Demokraten&quot;, &quot;Republikanern&quot;,   &quot;Sozialisten&quot; und &quot;Anarchisten&quot;, schonungslos vertrieben werden. An der   Spitze jedes Truppenteils muss ein Kommissar mit untadeliger Autorit&#228;t   eines Revolution&#228;rs und K&#228;mpfers stehen. In jedem Truppenteil muss eine   fest geschlossene, aus den Opferbereitesten, von den   Arbeiterorganisationen vorgeschlagenen K&#228;mpfern gebildete Zelle   bestehen. Die Mitglieder der Zelle haben ein einziges Privileg: im Feuer   die ersten zu sein. Das Kommandokorps schlie&#223;t in der ersten Zeit   notwendigerweise viele fremde und unzuverl&#228;ssige Elemente in sich. Ihre   Pr&#252;fung und Auslese hat zu geschehen auf Grund der Kampferfahrung, von   Zeugnissen seitens der Kommissare und Urteilen der einfachen K&#228;mpfer.   Gleichzeitig damit muss die Vorbereitung von Kommandanten aus den Reihen   der revolution&#228;ren Arbeiter mit Nachdruck betrieben werden.<\/p>\n<p>  Die Strategie des B&#252;rgerkriegs muss die Regeln der Kriegskunst mit den   Aufgaben der sozialen Revolution paaren. Nicht nur in der Propaganda,   sondern auch bei den Milit&#228;roperationen ist es notwendig, die soziale   Zusammensetzung der verschiedenen Truppenteile des Gegners zu studieren   (b&#252;rgerliche Freiwillige, mobilisierte Bauern, oder wie bei Franco   Kolonialsklaven) und bei der Wahl der Operationslinien sich streng nach   der sozialen Struktur der betreffenden Landesteile zu richten   (revolution&#228;re oder reaktion&#228;re, Indutrie- oder Bauernbezirke, Bezirke   unterdr&#252;ckter Nationalit&#228;ten, usw.). Kurz, die revolution&#228;re Politik   beherrscht die Strategie. Die revolution&#228;re Regierung als der   Vollzugsausschuss der Arbeiter und Bauern muss es verstehen, das volle   Vertrauen der Armen und der werkt&#228;tigen Bev&#246;lkerung zu erobern. Die   Au&#223;enpolitik muss ihr Hauptziel darin erblicken, das revolution&#228;re   Bewusstsein der Arbeiter, ausgebeuteten Bauern und unterdr&#252;ckten   Nationalit&#228;ten der ganzen Welt zu wecken.<\/p>\n<h4>  Stalin sicherte die Bedingungen f&#252;r die Niederlage<\/h4>\n<p>  Die Bedingungen des Sieges sind wie man sieht ganz einfach. In ihrer   Gesamtheit hei&#223;en sie sozialistische Revolution. Keine einzige dieser   Bedingungen war in Spanien vorhanden. Hauptursache: es gab keine   revolution&#228;re Partei. Stalin versuchte zwar, die &#228;u&#223;erlichen Manieren   des Bolschewismus auf Spaniens Boden zu verpflanzen: Politb&#252;ro,   Kommissare, Zellen, GPU usw. Aber diese Form entleerte er ihres   sozialistischen Inhalts. Er verwarf das bolschewistische Programm und   damit die Sowjets, die unerl&#228;ssliche Form f&#252;r die revolution&#228;re   Initiative der Massen. Er stellte die Technik des Bolschewismus in den   Dienst des b&#252;rgerlichen Eigentums. In seiner b&#252;rokratischen   Beschr&#228;nktheit bildete er sich ein, &quot;Kommissare&quot; seien schon an sich   imstande, den Sieg zu gew&#228;hrleisten. Aber die Kommissare des   Privateigentums erwiesen sich nur imstande, die Niederlage zu   garantieren.<\/p>\n<p>  Das spanische Proletariat hat erstklassige Kampfeigenschaften an den Tag   gelegt. Seinem spezifischen Gewicht in der Wirtschaft des Landes, seinem   politischen und kulturellen Niveau nach stand es vom ersten Tag der   Revolution an nicht unter, sondern &#252;ber dem russischen Proletariat vom   Beginn des Jahres 1917. Die Haupthindernisse, die seinem Sieg im Wege   standen, waren seine eigenen Organisationen. Die kommandierende Clique   der Stalinisten bestand ihren konterrevolution&#228;ren Funktionen   entsprechend aus bezahlten Agenten, Karrieristen, deklassierten   Elementen und &#252;berhaupt allem m&#246;glichen sozialen Abfall. Die Vertreter   der anderen Arbeiterorganisationen-schw&#228;chliche Reformisten,   anarchistische Phrasendrescher, hilflose POUM-Zentristen-brummten,   seufzten, schwankten, man&#246;vrierten, passten sich aber letzten Endes den   Stalinisten an. Das Ergebnis dieses ihres Handinhandarbeitens war, dass   das Lager der sozialen Revolution &#8211; die Arbeiter und Bauern &#8211; sich der   Bourgeoisie, richtiger ihrem Schatten unterstellt, seines Wesens, seiner   Seele und seines Bluts beraubt sah. Am Heldentum der Massen, oder am Mut   einzelner Revolution&#228;re fehlte es nicht. Aber die Massen waren sich   selbst &#252;berlassen und die Revolution&#228;re isoliert, ohne Programm, ohne   Aktionsplan. Die &quot;republikanischen&quot; Heerf&#252;hrer k&#252;mmerten sich mehr um   die Unterdr&#252;ckung der sozialen Revolution als um milit&#228;rische Siege. Die   Soldaten verloren das Vertrauen zu den Kommandanten, die Massen das   Vertrauen zur Regierung, die Bauern hielten sich abseits, die Arbeiter   erm&#252;deten, Niederlage folgte auf Niederlage, die Demoralisierung wuchs.   All das war unschwer schon zu Beginn des B&#252;rgerkrieges vorauszusehen.   Dadurch, dass die Volksfront sich die Aufgabe stellte, das   kapitalistische Regime zu retten, weihte sie sich der milit&#228;rischen   Niederlage. Den Bolschewismus auf den Kopf stellend, spielte Stalin mit   vollem Erfolg die Rolle des Haupttotengr&#228;bers der Revolution.<\/p>\n<p>  Die spanische Erfahrung beweist &#252;brigens wieder einmal, dass Stalin   weder von der Oktoberrevolution noch vom B&#252;rgerkrieg irgendetwas   begriffen hat. Sein tr&#228;ges provinzielles Denken blieb hoffnungslos   hinter dem st&#252;rmischen Lauf der Ereignisse von 1917 bis 1921 zur&#252;ck. In   jeden seiner Reden und Artikel des Jahres 1917, wo er eigene Gedanken   &#228;u&#223;erte, ist seine sp&#228;tere thermidorianisene &quot;Doktrin&quot; schon vollkommen   enthalten. In diesem Sinne ist der Stalin von Spanien 1937 die   Fortsetzung des Stalins von der M&#228;rzkonferenz der Bolschewiki im Jahre   1917. Aber 1917 f&#252;rchtete er die revolution&#228;ren Arbeiter nur, 1937   indessen erstickte er sie. Der Opportunist wurde zum Henker.<\/p>\n<h4>  &quot;B&#252;rgerkrieg im Hinterland&quot;<\/h4>\n<p>  &quot;Aber zum Sieg &#252;ber die Caballero- und die Negrin Regierung w&#228;re doch   B&#252;rgerkrieg im Hinterland der republikanischen Armee n&#246;tig!&quot; &#8211; ruft der   demokratische Philister mit Entsetzen aus. Als ob im republikanischen   Spanien nicht auch ohnedies B&#252;rgerkrieg w&#252;tete, und zwar der gemeinste   und ehrloseste von allen, ein Krieg der Besitzenden und Ausbeuter gegen   die Arbeiter und Bauern. Dieser ununterbrochene Krieg findet seinen   Ausdruck in der Verhaftung und Ermordung von Revolution&#228;ren, der   Unterdr&#252;ckung der Massenbewegung, der Entwaffnung der Arbeiter, der   Bewaffnung der b&#252;rgerlichen Polizei, der Verwehrung von Waffen und Hilfe   f&#252;r die Arbeiterabteilungen an der Front, schlie&#223;lich darin, dass die   Entwicklung einer Kriegsindustrie k&#252;nstlich verhindert wird. Jede dieser   Handlungen ist ein schwerer Schlag f&#252;r die Front, direkter, von den   Klasseninteressen der Bourgeoisie diktierter milit&#228;rischer Verrat.   Jedoch die &quot;demokratischen&quot; Philister &#8211; einschlie&#223;lich der Stalinisten,   Sozialisten und Anarchisten &#8211; halten den B&#252;rgerkrieg der Bourgeoisie   gegen das Proletariat selbst unmittelbar im R&#252;cken der Front f&#252;r einen   ganz nat&#252;rlichen und unvermeidlichen Krieg, dessen Aufgabe es ist, die   &quot;Einheit der Volksfront&quot; zu erhalten. Dagegen ist der B&#252;rgerkrieg des   Proletariats gegen die &quot;republikanische&quot; Konterrevolution in den Augen   dieser Philister ein frevelhafter, &quot;faschistischer&quot;, trotzkistischer   Krieg, der die &quot;Einheit der antifaschistischen Kr&#228;fte&quot; zerst&#246;rt.   Dutzende von Norman Thomas, Major Atlee, Otto Bauer, Zyromski, Malraux   und kleiner L&#252;genkr&#228;mer wie die Duranty und Louis Fisher gehen mit   dieser Sklavenweisheit in der Welt hausieren. Unterdessen &#252;bersiedelt   die &quot;Volksfrontregierung&quot; von Madrid nach Valencia, von Valencia nach   Barcelona. Ist der Faschismus, wie die Tatsachen es bezeugen, nur durch   die sozialistische Revolution niederzuringen, so ist andererseits ein   siegreicher Aufstand des Proletariats nur dann denkbar, wenn die   herrschenden Klassen infolge sehr gro&#223;er Schwierigkeiten in die Klemme   geraten. Allein, die demokratischen Philister berufen sich eben auf   diese Schwierigkeiten, um die Unzul&#228;ssigkeit eines proletarischen   Aufstandes zu beweisen. Wollte das Proletariat warten, bis die   demokratischen Philister ihm die Stunde seiner Befreiung ank&#252;nden, so   w&#252;rde es ewig Sklave bleiben. Die Arbeiter lehren, die reaktion&#228;ren   Philister hinter all ihren Masken zu erkennen und sie ungeachtet dieser   Masken zu verabscheuen, ist erste und oberste Pflicht des Revolution&#228;rs!<\/p>\n<h4>  Wie wird es enden?<\/h4>\n<p>  Die Diktatur der Stalinisten &#252;ber das republikanische Lager ist ihrem   ureigenen Wesen nach kurzlebig. Wenn die durch die Volksfrontpolitik   bedingte Niederlage das spanische Proletariat noch einmal zum   revolution&#228;ren Angriff treibt, und diesmal mit Erfolg, dann wird die   Stalinclique mit eisernem Besen hinweggefegt werden. Wenn es aber, was   leider wahrscheinlicher ist, Stalin gelingt, sein Totengr&#228;berwerk an der   Revolution zu vollenden, darf er auch in diesem Falle keinen Dank   erwarten. Die spanische Bourgeoisie brauchte ihn als Henker, aber als   Beschirmer und Schulmeister hat sie ihn keineswegs n&#246;tig. London und   Paris einerseits, Berlin und Rom andererseits sind in ihren Augen viel   solidere Firmen als Moskau. M&#246;glich, dass Stalin selbst noch vor der   endg&#252;ltigen Katastrophe seine Hand von Spanien abziehen will; er hofft   auf diese Weise die Verantwortung f&#252;r die Niederlage seinen n&#228;chsten   Verb&#252;ndeten aufzuladen. Nachher wird dann Litwinow bei Franco um die   Herstellung diplomatischer Beziehungen ansuchen. All das haben wir schon   mehr als einmal gesehen.<\/p>\n<p>  lndes w&#252;rde sogar ein voller milit&#228;rischer Sieg der so genannten   republikanischen Armee &#252;ber General Franco nicht den Triumph der   &quot;Demokratie&quot; bedeuten. Die Arbeiter und Bauern haben die b&#252;rgerlichen   Republikaner und ihre linken Agenten zweimal an die Macht gebracht: im   April 1931 und im Februar 1936. Beidemal lieferten die Volksfronthelden   den Sieg des Volkes reaktion&#228;reren und seri&#246;seren Vertretern der   Bourgeoisie aus. Der dritte, von den Volksfrontgener&#228;len erfochtene Sieg   wird unausbleiblich ihre Verst&#228;ndigung mit der faschistischen   Bourgeoisie auf den Gebeinen der Arbeiter und Bauern bedeuten. Dieses   Regime wird nichts anderes sein als eine Form der Milit&#228;rdiktatur,   vielleicht ohne Monarchie und ohne offene Herrschaft der katholischen   Kirche.<\/p>\n<p>  Schlie&#223;lich ist es m&#246;glich, dass Teilsiege der Republikaner von den   &quot;selbstlosen&quot; englisch-franz&#246;sischen Vermittlern dazu benutzt werden, um   die sich befehdenden Lager auszus&#246;hnen. Es ist nicht schwer zu   verstehen, dass bei dieser Variante die letzten Reste der Demokratie in   den br&#252;derlichen Umarmungen der Gener&#228;le, Miajas (des Kommunisten!) mit   Franco (dem Faschisten!) erstickt wurden. Nochmals zu siegen vermag nur   entweder die sozialistische Revolution oder der Faschismus. Es ist   &#252;brigens nicht ausgeschlossen, dass die Trag&#246;die im letzten Augenblick   der Posse Platz macht. Wenn die Volksfronthelden ihre letzte Hauptstadt   im Stich lassen sollten, werden sie vielleicht, bevor sie die Dampfer   oder Flugzeuge besteigen, eine Reihe &quot;sozialistischer&quot; Reformen   erlassen, um beim Volk in &quot;guter Erinnerung&quot; zu bleiben. Es wird ihnen   jedoch nichts helfen. Die Arbeiter der ganzen Welt werden sich mit Hass   und Verachtung der Parteien erinnern, die die heldenhafte Revolution zu   Grunde richteten.<\/p>\n<p>  Die tragische Erfahrung Spaniens ist eine bittere Warnung &#8211; vielleicht   die letzte Warnung vor noch gr&#246;&#223;eren Ereignissen &#8211; eine Warnung f&#252;r alle   fortgeschrittenen Arbeiter der Welt. &quot;Die Revolutionen sind die   Lokomotiven der Geschichte&quot;, sagte Marx. Sie fahren schneller als das   Denken der halb- oder viertelrevolution&#228;ren Parteien. Wer stehen bleibt,   ger&#228;t unter die R&#228;der der Lokomotive und bringt &#8211; das ist die   Hauptgefahr &#8211; nicht selten dabei die Lokomotive selbst zur Entgleisung.   Das Problem der Revolution hei&#223;t es bis zu Ende, bis in die letzten   konkreten Schlussfolgerungen hinein zu durchdenken. Es hei&#223;t die Politik   auf die Grundgesetze der Revolution, daher auf die Bewegung der einander   bek&#228;mpfenden Klassen einstellen, und nicht auf die Vorurteile und &#196;ngste   der oberfl&#228;chlichen kleinb&#252;rgerlichen Gruppen, die sich &quot;Volks&quot; &#8211; und   wer wei&#223; was noch f&#252;r welche Front betiteln. Die Linie des geringsten   Widerstandes ist in der Revolution die Linie des gr&#246;&#223;ten Zusammenbruchs.   Die Furcht vor &quot;Isolierung&quot; von der Bourgeoisie bedeutet Isolierung von   den Massen. Anpassung an die konservativen Vorurteile der   Arbeiteraristokratie bedeutet Verrat an den Arbeitern und an der   Revolution. &#220;berm&#228;&#223;ige &quot;Vorsicht&quot; ist unheilvollste Unvorsichtigkeit.   Das sind die Hauptlehren aus dem Zusammenbruch der ehrlichsten   politischen Organisation in Spanien, will sagen der zentristischen POUM.   Die Parteien und Gruppen des Londoner B&#252;ros sind weder willens noch   imstande, aus der letzten Warnung der Geschichte die notwendigen   Schlussfolgerungen zu ziehen. Damit geben sie sich selbst dem Verderben   preis.<\/p>\n<p>  Daf&#252;r bildet sich auf Grund der Lehren aus den Niederlagen heute eine   neue Generation von Revolution&#228;ren heran. Sie hat in der Wirklichkeit   den sch&#228;ndlichen Ruf der Zweiten Internationale best&#228;tigt gefunden. Sie   hat die ganze Tiefe des Falls der Dritten Internationale ermessen. Sie   lernte es, die Anarchisten nicht nach ihren Worten zu beurteilen. Eine   gewaltige, unsch&#228;tzbare Schule, bezahlt mit dem Blut zahlloser K&#228;mpfer!   Die revolution&#228;ren Kader sammeln sich heute nur um das Banner der   Vierten Internationale. Unter dem Donner der Niederlagen ist sie   erstanden, um die Werkt&#228;tigen zum Siege zu f&#252;hren.<\/p>\n<p>  <i>Coyoacan, 17. Dezember 1937 <\/i><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_36\/Der-Spanische-B%C3%BCrgerkrieg.html\">Das   Buch im Online-Shop der SAV kaufen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      aus dem Buch: Der Spanische B&#252;rgerkrieg 1936-1939\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90,91,97],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14287"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14287"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14287\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32249,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14287\/revisions\/32249"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}