{"id":14275,"date":"2011-06-17T00:00:00","date_gmt":"2011-06-17T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14275"},"modified":"2011-06-17T00:00:00","modified_gmt":"2011-06-17T00:00:00","slug":"14275","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/06\/14275\/","title":{"rendered":"Vor einer dritten Intifada?"},"content":{"rendered":"<p>  Pal&#228;stina ger&#228;t in Bewegung &#8211; Netanjahu, Hamas und Fatah voller Sorgen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die revolution&#228;ren Prozesse im arabischen Raum haben dazu   beigetragen, die festgefahrene Situation in Gaza und im Westjordanland   in Bewegung zu bringen. Bei den Demonstrationen anl&#228;sslich des   Jahrestages der Vertreibung von 750.000 Pal&#228;stinenserInnen durch   israelische Truppen im Jahr 1948 gingen Zehntausende auf die Stra&#223;e.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, Sozialistischer Stadtrat, DIE LINKE K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Tausende versuchten, die Grenzbefestigungen von Syrien, Libanon oder   &#196;gpyten aus kommend zu durchbrechen. Mehr als 20 pal&#228;stinensische   DemonstrantInnen wurden dabei von der israelischen Armee IDF am   Nakba-Tag (Nakba hei&#223;t auf arabisch Katastrophe) erschossen.<\/p>\n<p>  Solch ein Ausma&#223; hatten die Nakba-Proteste noch nie. Sie markieren einen   neuen Aufschwung im Kampf der Pal&#228;stinenserInnen gegen Besatzung,   Unterdr&#252;ckung und die ausweglose soziale Situation. M&#246;glicherweise sind   sie der Auftakt einer &#8222;dritten Intifada&#8220;. In der ersten Intifada ab 1987   hatten die Pal&#228;stinenserInnen mit Massenaktionen Widerstand geleistet,   mit Demonstrationen, Streiks, Boykotten. Die zweite Intifada ab 2000   endete jedoch in Selbstmordattentaten und anderen Formen individuellen   Terrors und damit in einer Sackgasse.<\/p>\n<p>  Die erfolgreichen Aufst&#228;nde in Tunesien und &#196;gpyten haben den Massen in   Gaza und Westjordanland gezeigt, dass es m&#246;glich ist, unbesiegbar   wirkende Diktatoren zu st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Allerdings befinden sich die Arbeiter-Innen, die Armen und die Jugend in   Pal&#228;stina in einer komplizierteren Lage. Sie k&#228;mpfen einerseits gegen   die israelische Landnahme durch Siedlungen, gegen die Besatzung und die   Mauer. Andererseits sind sie mit ihren eigenen Regierenden konfrontiert,   der Fatah im Westjordanland und der Hamas in Gaza. Die Hamas, in die bei   den Wahlen 2006 gro&#223;e Erwartungen gesetzt wurden, herrscht mit eiserner   Hand, treibt die Islamisierung voran und konserviert die milit&#228;rische   Konfrontation mit nutzlosen Raketenabsch&#252;ssen, die Israel milit&#228;risch   nicht schaden, aber der israelischen Rechten politische Munition liefern.<\/p>\n<h4>  &#8222;Fuck Israel. Fuck Hamas. Fuck Fatah. Fuck UN&#8220;<\/h4>\n<p>  Schon 2010 hatte sich in Gaza die Initiative &#8222;Gaza Youth Breaks Out&#8220;   (Gazas Jugend bricht aus) gegr&#252;ndet, die in ihrem Gr&#252;ndungsmanifest   schreibt: &#8222;Fuck Israel. Fuck Hamas. Fuck Fatah. Fuck UN. Fuck UNHCR   [UN-Fl&#252;chtlingsorganisation]. Fuck USA. (&#8230;) Wir sind dieses beschissene   Leben leid, eingeknastet von Israel, verpr&#252;gelt von Hamas, ignoriert vom   Rest der Welt.&#8220;<\/p>\n<p>  Es ist nicht klar, ob die Initiative inzwischen eine gr&#246;&#223;ere Basis   aufbauen konnte und handlungsf&#228;hig ist. Aber das Manifest d&#252;rfte vielen   pal&#228;stinensischen Jugendlichen aus dem Herzen sprechen.<\/p>\n<p>  Im Westjordanland hat sich die &#8222;Jugendbewegung 15. M&#228;rz&#8220; gebildet. Zum   Nakba-Tag organisierte sie eine Demo am Checkpoint zwischen Ramallah und   Jerusalem mit &#252;ber 1.000 TeilnehmerInnen. Neben einem Ende der Besatzung   fordert die Bewegung Neuwahlen f&#252;r den Pal&#228;stinensischen Nationalrat der   PLO.<\/p>\n<p>  Hamas und Fatah haben verstanden, dass die revolution&#228;ren Entwicklungen   in Nordafrika und im Nahen Osten nicht zu ihren Gunsten verlaufen. Sie   haben zur Kenntnis genommen, dass die Wut ansteigt und sie diese nicht   einfach gegen Israel kanalisieren k&#246;nnen. Die j&#252;ngsten Ereignisse haben   die Pal&#228;stinenserInnen kritischer gegen&#252;ber ihren eigenen Regierungen   gemacht, haben sie ermutigt, auch von diesen demokratische Rechte   einzufordern.<\/p>\n<p>  Die j&#252;ngste &#8222;Vers&#246;hnung&#8220; zwischen Hamas und Fatah ist das Produkt dieser   Entwicklungen und der daraus resultierenden Bef&#252;rchtungen der   pal&#228;stinensischen Eliten. Fatah und Hamas haben Wahlen innerhalb eines   Jahres angek&#252;ndigt. Es scheint auch, als w&#252;rde sich die Hamas mit   repressiven Ma&#223;nahmen gegen die eigene Bev&#246;lkerung etwas zur&#252;ckhalten.<\/p>\n<h4>  Netanjahu in den USA<\/h4>\n<p>  Barak Obama hat auch auf das wachsende revolution&#228;re Potenzial reagiert   und ist mit einer Nahost-Rede in die Offensive gegangen. Obamas   Vorschlag, die Grenzen von 1967, vor dem israelischen Sieg im   Sechs-Tage-Krieg, zum Verhandlungsgegenstand zu machen, wurde in den   b&#252;rgerlichen Medien h&#228;ufig als Versuch Obamas bezeichnet, Zugest&#228;ndnisse   von den Herrschenden in Israel zu verlangen. Doch gleichzeitig hat Obama   darauf verzichtet &#8211; anders als fr&#252;her &#8211; einen Siedlungsstopp zu fordern   und damit seine Kompromissbereitschaft gegen&#252;ber der rechten   Netanjahu-Regierung gezeigt.<\/p>\n<p>  Benjamin Netanjahu hat darauf mit neuen Provokationen reagiert. Bei   seinem Auftritt vor dem US-Kongress polterte er gegen Obama, erkl&#228;rte   auch nur Verhandlungen &#252;ber ein Pal&#228;stina in den Grenzen von 1967 als   unm&#246;glich und verlangte erneut ultimativ von Mahmoud Abbas, den   Vers&#246;hungsprozess von Fatah und Hamas zu stoppen. Er bekam daf&#252;r den   Beifall der rechten Republikaner, welche die Lage in Nahost nutzen   wollen, um Obama zu schw&#228;chen.<\/p>\n<p>  Die herrschende Klasse in Israel ist unf&#228;hig, substanzielle   Zugest&#228;ndnisse an die Pal&#228;stinenserInnen zu machen. Auch die h&#228;rtesten   Hardliner wie beispielsweise Ariel Scharon haben sich zwar nach einer   Zeit an der Regierung zu Verhandlungen und Kompromissen bereit erkl&#228;rt,   verbal ihre Maximalforderungen aufgegeben und die Perspektive eines   pal&#228;stinensischen Staates f&#252;r m&#246;glich erkl&#228;rt.<\/p>\n<p>  Doch wenn es konkret wird, gibt es nur kleine Zugest&#228;ndnisse an die   Pal&#228;stinenserInnen, verbunden mit neuen Verschlechterungen. Der R&#252;ckzug   der israelischen Truppen aus Gaza ging einher mit einer Abriegelung der   Westbank durch die Mauer und letztendlich mit der totalen Isolation von   Gaza nach dem Hamas-Wahlsieg.<\/p>\n<p>  In Reaktion auf Netanjahus USA-Besuch meinte Pal&#228;stinenserpr&#228;sident   Abbas, er wolle im September vor der UNO einen eigenen Staat einfordern.   Obamas Reaktion, man solle diesen Weg nicht gehen, sondern sich   &#8222;hinsetzen und mit den Israelis reden&#8220;, zeigt, dass diese Initiative   wenig Fortschritte bringen wird.<\/p>\n<p>  Viele Menschen in Gaza und Westjordanland hoffen, dass sie nun im Rahmen   der UNO geh&#246;rt werden. Das wird nicht passieren. Die US-Regierung wei&#223;   das und versucht, vorher Gespr&#228;che in Gang zu bringen, welche die   Hoffnungen auf eine L&#246;sung am K&#246;cheln halten und den Zeitpunkt der   Eskalation aufschieben.<\/p>\n<h4>  Wie kann die Besatzung beendet werden?<\/h4>\n<p>  Die pal&#228;stinensischen Jugendlichen und ArbeiterInnen werden ihre Lehren   aus den Entwicklungen in &#196;gpyten und Tunesien ziehen. Dort haben   Massendemonstrationen und Streiks in wenigen Tagen mehr erreicht als   Jahre voller Selbstmordattentate und Kassam-Raketen gegen Israel. Die   Ereignisse rund um den Nakba-Tag, die gleichzeitigen Aktionen in   mehreren L&#228;ndern, die wachsende Solidarit&#228;tsbewegung in &#196;gypten lassen   hoffen, dass ein kommender Aufstand in Gaza und im Westjordanland mehr   Elemente der ersten Intifada beinhaltet, Ans&#228;tze zu Kontrolle und   Demokratie von unten, die Einbeziehung der Massen.<\/p>\n<p>  Ein wichtiger Fortschritt w&#228;re, wenn sich soziale und politische   Organisationen herausbildeten, welche unabh&#228;ngig von den Herrschenden in   Pal&#228;stina und den Nachbarstaaten sind, welche bereit sind, auch den   Konflikt mit den reaktion&#228;ren und korrupten Eliten zu f&#252;hren und   wirklich die Interessen der Armen, der Jugend, der Arbeitenden vertreten.<\/p>\n<p>  Es war nie und ist auch heute nicht m&#246;glich, die israelische Besatzung   milit&#228;risch zu besiegen. Die &#220;bermacht der IDF, unterst&#252;tzt von den USA,   ist &#252;berw&#228;ltigend. Wenn die Besatzung fallen soll, muss die soziale   Basis der israelischen Armee geschw&#228;cht werden. Die Pal&#228;stinenserInnen   m&#252;ssen sich verteidigen k&#246;nnen, auch milit&#228;risch, doch in erster Linie   geht es darum, die Besatzung politisch zu unterminieren.<\/p>\n<p>  Shahar Ben-Korin von Maavak Sozialisti, der israelischen Sektion des   CWI, schreibt dazu: &#8222;In den letzten Jahren hat sich eine kleine, aber   bedeutende Schicht von j&#252;dischen Jugendlichen in Israel bei   pal&#228;stinensischen Protesten solidarisch gezeigt. Ein Appell einer   pal&#228;stinensischen Massenbewegung an die j&#252;dische Arbeiterklasse in   Israel f&#252;r vollst&#228;ndig gleiche Selbstbestimmungsrechte und f&#252;r   verbesserte Lebensbedingungen aller arbeitenden Menschen w&#252;rde ein Echo   finden. Das l&#228;sst sich bereits aus der Wirkung, die die arabischen   Massenbewegungen auf das Bewusstsein der israelischen Arbeiterklasse und   die Mittelschichten haben, schlie&#223;en. (&#8230;) Mit Hilfe der heutigen   Kommunikationstechniken werden die beginnenden Massenproteste in der   Region zum Motor f&#252;r proletarische, sozialistische Bewegungen werden.   Das wird die Entwicklung von Massenk&#228;mpfen der Pal&#228;stinenser und der   israelisch-j&#252;dischen Arbeiter und Jugendlichen einschlie&#223;en, die sich &#8211;   als Teil einer internationalen Bewegung f&#252;r Sozialismus &#8211; als f&#228;hig   erweisen werden, alle Formen der nationalen Unterdr&#252;ckung, das &#252;berholte   kapitalistische System und die imperialistische Herrschaft komplett zu   beseitigen. Was eine Vorbedingung f&#252;r Frieden ist.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Pal&#228;stina ger&#228;t in Bewegung &#8211; Netanjahu, Hamas und Fatah voller Sorgen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[238],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14275"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14275"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14275\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}