{"id":14274,"date":"2011-06-21T00:00:00","date_gmt":"2011-06-21T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14274"},"modified":"2011-06-21T00:00:00","modified_gmt":"2011-06-21T00:00:00","slug":"14274","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/06\/14274\/","title":{"rendered":"Portrait von J&#252;rgen Gro&#223;mann"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Weil die, die die Welt bewegen, hinten an der Elbe leben&#8220; (Holger   Burner)<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>RWE-Vorstandschef und Atomlobbyist J&#252;rgen Gro&#223;mann ist einer dieser   Menschen, die in einer Villa in der Elbchaussee leben, es sich gut gehen   lassen und &#252;ber unser Leben bestimmen. Seine Lebensverh&#228;ltnisse, das   Verm&#246;gen, der Einfluss in Politik und Wirtschaft, vergegenw&#228;rtigen, wie   pervers, absurd und verlogen dieses System ist.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Linda Fischer, Hamburg<\/i><\/h4>\n<p>  J&#252;rgen Gro&#223;mann verdient j&#228;hrlich circa neun Millionen Euro, bei einem   Bruttolohn von 2.500 Euro m&#252;sste man daf&#252;r 300 Jahre arbeiten. Im Jahre   2008 besa&#223; er ein Verm&#246;gen von 1,4 Milliarden Euro.<\/p>\n<h4>  &#220;berall die Finger drin<\/h4>\n<p>  Neben seinen T&#228;tigkeiten als RWE-Vorstandschef ist er Besitzer eines 44   Unternehmen z&#228;hlenden Imperiums: der Georgsmarienh&#252;tte Holding. Als das   Stahlwerk marode war, konnte er sich auf das Kapital seiner Gattin   Dagmar Sikorski st&#252;tzen, die 30 Musikverlage geerbt hat. In der   Georgsmarienh&#252;tte wird vor allem Metall f&#252;r die Autobranche hergestellt.   In diesem Zusammenhang ist es f&#252;r Gro&#223;mann naheliegend, dass er bis vor   kurzem f&#252;nf Jahre lang im Aufsichtsrat der Volkswagen AG sa&#223; &#8211; auf dem   Ticket des Gro&#223;aktion&#228;rs: das Land Niedersachsen. Unterst&#252;tzt wurde   Gro&#223;mann vom ehemaligen nieders&#228;chsischen Ministerpr&#228;sidenten Christian   Wulff, der es &#8222;sch&#246;n&#8220; findet, dass es solche Manager gibt. Die   Verquickung von Politik und wirtschaftlichen Interessen des Atomkonzerns   RWE und Volkswagen k&#246;nnte nicht deutlicher sein.<\/p>\n<h4>  Sich einfach nehmen, was man mag<\/h4>\n<p>  &#8222;Ich mag gutes Essen, guten Wein und gute Gespr&#228;che.&#8220; Das ist an sich   noch nichts besonderes, doch f&#252;r J&#252;rgen Gro&#223;mann bedeutet das nicht, ab   und zu mal essen zu gehen. Er besitzt lieber gleich ein ganzes Weingut   in Australien und ein Zwei-Sterne-Restaurant in Osnabr&#252;ck. Und weil er   auch Autos und Urlaub mag, besitzt er au&#223;erdem eine Flotte von einem   Dutzend Oldtimern, ein F&#252;nf-Sterne-Hotel in Arosa und ein Haus am   Tegernsee inklusive eines eigenen Jagdreviers. Ein niederrheinischer   Landsitz darf nat&#252;rlich auch nicht fehlen. Doch wir k&#246;nnen beruhigt   sein: &#8222;F&#252;r mich sind Dankbarkeit und Demut keine blo&#223;en Worte&#8220;,   versichert er im Capital-Online-Interview.<\/p>\n<h4>  Ein Freund, ein guter Freund&#8230;<\/h4>\n<p>  &#8222;Gute Gespr&#228;che&#8220; haben f&#252;r Gro&#223;mann eine besondere Bedeutung. In seinem   Restaurant fanden bei luxuri&#246;sen Essen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche   (der wiederum auch im RWE-Aufsichtsrat sitzt!), mit Christian Wulff oder   Bahn-Chef Hartmut Mehdorn diskrete Unterhaltungen statt. Da ist es auch   kein Wunder, dass das Metall der Georgsmarienh&#252;tte in ICE-Z&#252;gen steckt.<\/p>\n<p>  Kanzlerin Angela Merkel lie&#223; sich per Helikopter zur 150-Jahr-Feier der   Georgsmarienh&#252;tte einfliegen, und Ex-Kanzler Gerhard Schr&#246;der kommt gern   zu einer Runde Skat vorbei. Der ehemalige NRW-SPD-Chef und   Ex-Wirtschaftsminister Harald Schartau wurde in die Villa nach Hamburg   eingeladen und von Gro&#223;mann zum Arbeitsdirektor der Stahlh&#252;tte gemacht.   Eberhard Holl, ehemaliger Gemeinde-Chef des Kreises Osnabr&#252;ck, sitzt nun   im Aufsichtsrat von RWE und des Stahlimperiums.<\/p>\n<h4>  Die gro&#223;e weite Welt<\/h4>\n<p>  Gro&#223;mann ist Organisator und wichtiger Teilnehmer von Treffen   internationaler &#8222;Entscheider&#8220; aus Wirtschaft und Politik, wie zum   Beispiel dem Young-Leaders-Treffen der Atlantik-Br&#252;cke, was in seinem   Domizil an der Elbchaussee stattfand. Junge F&#252;hrungskr&#228;fte aus   Deutschland und den USA trafen sich dort, um &#252;ber neue   Markterschlie&#223;ungsm&#246;glichkeiten zu diskutieren.<\/p>\n<p>  Auch beim Weltwirtschaftsforum, einem Forum der f&#252;hrenden   kapitalistischen Eliten, mischt er mit und organisiert Veranstaltungen.   Auf den j&#228;hrlichen Treffen der internationalen Wirtschaftsbosse und   Politiker werden Entwicklungen im Interesse der Maximierung der   Unternehmensprofite vorangetrieben.<\/p>\n<h4>  Parallelgesellschaft<\/h4>\n<p>  Das Leben von J&#252;rgen Gro&#223;mann ist v&#246;llig abgehoben &#8211; ein Leben in einer   Parallelgesellschaft der Kapitalisten und ihrer Verb&#252;ndeten in der   Politik. Gro&#223;mann ist nur ein Beispiel daf&#252;r, wie dieses System f&#252;r   einige Wenige unvorstellbaren Reichtum auf Grundlage von Ausbeutung und   Unterdr&#252;ckung der Mehrheit erzeugt. Es wirkt wie Realsatire, wenn   Gro&#223;mann stolz verlautet, dass die Arbeiter seines Stahlwerks 3.500 Euro   Gewinnbeteiligung erhalten, w&#228;hrend er j&#228;hrlich das 2.571-fache dessen   verdient. Leider ist es die Realit&#228;t, dass Menschen wie Gro&#223;mann &#252;ber   unser Leben bestimmen.<\/p>\n<p>  &#8222;Wenn es der feste Wille der Mehrheit der deutschen Bev&#246;lkerung und der   sie vertretenden Politik ist, zuk&#252;nftig auf Kernkraft zu verzichten,   werden wir uns dem nicht verschlie&#223;en. Es gilt klar das Primat der   Politik.&#8220; Meint Gro&#223;mann zur aktuellen Atomdebatte. Das l&#228;sst sich ja   auch leicht sagen, wenn man die Politik bestimmt. Doch die Mehrheit der   Bev&#246;lkerung ist bereits seit Jahrzehnten gegen Atomkraft. Wir m&#252;ssen   Gro&#223;mann und Co. enteignen, den Ausstieg selber durchsetzen und endlich   den vorhanden Reichtum auf alle Menschen verteilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Weil die, die die Welt bewegen, hinten an der Elbe leben&#8220; (Holger<br \/>\n      Burner)\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[114],"tags":[238],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14274"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14274"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14274\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}