{"id":14269,"date":"2011-06-10T00:00:00","date_gmt":"2011-06-09T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14269"},"modified":"2012-07-02T18:42:48","modified_gmt":"2012-07-02T16:42:48","slug":"14269","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/06\/14269\/","title":{"rendered":"Spanien: Jugendrevolte bringt politische Elite in Bedr&#228;ngnis"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Indignados&#8220; sind der neue Faktor in der politischen Landschaft Spaniens<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Im Mai besetzten in Spanien Jugendliche in &#252;ber 150 St&#228;dten &#246;ffentliche   Pl&#228;tze. Dieser Artikel, den wir hier ver&#246;ffentlichen, wurde bereits am   24. Mai verfasst. Er ist ein Augenzeugenbericht aus dem Baskenland, von   einem Mitglied der spanischen SAV-Schwesterorganisation verfasst. Dieser   Bericht besch&#228;ftigt sich vor allem mit dem Charakter der neuen   Jugendbewegung und mit ihren Forderungen (die Redaktion von   sozialismus.info).<\/p>\n<p>  Die &#8222;Bewegung des 15. Mai&#8220; in Spanien hat die politische Elite ins Mark   getroffen. F&#252;hrungspersonen und Wahlkandidaten der wichtigsten   kapitalistischen Parteien PSOE und PP sind ratlos dar&#252;ber, wie das alles   zu bewerten ist.<\/p>\n<h4>  <i>von John Hird, Socialismo Revolucionario, Vittoria\/Gazteiz,   Baskenland, geschrieben am 24. Mai 2011<\/i><\/h4>\n<p>  Anfangs berichteten die Medien noch g&#246;nnerhaft &#252;ber die jungen Menschen,   die vergangene Woche die Puerta del Sol besetzt hatten. Sie wurden als   die &#8222;&#252;blichen antikapitalistischen Verd&#228;chtigen&#8220; bezeichnet. Bis letzten   Mittwoch verleugnete die spanische Presse geradezu die sich ausbreitende   Entwicklung. Mat&#237;as Prats, ein bekannter Nachrichtensprecher, runzelte   die Stirn, als er die &#220;berschriften der Auslandspresse verlesen musste,   die von der &#8222;spanischen Revolution&#8220; sprachen. Es war, als wollte er   sagen: &#8222;Was wissen die denn schon?&#8220; Der staatliche Sender TVE entsandte   ganze Trupps von JournalistInnen nach Tunesien und &#196;gypten, um die   arabischen Revolutionen live und in Farbe festzuhalten. Bisher   ignorieren sie hingegen die Revolte, die vor ihren Augen stattfindet. Es   gibt nur einen Sender, der am 15. Mai live nach Madrid schaltete.<\/p>\n<h4>  Herrschende unter Druck<\/h4>\n<p>  Die sozialdemokratische Regierungspartei PSOE reagierte zuerst damit,   sich hinter Gesetzen zu verkriechen und &#8211; angefeuert von der   konservativen PP &#8211; Drohungen gegen die Bewegung auszusprechen. Die   Wahlkommission und der Oberste Gerichtshof stimmten mit knapper Mehrheit   f&#252;r die R&#228;umung der Plazas. Das knappe Abstimmungsergebnis ist ein   Hinweis daf&#252;r, dass die Staatsoberen in Spanien nicht einig darin sind,   was zu tun ist. Die Polizeigewerkschaften sagten dem Innenminister   Rubalcaba gegen&#252;ber, dass es eine &#8222;schlechte Idee&#8220; w&#228;re, die Pl&#228;tze zu   r&#228;umen. Wegen dem Ausma&#223; der Bewegung und nat&#252;rlich auch aufgrund der   korrekten Taktik der DemonstrantInnen, die unter anderen auch   Verbr&#252;derungsversuche anstellten, sind die Polizeikr&#228;fte nicht   unbeeindruckt geblieben. Auf Youtube finden sich Videos, in denen die   Polizei aufgerufen wird, nicht einzugreifen.<\/p>\n<h4>  Manifest: &#8222;Echte Demokratie &#8211; jetzt&#8220;<\/h4>\n<p>  Die Bewegung hat die v&#246;llige Entkopplung der politischen Elite von der   Lebenswirklichkeit zum Ausdruck gebracht. Am Freitag, den 20. Mai &#8211; also   direkt vor den Kommunal- und Regionalwahlen &#8211; als die Bewegung es   endlich auf die Titelseiten geschafft hatte, war zu h&#246;ren, was die   DemonstrantInnen fordern und die Politiker demgegen&#252;ber anzubieten   haben. Die Puerta del Sol ist mit Plakaten gepflastert, auf denen die   Leute Slogans und Aufrufe an die Welt geschrieben haben, um Solidarit&#228;t   zu bekommen: &#8222;Menschen Europas, erhebt euch!&#8220; Geradezu spontan wurden   Kommissionen gegr&#252;ndet und das Manifest &#8222;Echte Demokratie &#8211; jetzt&#8220; auf   demokratische Art und Weise beschlossen. Hier einige der   Hauptforderungen daraus:<\/p>\n<p>  &#8222;Gleichheit, Fortschritt, Solidarit&#228;t, kulturelle Freiheit,   Nachhaltigkeit und Entwicklung, das Gemeinwohl und das Gl&#252;ck der   Menschen m&#252;ssen in jeder fortschrittlichen Gesellschaft oberste   Priorit&#228;t haben.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Dies sind unver&#228;u&#223;erliche Werte, denen wir in unserer Gesellschaft   verpflichtet sein sollten: das Recht auf Wohnraum, Besch&#228;ftigung,   Kultur, Gesundheit, Bildung, politische Teilhabe, M&#246;glichkeit freier   Entfaltung der Person und Verbraucherrechte f&#252;r ein gesundes und   gl&#252;ckliches Leben.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Die momentane Verfassung unserer Regierung und des Wirtschaftssystems   werden diesen Werten nicht gerecht, und vielfach stellen sie f&#252;r die   menschliche Entfaltung ein Hindernis dar.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Die Gier nach Macht und ihre Akkumulation in den H&#228;nden weniger f&#252;hren   zu Ungleichheit, Spaltung und Ungerechtigkeit, was wiederum zu Gewalt   f&#252;hrt, die wir ablehnen.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Das &#252;berholte und unnat&#252;rliche Wirtschaftsmodell heizt die   gesellschaftliche Maschinerie an und f&#252;hrt zu einer wachsenden Spirale,   in der sie sich selbst verkonsumiert und dabei wenige reich macht sowie   den gro&#223;en Rest in die Armut entl&#228;sst. &#8211; Bis zum Zusammenbruch.&#8220;<\/p>\n<h4>  &#8220;PSOE und die PP &#8211; Das ist dieselbe Schei&#223;e!&#8221;<\/h4>\n<p>  Die Nachrichten berichteten dann &#252;ber den Vorsitzenden der konservativen   Oppositionspartei PP, Rajoy, der gerade eine Rede beendet hatte. Wie im   Falle von Ministerpr&#228;sident Zapatero folgte der obligatorische   wohlgemeinte Kommentar, wonach es gut sei, dass junge Menschen ihren   Ideen Ausdruck verleihen, um dann zur &#8222;&#252;blichen Politik&#8220; zur&#252;ckzukehren.   Alles resultiere demnach aus dem Versagen der PSOE und die Plazas   m&#252;ssten ger&#228;umt werden, um die Verfassung und den Tag des Innehaltens   vor der Wahl zu wahren. Die PSOE warnte unterdessen, dass unter einer   PP-Regierung alles nur noch schlimmer werden w&#252;rde. Rajoy und Zapatero   benutzen immer wieder dieselben leeren und irrelevanten Phrasen, wie   zwei I-Pods im Wiederholungsmodus. Oder &#8211; wie es die Jugendbewegung so   elegant zu beschreiben versteht: &#8222;&#161;PSOE Y PP, LA MISMA MIERDA ES!&#8220;   (&#8222;PSOE und die PP &#8211; Das ist dieselbe Schei&#223;e!&#8220;)<\/p>\n<p>  Tausende kleiner Vorkommnisse unterstreichen die Tatsache, dass die   Jugend es in nur f&#252;nf Tagen geschafft hat, &#8222;darle vuelta a la tortilla&#8220;   (&#8222;die Tortilla in der Pfanne zu wenden&#8220;). Vergangene Woche machte sich   eine Gruppe von JournalistInnen im Sender Radio Naci&#243;nal Espa&#241;ola (RNE)   &#252;ber die jungen Leute auf der Puerta del Sol lustig. Sie fragten,   wor&#252;ber sie sich denn aufregen w&#252;rden, wenn sie doch f&#252;r schlappe 30   Euro nach London fliegen k&#246;nnten. Doch das sollte nicht unbeantwortet   bleiben: Eine erwerbst&#228;tige Mutter rief bei RNE an und sprach in sehr   verst&#228;ndlicher und schl&#252;ssiger Art und Weise kraftvoll f&#252;r ganze f&#252;nf   Minuten &#252;ber den &#196;ther. Sie fragte, warum der von &#246;ffentlichen Geldern   finanzierte RNE die Forderungen der jungen Leute ignoriert. Wie k&#228;men   die JournalistInnen darauf, die zuk&#252;nftigen f&#252;hrenden K&#246;pfe des Landes   so zu verunglimpfen? Daraufhin waren die &#8222;Experten&#8220; pl&#246;tzlich sprachlos.<\/p>\n<h4>  Rolle des Internets<\/h4>\n<p>  Ein Charakteristikum der Bewegung ist, dass das Internet eingesetzt   wird, um sich zu organisieren und eine Alternative zu den von &#8222;PPSOE&#8220;   (PP und PSOE) kontrollierten Medien anzubieten. Die Erfahrung der   arabischen Revolution zeigt, dass das Internet die Ereignisse   beschleunigen und als unabh&#228;ngiges Werkzeug zur Selbstorganisierung   dienen kann. Zudem kann dieses Medium den Beteiligten der Bewegung das   Selbstvertrauen geben, dass ihre Bewegung auch Erfolge erzielt. Ein   interessanter Aspekt dabei ist, dass das Fernsehen und die Presse zu   blo&#223;en Zuschauern degradiert wurden. Sie hinkten immer hinter der   Entwicklung her. Die &#196;u&#223;erungen seitens Regierung und Oberstem   Gerichtshof werden auf Twitter und Facebook sofort l&#228;cherlich gemacht,   und der Ruf nach Versammlungen auf den Plazas und Wahlen wird lauter.   Die dort getroffenen Entscheidungen werden dann wiederum &#252;ber das   Internet verbreitet.<\/p>\n<p>  Trotz der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ging Innenminister   Rubalcaba zun&#228;chst in die Defensive. Die DemonstrantInnen stimmten f&#252;r   die Fortsetzung der Besetzungen, die mittlerweile in mehr als 150   spanischen St&#228;dten und sogar &#252;ber die Landesgrenzen hinaus   aufrechterhalten werden. Rubalcaba lieb&#228;ugelt mit einem Posten im   Parteivorstand der PSOE und will nicht derjenige sein, der f&#252;r einen   Angriff auf friedliche DemonstrantInnen am Vortag von Wahlen   verantwortlich gemacht wird. Schlie&#223;lich w&#228;re dies auch eine Nachricht,   die um die Welt gehen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Der R&#252;ckzieher der Regierung deutet auf deren grunds&#228;tzliche Schw&#228;che   hin, zu der eine in gewisser Hinsicht ziemlich gut organisierte und   entschlossene Bewegung bereits gef&#252;hrt hat. Au&#223;er Frage steht zudem,   dass die Gewinner der Kommunal- und Regionalwahlen keine wirkliche   Legitimation besitzen.<\/p>\n<h4>  Massenarbeitslosigkeit<\/h4>\n<p>  Wie also ist es zu dieser Situation gekommen? Eine Situation, in der die   junge spanische &#8222;Demokratie&#8220; &#8211; wahrscheinlich in den Augen der   gesellschaftlichen Mehrheit, aber definitiv in den Augen der Jugend &#8211;   vollkommen in Misskredit geraten ist.<\/p>\n<p>  Puerta del Sol ist das Epizentrum des politischen Erdbebens, aber der   Tsunami hat sich &#252;ber die gesamte Halbinsel hinweg ausgebreitet.<\/p>\n<p>  Spanien verzeichnet 4,9 Millionen Arbeitslose. 43 Prozent der jungen   Leute finden keinen Job. Das Fernsehen spricht unentwegt von der   sogenannten &#8222;NI-NI-Generation&#8220;, die weder studiert noch arbeitet. Sie   sei demnach mehr an &#8222;Big Brother&#8220; und &#8222;botell&#243;nes&#8220; (was so viel hei&#223;t,   wie in den Stra&#223;en Parties zu feiern) interessiert als an Politik. Die   Krise zeitigt in Spanien verheerende und schockierende Auswirkungen. Die   Renten wurden gek&#252;rzt, Dienstleistungen gestrichen und am schlimmsten   ist, dass sich das Gef&#252;hl ausgebreitet hat, dass es f&#252;r diese Generation   junger Menschen keine Zukunft gibt. Die Banken haben damit begonnen,   H&#228;user zu beschalgnahmen, weil die Leute ihre Zinsforderungen nicht   bedienen k&#246;nnen. Die Wut auf das System und vor allem auf die Banken ist   lange Zeit unter der Oberfl&#228;che gehalten worden.<\/p>\n<p>  Weit verbreitet sind auch Ver&#228;rgerung und Wut gegen&#252;ber den Politikern   der &#8222;PPSOE&#8220;. Das liegt an der Korruption und dem mangelnden Vertrauen in   das Wahlsystem. Bei den Wahlen handelt es sich um steril   choreographierte Abhandlungen mit einer Ladung aalglatter Werbung aber   nur wenig Substanz. Im Baskenland haben die etablierten Parteien es   aufgegeben, Versprechungen zu machen. Dort machen sie es sich   mittlerweile viel einfacher, indem sie mit riesigen Plakatw&#228;nden   arbeiten, auf denen nur die Fotos der Kandidaten und bedeutungslose   Spr&#252;che stehen wie etwa: &#8222;Bereit&#8220; oder &#8222;Darauf vorbereitet&#8220;. Das ist   unpolitische Politik und zeigt die Missachtung der Politiker, die diese   f&#252;r die Menschen &#252;brig haben. Das Wahllistensystem manifestiert die K&#252;r   von Parteisoldaten, deren Auftrag nur das Eigeninteresse ist. In letzter   Zeit wurden eine Menge an Kandidaten von der PSOE-Liste der Korruption   oder aufgrund anderer Delikte angeklagt. Wird ein Politiker wegen   Korruption verurteilt, so tritt er in der Regel zur&#252;ck &#8211; aber l&#228;ngst   nicht immer. Das Problem ist, dass dieselbe Partei die betreffende   Person mit einer anderen weiter unten auf der Liste ersetzt. Aus diesem   Grund fordert die Bewegung saubere, offene Listen und weitere   demokratische Reformen.<\/p>\n<p>  Der Pr&#228;sident der Region Valencia wird beschuldigt, f&#252;r politische   Gef&#228;lligkeiten Designeranz&#252;ge angenommen zu haben. In den vergangenen   vier Jahren seiner Amtszeit hatte er die G&#252;te, gerade einmal zwei   Presseinterviews zu geben.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaftsf&#252;hrung st&#252;tzt PSOE<\/h4>\n<p>  Aber weshalb entwickelt sich die Bewegung gerade jetzt und auf diese   Weise? Die beiden gr&#246;&#223;ten spanischen Gewerkschaften CCOO und UGT haben   bereits [am 29. September 2010] einen Generalstreik organisiert. Aus   Sicht der jungen Leute handelte es sich dabei jedoch um eine halbherzige   Angelegenheit. Die f&#252;hrenden Leute in den Gewerkschaften werden   gemeinhin als die angesehen, die mit der PSOE-Regierung   zusammenarbeiten. Allgemein w&#252;rden SozialistInnen aufgrund der   historischen Erfahrungen davon ausgehen, dass eine solche Massenbewegung   ihren Anfang in den Betrieben und durch die Gewerkschaften nimmt. Doch   das ist hier nicht der Fall. Klar ist, dass die jungen Menschen einen   Weg gefunden haben, der die Hindernisse umgeht, welche von den   Gewerkschaftsf&#252;hrungen aufgestellt wurden. Jetzt ist es f&#252;r die   Jugendbewegung wichtig, Verbindungen mit den ArbeiterInnen in den   Betrieben aufzunehmen.<\/p>\n<h4>  Antikapitalistisch<\/h4>\n<p>  Die Bewegung scheint eine antikapitalistische Richtung eingeschlagen zu   haben, ohne dass unter den Menschen in Spanien ein klares   sozialistisches Bewusstsein besteht oder &#252;berhaupt von der Existenz   starker sozialistischer Parteien die Rede sein kann. Das zeigt uns, dass   der Samen der Revolution und des Sozialismus bereits im Kapitalismus   vorhanden ist und dass die Erfahrung des Lebens unter der Herrschaft der   Banken die Masse der Menschen in Opposition zum System bringt. Die Leute   wissen, wogegen sie sind und kommen bei der Suche nach einer Alternative   nun sozusagen auf die Zielgerade.<\/p>\n<p>  Zu den wohl inspirierendsten Aspekten, die die Bewegung bereith&#228;lt,   geh&#246;ren der Optimismus, mit dem die Jugend auftritt, ihr   Organisationstalent und nat&#252;rlich die von ihnen zum Ausdruck gebrachte   Hoffnung und ihre Tr&#228;ume. SozialistInnen sind von den Ereignissen in   Spanien tief beeindruckt.<\/p>\n<h4>  Kommunal- und Regionalwahlergebnisse<\/h4>\n<p>  Die PP verk&#252;ndet ihren grandiosen Sieg &#252;ber die PSOE, die sie [bei den   Kommunal- und Regionalwahlen] um sechs Prozentpunkte geschlagen hat, und   bringt sich nahezu in einen Zustand ekstatischen Triumphs. In der   Wahlnacht, als Rajoy vor die eigene Mitgliedschaft trat, skandierten   sie: &#8222;&#161;BILDU FUERA!&#8220; (BILDU raus!). BILDU hat es geschafft, in nur einer   Woche nach ihrer Zulassung, zur zweitst&#228;rksten politischen Kraft im   Baskenland zu werden. Diese Haltung der PP verhei&#223;t f&#252;r die Zukunft   nichts Gutes und ein Sieg der PP bei den Parlamentswahlen wird die   Spannungen rund um die Nationale Frage mit Sicherheit weiter erh&#246;hen.<\/p>\n<p>  Bei dem Wahlergebnis handelt es sich um eine Momentaufnahme, die nicht   das ganze Bild wiedergibt. 33 Prozent der Bev&#246;lkerung sind gar nicht   erst w&#228;hlen gegangen. Die PP erhielt 24 Prozent der Stimmen von den   Menschen, die sich zur Wahlurne bem&#252;hten. Das ist eine Person von   Vieren. Die PSOE hingegen erzielte 18 Prozent. Die linke &#8222;Izquierda   Unida&#8221; (IU) verzeichnete zwar leichte Zugewinne, allerdings nicht in dem   Ma&#223;e, wie sie es getan h&#228;tte, h&#228;tte sie eine eindeutig   antikapitalistische Haltung eingenommen.<\/p>\n<p>  Nach den Kommunal- und Regionalwahlen ist die Partei BILDU im Baskenland   die st&#228;rkste Kraft in der Provinz Guip&#250;zcoa, Zweiter in Vizcaya und an   dritter Stelle in &#193;lava. In Donosti\/San Sebasti&#225;n erhielten sie die   meisten Stimmen. In ganz Euskadi [einheimischer Name f&#252;r das Baskenland]   werden sie nun 74 B&#252;rgermeister und 953 Gemeinder&#228;te stellen, was sie   zur einflussreichsten Kraft auf lokaler und regionaler Ebene &#8211; noch vor   den baskischen Nationalisten der Partei PNV (Baskisch-nationalistische   Partei) &#8211; macht. Das ist vor allem deswegen von gro&#223;er Bedeutung, da   diese Partei nur einige Wochen vor den Wahlen erst legalisiert wurde.   Ihr Erfolg zeigt auf gewisse Weise die M&#246;glichkeiten, die wirklich linke   Parteien h&#228;tten. Auch wenn wir ihr Programm nicht als sozialistisch   bezeichnen w&#252;rden, so wird sie doch als k&#228;mpferische Partei   wahrgenommen, die f&#252;r die ArbeiterInnen von Euskadi eintreten wird.   Nat&#252;rlich haben sie neben dem Zuspruch ihrer traditionellen   SympathisantInnen auch eine Reihe von Proteststimmen erhalten, die von   der &#8222;Bewegung des 15. Mai&#8220; inspiriert waren.<\/p>\n<p>  Die Wahlergebnisse werden die Lage in Spanien nicht grundlegend   ver&#228;ndern. Die &#8222;Bewegung des 15. Mai&#8220; hat bereits Ver&#228;nderungen gebracht   und wird dies auch weiterhin tun. Die PP wird den von der PSOE   eingeschlagenen Weg der K&#252;rzungsprogramme weitergehen. Aber jetzt gibt   es einen neuen Faktor in der politischen Landschaft. Vor allem junge   Menschen werden weiteren Angriffen im Weg stehen. Sie sind gewillt zu   k&#228;mpfen und haben das n&#246;tige Selbstvertrauen, um sich zu wehren.<\/p>\n<h4>  Jugend und Arbeiterklasse<\/h4>\n<p>  In Vitoria-Gasteiz [Hauptstadt der autonomen Region Baskenland] haben   vergangenen Samstag &#228;ltere ArbeiterInnen auf der La Plaza vor Tausenden   gesprochen. Sie lie&#223;en das Gef&#252;hl vom 3. M&#228;rz 1976 wieder aufleben.   Damals kam es zu einem stadtweiten Generalstreik als Reaktion auf die   Ermordung von ArbeiterInnen durch die Polizei. Das war eines der   Schl&#252;sselereignisse, die letztlich zur &#220;berwindung vom Franco-Regime   f&#252;hrten. Diese ArbeiterInnen sprachen &#252;ber die 35-Stundenwoche, den   Aufbau von Komitees in den Betrieben zur Vorbereitung eines   Generalstreiks, Internationalismus und die Notwendigkeit des   Sozialismus. Sie ernteten tosenden Applaus, was das Potenzial f&#252;r   klassenbewusste und revolution&#228;r-sozialistische Ideen widerspiegelt.<\/p>\n<p>  Allerdings kam es auch zu einem Pfeifkonzert und Buhrufen von einigen,   die diese KollegInnen als Gewerkschaftskader ablehnten und vielmehr als   Teil des Problems ansahen. Das zeigt, welche Konfusion unter einigen   Beteiligten der &#8222;Bewegung des 15. Mai&#8220; herrscht. Tats&#228;chlich tauchte   einen Tag sp&#228;ter ein Transparent auf, das die Leute dazu aufrief, sich   als Einzelpersonen einzubringen und nicht &#252;ber Organisationen.   Politische Gruppen und Gewerkschaften wurden dabei explizit genannt.   Hierbei handelt es sich um eine Schw&#228;che der Bewegung, der   SozialistInnen mit Empathie begegnen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Dennoch schw&#228;chen diese Unzul&#228;nglichkeiten nicht die Bedeutung dieser   Bewegung und das, was sie in solch kurzer Zeit schon erreicht hat, ab.   Der &#8222;15. Mai&#8220; hat auch international junge Menschen und ArbeiterInnen   inspiriert. SozialistInnen sollten internationale Solidarit&#228;t   organisieren und dem Beispiel der spanischen Jugendrevolte folgen.<\/p>\n<h4>  Hier einige Slogans aus der Bewegung<\/h4>\n<p>  <i>Nietos en para, abuelos trabajando &#8211; Enkel kriegen Arbeitslosengeld.   Gro&#223;eltern gehen arbeiten. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Esto no es botell&#243;n, es la revoluci&#243;n &#8211; Das hier ist kein Bes&#228;ufnis,   es ist eine Revolution. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Roban los banco, no los inmigrantes &#8211; Raubt die Banken aus, nicht die   Immigranten. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Los pol&#237;ticos y banqueros desde arriba nos mean. (Los medios dicen   que llueve) &#8211; Die Politiker und Banker pinkeln von oben auf uns herab.   (Die Presse sagt, es w&#252;rde regnen) <\/i><\/p>\n<p>  <i>Nos hab&#233;is quitado demasiado, ahora queremos todo. &#8211; Sie haben uns zu   viel genommen. Jetzt wollen wir alles. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Juventud sin futuro: Sin casa. Sin curro. Sin pensi&#243;n. Sin miedo. &#8211;   Jugend ohne Zukunft: Ohne Wohnung. Ohne Arbeit. Ohne Rente. Ohne Angst. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Apaga la tele. Enciende tu mente. &#8211; Schaltet den Fernseher aus und   das Gehirn ein. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Spanien ist kein Unternehmen. Wir sind keine Sklaven.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Indignados&#8220; sind der neue Faktor in der politischen Landschaft Spaniens\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14269"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14269"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14269\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}