{"id":14268,"date":"2011-06-10T00:00:00","date_gmt":"2011-06-10T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14268"},"modified":"2011-06-10T00:00:00","modified_gmt":"2011-06-10T00:00:00","slug":"14268","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/06\/14268\/","title":{"rendered":"Tunesien: &#8222;Eine zweite Revolution ist n&#246;tig!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Wurzeln des alten Regimes bleiben erhalten &#8211; Gefahr einer   Konterrevolution w&#228;chst<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Wir ver&#246;ffentlichen hier einen Text der franz&#246;sischen   Schwesterorganisation der SAV, Gauche R&#233;volutionnaire, mit einer   Einleitung der Redaktion der Webseite des Komitees f&#252;r eine   Arbeiterinternationale (CWI), www.socialistworld.net vom 14. Mai 2011.   Inzwischen wurden die Wahlen zum Verfassungsrat von Juli auf den 23.   Oktober verschoben. <\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Redaktion sozialismus.info<\/i><\/p>\n<p>  Die riesige Massenbewegung der tunesischen Jugendlichen, ArbeiterInnen   und Armen, die das Ben-Ali-Regime st&#252;rzte, dient als Inspiration und als   Beispiel f&#252;r Alle und hat eine Welle von Massenprotesten in der gesamten   Region ausgel&#246;st.<\/p>\n<p>  Doch vier Monate sp&#228;ter erhebt sich die Konterrevolution erneut und mit   ihr alle Gefahren, die sie f&#252;r die Zukunft der revolution&#228;ren Bewegung   bringt. Als in der ersten Maiwoche Farhat Rajhi, ein ehemaliger   Innenminister aus der Zeit nach Ben Alis Sturz (er war nur kurz im Amt),   &#246;ffentlich anprangerte, dass innerhalb des Staatsapparates Umsturzpl&#228;ne   geschmiedet werden, reichte das aus, um eine neue Protestwelle   auszul&#246;sen. Das dr&#252;ckt die enorme Missachtung und das Misstrauen vieler   Menschen in die provisorische Regierung unter Premierminister Essebsi   aus, und den &#196;rger &#252;ber das Ausbleiben konkreter Ver&#228;nderungen. In der   Hauptstadt Tunis, ihren &#228;rmeren Vorst&#228;dten und in vielen weiteren Orten   str&#246;mten tausende Menschen &#8211; haupts&#228;chlich radikalisierte Jugendliche &#8211;   auf die Stra&#223;en und verlangten den Sturz der Essebsi-Regierung und eine   &#8222;neue Revolution&#8220;.<\/p>\n<p>  Jedoch gaben die Schw&#228;chen der Mobilisierung und die mangelnde   Unterst&#252;tzung der Linken und der Gewerkschaftsf&#252;hrung dem Regime eine   M&#246;glichkeit, erneut zu brutaler Repression zu greifen, wie es sie seit   Januar nicht eingesetzt hatte. Die Ziele der Revolution, wie die   Zerst&#246;rung der Wurzeln der Diktatur, wurden nicht endg&#252;ltig erreicht.   Trotz wichtiger Schl&#228;ge gegen das alte Regime konnte der Staatsapparat   sich im Kern weitgehend retten, insbesondere, was die zahlreichen und   verhassten Polizei- und Sicherheitskr&#228;fte betrifft. Seit dem 12. Mai   &#252;ben schwerbewaffnete Polizeikr&#228;fte Gewalt und Terror gegen die   tunesische Bev&#246;lkerung aus. Sie haben von der Regierung gr&#252;nes Licht   bekommen, sich am revolution&#228;ren Volk zu r&#228;chen, mindestens vier   Menschen wurden dabei get&#246;tet. Sie fahren mit Motorr&#228;dern in Mengen von   DemonstrantInnen, schlagen Protestierende tot, maskierte Schl&#228;gertruppen   mit Baseballschl&#228;gern und Metallstangen laufen durch die Stra&#223;en,   Menschen m&#252;ssen wieder nach Tr&#228;nengasangriffen in Krankenh&#228;usern   behandelt werden. Teenager werden in Polizeiwachen gefoltert, und es   kommt erneut zu Anschl&#228;gen auf Gewerkschaftsh&#228;user und zu physischen   Angriffen auf JournalistInnen, die versuchen, &#252;ber die Ereignisse zu   berichten. Das alles passierte innerhalb weniger Tage, neben einer Welle   von Verhaftungen.<\/p>\n<p>  Seitdem kommt es zu Aufst&#228;nden und gewaltsamen Zusammenst&#246;&#223;en mit der   Polizei an vielen Orten, insbesondere in den armen Gegenden um den   Gro&#223;raum Tunis herum, z.B. Ettadhamen. Die Ereignisse passieren in einem   Klima der Unsicherheit und der wachsenden Gewalt, das von   konterrevolution&#228;ren Anh&#228;ngern der ehemaligen Regierungspartei RCD   gef&#246;rdert wird. Sie organisieren Pl&#252;nder-, Zerst&#246;rungs- und   Brandaktionen um eine chaotische Situation zu schaffen, die weitere   Repressionen rechtfertigt. Mitte Mai verh&#228;ngte die Regierung erneut eine   Ausgangssperre von neun Uhr abends bis f&#252;nf Uhr morgens in Tunis und   Umgebung sowie in weiteren St&#228;dten. Das dient offenkundig dazu, die   Menschen vom Demonstrieren abzuhalten und die Initiative und die Macht   in den H&#228;nden der Staatskr&#228;fte zu halten. Essebsi sagte in einer   Fernsehrede, dass &#8222;die Geduld der Regierung ihre Grenzen hat&#8220; und   beschuldigte implizit sogar Teile der Linken, hinter der Gewalt der   letzten Zeit zu stecken.<\/p>\n<p>  Die Errungenschaften der Revolution und die Freiheiten, die im   heroischen Kampf gewonnen wurden, sind eindeutig in Gefahr. Um zu   verhindern, dass das autorit&#228;re Regime wieder die Oberhand gewinnt ist   eine allgemeine Mobilisierung der Jugendlichen, Arbeitslosen,   ArbeiterInnen und GewerkschafterInnen und aller fortschrittlichen Kr&#228;fte   im Land n&#246;tig. Sie m&#252;sste eine starke Antwort als Teil einer Kampfagenda   bringen, deren Ziel sein sollte, die &#220;berbleibsel der Diktatur   loszuwerden und die Transformation hin zu einer sozialistischen   Demokratie fortzuf&#252;hren. Eine solche Entwicklung w&#228;re f&#252;r die   ArbeiterInnen und Jugendlichen im Maghreb und international eine starke   Inspiration f&#252;r einen Systemwechsel. Das bedeutet, dass man die   multinationalen Konzerne und die Schl&#252;sselindustrien unter demokratische   Kontrolle und Verwaltung der ArbeiterInnen stellen w&#252;rde, um f&#252;r die   Bed&#252;rfnisse und den Nutzen Aller zu wirtschaften, statt f&#252;r eine winzige   korrupte Elite.<\/p>\n<p>  Ein gut vorbereiteter Aktionstag mit Massenmobilisierungen und   Streikaktionen mit dem Ziel, die Polizeigewalt zu verurteilen, die   Aufhebung der Ausgangssperre durchzusetzen und die Freilassung aller   Demonstrierenden, die in den letzten Tagen verhaftet wurden,   durchzusetzen, w&#228;re ein guter Anfang. Solche Aktionen sollten ernsthaft   organisiert werden. Daf&#252;r bedarf es koordinierter Teams, die die   Demonstrationen besch&#252;tzen, der Wachsamkeit der Bev&#246;lkerung und der   Revolutionskomitees, die ihre n&#252;tzliche Rolle aus der ersten Periode   nach dem 14. Januar wieder einnehmen sollten. Das w&#252;rde den Menschen die   M&#246;glichkeit geben, sich von unten zu organisieren und ihre Revolution zu   verteidigen. Diese Komitees m&#252;ssen auf alle Orte ausgeweitet werden, die   von der Konterrevolution getroffen werden k&#246;nnen, insbesondere auf   Betriebe und Gewerkschaftsh&#228;user, aber auch auf Schulen und   Universit&#228;ten. Sie m&#252;ssen M&#246;glichkeiten f&#252;r die gemeinsame und   demokratische Organisation der Menschen bieten um den Kampf fortzuf&#252;hren   bis ein echter Sieg errungen wird.<\/p>\n<p>  <i>www.socialistworld.net<\/i><\/p>\n<h4>  Text von Gauche R&#233;volutionnaire:<\/h4>\n<p>  Die riesigen Massenbewegungen, die erst den Diktator Ben Ali und dann   seinen Premierminister Ghannouchi, der die ersten zwei provisorischen   Regierungen f&#252;hrte, gest&#252;rzt haben, haben ihr letztes Wort noch nicht   gesprochen. Der neue Premierminister, Essebsi, ist ein alter Bekannter   aus der vorhergehenden Diktatur von Bourgouba. Keine der Regierungen   seit dem Sturz Ben Alis wurde von den Menschen gebildet, die an der   Revolution beteiligt waren.<\/p>\n<p>  Die Errungenschaften bleiben h&#246;chst unsicher, auch wenn es jetzt mehr   politische Freiheiten gibt. Die Repression kann pl&#246;tzlich und gewaltvoll   auftreten. Zunehmend &#252;bernehmen Mitglieder der fr&#252;heren Regierung wieder   verantwortungsvolle Positionen, ein gro&#223;er Teil des alten Apparats ist   nach wie vor an der Macht. Die soziale Situation verbessert sich nur   dort ein wenig, wo Streiks stattgefunden haben. Die Lage wird von diesen   K&#228;mpfen dominiert. Diejenigen, die die Revolution durchf&#252;hrten fragen   nun, wie sie zum Ende und zur Durchsetzung ihrer Ziele gef&#252;hrt werden   kann. Die Streitfragen zwischen den gro&#223;en Parteien, oft von den Massen   abgeschnitten, sind keine Antwort auf die Bed&#252;rfnisse der tunesischen   Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<h4>  Die meisten Forderungen wurden nicht erf&#252;llt<\/h4>\n<p>  Die tunesische Revolution begann auf Grundlage eines Mangels an   Freiheit, der Last der Polizeidiktatur und der Regierungspartei, der   RCD, in Kombination mit einer zunehmend desastr&#246;sen sozialen Lage bei   massiver Arbeitslosigkeit und ohne Zukunftsperspektiven f&#252;r die Jugend,   bei Hungerl&#246;hnen und einer Unterentwicklung der zentralen und der   westlichen Landesteile. Millionen Menschen hatten endlich Gelegenheit,   alle diese Elemente der tunesischen Gesellschaft nach 23 Jahren des   Ben-Ali-Regimes in einem gro&#223;en Rahmen herauszufordern. Sie waren   bereit, bis zum Sturz des Regimes zu gehen.<\/p>\n<p>  Diese Revolution hat offensichtlich alle schwer besorgt &#8211; die Mafia an   der Macht, die RCD, die Sicherheitskr&#228;fte und die imperialistischen   L&#228;nder, insbesondere Frankreich und die USA. Aus diesem Grund   unterst&#252;tzten sie Essebsi als Premierminister &#8211; einen, der keine   Gelegenheit verpasst hatte, sich als Lakai des Imperialismus herzugeben.   Er w&#252;rdigte die R&#252;ckzahlung von 400 Millionen Euro Auslandsschulden mit   der Aufnahme eines weiteren Kredits &#252;ber 800 Millionen Euro. Die   Schulden gehen auf Ben Ali zur&#252;ck, dessen Clan davon profitierte. Aber   dank Essebsi n&#252;tzt der tunesische Jackpot weiterhin den Imperialisten.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img src=\"\/media\/z\/tunesien1.jpg\" align=\"left\">  <\/p>\n<h4>  Zunahme von Streiks<\/h4>\n<p>  In Ben Arous, Sfax, Gafsa und weiteren Orten sind die K&#228;mpfe und Streiks   unz&#228;hlbar geworden: Arbeitende Frauen, die feststellen, dass ihre   Rentenbeitr&#228;ge nicht bei der Sozialversicherung registriert wurden,   ArbeiterInnen, die noch immer unter verl&#228;ngerungsf&#228;higen   Einmonatsvertr&#228;gen arbeiten&#8230;<\/p>\n<p>  M&#252;llm&#228;nner im Gro&#223;raum Tunis und in anderen St&#228;dten setzten innerhalb   einer Streikwoche ihre Hauptforderungen durch: Unbefristete Stellen f&#252;r   alle ArbeiterInnen und eine bessere Arbeitsausstattung. Der Streik   erfuhr eine riesige Unterst&#252;tzung aus der Bev&#246;lkerung. Aber wie in   anderen K&#228;mpfen auch hat der Gewerkschaftsdachverband UGTT sich nur als   Vermittler zwischen Streikenden und Bossen eingesetzt.<\/p>\n<h4>  Zentrale Initiativen f&#252;r ArbeiterInnen und Jugendliche fehlen<\/h4>\n<p>  Die Situation bleibt seit M&#228;rz instabil und unsicher. Es besteht ein   politisches Vakuum und die politische Debatte verbleibt haupts&#228;chlich in   den H&#228;nden der Parteien, die den Kapitalismus nicht angreifen.<\/p>\n<p>  Die Teile der Linken, die aus der Untergrundarbeit aufgetaucht sind &#8211;   die Kommunistische Arbeiterpartei Tunesiens (PCOT) und verschiedene   Gruppen aus dem vormals maoistischen Lager, wie die &#8222;Demokratischen   Patrioten&#8220; &#8211; haben die Bedeutung dieser Frage nicht verstanden. Obwohl   viele AktivistInnen in diesen Bewegungen aktive GewerkschafterInnen   sind, gibt es keine echte Kampagne zum Aufbau einer Massenpartei f&#252;r   ArbeiterInnen und Jugendliche. Tats&#228;chlich wirft keine dieser   Organisationen eine revolution&#228;re, sozialistische Perspektive f&#252;r die   Durchf&#252;hrung der Revolution auf.<\/p>\n<p>  Ein echter politischer Kampf auf Basis einer &#246;ffentlichen und offenen   Debatte, der die korrupte F&#252;hrung der UGTT h&#228;tte beseitigen k&#246;nnen, fand   bisher nicht statt, auch nicht in Form eines au&#223;erordentlichen   Gewerkschaftstags. Das bef&#246;rdert das Misstrauen eines Teils derjenigen,   die in der Revolution aktiv waren, gegen&#252;ber der UGTT, insbesondere   unter Jugendlichen.<\/p>\n<p>  Und doch ist dieser Kampf entscheidend. Bei einer Orientierung auf die   aktiven und ehrlichen Schichten der AktivistInnen innerhalb der   Gewerkschaften k&#246;nnte er die ArbeiterInnen, die Jugendlichen und die   armen Massen verbinden. Daf&#252;r m&#252;sste eine echte Kampagne f&#252;r   Arbeitspl&#228;tze und h&#246;here L&#246;hne ins Leben gerufen und die bereits   laufenden K&#228;mpfe unterst&#252;tzt werden. Dazu geh&#246;rt die Perspektive auf   einen nationalen Streiktag.<\/p>\n<p>  Die wichtigsten linken Parteien scheinen sich nur Gedanken um die   zuk&#252;nftige verfassungsgebende Versammlung zu machen, ohne auch nur   sozialistische Inhalte f&#252;r die kommende Verfassung oder irgendeine   Organisationsform, die gro&#223;e Teile der Bev&#246;lkerung einbeziehen k&#246;nnte,   f&#252;r die Diskussion und die Wahlen zu fordern.<\/p>\n<p>  Die meisten politischen Debatten lassen die gro&#223;e Mehrheit der   Bev&#246;lkerung au&#223;en vor, insbesondere die Masse der Armen. Die religi&#246;se   Partei Ennahda, die Islambez&#252;ge mit sozialen Forderungen vereint,   versucht, sich einen Vorteil aus der Situation zu verschaffen und stellt   sich als pro-demokratisch dar. Es besteht die reale Gefahr, dass aus   dieser Partei eine Str&#246;mung erw&#228;chst, die sich f&#252;r eine religi&#246;se   Diktatur ausspricht. Viele Parteien konzentrieren sich auf die   &#8222;Ennahda-Gefahr&#8220; und rufen zur Einigkeit auf, aber maskieren ihr   pro-kapitalistisches Programm. Und doch muss der politische Kampf gegen   Ennahda auf Grundlage &#246;konomischer und sozialer Fragen gef&#252;hrt werden.<\/p>\n<h4>  Repression nimmt zu<\/h4>\n<p>  Diese Situation der politischen Unentschlossenheit kann nicht lange   halten. Eine Aussage des ehemaligen Innenministers Rahji vom 5. Mai   reichte der Regierung aus, um eine neue &#8222;Sicherheitsoffensive&#8220;   einzuleiten. Rahji erkl&#228;rte, dass ein milit&#228;rischer Putsch f&#252;r den Fall   eines Wahlsiegs von Ennahda vorbereitet wird. Es ist schwer, den Sinn   dieser Aussage &#252;ber drei Monate vor den Wahlen zu verstehen. Das   Szenario war immer denkbar, aber die Pl&#246;tzlichkeit dieser Erkl&#228;rung   erwischte die AktivistInnen auf kaltem Fu&#223;e und sie kann nun von den   reaktion&#228;ren Regierungskr&#228;ften genutzt werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <img src=\"\/media\/z\/tunesien2.jpg\" align=\"left\">  <\/p>\n<p>  Eine erste Demonstration wurde am f&#252;nften Mai brutal unterdr&#252;ckt, und   seitdem eskaliert die Situation weiter. Die Stra&#223;e Bourguiba Avenue ist   unter Kontrolle schwerbewaffneter Polizisten. Dieser Gewaltausbruch   provozierte die unausweichliche Reaktion vieler Jugendlicher, die nicht   damit gerechnet hatten, dass der Staat erneut so heftige   Repressionsmethoden anwenden w&#252;rde. Dar&#252;ber hinaus scheinen die   Mitglieder der ehemaligen RCD das Chaos zu forcieren um Oberhand zu   behalten, insbesondere durch das Anheuern von Banden, die pl&#252;ndern und   zerst&#246;ren.<\/p>\n<p>  Essebsi wiederum k&#246;nnte auf diese Gelegenheit aufspringen. In seiner   Rede vom achten Mai beschuldigte er sogar die Linke   &#8222;Destabilisierungsman&#246;ver&#8220; zu organisieren. &#8222;Tunesien verliert 8.000   Jobs pro Monat&#8220;, &#8222;der Staat k&#246;nnte schon n&#228;chsten Monat nicht mehr in   der Lage sein, Angestellte im &#246;ffentlichen Dienst zu bezahlen&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich sagt Essebsi dabei nie, dass die tunesischen Kapitalisten und   die Imperialisten, in deren Dienst er steht, daf&#252;r verantwortlich sind.<\/p>\n<p>  Und er f&#252;gte hinzu, dass &#8222;wenn die Demonstrationen weitergehen, es Chaos   geben wird&#8220;. In anderen Worten: Die autorit&#228;ren Strukturen haben einen   Vorwand, die Kontrolle &#252;ber die Situation zur&#252;ckzugewinnen, was zu   weiterer Repression f&#252;hren kann. Die Regierung beginnt bereits   anzudeuten, dass die Wahlen verschoben werden sollen.<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine sozialistische Revolution<\/h4>\n<p>  Eine breit diskutierte Frage ist, wie man die Revolution fortf&#252;hren   kann. Es fehlt an ausreichend gro&#223;en Organisationen der ArbeiterInnen   und Armen, die es breiten Schichten der Bev&#246;lkerung erlauben w&#252;rden,   sich zu organisieren und die Aussichten zu diskutieren, ihre Bed&#252;rfnisse   und Forderungen aufzustellen, die Mittel zu deren Erreichung zu   diskutieren, und sich gegen die Repression zu verteidigen. Die Komitees,   die in den Stadtteilen, Fabriken, Schulen und Universit&#228;ten gegr&#252;ndet   wurden, um die Revolution in den ersten Tagen zu verteidigen, w&#228;ren   heute n&#246;tiger denn je. Durch eine lokale und nationale Vernetzung und   die demokratische Wahl der SprecherInnen bei jederzeitiger Abw&#228;hlbarkeit   k&#246;nnten solche Komitees eine Alternative zum bestehenden tunesischen   Staat und seiner Regierung, die den Kapitalisten dient, bilden.<\/p>\n<p>  Es k&#246;nnte eine Regierung entstehen, die sich wirklich aus der Revolution   heraus bildet, die ihre Hoffnungen und Forderungen verteidigt. Diese   Aussicht auf eine Regierung der ArbeiterInnen, Jugendlichen, Bauern und   B&#228;uerinnen und Arbeitslosen w&#228;re in der Lage eine echte sozialistische   und demokratische Politik zu machen. Sie w&#252;rde die Schl&#252;sselindustrien   der Wirtschaft verstaatlichen und unter demokratische Kontrolle und   Verwaltung der ArbeiterInnen stellen. Das w&#252;rde zu einem   Wirtschaftsentwicklungsplan f&#252;hren, der Arbeitspl&#228;tze und Wohnraum f&#252;r   alle sichern w&#252;rde. Eine solche Perspektive w&#252;rde dem Slogan &#8222;F&#252;r eine   zweite Revolution!&#8220; seinen wahren Sinn verleihen. Das ist der Weg, das   ganze Land von den &#220;berresten des alten Regimes zu befreien.<\/p>\n<p>  Die Debatte um eine solche revolution&#228;re, sozialistische Perspektive ist   zentral in den Diskussionen, die wir mit vielen AktivistInnen f&#252;hren.   Das CWI gibt sein Bestes, um die tunesischen AktivistInnen im Kampf   gegen die staatliche Repression zu unterst&#252;tzen. Es besteht Bedarf nach   einer tats&#228;chlich sozialistischen, revolution&#228;ren und demokratischen   Organisation in Tunesien, die ein Programm aufstellt, das mit den   Fehlern der alten Linken bricht, das die k&#228;mpferischen Revolution&#228;re   anspricht und sein Programm so breit wie m&#246;glich und br&#252;derlich mit   anderen Bewegungen diskutiert. Die tunesische Revolution k&#246;nnte dann   endlich darin erfolgreich sein, die Mafia, die Kapitalisten und die   Imperialisten loszuwerden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wurzeln des alten Regimes bleiben erhalten &#8211; Gefahr einer<br \/>\n      Konterrevolution w&#228;chst\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14268"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14268"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14268\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}