{"id":14262,"date":"2011-06-07T12:00:00","date_gmt":"2011-06-07T10:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14262"},"modified":"2012-05-15T14:49:39","modified_gmt":"2012-05-15T12:49:39","slug":"14262","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/06\/14262\/","title":{"rendered":"DIE LINKE in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>  Was sind die Gr&#252;nde f&#252;r die Krise und wie kann ein Ausweg der   Parteilinken aussehen?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  DIE LINKE steckt in ihrer tiefsten Krise seit der Fusion vor nun knapp   vier Jahren. Zum Zeitpunkt der Fusion gab es eine echte Dynamik f&#252;r die   neue Partei. Sie setzte SPD und Gr&#252;ne mit eigenen inhaltlichen   Forderungen unter Druck, gewann neue Mitglieder und wirkte wie eine   Erfolgsstory. Das derzeitige Erscheinungsbild der LINKEN steht im   deutlichen Gegensatz dazu. Dabei ist eine starke LINKE im Interesse von   Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen heute noch   genauso notwendig wie vor vier Jahren &#8211; besonders im Hinblick auf die   Erfolge der rechtspopulistischen Parteien wie die &#8222;Wahren Finnen&#8220; und   &#8222;Front National&#8220; in anderen L&#228;ndern.<\/p>\n<h4>  <b><i>von Lucy Redler, Berlin<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  In der &#214;ffentlichkeit punktet die Partei jedoch nicht mit inhaltlichen   Themen, sondern seit Monaten geht es um innerparteiliche   Personalquerelen. Die Gr&#252;nen scheinen der LINKEN in der Opposition den   Rang abzulaufen. In Protesten wie beispielsweise gegen Atomkraft oder   Stuttgart 21 spielt sie eine untergeordnete Rolle. Im letzten Jahr   verlor sie 5.000 Mitglieder. Als der Einzug in Baden-W&#252;rttemberg und   Rheinland-Pfalz nicht gelang, war die Krise auf dem H&#246;hepunkt. In Bremen   kam sie am 22. Mai erneut in die B&#252;rgerschaft, b&#252;&#223;te aber &#252;ber zwei   Prozent der Stimmen ein. Was sind die Ursachen f&#252;r die Krise der LINKEN?   Wie kann die Parteilinke darauf reagieren?<\/p>\n<h4>  <b>Ursachen der Krise<\/b><\/h4>\n<p>  Nach dem gescheiterten Einzug in Baden-W&#252;rttemberg argumentierten   VertreterInnen des Parteivorstands und der Bundestagsfraktion, die   Katastrophe in Fukushima habe alles &#252;berlagert und sei f&#252;r das schlechte   Abschneiden verantwortlich. Diese Begr&#252;ndung trifft nicht den Kern.   Richtig daran ist, dass aufgrund der &#246;konomischen Sonderentwicklung   Deutschlands mit dem derzeitigen wirtschaftlichen Wachstum die sozialen   Themen wie Hartz IV, die DIE LINKE stark gemacht haben, mehr in den   Hintergrund getreten sind. Das hat die Ausgangslage f&#252;r DIE LINKE   verkompliziert.<\/p>\n<p>  Aber es ist nicht der Hauptgrund f&#252;r die Krise der Partei, denn die   objektive Lage und eine Verschiebung von sozialen zu &#246;kologischen und   anderen Themen erkl&#228;rt nicht, warum die Partei in diesen Bewegungen   keine gr&#246;&#223;ere Rolle spielt und sich kein k&#228;mpferisches Profil erarbeitet   hat.<\/p>\n<p>  Die wichtigste Ursache f&#252;r die schwierige Lage der Partei ist   hausgemacht und liegt in einer fast ausschlie&#223;lichen Orientierung der   Mehrheit der Parteif&#252;hrung auf Wahlen und parlamentarische Mehrheiten   und eine Anpassung vieler Funktion&#228;re an das Establishment. Der Druck   der B&#252;rgerlichen wirkt um so st&#228;rker, weil es in Deutschland im letzten   Jahr weniger Bewegungen und K&#228;mpfe gab, die einen Gegendruck h&#228;tten   entfalten k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  <b>LINKE als soziales &#8222;Korrektiv&#8220;<\/b><\/h4>\n<p>  Weder beim Thema Atomkraft noch bei der Euro-Krise oder Stuttgart 21   wird die Partei als authentische k&#228;mpfende Partei wahrgenommen, die   einen Unterschied macht und kompromisslos an der Seite der Betroffenen   steht.<\/p>\n<p>  Das war auch zu Beginn der Fusion nicht komplett anders, aber vor vier   Jahren wurde DIE LINKE von einer breiteren Schicht als Hoffnungstr&#228;ger   gesehen, die sich mit SPD und Gr&#252;ne anlegt und anders ist als die   etablierten Parteien. Oskar Lafontaine machte Schlagzeilen mit &#8222;Recht   auf Generalstreik&#8220; und &#8222;Freiheit durch Sozialismus&#8220;.<\/p>\n<p>  Welch ein Unterschied auch zur WASG, die als Sammlungsbewegung gesehen   wurde, in der man aktiv werden und etwas ver&#228;ndern kann. Dieses Profil   hat die heutige LINKE eingeb&#252;&#223;t. Die Begeisterung ist verflogen.<\/p>\n<p>  DIE LINKE wird als eine von f&#252;nf Parteien wahrgenommen, die ein bisschen   linker ist, aber gern dazugeh&#246;ren m&#246;chte: eine Wahlpartei, die eine Art   soziales &#8222;Korrektiv&#8220; zu SPD und Gr&#252;ne darstellt. Manchmal macht es dann   Sinn sie zu w&#228;hlen, und manchmal eben wieder nicht, wie man in   Baden-W&#252;rttemberg beobachten konnte.<\/p>\n<p>  Von Anpassung gepr&#228;gt war leider auch die Haltung der Linksfraktion in   NRW bei der Haushaltsabstimmung, als sie sich den Haushalt von Rot-Gr&#252;n   sch&#246;n redete und ihn schlie&#223;lich mit ihrer Enthaltung durchwinkte. Dem   war eine lebhafte Diskussion in der Partei vorausgegangen, bei der sich   eine gro&#223;e Minderheit f&#252;r die Ablehnung des Haushalts formiert hatte.<\/p>\n<h4>  Parteilinke muss die Rei&#223;linie ziehen<\/h4>\n<p>  Die Schlussfolgerung aus all dem kann nur sein, die Anbiederung an SPD   und Gr&#252;ne und die einseitige parlamentarische Orientierung durch den   dominierenden Teil in Fraktion und Parteivorstand zu beenden und DIE   LINKE als k&#228;mpferische oppositionelle Kraft in den bestehenden   Bewegungen aufzubauen, um diese politisch und organisatorisch zu   st&#228;rken. Nat&#252;rlich sind parlamentarische Positionen wichtig, aber sie   m&#252;ssen vor allem daf&#252;r genutzt werden, au&#223;erparlamentarische K&#228;mpfe zu   st&#228;rken.<\/p>\n<p>  Niemand braucht eine Partei, die vor allem in Talkshows und bei Phoenix   in den &#220;bertragungen aus dem Bundestag und wenig im realen Leben   stattfindet. Verbesserungen werden nicht im Parlament erk&#228;mpft, sondern   durch den Druck von der Stra&#223;e. Warum, wenn nicht aufgrund der gr&#246;&#223;ten   Anti-AKW-Proteste seit Bestehen der Bundesrepubik werden die sieben   Altmeiler vom Netz genommen?Wie, wenn nicht durch den erfolgreichen   Streik bei Charit&#233; und CFM w&#228;re es gelungen, endlich den Beginn von   Verhandlungen f&#252;r einen Tarifvertrag f&#252;r die ausgegr&#252;ndeten   CFM-Besch&#228;ftigten durchzusetzen? Der Druck von unten war entscheidend   daf&#252;r, dass die Hungerl&#246;hne bei der CFM skandalisiert wurden &#8211; w&#228;hrend   DIE LINKE Berlin im Senat mit der SPD sogar f&#252;r Ausgr&#252;ndung und   Tarifflucht verantwortlich ist.<\/p>\n<h4>  Auf der richtigen Seite der Barrikade<\/h4>\n<p>  Parteichef Klaus Ernst betonte im April in einer Rede auf dem Hamburger   Parteitag, dass DIE LINKE immer auf der richtigen Seite der Barrikade   stehen m&#252;sse &#8211; auf der Seite der arbeitenden Menschen.<\/p>\n<p>  Wie richtig! Die Parteilinke sollte Klaus Ernst beim Wort nehmen und   einen Kurswechel in der Partei einfordern. Wenn die Partei nicht zur   einer Klassenpartei der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten und ihrer Familien, der   Erwerbslosen und RentnerInnen wird, wird sie &#252;ber kurz oder lang   &#252;berfl&#252;ssig werden.<\/p>\n<p>  In Bezug auf die Euro-Krise forderte der Bundestagsabgeordnete Michael   Schlecht k&#252;rzlich in einem Brief an den portugiesischen   Ministerpr&#228;sident von den Regierungs- und Staatschefs der EU einen Weg   der &#8222;volkswirtschaftlichen Vernunft&#8220; ein. Das sind jedoch dieselben   Staats- und Regierungschefs, die Politik im Interesse der deutschen,   franz&#246;sischen und Schweizer Banken betreiben. Ihre &#8222;volkswirtschaftliche   Vernunft&#8220; ist im Interesse der Banken und Konzerne, nicht im Interesse   der Mehrheit der griechischen, portugiesischen, spanischen und deutschen   Arbeiterklasse.<\/p>\n<h4>  Partei nicht den Bartschs und Ramelows &#252;berlassen<\/h4>\n<p>  Die Parteirechte um das &#8222;Forum demokratischer Sozialismus&#8220; (FdS) will   die Krise in ihrem Sinne l&#246;sen, indem sie die Partei auf eine weitere   Orientierung auf SPD und Gr&#252;ne festlegt und den Programmentwurf   verw&#228;ssert. Doch genau das w&#252;rde die Krise der Partei versch&#228;rfen.<\/p>\n<p>  Deutlich wird dieser Versuch in der zweiten Auflage der Programmdebatte.   Im zweiten Programmentwurf sollen nun wesentliche Punkte zu   Regierungsbeteiligungen entsch&#228;rft und die Rolle der UNO aufgewertet   werden, obwohl im Namen der UNO immer wieder Kriege gef&#252;hrt werden. Das   darf nicht passieren. Die Parteilinke sollte gegen die Aufweichung der   bisherigen &#8211; von Oskar Lafontaine formulierten &#8211; Position zur Ablehnung   von Regierungsbeteiligungen, die zu Sozialk&#252;rzungen, Privatisierung und   Stellenabbau f&#252;hren, angehen, und f&#252;r die generelle Ablehnung von   Beteiligungen an Regierungen mit Sozialabbau-Parteien eintreten. Zudem   sollte sie offensiv eine negative Bilanz der Regierungsbeteiligungen in   Berlin und Brandenburg vorlegen und den Austritt aus diesen Regierungen   fordern.<\/p>\n<p>  An weiteren Punkten sollte die Parteilinke Verbesserungen einfordern,   wie beispielsweise in Bezug auf die Eigentumsfrage. Wie zentral und   aktuell die Eigentumsfrage ist, zeigt sich an der Diskussion um die   Haltung der LINKEN in der Energiepolitik und der Euro-Krise.<\/p>\n<p>  Die antikapitalistischen und sozialistischen Kr&#228;fte in der Partei m&#252;ssen   sich als Opposition zusammenschlie&#223;en, um den Ansatz der Partei zu einer   Partei im Interesse der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen zu   verteidigen und sich f&#252;r eine k&#228;mpferische, sozialistische Partei   einzusetzen.<\/p>\n<h5>  <i>Lucy Redler ist Mitglied der LINKEN in Berlin und SAV-Bundessprecherin<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Was sind die Gr&#252;nde f&#252;r die Krise und wie kann ein Ausweg der<br \/>\n      Parteilinken aussehen?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,27],"tags":[238],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14262"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14262"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14262\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14262"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14262"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}