{"id":14256,"date":"2011-06-05T00:00:00","date_gmt":"2011-06-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14256"},"modified":"2011-06-05T00:00:00","modified_gmt":"2011-06-05T00:00:00","slug":"14256","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/06\/14256\/","title":{"rendered":"Erfolgreiche Konferenz oppositioneller AktivistInnen"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Kasachstan 2012&#8220; wird zur &#8222;Sozialistischen Bewegung Kasachstans&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von BerichterstatterInnen des CWI (Komitee f&#252;r eine   Arbeiterinternationale)<\/i><\/h4>\n<p>  An der vierten Konferenz von &#8222;Kasachstan 2012&#8220; Ende April nahmen fast   200 Delegierte und Interessierte teil, um die Lage nach den sogenannten   &#8222;Wahlen&#8220; in Kasachstan zu diskutieren. Das Treffen zog die   Schlussfolgerung, eine Kampagne f&#252;r eine neue Massenpartei der   ArbeiterInnen mit sozialistischem Programm zu f&#252;hren. Als ein wichtiger   Schritt zur Erreichung dieses Ziels, wurde einstimmig die Entscheidung   getroffen, die Bewegung &#8222;Kasachstan 2012&#8220; unter dem Namen   &#8222;Sozialistische Bewegung Kasachstans&#8220; neu zu gr&#252;nden.<\/p>\n<p>  &#8222;Kasachstan 2012&#8220; gr&#252;ndete sich im Mai 2009 nach dem Ausbruch einer   Reihe von sozialen K&#228;mpfen gegen die Auswirkungen der globalen   Wirtschaftskrise. Wie in anderen L&#228;ndern standen Banken kurz vor dem   Zusammenbruch und verlangten enorme Regierungshilfen sowie   Teil-Verstaatlichungen. Die Konzerne und die Aasgeier der Banken   versuchten allerdings, die &#8222;einfachen Leute&#8220; f&#252;r ihre Fehler zur Kasse   zu bitten. Leute, die von der Regierung ermuntert worden waren,   Hypotheken aufzunehmen, verloren pl&#246;tzlich ihre Arbeit, doch die Banken   forderten dessen ungeachtet weiter ihre Gelder ein. Baufirmen gingen   kaputt und vernichteten somit die von den Menschen f&#252;r neue Wohnungen   einbezahlten Gelder. Viele andere, die Kredite bei den Banken   aufgenommen hatten, kamen bei der R&#252;ckzahlung in Schwierigkeiten, da   Geb&#252;hren und Zinsen angehoben wurden.<\/p>\n<p>  Einer der Delegierten der Konferenz von &#8222;Kasachstan 2012&#8220; lieferte   letztes Wochenende ein anschauliches Beispiel f&#252;r das brutale Vorgehen   dieser Banken: Eine Mutter, die einen Kredit aufgenommen hatte, der   durch ein Regierungsprogramm abgesichert war, war gestorben und   hinterlie&#223; mehrere junge S&#246;hne. Doch anstatt Sicherung der Regierung zur   Abschreibung des Kredits zu nutzen, wartete die Bank, bis der 16 j&#228;hrige   Sohn das 18. Lebensjahr vollendet hatte. Dann erkl&#228;rte man ihn f&#252;r   kredithaftbar, um zu versuchen, das bescheidene Haus als Kompensation an   sich zu rei&#223;en. Der Sohn war so verzweifelt, dass er sich aufh&#228;ngte. Er   hoffte, dass die Bank seinen 7-j&#228;hrigen Bruder unbehelligt lassen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die Beitr&#228;ge derjenigen, die bei der Konferenz ans Mikrofon traten,   machten klar, dass &#8222;Kasachstan 2012&#8220; eine zentrale Rolle inmitten der   Opposition gegen das herrschende Regime Nasarbajew eingenommen hat. Die   Struktur, die sich gegr&#252;ndet hatte, um die sozialen Proteste zu   koordinieren, hat die Unterst&#252;tzung der in letzter Zeit ins Leben   gerufenen unabh&#228;ngigen Gewerkschaften gewonnen. VertreterInnen von   &#214;larbeiterInnen, Bergleuten, WissenschaftlerInnen sowie ein Vertreter   der neuen Studierendengewerkschaft sprachen der Bewegung ihre   Unterst&#252;tzung aus. Oder, wie es ein Gewerkschafter aus der Hafenstadt   Aktau formulierte: &#8222;Entweder bem&#228;chtigst du dich der Politik oder die   Politiker bem&#228;chtigen sich deiner&#8220;. Der Vertreter der Besch&#228;ftigten des   Wissenschaftsbereichs verglich Kasachstan mit einem gro&#223;en Schiff. Er   sagte, dass die Bewegung gleichsam wie ein Seitenruder agiere, dass es   bald aber klar ist, dass eine Arbeiterpartei n&#246;tig wird, um auch die   Kommandobr&#252;cke zu &#252;bernehmen.<\/p>\n<p>  Eine aus Zentralkasachstan kommende Vertreterin der Bewegung sagte, dass   sie eigentlich gar nicht vorhatte, sich politisch zu engagieren. &#8222;Aber   die Politik hat mir vor den Kopf gesto&#223;en&#8220;.<\/p>\n<h4>  Fast alle RednerInnen unterst&#252;tzten die Entscheidung, die Organisation   in Richtung einer eindeutig sozialistischen Kraft zu reformieren.<\/h4>\n<p>  Auch die j&#252;ngsten Pr&#228;sidentschaftswahlen haben gezeigt, dass &#8222;Kasachstan   2012&#8220; in der Lage ist, eine politische Rolle zu spielen. Sie war die   erste Organisation, die zum Wahlboykott aufgerufen hatte. Alle anderen   Parteien stimmten diesem Aufruf im Nachhinein zu oder ignorierten   einfach die Wahlen. So unterst&#252;tzten beispielsweise die &#8222;Vereinten   Sozialdemokraten&#8220; den Boykott offiziell, taten aber in der Praxis   nichts. Am Ende schickten sie ihre F&#252;hrung sogar zur Teilnahme an der   Amtseinf&#252;hrungsfeier eines abermals durch gef&#228;lschte Wahlen &#8222;gew&#228;hlten&#8220;   Pr&#228;sidenten.<\/p>\n<h4>  Enorme Erfolge f&#252;r &#8222;Kasachstan 2012&#8220;<\/h4>\n<p>  Doch &#8222;Kasachstan 2012&#8220; ist zu zur&#252;ckhaltend darin, die eigenen Erfolge   in den Vordergrund zu stellen! Ein Kampagnef&#252;hrer f&#252;r die Rechte derer,   die &#8211; zu Beginn der Wirtschaftskrise, als die Banken und Baufirmen   pleite gingen &#8211; f&#252;r den Bau von Wohnungen eingezahlte Gelder verloren   hatten, erkl&#228;rte, dass die Regierung gezwungen wurde, mehr als 240   Milliarden Tenge (&#252;ber eine Milliarde Euro) als Anfangszahlung zur   Entsch&#228;digung der Verluste von 100.000 Menschen bereitzustellen.   Au&#223;erdem wurden weitere Betr&#228;ge zugesichert. Die Bauarbeiten werden im   ganzen Land nun wieder aufgenommen. W&#228;hrend dies interpretiert werden   kann als Teil eines Investitionsprogramms der Regierung, sind in Almaty   immer noch Baugebiete zu finden, an denen nicht weitergearbeitet wird.   In diesen Baugebieten hatten die EinwohnerInnen es abgelehnt, sich an   k&#228;mpferischen Aktionen zu beteiligen. Stattdessen zogen sie es vor, sich   auf Lobbyarbeit und Hinterzimmerverhandlungen mit den Beh&#246;rden zu   verlassen.<\/p>\n<p>  Einer der Konferenzdelegierten, ein f&#252;hrender Kopf der Kampagne &#8222;Lasst   den Leuten ihre Wohnungen!&#8220; erkl&#228;rte, dass &#8222;Kasachstan 2012&#8220; dies   erreicht hatte, nicht weil man zur Regierung gegangen ist und diese um   Hilfe bat, sondern weil man damit drohte: &#8222;Wenn sie nicht handeln, dann   werden sie von der Macht vertrieben&#8220;. Zum Versagen der anderen   Oppositionsparteien sagte er: &#8222;sie sagen, sie sind gegen die momentane   Situation, aber niemals sagen sie, wof&#252;r sie sind&#8220;. Er unterst&#252;tzte den   von der neuen Bewegung gemachten Aufruf zur Vergesellschaftung der   Banken- und Baubranche, als Teil eines weiterreichenden sozialistischen   Programms.<\/p>\n<p>  Ein anderer Delegierter und Gewerkschafter aus der &#214;lbranche meinte,   dass die F&#252;hrer der Oppositionparteien selbst schon einmal an der Macht   gewesen seien und dabei geholfen hatten, dass jetzige System   durchzusetzen. Er sagte aber auch: &#8222;Wir brauchen neue   F&#252;hrungspers&#246;nlichkeiten. Solche, die darauf vorbereitet sind Opfer zu   bringen, wenn n&#246;tig ins Gef&#228;ngnis zu gehen: Leute wie Ainur Kurmanov und   Esenbeck Ukteschbajew&#8220;.<\/p>\n<p>  Ein Gewerkschaftsdelegierter dr&#252;ckte seine Unterst&#252;tzung f&#252;r die   Gr&#252;ndung einer sozialistischen Arbeiterpartei aus. Er bezog sich dabei   auf die Lage in &#196;gypten und sagte, dass es sich dabei um eine Warnung an   die Verantwortlichen in Kasachstan handeln w&#252;rde. Eine Lehrerin aus dem   S&#252;den Kasachstans beschrieb, wie sie aus der Schule rausgedr&#228;ngt wurde,   nachdem sie die Korruption angeprangert hatte. Sie wurde zu einem Jahr   Gef&#228;ngnis verurteilt, was nur deshalb zur&#252;ckgenommen wurde, weil es zu   einer Amnestie durch den Pr&#228;sidenten vor den Pr&#228;sidentschaftswahlen kam.<\/p>\n<p>  Indem sie die neue Taktik vorschlug, erkl&#228;rten die Vorsitzenden von   &#8222;Kasachstan 2012&#8220;, dass die Ereignisse in &#196;gypten und im benachbarten   Kirgistan zeigen, dass soziale Explosionen auf der Tagesordnung stehen   und die Frage lautet, ob die Linke in der Lage sein wird, eine   realistische Alternative zu den offiziellen und den oppositionellen   prokapitalistischen Organisationen anzubieten. Da die Kr&#228;fte zum Aufbau   einer neuen Arbeiterpartei immer noch nicht stark genug sind, muss die   Arbeit in gesteigertem Ma&#223;e darin bestehen, den Boden f&#252;r eine solche   Entwicklung politisch und organisatorisch vorzubereiten. Infolgedessen   wurde vorgeschlagen, dass die neue &#8222;Sozialistische Bewegung Kasachstans&#8220;   (SMK) eine Mitgliederorganisation mit einem ausdr&#252;cklich sozialistischen   Programm sein solle, die sich das Ziel steckt, soziale und   Arbeiterproteste zu koordinieren und unterst&#252;tzen. Zugleich m&#252;sse die   Aufgabe darin bestehen, Agitations- und Propagandaarbeit zu leisten, um   die an Gewicht hinzugewinnenden oppositionellen Kr&#228;fte um ein   sozialisitsches Programm herum zu konsolidieren. Diese Vorschl&#228;ge und   der Programmentwurf wurden einstimmig von der Konferenz angenommen.<\/p>\n<h4>  Das CWI in Kasachstan<\/h4>\n<p>  Die &#8222;Sozialistische Bewegung Kasachstans&#8220; sieht sich selbst als Teil der   internationalen sozialistischen Bewegung und wird daher &#8211; wie es ihrem   Gr&#252;ndungspapier zu entnehmen ist &#8211; engst m&#246;gliche Verbindungen zum CWI   beibehalten. Die Konferenz endete mit dem Singen der Internationale.<\/p>\n<p>  Auch wenn nat&#252;rlich nicht alle Mitglieder der Oppositionsbewegung in   Kasachstan mit allen politischen Ans&#228;tzen des CWI &#252;bereinstimmen, so   genie&#223;t das CWI dort weithin gro&#223;es Ansehen und seine Mitglieder in   Kasachstan wollen ein klares politisches Profile innerhalb der breiteren   Bewegung vertreten.<\/p>\n<p>  Welche Aktualit&#228;t die Gr&#252;ndung der &#8222;Sozialistischen Bewegung   Kasachstans&#8220; hat, belegen die &#252;berall im Land zunehmenden Proteste.   Gerade erst letzte Woche kam es zu einem heftigen Zusammensto&#223; in der   N&#228;he von Almaty zwischen inl&#228;ndischen MigrantInnen (die zum Verlassen   ihrer urspr&#252;nglichen Wohngebiete auf dem Land gezwungen wurden, weil der   Boden privatisiert und Fabriken geschlossen wurden) und Einheiten der   Bereitschaftspolizei. Die Polizei versuchte, die &#220;bernahme von Grund und   Boden zu verhindern, auf dem die Leute H&#228;user bauen wollten. Bergleute   und &#214;larbeiterInnen, die an der Konferenz teilnahmen, berichteten, dass   die Stimmung f&#252;r Streikaktionen in ihren Gegenden zunimmt. Die   Delegierten &#228;u&#223;erten sich zuversichtlich, dass die neue Bewegung im   Zentrum dieser Ereignisse stehen und in der L&#228;ge sein kann, sich in den   n&#228;chsten Jahren zu einer Massenpartei der ArbeiterInnen zu entwickeln.<\/p>\n<h4>  www.socialismkz.info Homepage von Sozialistischer Widerstand   (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Kasachstan)<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Kasachstan 2012&#8220; wird zur &#8222;Sozialistischen Bewegung Kasachstans&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,102],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14256"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14256"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14256\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}