{"id":14255,"date":"2011-06-03T00:00:00","date_gmt":"2011-06-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14255"},"modified":"2011-06-03T00:00:00","modified_gmt":"2011-06-03T00:00:00","slug":"14255","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/06\/14255\/","title":{"rendered":"An allen Fronten"},"content":{"rendered":"<p>  Streiks bei Zeitungsverlagen, Einzelhandel und Versicherungen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Ver.di ist in der Defensive. Trotz guter Konjunktur und satter Gewinne   trifft die Dienstleistungsgewerkschaft in den laufenden Tarifrunden   verschiedener Branchen auf massiven Widerstand. Weder die   Einzelhandelskonzerne noch die Versicherungsgesellschaften, weder   Druckereibetreiber noch Verleger wollen ihren Besch&#228;ftigten angemessene   Gehaltserh&#246;hungen zugestehen. Statt dessen fordern sie teils drastische   Leistungsk&#252;rzungen. Dagegen k&#228;mpfen zumindest Drucker, Redakteure und   Verlagsangestellte derzeit gemeinsam an.<\/p>\n<h4>  <i>von Daniel Behruzi, Frankfurt am Main<\/i><\/h4>\n<h4>  2010: Abschl&#252;sse unter Preissteigerungsrate<\/h4>\n<p>  &#8222;2010 war unterm Strich das wohl schlechteste Tarifjahr seit der   Gr&#252;ndung von ver.di&#8220;, hei&#223;t es offenherzig im aktuellen Tarifletter der   Gewerkschaft. Mit Abschl&#252;ssen von durchschnittlich 1,5 Prozent lagen die   Ergebnisse zwar &#252;ber der niedrigen Teuerungsrate von 1,1 Prozent. Der   sogenannte verteilungsneutrale Spielraum &#8211; Inflation plus   Produktivit&#228;tssteigerung (2010: 1,4 Prozent) &#8211; wurde aber bei weitem   nicht ausgesch&#246;pft. Und das wird trotz des &#252;berraschend gro&#223;en Wachstums   so bleiben. Denn die Preissteigerung wird dieses Jahr auf bis zu 2,4   Prozent zulegen. Daher m&#252;ssten die Gewerkschaften mindestens 3,5 Prozent   herausholen, damit sich die Umverteilung von unten nach oben nicht   fortsetzt &#8211; und zwar auf Jahresbasis und ohne Einmalzahlungen. Letztere   machen in den ver.di-Tarifvertr&#228;gen mittlerweile fast ein Drittel der   Lohnerh&#246;hungen aus. Zudem werden die Laufzeiten immer l&#228;nger. Bei den   2010 geschlossenen Vertr&#228;gen liegen sie bei durchschnittlich 20 Monaten.   Das ist gerade zu Beginn eines Aufschwungzyklus&#8217; sch&#228;dlich, wie aktuell   die IG Metall feststellen muss, deren in der Krise geschlossene   Vereinbarung noch bis Ende M&#228;rz 2012 l&#228;uft.<\/p>\n<h4>  Einzelhandel<\/h4>\n<p>  Die bisherigen Offerten der Unternehmer in den laufenden Verhandlungen   mit ver.di liegen weit unter der Preissteigerung. So im Einzelhandel, wo   der Unternehmerverband in Nordrhein-Westfalen zuletzt eine   Lohnsteigerung von 1,5 Prozent ab August 2011 &#8211; bei drei vorangegangenen   Nullmonaten &#8211; angeboten hat. Per &#214;ffnungsklausel soll diese auf   Betriebsebene um zwei Monate verschoben werden k&#246;nnen. Und f&#252;r 2012 will   der Einzelhandelsverband seinen Besch&#228;ftigten trotz wachsender Ums&#228;tze   und Gewinne lediglich Einmalzahlungen, also keine dauerhaften   Gehaltsverbesserungen gew&#228;hren. Die ver.di-Tarifkommission in NRW hat   darauf die einzig m&#246;gliche Antwort gegeben: Sie beantragte beim   Bundesvorstand der Gewerkschaft die Genehmigung zur Durchf&#252;hrung von   Urabstimmungen und Streiks.F&#252;r den Fall, dass es nicht zu einer Einigung   komme, hat die ver.di Tarifkommission einen Antrag Urabstimmung beim   Bundesvorstand beantragt. Mit Warnstreiks haben einige Belegschaften   bereits ihre Kampfbereitschaft demonstriert.<\/p>\n<h4>  Zeitungsverlage<\/h4>\n<p>  Ebenfalls im Streik sind dieser Tage die Drucker, Zeitungsredakteure und   Verlagsmitarbeiter &#8211; und zwar gemeinsam. An den Aktionen haben sich in   den vergangenen Wochen rund 2500 Besch&#228;ftigte in 50 Druckereibetrieben   und etwa 1300 Redakteure von 47 Zeitungen beteiligt. &#187;Die Besch&#228;ftigten   in Druckereien, Redaktionen und Verlagen sind nicht bereit, sich   Spardiktaten der Arbeitgeber zu unterwerfen und k&#228;mpfen gemeinsam f&#252;r   ihre Tarifvertr&#228;ge und angemessene Einkommens&#173;erh&#246;hungen&#171;, kommentierte   ver.di-Vize Frank Werneke die Warnstreiks. Besonders konfrontativ treten   die Verlage auf, die eine Absenkung der Verg&#252;tungen Neueingestellter um   mindestens 25 Prozent fordern. Die Verhandlungen wurden am 4. Mai   abgebrochen. Der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV)   macht weitere Gespr&#228;che davon abh&#228;ngig, dass sich die Gewerkschaften   prinzipiell zu Tarifabsenkungen bereit erkl&#228;ren.<\/p>\n<h4>  Drucker: Kampf gegen Arbeitszeitverl&#228;ngerung<\/h4>\n<p>  Um Grunds&#228;tzliches geht es auch bei den Druckern. Hier steht die   35-Stunden-Woche zur Disposition. Die Druckindustrie ist eine der   wenigen Branchen, in denen sie in den 1980er Jahren tats&#228;chlich   durchgesetzt wurde. W&#228;re der Unternehmerverband mit seiner Forderung   nach unbezahlter Arbeitszeitverl&#228;ngerung erfolgreich, w&#252;rde das nicht   nur eine indirekte Lohnk&#252;rzung bedeuten, sondern auch massiven Jobabbau   nach sich ziehen. Denn durch die enormen Produktivit&#228;tssteigerungen wird   in der Branche heute in etwa so viel umgesetzt wie 2006 &#8211; mit 20 Prozent   weniger Personal. Allein im vergangenen Jahr wurden 10000 Arbeitspl&#228;tze   gestrichen. Bei einer Verl&#228;ngerung der Arbeitszeiten w&#252;rde sich dieser   Trend naturgem&#228;&#223; beschleunigen. Zudem stellen die Unternehmen die   Tarifregelungen zur Mindestbesetzung der Maschinen in Frage, was weitere   Arbeitsverdichtung zur Folge h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Das will ver.di verhindern und zugleich eigene Forderungen durchsetzen.   Neben einer Lohnerh&#246;hung von 5,5 Prozent ist das vor allem die gleiche   Bezahlung von Leiharbeitern und Stammbesch&#228;ftigten. Damit folgt ver.di   dem Vorbild der IG Metall, die 2010 eine entsprechende Regelung in der   Stahlindustrie vereinbart hatte. Derzeit deutet sowohl in Druckereien   als auch in Redaktionen vieles auf langwierige Auseinandersetzungen hin.   &#187;Wir stehen am Anfang eines Marathonlaufs&#171;, sagte ein Streikender bei   der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am vergangenen Donnerstag.<\/p>\n<h4>  Versicherungen<\/h4>\n<p>  Radikale Verschlechterungen haben auch die Versicherungskonzerne im   Sinn. Sie wollen u. a. Samstagsarbeit, die Ausweitung des   Niedriglohnbereichs sowie eine Verl&#228;ngerung befristeter   Arbeitsverh&#228;ltnisse durchsetzen. Ver.di will hingegen nur &#252;ber   Gehaltsverbesserungen verhandeln, die bei sechs Prozent, mindestens aber   150 Euro liegen sollen. Schlie&#223;lich schwimme die Versicherungswirtschaft   im Geld, das sie den Aktion&#228;ren hinterherwerfe. Das l&#228;sst sich derzeit   auch &#252;ber viele andere Branchen sagen.<\/p>\n<h5>  <i>Dieser Artikel erschien zuerst in der jungen Welt am 16.5.2011<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Streiks bei Zeitungsverlagen, Einzelhandel und Versicherungen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14255"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14255"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14255\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}