{"id":14253,"date":"2011-06-01T00:00:00","date_gmt":"2011-06-01T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14253"},"modified":"2011-06-01T00:00:00","modified_gmt":"2011-06-01T00:00:00","slug":"14253","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/06\/14253\/","title":{"rendered":"Eurozone: Krise versch&#228;rft sich"},"content":{"rendered":"<p>  Das Rettungspaket f&#252;r Griechenland funktioniert nicht. Und: Athen ist   kein Einzelfall.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Eurozone steckt in der tiefsten Krise seit Einf&#252;hrung des Euro im   Jahre 1999. Wenn man darin scheitert, die sich zuspitzende Schuldennot   Griechenlands zu beenden, dann h&#228;tte dies verheerende Auswirkungen auf   die europ&#228;ischen und weltweiten Volkswirtschaften.<\/p>\n<h4>  <i>Leitartikel des &#8222;The Socialist&#8220; vom 19. Mai 2011, Wochenzeitung der   Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV in England und Wales)<\/i><\/h4>\n<p>  Ein Scheitern Griechenlands &#8211; d.h. eine Zahlungsunf&#228;higkeit, faktisch   ein Bankrott unter dem die griechische Regierung nicht in der Lage sein   wird, ihre Schulden abzubezahlen &#8211; w&#252;rde zu einer erneuten Bankenkrise,   wom&#246;glich zu einer schwerwiegenderen als noch 2008 f&#252;hren. Gleichzeitig   k&#246;nnte das Scheitern Griechenlands den Zerfall der Eurozone einl&#228;uten,   was zur Entstehung von zwei oder mehr W&#228;hrungszonen, wenn nicht sogar   zur vollkommnen Aufl&#246;sung f&#252;hren kann.<\/p>\n<p>  Mehr noch: Griechenland ist weit davon entfernt, nur ein Einzelfall zu   sein. Irland, Portugal und Spanien sehen sich &#228;hnlichen Problemen   gegen&#252;ber.<\/p>\n<p>  Zwischen den f&#252;hrenden K&#246;pfen der Eurozone besteht keine Einigkeit   dar&#252;ber, wie man mit der Krise umgehen soll. Durch die Aff&#228;re um   Dominique Strauss-Kahn, den Kopf des Internationalen W&#228;hrungsfonds   (IWF), der in New York dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs ausgesetzt   ist, erf&#228;hrt die unter ihnen bestehende Verwirrung ihren einstweiligen   H&#246;hepunkt.<\/p>\n<p>  Welche Politik die Kapitalisten der Eurozone letztlich auch verfolgen   werden: Der Arbeiterklasse stehen schwerwiegende K&#252;rzungspakete bevor.   Der griechischen Regierung werden neue Kredite nur bewilligt, wenn noch   drastischere K&#252;rzungsma&#223;nahmen ergriffen werden. Auf der anderen Seite   w&#252;rde eine Nichterf&#252;llung und der Ausstieg aus der Eurozone auf   kapitalistischer Grundlage genauso zu einem weiteren Abbau der   Lebensstandards f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Das im letzten Jahr aufgelegte Rettungspaket f&#252;r Griechenland hat nicht   gewirkt. Der griechischen Regierung wurden 110 Milliarden Euro an   Krediten bewilligt &#8211; allerdings unter der Bedingung dass sie drastische   Angriffe auf die Arbeiterklasse ausf&#252;hrt: K&#252;rzungen von Sozialhilfe,   L&#246;hnen und Renten sowie Steuererh&#246;hungen. Und trotzdem wird davon   ausgegangen, dass Griechenland 2012 noch einmal Kredite in H&#246;he von rund   50 Milliarden Euro ben&#246;tigt, um ihrem Bedarf an Fremdmitteln nachkommen   zu k&#246;nnen. Der Hauptgrund daf&#252;r, dass Griechenland die wirtschaftlichen   Ziele nicht erreichen konnte, ist, dass die K&#252;rzungsma&#223;nahmen die   wirtschaftliche Flaute noch verst&#228;rkt haben. Die griechische &#214;konomie   schrumpfte vergangenes Jahr um 4,4 Prozent und es wird erwartet, dass   sie dieses Jahr um weitere 3,5 Prozent zur&#252;ck gehen wird. In   Wirklichkeit hat die &#8222;Rettung&#8220; durch IWF, Europ&#228;ische Zentralbank und   Eurozone die Schuldensituation des griechischen Kapitalismus nur weiter   verschlimmert und seine F&#228;higkeit unterminiert, die Schulden abzahlen zu   k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Privatisierungen<\/h4>\n<p>  Die f&#252;hrenden K&#246;pfe der Eurozone diskutieren weitere Kredite f&#252;r   Griechenland in H&#246;he von 30 Milliarden Euro. Dieses Geld soll aber nur   flie&#223;en, wenn die Regierung rasch daran geht, die Privatisierung von   staatlichen Firmenanteilen und Dienstleistungen in H&#246;he von 50   Milliarden Euro durchzusetzen. Es wurde sogar vorgeschlagen, dass diese   Privatisierungen tats&#228;chlich vom IWF &#252;berwacht werden sollen. Das w&#252;rde   bedeuten, dass Griechenland die &#246;konomische Souver&#228;nit&#228;t vollends   entzogen wird.<\/p>\n<p>  Die kapitalistischen F&#252;hrer sind untereinander tief gespalten. Die   Europ&#228;ische Zentralbank (EZB), die deutsche Regierung und andere   favorisieren weitere Kredite f&#252;r Griechenland unter der Bedingung   weiterer K&#252;rzungsma&#223;nahmen und Privatisierungen. Angela Merkel und   andere Regierungschefs f&#252;rchten Wahlniederlagen im Falle weiterer   &#8222;Rettungspakete&#8220;. Die Angst geht um, die Eurozone k&#246;nne zu einer   sogenannten &#8222;Transferunion&#8220; werden, in der die st&#228;rkeren   Volkswirtschaften die schw&#228;cheren gewisserma&#223;en finanzieren.<\/p>\n<p>  Andere Vertreter unter den Kapitalisten &#8211; vor allem aus dem Finanzsektor   &#8211; glauben jetzt, dass ein Scheitern unvermeidlich ist. Sie geben zu,   dass die den Menschen in Griechenland auferlegten K&#252;rzungen ihre Grenzen   haben, weil andernfalls gr&#246;&#223;ere soziale Konflikte und Aufst&#228;nde   provoziert werden k&#246;nnten. Demnach w&#228;re es in ihren Augen besser, ein   geordnetes Scheitern vorzubereiten. Dazu w&#252;rde dann auch der Austausch   von bestehenden griechischen Staatsanleihen durch neue geh&#246;ren, f&#252;r die   dann IWF und EZB etc. unter neuen Ma&#223;gaben b&#252;rgen m&#252;ssten. Das k&#246;nnte   l&#228;ngere Zahlungszeitr&#228;ume und niedrigere Zinsen bedeuten. Der wohl   umstrittenste Punkt ist dabei aber, ob es zu einer Reduzierung der   Anleihewerte kommen sollte. (Obschon es im sekund&#228;ren Markt f&#252;r   festverzinsliche Wertpapiere bereits zu einer Minderbewertung der   Anleihewerte in H&#246;he von mindestens 40 Prozent gekommen ist).<\/p>\n<p>  Das Hauptmotiv dieser Finanzkapitalisten ist es, die Banken effektiv   &#252;ber den Berg zu bekommen. Alles in allem warten ausl&#228;ndische Banken auf   die R&#252;ckzahlung von Krediten in H&#246;he von insgesamt 1,6 Billionen   englischer Pfund, die sie an die vier am tiefsten in der Schuldenfalle   steckenden L&#228;nder der Eurozone (Griechenland, Irland, Portugal und   Spanien) vergeben haben. Inl&#228;ndische Banken halten ebenfalls Milliarden   an Euro in Form von Staatsanleihen. Ein erzwungenes Scheitern oder eine   aus der Panik erwachsene Umschuldung k&#246;nnte eine Bankenkrise vom Umfang   des Jahres 2008 ausl&#246;sen. F&#252;r die Banken w&#252;rde es zu enormen Verlusten   kommen &#8211; nicht nur aufgrund der Staatsanleihen sondern auch wegen der   verschiedentlichen &#8222;Derivate&#8220;, die von ersteren abh&#228;ngen.<\/p>\n<p>  Momentan klammert sich Griechenland noch an den Euro (trotz der Ger&#252;chte   von Anfang Mai, wonach angeblich in Betracht gezogen wurde, aus der   Eurozone auszusteigen). Man geht davon aus, dass die Regierungen der   st&#228;rkeren L&#228;nder der Euro-Zone dazu gezwungen sein werden, f&#252;r   Griechenland zu b&#252;rgen.<\/p>\n<p>  Dennoch: Ab einem bestimmten Punkt werden die Bedingungen f&#252;r solche   Unterst&#252;tzungsma&#223;nahmen unhaltbar sein. Die an die Kredite gekn&#252;pften   Bedingungen werden unertr&#228;glich werden und einen Ausstieg aus der   Eurozone w&#252;nschenswert erscheinen lassen. Dann werden L&#228;nder wie   Griechenland und sehr wahrscheinlich auch Irland und Portugal (und   m&#246;glicher Weise Spanien) wenigstens die M&#246;glichkeit haben, sowohl ihre   nationalen W&#228;hrungen abzuwerten und damit den Export anzukurbeln, als   auch die Inflation zu f&#246;rdern, was den Realwert ihrer Schulden   (inflationsbereinigt) senken w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die j&#252;ngsten Ereignisse best&#228;tigen die Analysen, die die Socialist Party   von Anbeginn f&#252;r die Eurozone angestellt hat. W&#228;hrend der Euro sich eine   zeitlang auf der Grundlage wirtschaftlichen Wachstums in Europa   entwickeln konnte, machten wir die Vorhersage, dass die gemeinsame und   multinationale W&#228;hrung nicht in der Lage sein wird, die nationalen   Unterschiede im Kapitalismus zu &#252;berwinden. Tats&#228;chlich hat der Euro   nicht zu einer &#8222;Konvergenz&#8220; oder Ann&#228;herung zwischen den st&#228;rkeren   Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich sowie den schw&#228;cheren,   peripheren wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien gef&#252;hrt. Die   niedrigen Zinsen, die aufgrund der Kapazit&#228;ten der st&#228;rkeren &#214;konomien   zu Stande kamen, halfen dabei, die Immobilienblasen in den schw&#228;cheren   Volkswirtschaften aufzubl&#228;hen. Zudem erlaubten sie es den dortigen   Regierungen, auf Grundlage kurzzeitig erh&#246;hter Steuereinnahmen die   &#246;ffentlichen Ausgaben gewaltig zu steigern. Die Steuereinnahmen stiegen   in Folge des Baubooms und der Finanzspekulation.<\/p>\n<p>  Als die globale Wirtschaft nach Beginn der Subprime-Krise in den USA   2007 in eine tiefe Rezession st&#252;rzte, sahen sich die peripheren   Volkswirtschaften pl&#246;tzlich einer untragbaren Schuldenlast ausgesetzt.   Die Defizite wurden durch den Abschwung verst&#228;rkt, es kam zu   Massenarbeitslosigkeit und dem Zusammenbruch bei den Steuereinnahmen.<\/p>\n<p>  Der Euro mag diese Krise &#252;berleben oder auch nicht. Fr&#252;her oder sp&#228;ter   wird die Eurozone aufgrund der un&#252;berwindlichen wirtschaftlichen   Probleme und wegen des Konflikts nationaler Interessen zwischen ihren   Mitgliedsstaaten Schiffbruch erleiden.<\/p>\n<p>  Entsetzliche K&#252;rzungsma&#223;nahmen haben bereits zu massivem Widerstand der   Arbeiterklasse in ganz Europa und vor allem in den L&#228;ndern gef&#252;hrt, die   am gravierendsten von der Schuldenkrise befallen sind. Dar&#252;ber, dass sie   gezwungen werden, f&#252;r die von den Banken und anderen pl&#252;ndernden   Spekulanten ausgel&#246;ste Krise zu bezahlen, sind die ArbeiterInnen erbost.   In Wirklichkeit rettet n&#228;mlich die Arbeiterklasse die Banken und   Konzerne.<\/p>\n<h4>  Generalstreiks<\/h4>\n<p>  In Griechenland hat es bislang neun Generalstreiks und zahllos   erscheinende Proteste gegen die K&#252;rzungen gegeben. Es gab Aktionen des   Widerstands in Irland, Portugal und Spanien. Dennoch behaupten   KommentatorInnen, dass die Streiks und Protestaktionen zur Zeit eine   Flaute durchlaufen. Man schreibt von einer Art von &#8222;Protestm&#252;digkeit&#8220;,   die sich breit mache. Doch jede derartige Pause wird vor&#252;bergehend   bleiben. Es wird zu einem Wiedererstarken kommen, weil die f&#252;hrenden   K&#246;pfe der Arbeiterorganisationen, da sie nur unter dem Druck von unten   zu Streiks aufrufen, keine Alternative zur Politik der Rettungsprogramme   und K&#252;rzungspakete haben.<\/p>\n<p>  Angesichts dieser tiefen, lang anhaltenden Krise des Kapitalismus   braucht die Arbeiterklasse eine mutige Alternative. Die sollte auf der   unzweideutigen Ablehnung basieren, die von den kapitalistischen   Regierungen angeh&#228;uften Schulden zu bezahlen. Von diesen Schulden haben   n&#228;mlich die Banken und andere Spekulanten in besseren Zeiten enorm   profitiert. Allerdings ist auch die Nichtanerkennung von Schulden an   sich noch keine L&#246;sung. Auf kapitalistischer Grundlage w&#252;rde ein   Staatsbankrott f&#252;r die Arbeiterklasse eine Periode anhaltender Armut und   fortw&#228;hrenden Leids bedeuten.<\/p>\n<p>  Der kapitalistischen Klasse, die f&#252;r die derzeitige globale Krise   verantwortlich zeichnet, muss die Kontrolle &#252;ber die Banken und die   Schaltzentralen der Wirtschaft &#8211; die bedeutendsten Industrie- und   Finanzunternehmen &#8211; aus der Hand genommen werden. Die Wirtschaft sollte   im Interesse der arbeitenden Menschen geplant und verwaltet werden.   Dabei muss gelten, dass die Kontrolle von gew&#228;hlten VertreterInnen der   Besch&#228;ftigten, der Gewerkschaften, der KonsumentInnen, der   B&#252;rgerinitiativen und so weiter ausge&#252;bt wird. Das w&#252;rde den Anfang   einer sozialistisch geplanten &#214;konomie markieren.<\/p>\n<p>  Die europ&#228;ischen Institutionen wie z.B. die Eurozone und die EU selbst,   bei denen es sich ganz klar um Agenturen der kapitalistischen   herrschenden Klasse handelt, sollten nicht von einem enggefassten,   nationalistischen Standpunkt her kritisiert werden. Europa wie auch die   weiter gefasste Weltwirtschaft schreit gerade zu nach einer   sozialistischen Wirtschaftsplanung. Das ist der einzige Weg, &#252;ber den   die Lebensstandards der ArbeiterInnen &#252;berall auf der Welt gehoben, die   ekelerregende Ungleichheit auf fortschrittliche Art und Weise ausgemerzt   und die Umwelt f&#252;r zuk&#252;nftige Generationen gesch&#252;tzt werden k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Das Rettungspaket f&#252;r Griechenland funktioniert nicht. 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