{"id":14247,"date":"2011-05-27T15:00:00","date_gmt":"2011-05-27T13:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14247"},"modified":"2012-05-15T14:49:55","modified_gmt":"2012-05-15T12:49:55","slug":"14247","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/05\/14247\/","title":{"rendered":"DIE LINKE in NRW enth&#228;lt sich bei Abstimmung &#252;ber rot-gr&#252;nen       Landeshaushalt"},"content":{"rendered":"<p>  Politischer Selbstmord aus Angst vor dem parlamentarischen Tod?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Politischer Selbstmord aus Angst vor dem parlamentarischen Tod&#8220;, so   brachte Stephie Karger vom Landesvorstand das Enthaltungs-Votum der   NRW-LINKEN zum Haushalt 2011 auf den Punkt. Statt die politische   Bewertung des von Rot-Gr&#252;n vorgelegten NRW-Haushalts von der Frage nach   Neuwahlen zu trennen, wurde bei der Sitzung des NRW-Landesrates am   14.\/15. Mai alles zusammenger&#252;hrt.<\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, K&#246;lner Ratsmitglied, Fraktion DIE LINKE<\/i><\/h4>\n<p>  Derart von Angst getrieben redete und schrieb man sich einen   &#8222;stinknormalen b&#252;rgerlichen Krisenhaushalt&#8220; sch&#246;n, so der   stellvertretende Landesvorsitzende Thies Gleiss. Rund 70 Prozent der   Landesrats-Delegierten votierten f&#252;r einen Antrag des Kreisverbandes   K&#246;ln (den der Autor nicht unterst&#252;tzt hat), in dem der Fraktion eine   Enthaltung empfohlen wurde, weil man den Haushalt wegen   fortschrittlicher Ans&#228;tze nicht ablehnen k&#246;nne.<\/p>\n<p>  Schon im Nachtragshaushalt 2010 und auch im ersten Entwurf des Haushalts   2011 sahen die Haushaltspolitiker der LINKEN-Fraktion einen   &#8222;Politikwechsel&#8220; oder aber mindestens eine &#8222;Akzentverschiebung&#8220;. Auch   nachdem der nunmehr verabschiedete Haushalt um 2,3 Milliarden &#8364;   abgespeckt wurde und die Steuermehreinnahmen nicht in soziale Ma&#223;nahmen,   sondern komplett in den Schuldenabbau gingen, wurde weiterhin von der   &#8222;Akzentverschiebung&#8220; geredet.<\/p>\n<p>  Haarstr&#228;ubend waren vor allem die Begr&#252;ndungen der   Enthaltungs-Verfechter. Die Zusetzung von Lehrerstellen wurde mit   Personalabbau in anderen Bereichen &#8222;verrechnet&#8220;, so dass man als Saldo   ein Plus beim Personal vermerkte. Sinnvolle Ausgaben in H&#246;he einiger   zehntausend Euro wurden als Erfolg gefeiert &#8211; angesichts eines   Haushaltes von insgesamt 55 Milliarden Euro eine fragw&#252;rdige Haltung.<\/p>\n<p>  Der haushaltspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, R&#252;diger Sagel,   berief sich auf ein Schreiben vom Fl&#252;chtlingsrat, das auffordert, den   Haushalt passieren zu lassen, da man sonst kein Geld bekomme. Dass   soziale Initiativen und Institutionen in Zeiten knapper Kassen nach   jedem Strohhalm greifen und &#252;ber jeden Cent froh sind, den sie bekommen,   verwundert nicht. Aber das kann eine linke Partei nicht zur Grundlage   ihrer Strategie bez&#252;glich des Haushaltes machen.<\/p>\n<p>  Die &#8222;Z&#252;ckerchen&#8220; f&#252;r &#8222;professionelle Elendsverwaltungseinrichtungen&#8220; so   Thies Gleiss vom Landesvorstand, seien vergleichbar mit den 5 Euro mehr   f&#252;r Hartz IV-BezieherInnen:<\/p>\n<p>  &#8222;Auch die w&#228;ren f&#252;r die Betroffenen erstmal mehr Geld &#8211; trotzdem kam zum   Gl&#252;ck kein Linker und keine GewerkschafterIn auf die Idee, f&#252;r eine   Unterst&#252;tzung der Leyen-Reformen oder eine Enthaltung ihnen gegen&#252;ber zu   werben, weil diese Unterst&#252;tzung gleichzeitig ein Verrat der realen   Interessen der betroffenen Benachteiligten der herrschenden Politik   gleichkommt.&#8220;<\/p>\n<h4>  B&#252;rgerliche Haushalte heute: Akkumulierter Sozialabbau<\/h4>\n<p>  DIE LINKE hat sich selbst &#8222;rote Haltelinien&#8220; gegeben: &#8222;Kein Sozialabbau,   kein Personalabbau, keine Privatisierung&#8220;. Zumindest alle westdeutschen   Parteitage beschlie&#223;en solche oder &#228;hnliche Formulierungen mit gro&#223;en   Mehrheiten. Doch der Teufel steckt im Detail.<\/p>\n<p>  Teile der Partei interpretieren die Haltelinien so, dass z.B. eine   Haushaltsvorlage keine neuen, zus&#228;tzlichen Ma&#223;nahmen Richtung   Sozialabbau und Privatisierung beinhalten darf. Sie ignorieren, dass   jeder Haushalt auf Bundes-, Landes und auch kommunaler Ebene den   akkumulierten Sozialabbau der letzten 20 Jahre beinhaltet.<\/p>\n<p>  Wer einen Haushalt unterst&#252;tzt, der von den b&#252;rgerlichen Parteien   gepr&#228;gt wird, stimmt damit unweigerlich der groben Linie b&#252;rgerlicher   Politik zu, das gilt selbst f&#252;r die kommunale Ebene. Es gibt zwar   Phasen, in denen vor allem SPD und Gr&#252;ne, aber selbst die CDU keine   zus&#228;tzlichen Sozialk&#252;rzungen wollen &#8211; z.B. weil Wahlkampf ist, weil in   den vorherigen Jahren so viel gek&#252;rzt wurde, dass die Folgekosten des   Zusammenbruchs sozialer Strukturen h&#246;her sind, als die Einsparungen,   weil Personal fehlt, weil es keine f&#252;r private Anleger interessanten   Privatisierungsobjekte gibt usw.<\/p>\n<p>  Aber z.B. jeder Haushalt der Stadt K&#246;ln beinhaltet auch in Jahren ohne   zus&#228;tzlichen Sozialabbau, die strukturelle Unterfinanzierung von   sozialen Projekten und Initiativen, die zuvor beschlossenen Ziele zum   Personalabbau und unz&#228;hlige Zahlungen f&#252;r &#8222;Berater&#8220;, Investoren oder   sch&#228;dliche Gro&#223;projekte wie z.B. die Nord-S&#252;d-U-Bahn sowie die &#252;ber 100   Milllionen Euro Zinszahlungen an die Banken, die Ergebnis der   neoliberalen Politik sind.<\/p>\n<h4>  Personalabbau wegsaldiert<\/h4>\n<p>  Eigentlich k&#228;mpft DIE LINKE gegen jeden Personalabbau im &#246;ffentlichen   Dienst. Auf einmal interessierte aber nur noch, ob unter dem Strich   Stellen abgebaut werden. Eine Debatte gab es um den von Rot-Gr&#252;n   geplanten Personalabbau beim Landesbetrieb (LB) Stra&#223;enbau. Die Zust&#228;nde   dort beschreibt der DGB bei der Anh&#246;rung des Haushalts 2011:<\/p>\n<p>  &#8222;Aufgrund des langen und stetigen Personalabbaus sind alle   Landesbetriebe personell inzwischen v&#246;llig &quot;ausgeblutet&quot;. Im Laufe der   Jahre sind hier stetig zus&#228;tzliche Aufgaben hinzu gekommen. St&#228;ndige Re-   oder Umstrukturierungen, Organisationsuntersuchungen und &quot;Gutachten&quot;   sorgen dauerhaft f&#252;r Unruhe, machen viel Arbeit und bringen selten   Brauchbares. Sicher gleichen sie niemals den stattgefundenen   Personalabbau aus. Die daraus resultierende Arbeitsverdichtung wird als   nicht mehr tragbar durch die Besch&#228;ftigten empfunden. Erh&#246;hte   Krankenst&#228;nde und Fehlzeiten sind die logische Konsequenz.&#8220;<\/p>\n<p>  Trotzdem empfanden Teile der Fraktion und des Landesrates weiteren   Personalabbau nicht als Problem. R&#252;diger Sagel meinte, DIE LINKE sei   nicht f&#252;r den Neubau von Stra&#223;en, verglich gar den Personalabbau beim   Stra&#223;enbau mit dem &#8222;Personalabbau&#8220;, wenn DIE LINKE den Verfassungsschutz   schlie&#223;en w&#252;rde. Auch der Hinweis, dass der Landesbetrieb vor allem an   der Unterhaltung und Sanierung von Stra&#223;en arbeite, hinderte R&#252;diger   Sagel nicht daran, seine Argumente zu wiederholen.<\/p>\n<p>  Mit der Begr&#252;ndung, wenn man nicht zustimme, w&#252;rde die Regierung noch   mehr Verschlechterungen einbauen und der Initiative X oder dem Projekt Y   w&#252;rden hier und da zehntausend Euro fehlen, k&#246;nnte man jedem   b&#252;rgerlichen Haushalt zustimmen. Irgendwelche geringf&#252;gigen sozialen   Ausgaben, die es im Vorjahr noch nicht gab, lassen sich in fast jedem   Haushalt finden, auch in schwarz-gelben.<\/p>\n<p>  Sollte sich dieser Kurs der LINKEN in NRW fortsetzen, w&#252;rde der   ehemalige linke &#8222;Hort des Wahnsinns&#8220; (so die parteirechten   Regierungsbef&#252;rworter &#252;ber den NRW-Landesverband) zu einer Resterampe   f&#252;r Bettvorleger werden.<\/p>\n<p>  Die Analyse der &#8222;S&#252;ddeutschen Zeitung&#8220; trifft leider zu:<\/p>\n<p>  &#8222;Das &#8222;rote Gespenst&#8220; kann &#8222;niemanden mehr wirklich erschrecken&#8220;. DIE   LINKE &#8222;erweist sich &#252;berall dort, wo sie auf die eine oder andere Weise   Verantwortung &#252;bernimmt, als pragmatisch. Das ist im Osten schon l&#228;nger   bekannt. Nun zeigt es sich auch in Nordrhein-Westfalen, wo die Linken   keine Neuwahl riskieren wollen, nach der sie wohl aus dem Parlament   fl&#246;gen.&#8220;<\/p>\n<p>  &#220;ber den neuen Entwurf f&#252;r das Parteiprogramm schreibt die SZ:<\/p>\n<p>  &#8222;&#8230; (im) Grundsatzprogramm wurden die H&#252;rden f&#252;r   Regierungsbeteiligungen soeben gesenkt. Zwar klammern sich die Linken   noch verzweifelt an den Mythos ihrer Andersartigkeit. So anders aber   sind sie nicht.&#8220;<\/p>\n<h4>  Analyse und Taktik<\/h4>\n<p>  Nicht die Enthaltung an sich ist das Problem, sondern die Begr&#252;ndung,   die dazu herangezogen wird. Eine n&#252;chterne Analyse des Haushaltes h&#228;tte   ergeben, dass dieser sich nicht qualitativ von anderen Landeshaushalten   unterscheidet.<\/p>\n<p>  Die Kraft-Regierung f&#252;hrt zur Zeit keine zus&#228;tzlichen Attacken gegen die   Interessen der ArbeitnehmerInnen und der Armen. Auf der Grundlage des   derzeit steigenden Steuereinnahmen und wegen der Existenz der LINKEN   sieht sich rot-gr&#252;n auch gezwungen, einzelne Verschlechterungen der   schwarz-gelben Vorg&#228;ngerregierung zur&#252;ckzunehmen. Allerdings hatte diese   es auch besonders &#252;bel getrieben. Der vorgelegte Haushalt markiert   keineswegs einen Politikwechsel, sondern ein vor&#252;bergehendes Zur&#252;ck zur   b&#252;rgerlichen Haushaltsnormalit&#228;t.<\/p>\n<p>  Die Partei h&#228;tte dies eindeutig sagen m&#252;ssen. Daraus h&#228;tte sich noch   nicht automatisch die Ablehnung des Haushaltes ergeben. Dadurch, dass   die M&#246;glichkeit bestand, dass ein Durchfallen des Haushaltes zum   R&#252;cktritt der Regierung Kraft und zu Neuwahlen f&#252;hrt, h&#228;tte DIE LINKE   diskutieren m&#252;ssen, welche Wirkung es hat, wenn sie f&#252;r den Sturz der   Regierung verantwortlich gemacht worden w&#228;re, einer Regierung, die zur   Zeit zumindest wohlwollender als ihre Vorg&#228;ngerin betrachtet wird.<\/p>\n<p>  Eine Enthaltung, begr&#252;ndet damit, dass ein Sturz der Regierung zur Zeit   keinen Sinn macht, aber verbunden mit einer klaren inhaltlichen   Ablehnung des Haushaltes, w&#228;re besser gewesen als die jetzige   Positionierung, die bei Mitgliedern und W&#228;hlerInnen zu Verwirrung f&#252;hrt,   was die Positionen der LINKEN eigentlich sind. H&#228;me und Spott, der   Partei DIE LINKE ginge es nur darum, Neuwahlen zu verhindern, weil die   eigenen Umfragewerte nicht gut sind, h&#228;tte es dann auch gegeben, aber   den bekommt die Partei jetzt ohnehin ab.<\/p>\n<p>  Die Position der Mehrheit des Landesvorstandes, den Haushalt abzulehnen,   war unter dem Strich die beste Variante, um deutlich zu machen, wof&#252;r   DIE LINKE steht und dass sie nicht von rot-gr&#252;n mit minimalen   Zugest&#228;ndnissen einfangen l&#228;sst. Vor allem, wenn die Partei seit der   Debatte um den Nachtragshaushalt im Herbst letzten Jahres eine klare   Position eingenommen und konsequent vertreten h&#228;tte, w&#228;re ihre   Ausgangslage weit besser als nach dem Hin- und Her der letzten Monate.<\/p>\n<h4>  Nach dem Haushalt ist vor dem Haushalt<\/h4>\n<p>  Auch die eifrigen VerfechterInnen der &#8222;Enthaltung aufgrund von   Akzentverschiebung&#8220; finden, dass Enthaltung keine wirkliche Haltung ist.   Sie m&#246;chten zu klaren Aussagen kommen. Ihre Argumentation in 2011 f&#252;hrt   letztendlich dazu, einer Zustimmung zum Haushalt 2012 den Weg zu ebnen.<\/p>\n<p>  Schon bei der Debatte um den Nachtragshaushalt 2010 dienten die   hektischen Aktivit&#228;ten der Parteirechten dazu, das &#8222;Nein&#8220; zu einem   SPD-Gr&#252;ne-Haushalt als prinzipiell untragbare Option zu diskreditieren   und die M&#246;glichkeit eines &#8222;Ja&#8220; schon einmal in die Debatte zu bringen,   um dann sp&#228;ter eine Enthaltung, eine de-facto-Zustimmung, als   &#8222;Kompromiss&#8220; verkaufen zu k&#246;nnen. Dies werden sie bei der im Herbst 2011   beginnenden Debatte um den n&#228;chsten Haushalt vorantreiben.<\/p>\n<p>  Allerdings beschr&#228;nkt sich dieses Herangehen nicht auf die organisierte   Parteirechte. Nicht nur das mit den &#246;stlichen Mitregierern verbundete   Forum Demokratischer Sozialismus (FDS), sondern auch die von   Gewerkschaftsfunktion&#228;ren und Ex-Sozialdemokraten dominierte   Sozialistische Linke (SL) tendiert in diese Richtung, und selbst bei   Unabh&#228;ngigen oder Vertretern der Antikapitalistischen Linken (AKL)   finden sich solche Ideen.<\/p>\n<p>  In einem Diskussionspapier schreibt MdL R&#252;diger Sagel:<\/p>\n<p>  &#8222;Ein Politikwechsel ist jedoch in einer parlamentarischen Demokratie   nicht auf einer Kurzstrecke zu erreichen, sondern es braucht eine   gewisse Ausdauer und Beharrlichkeit. Die Orientierung der   Parlamentsarbeit muss sich daher zumindest auf mehrere Jahre, wenn nicht   auf eine gesamte Legislaturperiode (aus)richten und nicht etwa auf einen   einzigen ordentlichen Haushalt. Zudem geht es auch nicht nur um   finanzielle Aspekte, sondern vor allem auch um strukturelle   Ver&#228;nderungen, die ihre Zeit brauchen. Ein Systemwechsel ist in vielen   Bereichen nur dauerhaft zu erreichen.&#8220;<\/p>\n<p>  Die FraktionsprecherInnen B&#228;rbel Beuermann (SL) und Wolfgang Zimmermann   (AKL) schreiben:<\/p>\n<p>  Wir &#8222;brauchen einen &#8222;Gr&#252;nen Bereich&#8220;, um deutlich zu machen, was   Mindestanforderungen an einen zustimmungsf&#228;higen Haushalt w&#228;ren.&#8220;<\/p>\n<p>  Michael Aggelidis (AKL) sekundiert scheinverbalradikal:<\/p>\n<p>  &#8222;F&#252;r die anstehenden Haushaltsberatungen 2012\/13 bedarf es im Kontext   weiter steigender Steuereinnahmen der Entwicklung von   Mindestanforderungen f&#252;r eine Enthaltung und auch von   Mindestanforderungen f&#252;r eine Zustimmung. Die Mindestanforderungen f&#252;r   eine Zustimmung m&#252;ssen offensiv mit einem Koalitionsangebot an SPD und   Gr&#252;ne verbunden werden; wohl wissend dass sich SPD und Gr&#252;ne auf eine   konsequente Politik im Interesse der Mehrheit der Bev&#246;lkerung und gegen   die Interessen des Kapitals nicht einlassen werden.&#8220;<\/p>\n<p>  Das wird erg&#228;nzt durch eine &#8222;pragmatische&#8220; Politik in vielen Kommunen.   Duisburg ist die Hochburg der LINKEN in NRW, dort wurden &#252;ber 8 Prozent   bei den letzten Kommunalwahlen erzielt. Die dortige Ratsfraktion,   immerhin unter Vorsitz des Parteilinken Hermann Dierckes, hatte Anfang   2010 dem rot-gr&#252;nen Haushalt zugestimmt, weil dieser die vom   CDU-Oberb&#252;rgermeister vorgeschlagenen Sozialk&#252;rzungen deutlich   abgemildert und stattdessen die Gewerbesteuer erh&#246;ht hatte. Hermann   Dierckes hatte in seiner Haushaltsrede Formulierungen verwendet, die in   geradezu klassischer Weise die Logik des sogenannten &#8222;kleineren &#220;bels&#8220;   beschw&#246;ren. Dass dies kein einmaliger Ausrutscher war best&#228;tigt Genosse   Dierckes laut ND (Neues Deutschland) selbst:<\/p>\n<p>  &#8222;Duisburg ist eine schrumpfende Stadt, wir m&#252;ssen Einsparpotenziale   ausloten, aber stets mit sozialer Bedacht.&#8220;<\/p>\n<p>  Inzwischen hat DIE LINKE Duisburg eine feste Kooperation mit SPD und   Gr&#252;nen vereinbart.<\/p>\n<h4>  Wie weiter mit der Partei?<\/h4>\n<p>  In der Debatte um den Landeshaushalt wurde von vielen beklagt, dass es   bei sozialen Fragen kaum Bewegung g&#228;be. Allerdings tr&#228;gt die   Landtagsfraktion auch wenig dazu bei sondern geht weitgehend im   parlamentarischen Betrieb auf. Die folgende Selbsteinsch&#228;tzung weist auf   eine falsche Priorit&#228;tensetzung hin:<\/p>\n<p>  &#8222;Die LINKE-Fraktion konnte trotz der bisher kurzen Zeit im Parlament   allen Parteien auf Augenh&#246;he begegnen. Als kleinste Fraktion im Landtag   wurde ein Standing auf vielen Politikfeldern entwickelt. Neben einer   weiterhin zu verbessernden &#214;ffentlichkeitsarbeit konnte sich die   Fraktion mit der professionellen Pr&#228;sentation und Vertretung zahlreicher   Antr&#228;ge (den mit Abstand meisten aller Fraktionen) Respekt verschaffen.   In der parlamentarischen Auseinandersetzung hat die LINKE Profil gezeigt   und bewiesen. Dies gilt auch f&#252;r Facharbeit in den Aussch&#252;ssen.&#8220; (Aus   dem Diskussionspapier von R&#252;diger Sagel)<\/p>\n<p>  Schade nur, dass die B&#252;rgerInnen &#8222;drau&#223;en im Lande&#8220; diesen Flei&#223; mit nur   4 Prozent Zustimmung anerkennen. Generell kann man feststellen: je mehr   die Realos auf dem Vormarsch sind &#8211; und das sind sie nach dem Osten nun   auch in den westlichen Landesverb&#228;nde &#8211; umso schlechter die Wahl- und   Umfrageergebnisse.<\/p>\n<p>  Im Osten hatte die ehemalige PDS und nun DIE LINKE zwei Funktionen.   Einerseits die Ost-Biografien nicht komplett zu entwerten und   andererseits war sie ein Ersatz f&#252;r eine dort kaum funktionsf&#228;hige   Sozialdemokratie. Im Westen sind beide Funktionen nicht nur &#252;berfl&#252;ssig,   sondern ein Klotz am Bein.<\/p>\n<p>  Gebraucht wird eine antikapitalistische, au&#223;erparlamentarisch verankerte   Massenpartei, die eine sozialistische Perspektive als alternative   Gesellschaftsordnung glaubw&#252;rdig aufzeigen kann, die vom   Hartz-IV-Betroffenen bis zum &#8222;Wutb&#252;rger&#8220; allen eine Plattform bietet,   die sich mit dem bestehenden kapitalistischen System nicht mehr abfinden   wollen.<\/p>\n<p>  In 2011 werden einige Weichen gestellt. Die Partei ist in einer   schwierigen Lage. Der unklare Kurs schw&#228;cht die Partei auf Wahlebene.   Der rechte Fl&#252;gel um Liebig, Ramelow, Wawzyniak und Co. bl&#228;st zur Jagd   auf den Programmentwurf und will die dort relativ klar formulierten   Aussagen abschw&#228;chen und die weitere Beteiligung an   sozialzerst&#246;rerischen Regierungen erm&#246;glichen.<\/p>\n<p>  Wenn in Landesverb&#228;nden wie NRW die antikapitalistischen Prinzipien   erodieren, die Partei sich im parlamentarischen Alltag einrichtet und   mehr und mehr zu einer linken Erg&#228;nzungspartei des b&#252;rgerlichen   Politikbetriebs wird, dann wird der Zug der LINKEN auf ein Abstellgleis   fahren. Die Partei wird ihre Funktion als Instrument f&#252;r die Interessen   der Lohnabh&#228;ngigen verlieren. Der mangelnde Gebrauchswert der LINKEN   dr&#252;ckt sich in den zuletzt schwachen Wahlergebnisse und niedrigen   Umfragewerten aus.<\/p>\n<p>  Dem steht allerdings entgegen, dass die Massen eine eigene Partei   brauchen, dass sie Hoffnungen in DIE LINKE setzen, dass es weiterhin   viele Mitglieder gibt, die sich f&#252;r eine k&#228;mpferische Partei einsetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Politischer Selbstmord aus Angst vor dem parlamentarischen Tod?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14247"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14247"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14247\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}