{"id":14238,"date":"2011-05-19T10:00:00","date_gmt":"2011-05-19T08:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14238"},"modified":"2012-07-02T18:44:08","modified_gmt":"2012-07-02T16:44:08","slug":"14238","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/05\/14238\/","title":{"rendered":"Wirkliche Demokratie JETZT! &#8211; eine antipolitische Bewegung?"},"content":{"rendered":"<p>  Demonstrationen vor den Regionalwahlen am 22. Mai in Spanien<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 15. Mai gingen die SpanierInnen zu Zehntausenden auf die Stra&#223;e.   Proteste fanden in &#252;ber 60 St&#228;dten statt. Die Protestierenden dr&#252;ckten   ihre Unzufriedenheit mit der herrschenden Politik aus. Die   Front-Transpis der Organisation &#8222;Wirkliche Demokratie jetzt&#8221; waren   relativ weitgehend: &#8222;No somos mercanc&#237;as en manos de pol&#237;ticos y   banqueros&#8221; &#8211; &#8222;Wir sind keine Ware in den H&#228;nden von Politikern und   Bankern&#8221;. Dies widerspricht aber nur scheinbar dem selbsterkl&#228;rten   antipolitischen Charakter der Bewegung, welche sich in dieser Woche mit   Besetzungen zentraler Pl&#228;tze vieler spanischer St&#228;dte fortsetzt.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Johannes Ullrich, derzeit Sevilla<\/i><\/h4>\n<p>  Diesen M&#228;rz, als in den Wahlkampfb&#252;ros der gro&#223;en Parteien PP   (Konservative) und PSOE (Sozialdemokratie) letzte Hand an die Spr&#252;che   f&#252;r die Regionalwahl-Kampagnen gelegt wurden, begann sich eine Bewegung   in den sozialen Netzwerken auszubreiten, die sich &#8222;Democracia Real YA!&#8220;   nennt. Letzten Sonntag gab es in &#252;ber 60 spanischen St&#228;dten   Demonstrationen dieser Initiative, deren Teilnehmerzahlen von knapp &#252;ber   100 bis zu 25.000 (Madrid und Barcelona) gingen.<\/p>\n<p>  Diesen Sonntag, 22. Mai, sind die Regionalwahlen &#8211; Ziel der Bewegung ist   es zwar, einen Politikwechsel herbei zu f&#252;hren, hin zu mehr sozialer   Gerechtigkeit, einem Ende der Korruption, wirklicher Beteiligung und   vielem mehr. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille &#8211; eigentlich   ist die vorherrschende Meinung auf den Demos und den besetzten Pl&#228;tzen   Spaniens die, dass das ganze System verkommen ist und ersetzt geh&#246;rt.   Sprechch&#246;re wie &#8222;Sie nennen&quot;s Demokratie, doch es ist keine&#8220;, &#8222;PSOE und   PP &#8211; die gleiche Schei&#223;e!&#8220;, &#8222;Wir ham&quot; die L&#246;sung: B&#228;nker in den Knast!&#8220;   oder &#8222;Willst du wissen, wer dich w&#228;hlt? Nicht mal deine Mutter!&#8220; werden   am lautesten mitgerufen.<\/p>\n<p>  Bei so einer Bewegung taucht nat&#252;rlich unmittelbar die Frage auf, was   denn die Alternative w&#228;re. Und da gehen die Meinungen weit auseinander.   Von den jungen Aktivisten der &#8222;Internet-Partei&#8220;, die sich ein per   IT-Abstimmungen gesteuertes allumfassend-imperatives Mandat der   gew&#228;hlten Vertreter w&#252;nschen, &#252;ber die 50j&#228;hrige gutsituierte Mutter,   die ihre Kinder nicht in immer schlechteren Verh&#228;ltnissen leben lassen   will und daher eine R&#252;ckkehr in die 1990er Boomjahre m&#246;chte, bis zum   Studentenaktivisten, der anarchistische Propaganda mit dem Aufruf   verteilt, nicht zur Wahl zu gehen und so &#8222;ein deutliches Zeichen gegen   das System zu setzen.&#8221;<\/p>\n<p>  Der Grund f&#252;r den Hass nicht nur auf die Parteien, sondern auch auf die   beiden gro&#223;en Gewerkschaftsverb&#228;nde CC.OO. und UGT ist schnell erkl&#228;rt:   Ausverkauf vom Feinsten. Nach dem sehr erfolgreichen Generalstreik vom   29. September letzten Jahres gab es ein Abkommen beider Verb&#228;nde mit den   Unternehmern und den Politikern, in dem bei minimalen Zugest&#228;ndnissen   &#8222;Sparpakete&#8220; vereinbart wurden, die einen regelrechten Ausverkauf der   Sozialsysteme bedeuten, wie man ihn auch aus Deutschland kennt (ganz   aktuell bspw. angesichts Angela Merkel Hetzrede gegen S&#252;deurop&#228;er: das   Rentenalter soll auch hier auf 67 erh&#246;ht werden!).<\/p>\n<p>  Aber so verst&#228;ndlich es ist, dass fast alle TeilnehmerInnen nichts mehr   mit dem bestehenden System zu tun haben wollen, so notwendig ist es   auch, eine Perspektive f&#252;r die Protestbewegung zu entwickeln. Daf&#252;r   k&#246;nnen die Besetzungen von &#246;ffentlichen Pl&#228;tzen, die derzeit in allen   gr&#246;&#223;eren St&#228;dten Spaniens stattfinden, eine gro&#223;e Hilfe sein, denn sie   bieten Raum f&#252;r Diskussionen und die Entwicklung von Programm und   Strategien. Aufgabe von SozialistInnen ist es in dieser Situation, den   Zusammenhang zwischen Demokratieabbau und Kapitalismus zu erkl&#228;ren und   in der Bewegung sozialistische Ideen zu verteidigen. Die lokalen   Strukturen sollten schnellstm&#246;glich handlungsf&#228;hige Gremien bilden und   sich noch expliziter landesweit vernetzen, um &#252;ber die sozialen   Netzwerke hinaus breitere Teile der spanischen Arbeiterklasse zu   erreichen. Positive Elemente wie die Forderung nach   rechenschaftspflichtigen Mandatstr&#228;gern und korruptionsverhindernden   Bezahlungen sollten aufrecht erhalten werden.<\/p>\n<p>  Es scheint jedenfalls so, dass die Bewegung das Potenzial hat, auch nach   dem kommenden Wahlsonntag die spanische Politik noch eine Weile zu   besch&#228;ftigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Demonstrationen vor den Regionalwahlen am 22. 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