{"id":14225,"date":"2011-05-05T18:00:00","date_gmt":"2011-05-05T18:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14225"},"modified":"2011-05-05T18:00:00","modified_gmt":"2011-05-05T18:00:00","slug":"14225","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/05\/14225\/","title":{"rendered":"DIE LINKE und der Charit&#233;-Streik"},"content":{"rendered":"<p>  Worth&#252;lsen statt praktischer Solidarit&#228;t<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Seit Montag, dem 2. Mai, streiken tausende Besch&#228;ftigte an der Berliner   Charit&#233; und bei der ausgegliederten Tochter CFM (Charit&#233; Facility   Management). Die Besch&#228;ftigten bei der Charit&#233; verdienen seit Jahren   deutlich weniger als Krankenhausbesch&#228;ftigte im Bundesdurchschnitt. Sie   fordern eine Lohnerh&#246;hung von 300 Euro, um diese L&#252;cke zu schlie&#223;en.   Au&#223;erdem fordern sie eine Ende der Ungleichbehandlung von Ost- und   Westbesch&#228;ftigten, Gleichbehandlung mit den &#196;rzten bei zuk&#252;nftigen   Lohnerh&#246;hungen und bessere Arbeitsbedingungen. Bei CFM gibt es gar   keinen Tarifvertrag. Dort werden LeiharbeiterInnen eingesetzt und sind   befristete Vertr&#228;ge an der Tagesordnung. Es werden zum Teil Stundenl&#246;hne   von 5,50 Euro gezahlt.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher und Mitglied in DIE LINKE<\/i><\/h4>\n<p>  Die Charit&#233; ist eine Landesklinik, bei CFM h&#228;lt das Land Berlin einen   Anteil von 51 Prozent. Der Senat fungiert also als Arbeitgeber &#8211; der   Senat, an dem die Partei DIE LINKE in einer so genannten rot-roten   Koalition beteiligt ist.<\/p>\n<p>  Nun hat der Landesvorstand der Partei und auch ihr   gesundheitspolitischer Sprecher Erkl&#228;rungen abgegeben, die den Anschein   erwecken, die F&#252;hrung der Berliner LINKEN sei solidarisch mit den   Streikenden. So hei&#223;t es in einer Information &#252;ber eine   Landesvorstandssitzung: &#8222;Der Landesvorstand bekr&#228;ftigte den Beschluss   des Landesausschusses vom 15. April und stellte erneut fest, dass DIE   LINKE. Berlin die Besch&#228;ftigten der Charit&#233; in ihrem Kampf f&#252;r bessere   Tarifbedingungen und f&#252;r die Angleichung ihrer Geh&#228;lter an das   Bundestarifniveau des TV&#214;D unterst&#252;tzt. In diesem Sinne hat sich   Wolfgang Albers auch in einer aktuellen Presserkl&#228;rung gemeldet und   haben am Dienstag Genossinnen und Genossen der LINKEN an den Aktionen   der Streikenden teilgenommen.&#8220;<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich hat Wolfgang Albers die L&#246;hne bei CFM als &#8222;inakzeptabel&#8220;   bezeichnet und eine Ende der Lohndiskrepanz zu anderen   Krankenhausbesch&#228;ftigten gefordert. Das klingt aber besser, als es   tats&#228;chlich ist. Denn der Landesvorstand unterst&#252;tzt nicht die von   ver.di und den Streikenden aufgestellten Forderungen und &#228;u&#223;ert sich so   allgemein, dass seine Position auch die v&#246;llig unzureichenden Angebote   der Arbeitgeberseite &#8211; 120 Euro Lohnerh&#246;hung jetzt und die weitere   Erh&#246;hung bis 2016 &#8211; abdeckt. In der konkreten Auseinandersetzung   zwischen einer k&#228;mpferischen und streikenden Belegschaft, die f&#252;r eine   schnelle und deutliche Lohnerh&#246;hung k&#228;mpft, und einer Gesch&#228;ftsleitung,   die angesichts des Streiks zu Zugest&#228;ndnissen gezwungen ist, diese aber   begrenzt halten will, nimmt der Landesvorstand keine Position f&#252;r den   Streik ein. Im Gegenteil: seine gr&#246;&#223;te Sorge scheint der Streik an sich   zu sein, denn Wolfgang Albers&quot; Erkl&#228;rung tr&#228;gt den Titel: &#8222;Schnelle   Einigung an Charit&#233; w&#252;nschenswert.&#8220;. Nicht etwa: &#8222;Unterst&#252;tzt den Streik   an der Charit&#233;!&#8220;<\/p>\n<p>  DIE LINKE, und vor ihr die PDS, im Berliner Senat hat eine traurige   Bilanz von Lohndumping und arbeitnehmerfeindlicher Politik im   &#246;ffentlichen Dienst. Nicht zuletzt hatte der Senat den Tarifvertrag f&#252;r   das Land Berlin 2003 einseitig gek&#252;ndigt und die Besch&#228;ftigten zu   massiven Lohnk&#252;rzungen gezwungen. Stellen wurden beim Land Berlin   abgebaut und auch die Ausgr&#252;ndung des technischen Charit&#233;-Personals in   die CFM &#8211; mit allen Folgen f&#252;r L&#246;hne und Arbeitsbedingungen &#8211; hat der   rot-rote Senat zu verantworten. Konfrontiert mit einer k&#228;mpfenden   Belegschaft und faktischem Personalmangel (weil viele Pflegekr&#228;fte nicht   mehr bereit sind, zu solchen Niedrigl&#246;hnen zu schuften) hat der   Arbeitgeber nun gar keine andere Wahl, als Zugest&#228;ndnisse zu machen. Die   Frage ist nur, ob diese ausreichend sein werden, um die KollegInnen   zufrieden zu stellen und ihre Lage merklich zu verbessern. Dazu &#228;u&#223;ert   sich der LINKE-Landesvorstand nicht. Faktisch h&#228;lt er damit dem   Arbeitgeber den R&#252;cken frei, Druck auf die Streikenden auszu&#252;ben und ein   m&#246;glichst niedriges Ergebnis auszuhandeln.<\/p>\n<p>  Solidarit&#228;t s&#228;he anders aus, denn Solidarit&#228;t ist vor allem etwas   Praktisches. W&#228;hrend SAV-Mitglieder und andere GewerkschafterInnen   t&#228;glich bei den Streikposten sind, um dies praktisch zu unterst&#252;tzen und   w&#228;hrend zweihundert Studierende am 5. Mai eine Solidarit&#228;tsdemonstration   durchf&#252;hrten, ist von der Partei DIE LINKE bei den Streikposten wenig zu   sehen. Und auch in der &#214;ffentlichkeit vermisst man Plakate, Flugbl&#228;tter,   geschweige denn eine Kampagne zur praktischen Solidarit&#228;t mit den   Streikenden. Ein Aufruf an Parteimitglieder zur praktischen   Unterst&#252;tzung hat mich bisher auch noch nicht erreicht. Bei der gro&#223;en   Streikdemo am 3.5. war nur eine handvoll LINKE-Mitglieder &#8211; neben den   SAV&quot;lerInnen &#8211; dabei. Als bei einer Demonstration am 5.5. einige   LINKE-Mitglieder ihre Fahnen ausrollten, ernteten sie w&#252;tende Reaktionen   von KollegInnen, weil diese die Partei eben nicht als aktive Kraft an   ihrer Seite erleben, sondern sie als Teil der Arbeitgeberseite sehen und   das Schwenken einer Fahne bei Streikaktionen dann eher danach aussieht,   als wolle DIE LINKE den Streik f&#252;r ihre Interessen nutzen, als ihn   tats&#228;chlich und praktisch zu unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Wenn DIE LINKE-F&#252;hrung in Berlin den Streik unterst&#252;tzen wollte, w&#252;rde   sie ihren Koalitionspartner eine klare Ansage machen: entweder die   Forderungen der Besch&#228;ftigten werden erf&#252;llt oder DIE LINKE verl&#228;sst die   Koalition! Das w&#252;rde nicht nur bei den Charit&#233;-KollegInnen die   Unterst&#252;tzung f&#252;r DIE LINKE sprunghaft steigen lassen, sondern bei allen   ArbeitnehmerInnen und Erwerbslosen, die die Nase voll haben von   Niedrigl&#246;hnen und prek&#228;ren Arbeitsbedingungen. Stattdessen liegt die   Partei in Umfragen f&#252;r die Abgeordnetenhauswahl mittlerweile bei circa   zehn Prozent. Warum? Weil niemand die Kopie braucht, wenn es auch das   sozialdemokratische und gr&#252;ne Original gibt und weil viele lieber gar   nicht w&#228;hlen gehen oder eine Kleinstpartei w&#228;hlen, als DIE LINKE f&#252;r   zehn Jahre prokapitalistische Armutsverwaltung und K&#252;rzungspolitik auch   noch zu belohnen.<\/p>\n<p>  Linke in der LINKEN sollten sich von der Unt&#228;tigkeit des Landesvorstands   nicht bremsen lassen und selbst&#228;ndig praktische Solidarit&#228;t f&#252;r den   Charit&#233;-Streik organisieren. Das w&#228;re auch ein geeignetes Mittel, um   eine linke Opposition im Berliner Landesverband zu st&#228;rken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Worth&#252;lsen statt praktischer Solidarit&#228;t\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14225"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14225"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14225\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14225"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14225"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14225"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}