{"id":14224,"date":"2011-05-05T05:00:00","date_gmt":"2011-05-05T05:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14224"},"modified":"2011-05-05T05:00:00","modified_gmt":"2011-05-05T05:00:00","slug":"14224","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/05\/14224\/","title":{"rendered":"Der Arbeitgeber ist unter Druck &#8211; Jetzt entschieden weiter machen"},"content":{"rendered":"<p>  Flugblatt der SAV Berlin zum Streik der Charit&#233;-KollegInnen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/h4>\n<p>  eure ersten Streiktage waren ein gro&#223;er Erfolg. Der Arbeitgeber ist   schon nach zwei Tagen unter massivem Druck, weil er erhebliche Verluste   aufgrund eures Streiks hat. Fast alle OP-S&#228;ale dicht, ein knappes   Drittel aller Betten bestreikt, geschlossene Rettungsstellen und und   und. Allein die ausgefallenen OPs kosten die Charit&#233; t&#228;glich 500.000   Euro!<\/p>\n<p>  Eure Entschlossenheit und Selbstbewusstsein waren auf der Kundgebung am   Dienstag un&#252;berh&#246;rbar. &#8222;Das einzige, was uns rettet, ist unser   Widerstand,&#8220; rief Carsten Becker gestern bei der Demo und bekam daf&#252;r   frenetischen Applaus. Eure Kampfbereitschaft macht KollegInnen in   anderen Krankenh&#228;usern Mut, wie gestern auf der Demo Vertreter von   Vivantes und anderen H&#228;usern berichteten. Die Bev&#246;lkerung ist sehr   solidarisch mit eurem Streik, was sich auch in einer bisher durchweg   positiven Medienberichterstattung niederschl&#228;gt.<\/p>\n<p>  Die erste Reaktion des Arbeitgebers, euch eine Angleichung der Geh&#228;lter   bis 2017 anzubieten ist eine bodenlose Frechheit. Die 300 Euro m&#252;ssen   voll durchgesetzt werden. Eine Angleichung bis 2017 w&#252;rde bedeuten, euch   jedes Jahr ein Sechstel zuzugestehen und euch von der bundesweiten   Lohnentwicklung weiter abzukoppeln. Daf&#252;r seid ihr nicht in den Streik   getreten! Es ist richtig, dass der Streik trotz Gespr&#228;che fortgesetzt   wird. Der Arbeitgeber hat ein Interesse daran, dass ihr euren   Arbeitskampf unterbrecht, weil er hofft damit eure Dynamik bremsen zu   k&#246;nnen. Es ist richtig, dass Bettina Weitermann von ver.di am Dienstag   verk&#252;ndete, dass die Arbeitskampfma&#223;nahmen nicht unterbrochen werden und   dass die KollegInnen &#252;ber alles informiert werden und dann demokratisch   entschieden werden soll, ob verhandelt wird. Aber auch wenn verhandelt   werden sollte: Es ist wichtig, den Druck von unten aufrecht zu erhalten   durch eine Fortsetzung des Streiks.<\/p>\n<h4>  Den Streik weiter st&#228;rken<\/h4>\n<p>  Euer Streik wird noch st&#228;rker, wenn sich mehr KollegInnen als bisher in   den Diskussionen &#252;ber die Streikstrategie und Ablauf einbringen. Setzt   euch auf den Stationen und Abteilungen zusammen und diskutiert, wie der   Streik l&#228;uft und wie er ausgeweitet werden kann. Aber auch das   gemeinsame t&#228;gliche Streikplenum ist wichtig. Dies sollte nicht nur   genutzt werden, um alle KollegInnen zu informieren und Transparenz &#252;ber   den Streikablauf herzustellen (was bisher schon sehr gut funktioniert),   sondern auch dazu, dass sich KollegInnen einbringen in die Debatte, wie   es weitergehen soll und ein wirklicher Austausch stattfindet. Das   Streikplenum soll auch der Ort sein, an dem gemeinsam entschieden wird,   das gilt besonders f&#252;r den Fall wenn ein Angebot des Arbeitgebers   vorliegt.<\/p>\n<p>  Das Streikplenum ist auch geeignet, um zu diskutieren, wie man es   erreichen kann, noch mehr KollegInnen der CFM in den Arbeitskampf   einzubeziehen und der Drohung des Arbeitgebers etwas entgegen zu setzen.   Wenn es nicht gelingt zeitgleich einen Tarifvertrag f&#252;r die   CFM-KollegInnen durchzusetzen, wird das negative Auswirkungen auf alle   KollegInnen haben. Dann wei&#223; der Arbeitgeber, dass sie weiter ausgr&#252;nden   k&#246;nnen und weiter Tarifflucht und Lohndumping betreiben k&#246;nnen. Viel die   heute noch unter den Tarifvertrag der Charite stehen, stehen es morgen   vielleicht nicht mehr. Damit muss Schluss sein! Die st&#228;rkste Waffe die   wir haben, ist unsere Solidarit&#228;t!<\/p>\n<h4>  Mehr KollegInnen einbeziehen<\/h4>\n<p>  Um euren Streik noch effektiver und wirkungsvoller zu machen, ist es   wichtig ist, dass sich jetzt noch mehr KollegInnen als bisher aktiv in   den Streik einbringen. Am Virchow und in Mitte wurden bereits die ersten   Transpis und Plakate gemalt. In Mitte gingen am Montag viele Trupps &#252;ber   die Stationen, um das Bestreiken von noch mehr Betten zu erreichen. Es   gibt Flugbl&#228;tter, die sich an Patienten und die Berliner Bev&#246;lkerung   richten, die von Trupps von KollegInnen in der Innenstadt verteilt   werden k&#246;nnen. Je mehr ihr in die &#214;ffentlichkeit geht und &#252;ber die   Gr&#252;nde f&#252;r euren Streik informiert, desto gr&#246;&#223;er wird die Solidarit&#228;t   mit euch und desto h&#246;her wird der Druck auf die Gesch&#228;ftsleitung und den   rot-roten Senat.<\/p>\n<p>  Viele wissen nicht, dass an der Charit&#233; L&#246;hne gezahlt werden, die weit   unter dem Niveau der L&#246;hne bei Vivantes und dem Bundesniveau liegen.   Viele wissen auch nicht, dass unter Rot-Rot die CFM ausgegr&#252;ndet wurde   und ihnen ein Tarifvertrag verwehrt wird. Das geschieht unter einem   Senat, der sich mit einem Vergabegesetz br&#252;stet, demzufolge &#246;ffentliche   Auftr&#228;ge nur zu einem Stundenlohn von 7,50 Euro vergeben werden d&#252;rfen.   Auch bei den Gewinngarantien an die privaten Anteilseigner der Berliner   Wasserbetriebe, RWE und Veolia oder bei der Beteiligung Berlins am   &#8222;Bankenrettungspaket&#8221;, hat der Senat offenbar das Motto &#8222;es ist kein   Geld da&#8220; kurzerhand vergessen.<\/p>\n<p>  Es muss endlich Schluss sein mit Tariffflucht und Lohndumping. Das kann   man Wowereit und Wolf auch deutlich machen, in dem man vorm Roten   Rathaus oder den Parteizentralen demonstriert.<\/p>\n<p>  ver.di Berlin sollte eine Kampagne starten, um euren Streik berlinweit   bekannt zu machen und Plakate in Solidarit&#228;t mit eurem Streik zu kleben.   Delegationen von Charit&#233;-KollegInnen k&#246;nnten KollegInnen anderer   Betriebe besuchen und &#252;ber den Streik informieren und die KollegInnen   zur Solidarit&#228;t auffordern.<\/p>\n<h4>  Das ganze System ist krank<\/h4>\n<p>  Die Politik der Bundesregierung ist nicht darauf ausgerichtet, das   Gesundheitssystem zu verbessern. Im Gegenteil: Alle letzten   Gesundheitsreformen &#8211; egal ob unter Rot-Gr&#252;n, Gro&#223;e Koalition oder jetzt   Schwarz-Gelb machen die Menschen kr&#228;nker und ziehen uns das Geld aus der   Tasche. Wir Versicherte sollen immer mehr draufzahlen, w&#228;hrend die   Arbeitgeber immer weiter einseitig entlastet werden und die   Pharmaindustrie Milliardengewinne einf&#228;hrt. Die Besch&#228;ftigten in den   Krankenh&#228;usern schuften immer mehr unter Arbeitsbedingungen, die sie   krank machen.<\/p>\n<p>  &#220;ber 150.000 Arbeitspl&#228;tze sind in den letzten zehn Jahren in den   Krankenh&#228;usern vernichtet worden, davon 50.000 in der Pflege. Dringend   notwendig ist ein Ausbau statt des Abbaus der Personalversorgung. Dazu   geh&#246;rt ein bundesweiter Tarifvertrag zur Personalbemessung und die   St&#228;rkung der Finanzierung des Gesundheitswesen bezahlt durch eine   einseitige Erh&#246;hung der Arbeitgeberbeitr&#228;ge. Alle geplanten   Privatisierungsschritte und Ausgr&#252;ndungen geh&#246;ren gestoppt. Bereits   privatisierte Kliniken m&#252;ssen wieder in &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt   werden.<\/p>\n<p>  Egal wo wir hinschauen: Das Gesundheitssystem ist ein Krankheitssystem.   Es geht nicht darum, Kranken und Hilfsbed&#252;rftigen zu helfen. Es geht um   Wettbewerb, Profit und Macht. Es ist doch Wahnsinn, dass sogar   &#246;ffentliche Krankenh&#228;user sich im Wettbewerb behaupten m&#252;ssen!<\/p>\n<p>  Der Patient wird zum Kunden. Nicht seine Gesundheit interessiert,   sondern die Ausbeutung seiner Krankheit f&#252;r den Profit. Absurderweise   wird es &#8222;profitabel&#8220;, wenn ein Mensch krank wird.<\/p>\n<p>  Mit den Fallpauschalen wird der Preis der Gesundheit eines Menschen   genau wie jede andere Ware kalkuliert und berechnet. Der damit   verbundene Wettbewerb f&#252;hrt zu &#220;berversorgung bei Behandlungen, die sich   &#8222;lohnen&#8220; und Unterversorgung bei Behandlungen, die sich nicht &#8222;lohnen&#8220;.<\/p>\n<h4>  Ursache Kapitalismus<\/h4>\n<p>  Der Grund f&#252;r diese M&#228;ngel liegt nicht daran, dass sie noch niemand   erkannt hat, sondern darin, dass der Kapitalismus nicht darauf abzielt,   die Bed&#252;rfnisse der Menschen und der Natur zu befriedigen, sondern   Profite zu generieren.<\/p>\n<p>  Das ist nicht nur im Gesundheitswesen der Fall, sondern auch in anderen   Bereichen: Auch nach Fukushima sind weitere 130 Atomkraftwerke in   Planung oder werden gerade gebaut. Unser Klima wird weiter zerst&#246;rt. F&#252;r   &#214;l werden immer noch Kriege gef&#252;hrt. Trotz immensem Reichtum w&#228;chst die   Schere zwischen Arm und Reich weiter an. Was f&#252;r ein Irrsinn!<\/p>\n<p>  Uns wird immer erz&#228;hlt, es sei kein Geld da f&#252;r bessere Bildung oder   Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig wurden den banken Milliarden in den   Rachen geworfen und den Hoteliers Steuergeschenke gemacht. Wir leben in   einem System, in dem f&#252;nf Euro mehr f&#252;r ALG-II-Empf&#228;nger nicht drin sind   und gleichzeitig die Unternehmenssteuern gesenkt und auf eine   Verm&#246;genssteuer verzichtet wird.<\/p>\n<p>  Aber: Wenn dieses System unseren Interessen nach guter Versorgung, einem   sicheren Arbeitsplatz, umweltschonender Produktion und einer Zukunft f&#252;r   unsere Kinder entgegenl&#228;uft, m&#252;ssen wir uns nach Alternativen umsehen.   Wenn nach den Bed&#252;rfnissen von Mensch und Umwelt produziert werden soll,   muss die Macht der Banken und Konzerne gebrochen und Gro&#223;unternehmen in   &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden, die demokratisch kontrolliert   und verwaltet werden. N&#246;tig ist eine sozialistische Ver&#228;nderung der   Gesellschaft. Erst dann k&#246;nnen Bedingungen entstehen, die Krankheiten   vermeiden und optimal heilen.<\/p>\n<p>  Damit ist klar, die Frage einer Alternative zum kranken Kapitalismus ist   eine politische Frage. Aber die Profituere des Kapitalismus werden nicht   einfach ihre Meinung &#228;ndern, dazu m&#252;ssen wir uns organisiseren und sie   zwingen. Eine k&#228;mpferische sozialistische Partei von ArbeitnehmerInnen,   Arbeitslosen und Jugendlichen ist n&#246;tig. SAV-Mitglieder setzen sich in   der Partei Die LINKE f&#252;r solche Positionen ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Flugblatt der SAV Berlin zum Streik der Charit&#233;-KollegInnen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,14,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14224"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14224"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14224\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}