{"id":14217,"date":"2011-04-30T00:00:00","date_gmt":"2011-04-30T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14217"},"modified":"2011-04-30T00:00:00","modified_gmt":"2011-04-30T00:00:00","slug":"14217","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/04\/14217\/","title":{"rendered":"Emp&#246;rt und organisiert Euch!"},"content":{"rendered":"<p>Rede von Lucy Redler bei der Auftaktveranstaltung der Sozialismustage   2011<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Karl Marx und Friedrich Engels schrieben, dass es geschichtliche   Perioden gibt, in denen in einem ganzen Jahrzehnt so wenig passieren   kann wie an einem Tag. Dann &#8211; schrieben sie &#8211; gibt es wiederum Tage, in   denen sich die Ereignisse von zwanzig Jahren an einem Tag verdichten.<\/p>\n<p>  Wenn ich mir das Geschehen in der Welt betrachte, ging mir das in ersten   Monaten 2011 nicht nur an einem, sondern an mehreren Tagen so. Die Welt   ver&#228;ndert sich vor dem Hintergrund der tiefsten &#246;konomischen Krise seit   80 Jahren in atemberaubenden Tempo.<\/p>\n<p>  Staaten, die ein Musterbeispiel des Kapitalismus waren wie Irland,   stehen vorm Bankrott und niemand wei&#223; wie lange es den Euro in   derzeitigen Form noch geben wird<\/p>\n<p>  Herrscher. die jahrzehntelang an der Macht waren in der arabischen Welt   &#8211; wie Mubarak in &#196;gypten, einem Land mit der weltweit zehntgr&#246;&#223;ten Armee   &#8211; werden gest&#252;rzt und auf einmal scheint alles m&#246;glich zu sein.<\/p>\n<p>  Genau 25 Jahre nach Tschernobyl nimmt eine neue Atomkatastrophe ihren   Lauf.<\/p>\n<p>  Und die FDP ist f&#252;r den Atomausstieg.<\/p>\n<p>  Liebe Genossinnen und Genossen: Die Welt ist heute anders als im   Dezember 2010.<\/p>\n<p>  H&#228;tte man vor Fukushima in Deutschland gesagt, man solle die sieben   &#228;ltesten Meiler abschalten, w&#228;re es v&#246;llig normal gewesen, wenn Merkel   und Westerwelle gesagt h&#228;tten, dann gingen in Deutschland die Lichter   aus.<\/p>\n<p>  Das Tempo ist so schnell, dass man Ereignisse wie den Dioxinskandal oder   das ICE-Sommer-bis-Winter-Chaos bereits schon wieder fast vergessen hat<\/p>\n<p>  Eines haben jedoch all diese Ereignisse gemeinsam: Die Herrschenden sind   unf&#228;hig, ihr System zu managen. Sie sind unf&#228;hig Atomkatastrophen zu   verhindern, unf&#228;hig Wirtschaftskrisen, unf&#228;hig Lebensmittelskandale zu   verhindern.<\/p>\n<p>  Manche sind sogar unf&#228;hig ordentlich und clever abzuschreiben.<\/p>\n<p>  Aber von Karl-Theodor und Silvana Koch-Mehrin mal abgesehen, liegt der   Grund f&#252;r die Unf&#228;higkeit der Herrschenden nicht in unzul&#228;nglichen   pers&#246;nlichen F&#228;higkeiten, sondern darin, dass dieses System, dieser   Kapitalismus unf&#228;hig ist, unsere Bed&#252;rfnisse zu befriedigen.<\/p>\n<p>  Dieses System ist den h&#246;chsten Profiten und damit dem Chaos verpflichtet   und nicht einer demokratischen, effizienten und &#246;kologischen Planung.<\/p>\n<p>  Es ist Wahnsinn: Kein einziger Versicherungskonzern der Welt ist bereit   atomare Risiken zu versichern. Trotzdem werden auch nach Fukushima   weitere 130 Atomkraftwerke gebaut bzw sind in Planung.<\/p>\n<p>  Einige von euch haben vielleicht von dem franz&#246;sischen Essay &#8222;Emp&#246;rt   euch&#8220; von St&#233;phane Hessel geh&#246;rt. Hessel ist ein b&#252;rgerlicher   Intellektueller. Ich habe den Text heute mittag gelesen.<\/p>\n<p>  Davon wurden bis Februar 2011 mehr als eine Million Exemplare verkauft.   Und nicht, weil das Werk inhaltlich so weltbewegend ist, sondern weil   der Titel einen Nerv trifft. &#8222;Emp&#246;rt euch&#8220;.<\/p>\n<p>  Im britischen Guardian gab es vor kurzem eine neue Umfrage, der zufolge   nur sechs Prozent der Menschen in Europa gro&#223;es Vertrauen in ihre   Regierung setzen. Auf die Frage ob Politiker ehrlich sind, sagen nur   noch zehn Prozent in Deutschland ja.<\/p>\n<p>  Ich muss dazu sagen: Ich habe von diesen zehn Prozent lange niemand mehr   getroffen.<\/p>\n<p>  Immer mehr Menschen fragen sich zurecht, was das f&#252;r eine Welt ist, in   der wir leben.<\/p>\n<p>  In der es m&#246;glich ist, dass Millionen Menschen arbeitslos werden,   angeblich f&#252;r sie Rettungsschirme aufgespannt werden, die nur dazu   f&#252;hren, dass die Leute erst recht im Dauerregen stehen. Rettungsschirme,   die nur die deutschen, franz&#246;sischen und britischen Banken ins Trockene   holen.<\/p>\n<p>  Es ist richtig, was die Menschen in Island entschieden haben: Sie zahlen   nicht f&#252;r die Pleitebank Icesave. Sie zahlen nicht f&#252;r die Krise, die   sie nicht verursacht haben.<\/p>\n<p>  In welcher Welt leben wir eigentlich, in der ein Kriegstreiber wie   Obama, der gerade dem Einsatz von Drohnen in Libyen zugestimmt hat, den   Friedensnobelpreis erh&#228;lt?<\/p>\n<p>  In welcher Welt leben wir, in der die Hartz-IV Empf&#228;nger noch nicht mal   5 Euro mehr erhalten, w&#228;hrend die Bonuszahlungen in den Banken nur so   sprudeln?<\/p>\n<p>  Bei diesen Verh&#228;ltnissen kann man sich nur emp&#246;ren. Genossinnen und   Genossen: Wenn wir es aber bei Emp&#246;rung belassen, machen die da oben   fr&#246;hlich so weiter.<\/p>\n<p>  Guttenberg war doch nur der offensichtlichste Plagiator. In Wirklichkeit   ist doch die ganze Bundesregierung ein Plagiat, weil sie sich ihre   Gesetze von den Unternehmern diktieren l&#228;sst.<\/p>\n<p>  Und wenn sie mal gegen Konzerninteressen agieren, wie jetzt teilweise   beim Atommoratorium, dann nicht aus Menschenliebe, sondern weil sie   Sorge haben, dass sie wie die FDP vom Projekt 18 zum Projekt 1,8   tendieren.<\/p>\n<p>  Leider sickerte dann kurz vor den Landtagswahlen aus einer undichten   Stelle des schnellen Br&#252;ters Rainer Br&#252;derle, den man versehentlich noch   nicht vom Netz genommen hatte, durch, dass es nur darum gehe, ein   Abschmieren von CDU und FDP bei den Wahlen zu verhindern.<\/p>\n<p>  Merkel will uns nun weismachen, dass im Zweifel die Sicherheit Vorrang   habe!<\/p>\n<p>  Wir fragen sie, wo denn ihre Zweifel gewesen sind als es im Dezember   2001 im AKW Brunsb&#252;ttel zu einer Wasserstoffexplosion kam?<\/p>\n<p>  Die ganze &#220;berpr&#252;fung der Sicherheitsrisiken und auch die neue   Ethikkommission sind eine Farce.<\/p>\n<p>  Wir wissen, dass Atomkraft nicht sicher ist, nicht nur in den sieben   Altmeilern, sondern in allen AKWs. Deshalb fordern wir: Abschalten   sofort!<\/p>\n<p>  Nach Berechnungen der IPPNW (Internationale &#196;rzte f&#252;r die Verh&#252;tung des   Atomkrieges) und anderer gibt es bereits heute genug Energie, um alle   AKW sofort abzuschalten.<\/p>\n<p>  Daf&#252;r ist der weitere Aufbau einer Massenbewegung n&#246;tig.<\/p>\n<p>  Zu allen, die sagen, dass sich K&#228;mpfen nicht lohnt, k&#246;nnen wir eines   sagen: Diese Bewegung hat einen ersten Sieg errungen und den Druck auf   schwarz-gelb so erh&#246;ht, dass sie die sieben Altmeiler vom Netz nehmen   muss und Kr&#252;mmel nicht wieder hochf&#228;hrt. Das muss zum Ausgangspunkt   werden f&#252;r die Abschaltung aller AKWs jetzt zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  Das muss zum Ausgangspunkt werden, um die Macht der Konzerne zu brechen.   Jetzt wird es n&#228;mlich um die Frage gehen, wer die Energiewende denn   bezahlen soll.<\/p>\n<p>  Was f&#252;r eine Frechheit, dass die Atomkonzerne jetzt Horrorszenarien von   Preissteigerungen an die Wand malen!<\/p>\n<p>  Vor dem Hintergrund, dass die vier Atomriesen t&#228;glich eine Million Euro   pro AKW verdienen und gerade noch nicht mal mehr die Brennelementesteuer   zahlen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Es ist doch der Hammer, dass RWE jetzt damit rechnet, dass ihnen der   Ausstieg in Biblis auch noch Gewinne bescheren wird, weil das die   Strommenge verknappt und den Strompreis steigen l&#228;sst.<\/p>\n<p>  Das ist &#252;brigens derselbe Konzern, der uns hier in Berlin mit dem Segen   von Rot-Rot das Geld f&#252;r &#252;berteuerte Wasserpreise aus der Tasche zieht.   Das hei&#223;t: Egal ob Atomstrom oder Wasser: f&#252;r Profite zocken sie uns ab   und gehen &#252;ber Leichen.<\/p>\n<p>  N&#246;tig ist die Enteignung der Energiekonzerne, eine demokratisch geplante   Energieversorgung und eine demokratisch geplante Wirtschaft im Gegensatz   zu dem Chaos, dass der Kapitalismus t&#228;glich anrichtet.<\/p>\n<p>  Aber trotz des ersten Teilerfolgs: Wir k&#246;nnen uns nicht auf diese   Regierung verlassen, die bei ihrem Atomenergietreffen noch nichtmal   einen Zeitraum f&#252;r einen Ausstieg insgesamt genannt hat.<\/p>\n<p>  Deshalb ist es richtig und notwendig, dass f&#252;r den 28. Mai bundesweit zu   Gro&#223;demos in vielen St&#228;dten aufgerufen wird. Und im Juni zu Pfingsten   zur Blockade des AKW Brokdorf.<\/p>\n<p>  Der Druck innerhalb der Gewerkschaften muss gesteigert werden f&#252;r   Proteste und Arbeitsniederlegungen gegen Atomkraft, wie wir sie letztes   Jahr von der IGMetall gegen Schacht Conrad gesehen haben.<\/p>\n<p>  Diese Regierung ist Teil des Sicherheitsrisikos und muss weg. Aber wie   sieht es mit den Alternativen aus f&#252;r eine Regierung, die keine   Konzerninteressen vertritt, sondern die Interessen der arbeitenden und   erwerbslosen Bev&#246;lkerung, die sofort alle AKWs abschaltet, die Stuttgart   21 stoppt, einen Mindestlohn einf&#252;hrt, die Truppen aus Afghanistan   abzieht usw; kurz: die nach unseren Bed&#252;rfnissen und nicht im Interesse   der Profiteure regiert.<\/p>\n<p>  Derzeit profitieren ja die Gr&#252;nen am meisten bei den Wahlen. Das sind   dieselben Gr&#252;nen, die sich jetzt an der Seite der SPD in   Baden-W&#252;rttemberg entschieden haben, einen Volksentscheid zu Stuttgart   21 durchzusetzen, von dem bekannt ist, dass es sehr schwer werden wird,   das erforderliche Quorum zu erreichen. Das sind dieselben Gr&#252;nen, die an   der Seite der SPD, Hartz IV und die Agenda 2010 eingef&#252;hrt haben. Sie   waren es gemeinsam mit der SPD, die die Laufzeitverl&#228;ngerung von   schwarz-gelb erst erm&#246;glicht haben, weil ihr angeblicher Ausstieg   Laufzeiten von durchschnittlich 32 Jahren vorsah. Dieses   Ausstiegsszenario war ein Weiter-laufen Szenario! Es h&#228;tte ein deutsches   Fukushima im Jahr 2011 nicht verhindert!<\/p>\n<p>  Dass die Gr&#252;nen derzeit als Gewinner dastehen hat unterschiedliche   Gr&#252;nde. Ein Grund ist aber, dass DIE LINKE den Gr&#252;nen die Arena   &#252;berl&#228;sst. DIE LINKE hat nicht hinzu gewonnen aus den Bewegungen gegen   Stuttgart 21 und der Anti-Atombewegung. Der Hauptslogan der LINKE in   Baden-W&#252;rttemberg war monatelang: Mappus und Merkel spalten das Land.   Aber das Gegenteil war der Fall! Stuttgart 21 hat Zehntausende in einer   gro&#223;artigen Bewegung vereint.<\/p>\n<p>  Aber auch bei den Themen Anti-Atom und Eurokrise spielt DIE LINKE eine   v&#246;llig untergeordnete Rolle &#8211; programmatisch, aber auch in den   Bewegungen.<\/p>\n<p>  Die Parteirecht um Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch versuchen jetzt, die   Niederlage bei den Landtagswahlen f&#252;r einen Kurswechsel nach rechts und   eine Anbiederung an Rot-Gr&#252;n zu nutzen.<\/p>\n<p>  Dem muss die Parteilinke entschieden entgegen treten, sich als   Opposition zusammenschlie&#223;en und f&#252;r einen Kurswechsel nach links   k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  Klaus Ernst sagt k&#252;rzlich beim Hamburger Parteitag, DIE LINKE m&#252;sse sich   entscheiden, auf welcher Seite der Barrikade sie stehe &#8211; auf der Seite   der arbeitenden Menschen.<\/p>\n<p>  Das h&#246;rt sich ja gut an und ist auch richtig, aber die Realit&#228;t ist:   Viele Aktivisten finden die LINKe nicht auf Barrikaden wieder, sondern   haben das Gef&#252;hl, die Partei findet vor allem in Talkshows und im   Parlament statt und ist irgendwie normal wie die anderen Parteien auch,   nur einen Tick linker.<\/p>\n<p>  Es muss Schluss sein mit der fast ausschlie&#223;lich parlamentarischen   Orientierung. Das Motto muss sein: Raus aus Regierungen mit SPD und rein   in die K&#228;mpfe. Die Partei muss jetzt deutlich machen, dass die die   &#246;kologische Frage eine soziale Frage ist, denn wer bezahlt denn jetzt   f&#252;r die Energiewende? Die LINKE sollte offensiv die Enteignung der   Energiekonzerne ohne Entsch&#228;digung und die Verstaatlichung der   Energiekonzerne fordern. Aber nicht als staatliche Konzerne wie   Vattenfall, sondern unter der demokratischer Kontrolle und Verwaltung   durch die arbeitende Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<p>  DIE LINKE sollte ihre Forderungen in der Bewegung verbinden mit einer   scharfen Kritik am Kapitalismus und einer sozialistischen Alternative   zur Eurokrise, zum Hartz-Skandal, zur Jugendarbeitslosigkeit, zur   Klimakatastrophe.<\/p>\n<p>  Wenn DIE LINKE keinen Kurswechsel einleitet, dann k&#246;nnten auch in   Zukunft die Rechten wieder profitieren. Das haben wir gerade erst in   Finnland gesehen, wo die rechtspopulistischen &#8222;Wahre Finnen&#8220; auf 19   Prozent kamen.<\/p>\n<p>  In Deutschland &#252;bernimmt gerade Sarrazin den Part des Hetzers, der bei   Anne Will gegen&#252;ber einem Millionen-Publikum erkl&#228;ren darf, warum eine   Fl&#252;chtlingsschwemme aus Nordafrika drohen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Dass Sarrazin in der SPD bleiben darf ist ein richtiger Skandal. Die   Begr&#252;ndung ist, dass er keine sozialdarwinistischen Thesen verbreitet   habe und Migranten nicht habe diskriminieren wollen. Dass das eine L&#252;ge   ist, erf&#228;hrt man auf den ersten Seiten seines Buchs.<\/p>\n<p>  Doch auch wenn Sarrazin einem Teil der Herrschenden in Deutschland mit   seinen Thesen noch zu weit geht: Sie bereiten sich vor auf turbulentere   Zeiten und K&#228;mpfe auch in Deutschland vor und versuchen uns zu spalten   in Deutsche und Migranten.<\/p>\n<p>  Bisher ist es in Deutschland noch nicht zu gr&#246;&#223;eren Protesten an der   sozialen Frage gekommen.<\/p>\n<p>  Das liegt an der &#246;konomischen Sonderrolle Deutschlands, an der   bisherigen Vermeidung von Generalangriffen auf Kernschichten der   deutschen Arbeiterklasse und der Stillhaltepolitik der   Gewerkschaftsf&#252;hrung.<\/p>\n<p>  Aber frappierend ist doch, dass trotz dieser schwachen &#246;konomischen   Erholung niemand ein Gef&#252;hl von Aufschwung hat und die Regierung ke&#237;ne   neue Legitimit&#228;t gewonnen hat. Der Grund daf&#252;r ist, dass trotz   Aufschwung der Druck in Betrieben und die Prekarisierung weiter zunimmt.<\/p>\n<p>  Liebe Genossinnen und Genossen: Aber auch hier wird es zu K&#228;mpfen   kommen, wenn sich die wirtschaftliche Lage &#228;ndert und es zu einem   erneuten Eintauchen in die Krise kommt und Regierung nicht mehr   dieselben Mittel zur Abfederung der Krise mobilisieren kann wie zuvor.<\/p>\n<p>  M&#246;gliche Ausl&#246;ser daf&#252;r gibt es viele angefangen vom m&#246;glichen Platzen   der chinesischen Immobilienblase &#252;ber die Auswirkungen der Katastrophe   in Japan, einem neuen &#214;lpreisschock bis hin zur Intensivierung der   Bankenkrise.<\/p>\n<p>  Das was in S&#252;deuropa heute an Massenstreiks und an Aktionen des zivilen   Ungehorsams stattfindet, ist kein s&#252;deurop&#228;isches Ph&#228;nomen. Die globale   Krise macht nicht an L&#228;ndergrenzen halt, sondern kann das ganze System   ins Wanken bringen. Die Ereignisse in Nordafrika haben Revolutionen   zur&#252;ck auf die Tagesordnung gebracht.<\/p>\n<p>  Ich wei&#223;, dass viele von euch denken, dass das in Deutschland doch   superweit weg ist und es ewig dauern wird, bis Bewegungen wie in   S&#252;deuropa und Nordafrika nach Deutschland kommen.<\/p>\n<p>  Und ich behaupte nicht, dass in den n&#228;chsten vier Wochen Massenstreiks   in Deutschland auf der Tagesordnung stehen.<\/p>\n<p>  Aber: Lasst uns nicht den Fehler machen, uns von den Ereignissen   &#252;berraschen und &#252;berrollen zu lassen.<\/p>\n<p>  Wer von uns h&#228;tte denn vor sechs Wochen gedacht, dass im Herzen des   Imperialismus, in den USA, Zehntausende in Wisconsin den Platz vorm   Capitol als ihren Tahrirplatz bezeichnen<\/p>\n<p>  Wer von uns h&#228;tte erwartet, dass Polizisten dort zur Besetzung des   Capitols aufrufen?<\/p>\n<p>  Wer von uns h&#228;tte vor einem halben Jahr geglaubt, dass in den London   eine halbe Million Menschen protestieren?<\/p>\n<p>  Und wer von uns h&#228;tte erwartet, dass die Schwaben in einen monatelangen   erbitterten Kampf treten?<\/p>\n<p>  Das Beispiel der USA macht deutlich, dass politische Radikalisierung und   Bewusstseinsprozesse nicht an L&#228;ndergrenzen halt machen.<\/p>\n<p>  Genossen und Genossinnen: Lasst uns gemeinsam emp&#246;ren &#252;ber die Zust&#228;nde   in der Welt. Aber: Unsere Emp&#246;rung allein wird an den Mauern des   Reichstags abprallen.<\/p>\n<p>  Unsere Emp&#246;rung wird den Herren in den Konzernetagen bestenfalls ein   m&#252;des Schulterzucken abverlangen.<\/p>\n<p>  Unsere Emp&#246;rung wird Grube nicht davon abhalten, sein Immobilienprojekt   Stuttgart 21 durchzufechten.<\/p>\n<p>  Unsere Emp&#246;rung ist trotzdem wichtig, weil sie uns zusammenschwei&#223;t und   die Grundlage daf&#252;r bietet, dass wir von Emp&#246;rung dazu &#252;bergehen zu   k&#228;mpfen und uns zu organisieren.<\/p>\n<p>  Der Kapitalismus ist weltweit organisiert, mit Thinktanks, die Programme   f&#252;r das Kapital ausarbeiten, mit Staatsapparaten die ihre   Eigentumsverh&#228;ltnisse sch&#252;tzen und mit Regierungen, die die Drecksarbeit   machen.<\/p>\n<p>  Wir stehen in einem Wettlauf mit der Zeit, wenn wir uns die westliche   Intervention in Libyen ansehen, die Klimakatastrophe, die Atomrisiken,   die Verarmung und Verelendung in der Welt.<\/p>\n<p>  Liebe Genossinnen und Genossen: Bewegungen allein werden dieses System   nicht zu Fall bringen. Viele Menschen stimmen ja heute zu, dass man was   &#228;ndern m&#252;sse, aber dass sie nicht wissen wie. Das liegt daran, dass eine   Vorstellung von Alternativen fehlt und sie auch DIE LINKE f&#252;r Leute   nicht ausreichend bietet. Und es liegt daran, dass die Gewerkschaften   nicht &#8211; wie beim Lokf&#252;hrerstreik oder wie gerade an der Charit&#233; &#8211; als   Kampforganisationen gesehen werden. Diese Kluft zwischen Wut einerseits   und Unverst&#228;ndnis, wie man k&#228;mpfen kann, ist riesig.<\/p>\n<p>  Aber wir haben keine andere Chance, als diese L&#252;cke zu schlie&#223;en. Wir   haben keine andere Chance als darum zu k&#228;mpfen, die Gewerkschaften   wieder zu Kampforganisationen machen.<\/p>\n<p>  Wir haben aus meiner Sicht auch keine andere Chance, als um einen   Kurswechsel in der LINKEn zu k&#228;mpfen. Wir brauchen eine Strategie, wie   wir dies erreichen.<\/p>\n<p>  Ein Programm f&#252;r eine sozialistische Demokratie, ein Verst&#228;ndnis, warum   es in der Vergangenheit zum Stalinismus kam und warum die Revolutionen   im arabischen Raum gerade auf der Stelle treten.<\/p>\n<p>  Das CWI, dem die SAV angeschlossen ist, ist heute in 45 L&#228;ndern pr&#228;sent   und macht ein Angebot um sich zusammenzuschlie&#223;en auf marxistischer   Grundlage und sich zu organisieren.<\/p>\n<p>  Wir brauchen einen langen Atem und Kampfgeist, wie ihn unser vor kurzem   verstorbener Genosse Ga&#233;tan Kayitare wie wenig andere verk&#246;rpert hat.<\/p>\n<p>  Es geht um nicht weniger als darum, ein mafi&#246;ses System in Deutschland,   in &#196;gypten, in Wisconsin, in Italien, Irland, Frankreich, Portugal und   weltweit herauszufordern.<\/p>\n<p>  Liebe Genossinnen und Genossen: In Erinnerung an Ga&#233;tan Kayitare fordere   ich euch auf:<\/p>\n<p>  Emp&#246;rt euch! Aber vor allem k&#228;mpft und organisiert euch! F&#252;r eine   sozialistische Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede von Lucy Redler bei der Auftaktveranstaltung der Sozialismustage<br \/>\n      2011<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,27,104,106],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14217"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14217"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14217\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}