{"id":14207,"date":"2011-05-02T00:00:00","date_gmt":"2011-05-02T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14207"},"modified":"2011-05-02T00:00:00","modified_gmt":"2011-05-02T00:00:00","slug":"14207","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/05\/14207\/","title":{"rendered":"&#8222;Explosive Grundstimmung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Gespr&#228;ch mit Stephan Gummert von der ver.di-Betriebsgruppe* zum   Arbeitskampf an der Charit&#233; &#8211; ab heute streikt die Charit&#233; in Berlin<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Was fordert ihr im Tarifkonfikt?<\/h4>\n<p>  Die Hauptforderung ist ein Festbetrag von 300 Euro f&#252;r alle, denn dies   ist die Differenz zu anderen vergleichbaren Kliniken. Die Charit&#233; ist zu   einer Billiglohninsel verkommen. Wir fordern dies auch vor dem   Hintergrund von Entgeltsteigerungen beim &#228;rztlichen Dienst von 14,9   Prozent in den letzten zwei Jahren. Die Charit&#233; m&#246;chte diesen   Anpassungsprozess mit Mikrogehaltssteigerungen von j&#228;hrlich zwei Prozent   bis 2017 hinausz&#246;gern. Es gibt dann auch noch die eine oder andere   Baustelle des Haustarifvertrags zu richten. Wir haben Forderungen zur   besseren Verg&#252;tung von Nachtarbeit, zur tariflichen Besserstellung von   Teilzeitkr&#228;ften und die Honorierung von zus&#228;tzlichen Diensten auf dem   Schirm. Allerdings sind das die Forderungen vor dem Scheitern gewesen.   Nach einem Streik wird das Paket sicher neu geschn&#252;rt, denn w&#228;hrend der   Mobilisation kommen immer mehr Tarifforderungen aus der Belegschaft, die   dann ensprechend ber&#252;cksichtigt werden m&#252;ssten.<\/p>\n<h4>  92,9 Prozent votierten f&#252;r Streik. Wie ist die Lage nach der   Urabstimmung?<\/h4>\n<p>  Der sogenannte Leuchtturm Charit&#233; ist f&#252;r die Besch&#228;ftigten zu einer   Ruine geworden. Schlechte Arbeitsbedingungen, keine Perspektiven,   schlechte Verg&#252;tung, immer mehr Konflikte im Arbeitsalltag mit Patienten   und Angeh&#246;rigen haben eine explosive Grundstimmung erzeugt. Als wir im   M&#228;rz mit der Warnstreikmobilisierung begonnen haben, f&#252;hlte ich mich wie   ein Fackeltr&#228;ger, der nur noch zur bereits gelegten Z&#252;ndschnur gehen   musste. Viele Bereiche nutzen mittlerweile aktiv die M&#246;glichkeiten zur   Selbstinformation. Eine Facebook-Gruppe, die wir anl&#228;sslich der   drohenden Auseinandersetzung etablierten, explodierte im   Warnstreikverlauf von acht auf &#252;ber 300 Mitglieder. Wir stellen fest,   dass gerade junges Fachpersonal die Scheu vor Gewerkschaften und   Auseinandersetzungen verliert, aber eben dieses Personal orientiert sich   auch in andere Richtungen.<\/p>\n<h4>  Wie reagieren Patienten?<\/h4>\n<p>  Ich erlebe nur Zuspruch und Solidarit&#228;t. Angeh&#246;rige kamen zum   Warnstreik, um ihre Familienmitglieder zu versorgen, damit m&#246;glichst   viele Kolleginnen und Kollegen die Station verlassen konnten. Auf der   Warnstreikkundgebung im Wedding griff ein Patient der umk&#228;mpften   Kardiologie demonstrativ zum Mikrofon und versicherte den Streikenden   kurz nach seiner Schrittmacheranlage seine unbedingte Solidarit&#228;t. Ich   denke, wir werden sicherlich in den kommenden Streikdemonstrationen den   einen oder anderen gehf&#228;higen Patienten mit auf die M&#228;rsche nehmen. Zur   Not schieben wir ihn auch im Bett.<\/p>\n<h4>  In der ver.di-Betriebsgruppe habt ihr ja diskutiert, ab 2. Mai einen   gro&#223;en Streikauftakt zu organisieren. Was sind eure &#220;berlegungen?<\/h4>\n<p>  Es wollen alle mitmachen und da viele Prozesse klinikintern   abteilungs&#252;bergreifend verzahnt sind, macht es keinen Sinn, nur einzelne   Bereiche oder Campi zum Streik aufzurufen. Vorstand und Politik haben   die Charit&#233; als Ganzes br&#252;skiert. Aus diesem Grund sollte sich auch die   ganze Charit&#233; sofort bei Kampfma&#223;nahmen beteiligen k&#246;nnen. Streik findet   drinnen und drau&#223;en statt. Das Konzept beinhaltet Komplettschlie&#223;ungen   von Bereichen, Teilbettenschlie&#223;ungen, von systematischer   Personalreduzierung auf Nachtdienstniveau und das Bestreiken einzelner &#8211;   meist &#252;bernommener &#228;rztlicher &#8211; T&#228;tigkeiten. Wichtig ist, dass die   Tochterfirma, die alle Aspekte des Facility-Managements vereint,   ebenfalls demn&#228;chst die Urabstimmung einleitet, um dann Schulter an   Schulter mit uns zu k&#228;mpfen. Hier geht es um einen Erzwingungsstreik f&#252;r   einen Tarifvertrag und hier wird es im Arbeitskampf zu wunderbaren   Synergieeffekten kommen.<\/p>\n<h4>  Ihr steht ja auch im Konflikt mit einem SPD\/LINKE-Senat. Welche   Erfahrungen habt ihr mit &#8222;Rot-Rot&#8220;?<\/h4>\n<p>  Der Senat hat uns die Suppe eingebrockt. Analog zur Geschichte vom   Zauberlehrling muss er nun mit den Geistern umgehen, die er mit der   Tarifflucht seinerzeit rief. Die Haltung von Senat und Parteien, dass   sie mit einem Tarifkonflikt eigentlich wegen der Tarifautonomie nichts   zu tun h&#228;tten, ist besch&#228;mend, denn das Land ist der Eigent&#252;mer der   Charit&#233;. Eigentlich geh&#246;rt die Charit&#233; allen B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern   dieser Stadt und w&#252;rden diese gefragt, dann h&#228;tten wir auch eine   ausk&#246;mmliche Finanzierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gespr&#228;ch mit Stephan Gummert von der ver.di-Betriebsgruppe* zum<br \/>\n      Arbeitskampf an der Charit&#233; &#8211; ab heute streikt die Charit&#233; in Berlin\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,14,17],"tags":[237],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14207"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14207\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}