{"id":14205,"date":"2011-05-20T00:00:00","date_gmt":"2011-05-20T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14205"},"modified":"2011-05-20T00:00:00","modified_gmt":"2011-05-20T00:00:00","slug":"14205","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/05\/14205\/","title":{"rendered":"Gr&#252;ne Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>  Zum Aufschwung der Partei &#8222;Die Gr&#252;nen&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Nach Fukushima scheint sich der H&#246;henflug der Gr&#252;nen ebenso   ungebremst fortzusetzen wie der Absturz der FDP. Sie waren der einzige   Gewinner der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und in Baden-W&#252;rttemberg,   wo Winfried Kretschmann der erste &#8222;gr&#252;ne&#8220; Ministerpr&#228;sident eines   Bundeslandes wird. Was sind die Ursachen dieser Entwicklung, was ist von   neuen rot-gr&#252;nen (oder gr&#252;n-roten) Regierungen zu erwarten und welche   Rolle spielt DIE LINKE dabei?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg, G&#246;ttingen<\/i><\/h4>\n<p>  Der Neuaufschwung der sogenannten &#8222;&#214;ko-Partei&#8220; spiegelt zun&#228;chst vor   allem die Wut der Bev&#246;lkerung auf die Regierungsparteien, die das Land   den Kapitalbesitzern als Selbstbedienungsladen andienen.<\/p>\n<h4>  Ursachen<\/h4>\n<p>  Mit Ausnahme von Bremen waren die Gr&#252;nen in der Opposition und konnten   von dieser Unzufriedenheit profitieren, w&#228;hrend die Milliardengeschenke   der SPD an die Banken in der Gro&#223;en Koalition noch frischer in   Erinnerung sind. Die Gr&#252;nen haben diese Politik jedoch ebenso   mitgetragen wie die Hartz-Gesetze oder die Kriegseins&#228;tze der   Bundeswehr, sparten jedoch nicht mit Einzelkritik daran.<\/p>\n<p>  Das gilt vor allem f&#252;r das historische Markenzeichen der Gr&#252;nen, ihre   Forderung nach einem Ausstieg aus der Atomenergie, die heute auch von   Teilen anderer b&#252;rgerlicher Parteien unterst&#252;tzt wird. Dabei haben die   Gr&#252;nen in der Bundesregierung durch ihren Deal mit den Atomkonzernen das   Abschalten der Meiler verhindert und damit ihre &#8222;Unschuld&#8220; sogar in der   Atomfrage verloren. Erst die nachtr&#228;gliche Verl&#228;ngerung der Laufzeiten   durch Schwarz-Gelb erlaubte es ihnen, sich mit der Forderung nach   R&#252;ckkehr zum Atomk(n)onsens als Scheinopposition aufzuspielen. Diese   Erfahrungen sind durch die Ereignisse in Japan vielleicht in den   Hintergrund gedr&#228;ngt, aber keineswegs vergessen.<\/p>\n<p>  Daher konnte auch der Aufschwung der Gr&#252;nen die &#8222;Verdrossenheit&#8220;   gegen&#252;ber den etablierten Parteien nicht umkehren. Nur wenn &#8211; wie in   Baden-W&#252;rttemberg &#8211; der Sturz einer besonders verhassten schwarz-gelben   Landesregierung m&#246;glich erschien, stieg die Wahlbeteiligung. Im   Gegensatz zu ihrer Gr&#252;ndungsphase genie&#223;en die Gr&#252;nen auch in der   Anti-AKW-Bewegung weniger Vertrauen. Ihre soziale Basis besteht unter   anderem aus den &#8222;besserverdienenden&#8220; Mittelschichten, die fr&#252;her durch   die &#8222;sozialliberale&#8220; FDP gebunden wurden &#8211; und ist damit ebenso instabil.<\/p>\n<h4>  Regierungsperspektiven<\/h4>\n<p>  Besonders gef&#228;hrdet ist der R&#252;ckhalt der Gr&#252;nen dort, wo ihre Politik in   Regierungskoalitionen erneut einem Praxistest unterzogen wird. Sollte   unter einem gr&#252;nen Ministerpr&#228;sidenten in Baden-W&#252;rttemberg das   Spekulationprojekt Stuttgart 21 durchgezogen werden, stehen Kretschmann   und die Gr&#252;nen als Wortbr&#252;chige da. Daran k&#246;nnen auch   Regierungskompromisse &#252;ber Stresstests und Volksentscheide nichts   &#228;ndern. Hinzu kommen die sozialen Fragen, denen die Gr&#252;nen in der   Opposition noch ausweichen konnten. Die Wertverluste des   EnBW-Aktienpakets bei einer Abschaltung von Atommeilern und die Folgen   der sogenannten &#8222;Schuldenbremse&#8220;, der die Gr&#252;nen ja zugestimmt haben,   wird die gr&#252;n-rote Landesregierung mit Sozialk&#252;rzungen und   Stellenstreichungen auf die Bev&#246;lkerung abw&#228;lzen.<\/p>\n<p>  Wer die Reichen und Kapitalbesitzer nicht f&#252;r die Krise zur Kasse bitten   will, muss der Mehrheit der Bev&#246;lkerung die Rechnung pr&#228;sentieren. In   Bremen hat sich unter der gr&#252;nen Finanzsenatorin Caroline Linnert die   &#246;ffentliche Armut katastrophal gesteigert. Nun will sie sogar die   &#220;bernahme des kl&#228;glichen bundesweiten Abschlusses der Tarifgemeinschaft   deutscher L&#228;nder (TdL) verweigern. Rot-gr&#252;ne Landesregierungen setzen   den Sozial- und Stellenabbau &#228;hnlich brutal um wie die &#8222;rot-roten&#8220;   Koalitionsregierungen in Berlin und in Brandenburg.<\/p>\n<h4>  Die Rolle der LINKEN<\/h4>\n<p>  Die Wahlergebnisse der Gr&#252;nen sind weniger ein Vertrauensbeweis f&#252;r   deren Politik als ein &#8222;Armutszeugnis f&#252;r DIE LINKE&#8220;, wie es in der   Erkl&#228;rung der &#8222;Antikapitalistischen Linken&#8220; in NRW hei&#223;t. Die   Linkspartei wurde nicht als grunds&#228;tzliche Alternative zum b&#252;rgerlichen   Parteienkartell wahrgenommen, sondern als der parlamentarisch schw&#228;chste   Teil desselben.<\/p>\n<p>  In der Mobilisierung gegen Stuttgart 21 war sie ebenso wenig mit eigenen   Perspektiven und Initiativen sichtbar wie in der Massenbewegung f&#252;r die   sofortige Abschaltung aller Kernkraftwerke. Obwohl sich nach Fukushima   Hunderttausende gegen die Atommafia engagiert haben, verzichtete die   F&#252;hrung der LINKEN in ihren ersten Reaktionen fast vollst&#228;ndig auf die   Forderung, die AKW-Betreiber endlich zu entmachten und zu enteignen.   Erst jetzt mehren sich Stimmen und Ratsantr&#228;ge aus der LINKEN, die eine   Rekommunalisierung der Energiekonzerne auf die Tagesordnung setzen. In   den Landtagswahlk&#228;mpfen hat sich DIE LINKE eher als   Mehrheitsbeschafferin f&#252;r SPD und Gr&#252;ne angedient &#8211; und damit   tendenziell &#252;berfl&#252;ssig gemacht.<\/p>\n<p>  Die Konsequenz aus ihren ern&#252;chternden Wahlergebnissen kann deshalb nur   in einem antikapitalistischen Kurswechsel bestehen, anstatt weiterhin   Regierungsb&#252;ndnisse mit Parteien zu bef&#252;rworten, die &#8211; wie die Gr&#252;nen &#8211;   zum Bruch mit dem Kapital nicht bereit sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zum Aufschwung der Partei &#8222;Die Gr&#252;nen&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[237],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14205"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14205"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14205\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}