{"id":14204,"date":"2011-05-15T00:00:00","date_gmt":"2011-05-15T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14204"},"modified":"2011-05-15T00:00:00","modified_gmt":"2011-05-15T00:00:00","slug":"14204","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/05\/14204\/","title":{"rendered":"Der Euro und die Banken"},"content":{"rendered":"<p>  Gerettet werden sollen allen voran deutsche Banken<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Von den &#8222;Sorgenkindern&#8220; des Euro-Raums ist die Rede. Hilfe f&#252;r die   &#8222;Pleite-Staaten&#8220; sei notwendig &#8211; gerade wird ein &#8222;Rettungspaket&#8220; von 80   Milliarden Euro f&#252;r Portugal geschn&#252;rt. Aber wem wird dabei wirklich   geholfen? Die Bundesregierung hat weniger die portugiesischen   Besch&#228;ftigten als die deutschen Banken im Blick. Gerade ihre Kredite   stehen in Portugal und anderen L&#228;ndern auf dem Spiel.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Michael Koschitzki, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Deutsche Banken haben Kredite von 28,7 Milliarden Euro an Portugal   vergeben, das F&#252;nffache davon an das benachbarte Spanien. Nach Angaben   des SPIEGEL vom 14. Dezember 2010 belaufen sich die Auslandsforderungen   deutscher Finanzh&#228;user an Portugal, Spanien, Irland und Griechenland auf   insgesamt 388 Milliarden Euro. Wenn es in diesen Krisenl&#228;ndern zu einem   Staatsbankrott oder auch nur zu einer Umschuldung (zum Beispiel in Form   eines teilweisen Forderungsverzichts, eines sogenannten &#8222;haircuts&#8220;)   kommen w&#252;rde, m&#252;ssten die deutschen Banken massive Verluste hinnehmen.   Darum sind es gerade ihre Kredite, die mit den Rettungsma&#223;nahmen   abgesichert werden.<\/p>\n<h4>  Euro-Projekt im Interesse des deutschen Kapitals<\/h4>\n<p>  Wenn die deutschen Kapitalisten so in der Bredouille stecken, sind sie   dann nicht Opfer von Iren und S&#252;deurop&#228;ern, die jahrelang &#8222;v&#246;llig   verantwortungslos &#252;ber ihre Verh&#228;ltnisse gelebt&#8220; haben? Das hie&#223;e, die   wahren T&#228;ter zu Opfern zu machen. Schlie&#223;lich waren die Herren in den   deutschen Chefetagen die treibenden Kr&#228;fte bei der Einf&#252;hrung des Euro.   Und sie haben ja auch trefflich verdient.<\/p>\n<p>  Selbst das Bundesfinanzministerium stellt auf seiner Website fest:   Deutschland ist der gr&#246;&#223;te Nutznie&#223;er des Euro! Seit 1999, seit der   Schaffung der Euro-Zone, sind die deutschen Exporte um 48 Prozent   gestiegen. Die Gemeinschaftsw&#228;hrung hat dazu beigetragen, dass deutsche   Waren von Ende 1998 bis Anfang 2010 um zw&#246;lf Prozent billiger wurden,   w&#228;hrend sich die G&#252;ter Griechenlands um 13, die Spaniens um 15 Prozent   verteuerten. Das hat nichts mit &#252;berlegener Ingenieurskunst oder   genialen Produkten &#8222;Made in Germany&#8220; zu tun, sondern ist vor allem das   Resultat versch&#228;rfter Ausbeutung &#8211; die Reall&#246;hne stagnieren hier seit   zehn Jahren.<\/p>\n<p>  In dem Ma&#223;e, in dem die schw&#228;cheren Staaten ins Hintertreffen gerieten   und sich mehr und mehr verschuldeten, in dem Ma&#223;e stiegen die   Risikoaufschl&#228;ge bei der Kreditvergabe. Auch das nutzte den deutschen   Banken: &#8222;Es ist eben ein gro&#223;er Unterschied, ob man den Kredit f&#252;r eine   Stra&#223;e, einen Panzer oder einen Rentenzuschuss mit 3,2 Prozent wie in   Deutschland oder mit 7,8 beziehungsweise 10,2 Prozent wie in Portugal   oder Irland verzinsen muss&#8220; (Westfalenblatt vom 30. M&#228;rz). Eine   DGB-Studie sch&#228;tzt, dass deutsche Banken letztes Jahr sogar 3,6   Milliarden Euro netto an den Risikoaufschl&#228;gen verdienten.<\/p>\n<p>  Mit dem 500 Milliarden Euro teuren Rettungsschirm beziehungsweise den   &#8222;Hilfen&#8220; f&#252;r Griechenland, Irland und jetzt Portugal wird nun das Risiko   der Gl&#228;ubiger weiter abgefedert!<\/p>\n<h4>  Umverteilung<\/h4>\n<p>  In Folge der kapitalistischen Krise wurden Milliarden von Euro sowohl in   Bankenrettungspakete zur Absicherung fauler Kredite gesteckt als auch in   Konjunkturprogramme, von denen vor allem Konzerne profitierten. Dadurch   wurde die Staatsverschuldung enorm in die H&#246;he getrieben. Die   Schuldenkrise m&#252;ssen die irischen und portugiesischen genauso wie die   deutschen Besch&#228;ftigten ausbaden.<\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten der Schuldnerl&#228;nder werden derzeit mit K&#252;rzungen   &#252;berzogen. In Irland soll beispielsweise bis 2017 die H&#228;lfte aller   &#246;ffentlichen Ausgaben gek&#252;rzt werden, um die Staatsschulden zu   reduzieren. Die sogenannten Hilfen gehen mit Auflagen von Sparpaketen   einher, bei deren Nicht-Einhaltung Strafzahlungen f&#228;llig werden.<\/p>\n<p>  Aber die Ungleichgewichte, die verbesserte Wettbewerbssituation der   deutschen Wirtschaft gegen&#252;ber der Konkurrenz im Euro-Raum, wurden &#8211; wie   die Reallohnentwicklung zeigt &#8211; auch auf Kosten der deutschen   Arbeiterklasse herbeigef&#252;hrt. Hinzu kommt, dass Deutschland f&#252;r den   neuen Rettungsschirm neben Darlehen auch 22 Milliarden Euro direkt f&#252;r   das Grundkapital aufbringen soll. Das wird ebenfalls der arbeitenden   Bev&#246;lkerung und nicht den 800.000 Million&#228;ren abverlangt werden.<\/p>\n<h4>  Welcher Ausweg?<\/h4>\n<p>  Ob Dublin, Lissabon oder Berlin: Alle K&#252;rzungspakete zu Lasten der   Arbeiterklasse m&#252;ssen gestoppt werden. Laut einer Umfrage des &#8222;stern&#8220;   haben 60 Prozent der Bev&#246;lkerung in der Bundesrepublik gro&#223;e Angst, dass   die Euro-Rettung sie teuer zu stehen kommt. In Finnland hatte die rechte   Partei &#8222;Wahre Finnen&#8220; solche Sorgen mit nationalistischer Propaganda   aufgegriffen und 19 Prozent bei den Wahlen erzielen k&#246;nnen (die Linke   Allianz fiel von 8,8 auf 8,1 Prozent zur&#252;ck, auch weil sie bei Protesten   &#252;berhaupt keine Rolle spielt).<\/p>\n<p>  Das zeigt, wie n&#246;tig eine k&#228;mpferische antikapitalistische Alternative   ist. H&#246;chste Zeit, dass DIE LINKE hier offensiv nicht nur die   &#220;berf&#252;hrung aller Banken in &#246;ffentliches Eigentum fordert, sondern auch   entschieden f&#252;r eine demokratische Kontrolle und Verwaltung dieser   Unternehmen durch die arbeitenden Menschen eintritt. Anstatt die   Bev&#246;lkerungsmehrheit f&#252;r die kapitalistische Krise bluten zu lassen,   sind Investitionen in Arbeit, Bildung, Gesundheit und Soziales notwendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gerettet werden sollen allen voran deutsche Banken\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46,127],"tags":[237],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14204"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14204"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14204\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}